La gazza ladra (Die diebische Elster) ist eine Opera semiseria (Originalbezeichnung: „Melodramma“) in zwei Akten von Gioachino Rossini auf ein Libretto von Giovanni Gherardini nach La pie voleuse, ou La servante de Palaiseau, einem am 20. April 1815 im Pariser Théâtre de la Porte Saint-Martin uraufgeführten „mélodrame historique“ in drei Akten und in Prosa von Louis-Charles Caigniez und Théodore Badouin d’Aubigny. Die Uraufführung von Rossinis Oper fand am 31. Mai 1817 im Teatro alla Scala in Mailand statt.

Handlung

Der Ort der Handlung ist ein Dorf in der Nähe von Paris zur Zeit der napoleonischen GegenrevolutionAlberto Zedda: Werkinformationen in der Beilage zur CD Naxos 8.660369-71, abgerufen am 22. Januar 2023. Anfang des 19. Jahrhunderts.

Der Pächter Fabrizio Vingradito und seine Frau Lucia bereiten eine Feier für die Heimkehr ihres Sohnes Giannetto vor. Auch das Dienstmädchen Ninetta erwartet die Rückkehr ihres Geliebten Giannetto und die ihres Vaters Fernando, der jedoch steckbrieflich gesucht wird. Als Ninetta dem Podestà Gottardo den Steckbrief vorliest, fälscht sie beim Lesen die Personalien des Fahnenflüchtigen. Fernando hatte seiner Tochter Ninetta einen Silberlöffel zukommen lassen, den sie zu Geld machen soll. Deswegen verkauft sie den Löffel dem Händler Isacco. Sie wird fälschlicherweise des Diebstahls bezichtigt, nachdem Lucia den Verlust eines Silberlöffels feststellen musste. Der Podestà lässt die Beschuldigte in einen Kerker sperren. Ihr droht die Todesstrafe.

Fernando will Ninetta unter Einsatz seines Lebens befreien, wogegen sie von Giannetto gedrängt wird, die Wahrheit zu offenbaren. Doch Ninetta bleibt unbeugsam. Sie wendet sich an Pippo, der ihr Eigentum zugunsten von Fernando verkaufen soll. Das Gericht verurteilt Ninetta zum Tode. Sie wird zur Exekution geführt. Eine Elster stiehlt dem Pippo ein Goldstück. In ihrem Nest kann er daraufhin nicht nur die Münze, sondern auch den Silberlöffel aus dem Haushalt Fabrizios finden. Im letzten Moment kann durch den Unschuldsbeweis die Exekution verhindert und Ninetta rehabilitiert werden. Auch Fernando wird durch einen Erlass des Monarchen, „per un ordine firmato dal monarca“, begnadigt.

Erster Akt

Weiter Hof im Haus Fabrizios.

Vorne ein ländliches Tor mit einer Laube; an einem Pfeiler ein offener Vogelkäfig mit einer Elster. Im Hintergrund zur Mitte hin ein vergittertes Tor als Eingang zum Hof. In der Ferne einige Hügel

Szene 1. Der Pächter Fabrizio Vingradito und seine Frau Lucia bereiten eine Feier für ihren Sohn Giannetto vor, der als ein Kriegsheld heimkehren wird (Introduktion: „Oh, che giorno fortunato!“). Dienstleute tragen Geschirr, Lebensmittel und Wein aus dem Haus. Der Bauernbursche Pippo ärgert sich über die Elster, die seinen Namen gerufen hat. Als wenig später die Rede darauf kommt, dass Giannetto sich eine Frau nehmen soll, ruft sie den Namen des Dienstmädchens Ninetta. Fabrizio versucht, die Elster zu liebkosen, wird aber von ihr gebissen. Lucia und Fabrizio ziehen sich zurück, um weitere Vorbereitungen zu treffen.

Szene 2. Ninetta kommt mit einem Korb voller Erdbeeren. Sie erwartet freudig die Rückkehr ihres Geliebten Giannetto und ihres Vaters Fernando (Cavatine: „Di piacer mi balza il cor“). Fabrizio kehrt mit Obst aus dem Garten zurück. Lucia bringt ein Körbchen mit Besteck und weist Ninetta an, gut darauf achtzugeben, da schon einmal eine Gabel verlorengegangen war. Lucia und Fabrizio entfernen sich wieder. Ninetta schließt das Tor und betritt das Haus.

Szene 3. Der Händler Isacco erscheint mit seinem Kramladen, um verschiedene Sachen anzupreisen (Cavatine: „Stringhe e ferri da calzette“). Pippo schickt ihn fort.

Szene 4. Ninetta kommt mit Blumen für den Tischschmuck zurück. Von ferne erklingen ländliche Musik und die Begrüßungsrufe der Landleute für Giannetto (Chor: „Ma qual suono! / Viva! Viva!“). Pippo läuft ins Haus, um die Dienstleute herbeizurufen.

Szene 5. Giannetto erscheint mit den Landleuten. Pippo kommt mit dem Personal zurück. Giannetto und Ninetta fallen sich in die Arme (Cavatine Giannetto: „Vieni fra queste braccia“). Wein wird ausgeteilt, und alle stoßen miteinander an (Brindisi: „Tocchiamo, beviamo“). Anschließend entfernen sich die Landleute. Giannetto, Fabrizio und Lucia machen sich auf den Weg zu Giannettos Onkel.

Szene 6. Unterdessen nähert sich Ninettas Vater Fernando vorsichtig. Er teilt seiner Tochter mit, dass er gesucht werde (Rezitativ „Ieri, sul tramontar del sole“). Sein Rittmeister habe ihm den beantragten Urlaub verweigert. Darauf sei es zum Streit gekommen. Er habe vor Zorn den Degen gezogen, wurde aber entwaffnet und daraufhin zum Tode verurteilt. Die Flucht sei ihm nur mit Hilfe von Freunden gelungen. Ninetta und Fernando beklagen sein grausames Schicksal (Duett: „Come frenar il pianto“). In diesem Moment bemerken sie den Podestà (Bürgermeister) Gottardo. Fernando hüllt sich in seinen Mantel und setzt sich an die entfernteste Ecke des Tischs. Ninetta macht sich daran, den Tisch abzuräumen.

Szene 7. Während er sich nähert, besingt der Podestà seine Liebe zu Ninetta und seinen Plan, sie für sich zu gewinnen (Cavatine „Il mio piano è preparato“). Nachdem er sie begrüßt hat, stellt Ninetta ihm ihren Vater als armen Wanderer vor. Der stellt sich schlafend, beobachtet aber alles ganz genau. Der Podestà unternimmt einige ungeschickte Annäherungsversuche an Ninetta.

Szene 8. Giorgio, ein Diener des Podestà, bringt ihm ein Schreiben des Gerichtsschreibers Gregorio.

Szene 9. Der Podestà öffnet den Brief, kann aber seine Brille nicht finden. Unterdessen gibt Fernando seiner Tochter etwas Silberbesteck, dass sie für ihn verkaufen soll, um Geld für seine Flucht zu erhalten. Das Geld soll sie in einem Kastanienbaum verstecken. Da der Podestà ohne Brille den Brief nicht entziffern kann, bittet er Ninetta, ihn vorzulesen. Sie erkennt, dass es sich um den Steckbrief ihres Vaters handelt und fälscht beim Lesen dessen Beschreibung (Szene: „M’affretto di mandarvi i contrassegni“). Der Podestà lässt den ihm verdächtigen Fernando aufstehen. Da er der Beschreibung nicht entspricht, schickt er ihn fort. Fernando versteckt sich hinter einem Türpfeiler, begleitet von den Blicken Ninettas (Terzett: „Oh nume benefico“). Erneut macht der Podestà ihr den Hof, handelt sich aber eine Abfuhr ein. Fernando tritt wieder hervor, um ihn wütend zu beschimpfen. Der Podestà schwört Rache und verlässt den Hof. Auch Fernando macht sich auf den Weg. Während Ninetta ihm nachschaut, kommt die Elster an den Tisch, stiehlt einen Löffel und fliegt davon.

Erdgeschosszimmer im Haus Fabrizios

Szene 10. Während Pippo und Ninetta mit Hausarbeiten beschäftigt sind, kehrt der Händler Isacco zurück. Ninetta schickt Pippo nach draußen, um den Vogelkäfig hereinzuholen. Unterdessen verkauft sie Isacco das Besteck ihres Vaters.

Szene 11. Auf Pippos Fragen antwortet Ninetta, dass sie Geld benötigt und deshalb ein paar Kleinigkeiten verkauft habe. Pippo entfernt sich.

Szene 12. Ninetta macht sich auf den Weg zum Kastanienbaum, um dort das Geld zu hinterlegen.

Szene 13. Lucia hat Ninetta abgefangen und führt sie zurück zum Haus. Auch der Podestà, der Gerichtsschreiber und Giannetto treten ein. Lucia stellt dem Podestà ihren Sohn vor. Anschließend lässt sie sich von Ninetta den Besteckkorb geben und zählt den Inhalt durch. Tatsächlich fehlt wieder ein Löffel. Giannetto beauftragt Pippo, draußen nach der Gabel zu suchen. Fabrizio will keine Gerichtsverhandlung in seinem Haus zulassen. Lucia jedoch verdächtigt Ninetta, und der Podestà weist darauf hin, dass auf Hausdiebstahl die Todesstrafe steht.

Szene 14. Pippo kehrt erfolglos zurück. Der Podestà geht davon aus, dass es sich tatsächlich um einen Diebstahl handelt. Während alle rätseln, wer der Dieb gewesen sein könnte, ruft die Elster den Namen „Ninetta“. Der Podestà lässt inzwischen den Tatbestand aufnehmen (Finale I: „In casa di Messere“). Er genießt diese Gelegenheit, sich so an Ninetta zu rächen. Als auch noch herauskommt, dass der steckbrieflich Gesuchte ihr Vater ist, kann Ninetta ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie zieht ihr Taschentuch heraus, um ihre Augen zu trocknen. Dabei fällt das von Isacco erhaltene Geld zu Boden. Pippo offenbart, das sie es von Isacco für den Verkauf einiger Gegenstände erhalten hatte.

Szene 15. Isacco wird hinzugeholt und nach den angekauften Gegenständen befragt. Diese kann er nicht mehr zeigen, da er sie bereits weiterverkauft hat. Er weiß nur noch, dass es eine Gabel und ein Löffel mit den Initialen „F“ und „V“ waren. Alle zeigen sich entsetzt über die Eindeutigkeit der Beweise (Tutti: „Mi sento opprimere“). Nur der Podestà triumphiert über seine so gewonnene Macht über Ninetta.

Szene 16. Gregorio kommt mit Gendarmen, um Ninetta festzunehmen. Gleichzeitig erscheinen die Landleute und die Familienangehörigen Fabrizios. Ninetta und Giannetto verabschieden sich angsterfüllt voneinander, bis sie gewaltsam getrennt werden. Ninetta wird abgeführt.

Zweiter Akt

Vorhalle des Gefängnisses im Gerichtshaus

Szene 1. Der mitfühlende Kerkermeister Antonio gestattet Ninetta Ausgang aus dem Gefängnis.

Szene 2. Ninetta bittet Antonio, Pippo zu ihr zu bringen. Zunächst aber bittet Giannetto um Einlass.

Szene 3. Giannetto drängt Ninetta, ihre Unschuld zu beweisen und die ganze Wahrheit zu erzählen. Sie befürchtet jedoch, ihren Vater dadurch in Gefahr zu bringen (Duett: „Forse un dì conoscerete“).

Szene 4. Antonio warnt vor der bevorstehenden Ankunft des Podestà. Giannetto geht fort, während Ninetta ins Gefängnis zurückkehrt.

Szene 5. Der Podestà lässt Ninetta holen. Er verspricht ihr, sie freizulassen, wenn sie sich von ihm küssen lässt (Arie: „Sì per voi, pupille amate“). Ninetta lehnt das entschieden ab. Der Chor erscheint, um den Podestà zur Gerichtssitzung abzuholen. Trommeln verkünden die Eröffnung des Gerichts. Der Podestà und der Chor begeben sich zum Gerichtssaal.

Szene 6. Antonio hat bemerkt, dass der Podestà sich nicht so verhält, wie er sollte. Pippo trifft ein. Ninetta bittet ihn, ihr Schmuckkreuz zu verkaufen und das Geld zur alten Kastanie zu bringen. Außerdem soll er Giannetto ihren Ring geben. Pippo verspricht, das Geld dort abzulegen. Das Kreuz aber will er zu ihrem Andenken selbst behalten (Rezitativ: „Deh, pensa che domani“ – Duett: „E ben, per mia memoria“).

Erdgeschosszimmer im Haus Fabrizios

Szene 7. Lucia hat Mitleid mit Ninetta (Szene: „Infelice Ninetta!“).

Szene 8. Als Fernando auftaucht, berichtet Lucia ihm von der Verhaftung seiner Tochter. Fernando ist entsetzt. Er will alles tun, um sie zu retten (Arie: „Accusata di furto“).

Gerichtssaal

mini|Alessandro Sanquirico: Bühnenausstattung des Gerichtssaals, Teatro alla Scala 1817

Szene 9. Das Gericht verurteilt Ninetta zum Tode (Rezitativ: „A pieno voti è condannata“). Die Richter ermahnen das Volk, sich das Urteil zu Herzen zu nehmen (Chor: „Tremate, o popoli“).

Szene 10. Die Anwesenden drücken ihr Entsetzen aus. Giannetto unternimmt einen letzten vergeblichen Versuch, Ninetta dazu zu bringen, die Wahrheit zu offenbaren (Anfang des Quintetts: „Ahi, qual colpo!“).

Szene 11. Fernando stürzt herein, um seine Tochter zu befreien. Er wird als Deserteur erkannt und festgenommen. Ninetta wird zum Richtplatz zur Exekution geführt (Fortsetzung des Quintetts).

Dorfplatz.

Auf der rechten Seite ein Kirchturm mit einer kleinen Brücke für Reparaturarbeiten. Links das große Tor zum Gerichtshaus. Dahinter eine Gasse, und gegenüber eine weitere, die hinter die Kirche führt. Ebenfalls links eine kleine Tür zum Haus Fabrizios

Szene 12.Die Szene 12 des zweiten Akts mit der Arie der Lucia fehlt im Libretto der Urfassung an dieser Stelle, wodurch sie die Nummerierung der folgenden Szenen um eins nach vorne verschiebt. Der Text ist stattdessen dem Libretto vorangestellt. Lucia betet um Rettung für Ninetta (Arie Lucia: „A questo seno“).

Szene 13. Ernesto, ein Freund Fernandos, fragt Pippo nach dem Weg zum Haus des Podestà.