Sparen (, ) ist in der Wirtschaftswissenschaft und in der Umgangssprache der Verzicht auf den Verbrauch von Einkommen oder Gütern und Dienstleistungen (Konsumverzicht) zwecks späterer Verwendung.

Etymologie Das Verb sparen stammt aus dem altgermanischen Verb „spar“, das für „bewahren“ oder „unversehrt erhalten“ stand.Günther Drosdowski, Duden-Etymologie: Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 1989, S. 685 Daraus entwickelte sich das althochdeutsche Verb „sparôn“ für „schonen“, „erhalten“ oder „aufschieben“.Gerhard Köbler, Etymologisches Rechtswörterbuch, 1995, S. 376 Im Sparvorgang liegt tatsächlich die Schonung von Geld vor seiner sofortigen Ausgabe oder das Aufschieben von Zahlungen. Seit dem 16. Jahrhundert lässt sich für Sparen eine neue Konnotation hin zur Ausrichtung in die Zukunft unter Verknüpfung mit Geld nachweisen.Wolfgang Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, M-Z, 1993, S. 1316 Abwandlungen zu Sparsamkeit oder Sparer als Person tauchten ebenfalls in dieser Zeit auf.Günther Drosdowski, Duden-Etymologie: Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 1989, S. 686

Allgemeines Sparen ist ein volks- und betriebswirtschaftlicher Vorgang. Spart ein Wirtschaftssubjekt (Privathaushalt, Unternehmen oder Staat), verbraucht es also weniger, als es verbrauchen könnte, entsteht eine Leistungsreserve.Fritz Voigt, Der volkswirtschaftliche Sparprozess, 1950, S. 17 Diese Leistungsreserve als Verzicht auf Verbrauchsmöglichkeiten kann zu künftigen Investitionen oder Erhöhungen des künftigen Lebensstandards führen. Der Sparbegriff betrifft betriebswirtschaftlich nicht nur das Geldsparen, sondern auch den temporären ganzen oder teilweisen Verzicht auf den Verbrauch von Gütern oder die Inanspruchnahme von Dienstleistungen. Werden beispielsweise in einem Unternehmen weniger Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe für die Produktion desselben Produkts eingesetzt, ohne dass dessen Produktqualität oder Funktionalität darunter leidet, ist hierin ebenfalls ein Sparvorgang zu sehen wie etwa beim Energiesparen. Dadurch lässt sich die Produktivität steigern und als Folge die Wirtschaftlichkeit verbessern.

Sparen beruht einerseits auf rationalen ökonomischen Überlegungen, andererseits ist Sparen ein sozial anerkanntes Ziel, welches durch die Normen der sozialen Umgebung und durch die Erziehung geprägt wird.Dieter Frey/Lutz von Rosenstiel/Niels Birbaumer/Julius Kuhl/Wolfgang Schneider/Ralf Schwarzer (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie: Band 6: Wirtschaftspsychologie, 2007, S. 123 Dabei lassen sich die Attribute von Sparern und Nicht-Sparern deutlich unterscheiden.Dieter Frey/Lutz von Rosenstiel/Niels Birbaumer/Julius Kuhl/Wolfgang Schneider/Ralf Schwarzer (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie: Band 6: Wirtschaftspsychologie, 2007, S. 127 ff. Sparer sind im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Situation optimistischer, sind zudem der Auffassung, ihre Finanzen unter Kontrolle zu haben, und sind mit ihrem Lebensstand zufriedener.

Begriffsinhalte des Sparbegriffs Der allgemeine Begriff „Sparen“ kann sehr unterschiedliche Bedeutungen aufweisen. Je nachdem, in welchem Kontext der Begriff benutzt wird, kann er mindestens folgende fünf unterschiedlichen spezifischen Sachverhalte bezeichnen:Rolf-Dieter Grass/Wolfgang Stützel, Volkswirtschaftslehre - eine Einführung auch für Fachfremde.´, München: Vahlen, 1988, S. 365 Die in einem Geldbetrag angebbare Differenz zwischen Einkommen/Periode () und Konsum () derselben Periode (in gängiger Abkürzung: ). In den präzisen Kategorien der Buchhaltung entspricht dies der Reinvermögensbildung pro Periode (für Unternehmen heißt das: dem Gewinn), der sich aus der Sachvermögensbildung zuzüglich der Nettogeldvermögensbildung ergibt. Das Gegenteil davon ist „Entsparen“, mehr verbrauchen als man erwirtschaftet hat, Verringerung des Reinvermögens. Das Sparen einer geschlossenen Volkswirtschaft entspricht deren Investition (Sachvermögensbildung), da das Nettogeldvermögen einer geschlossenen Volkswirtschaft immer Null beträgt. In einer offenen Volkswirtschaft ergibt sich aus der inländischen Investition (Sachvermögensänderung) zuzüglich des Leistungsbilanzsaldos einer Periode.Wolfgang Cezanne: Allgemeine Volkswirtschaftslehre. München: Oldenbourg Verlag 2005, S. 241 (online) Die ebenfalls in einem Geldbetrag angebbare Differenz zwischen Einnahmen/Periode und Ausgaben derselben Periode; in den Kategorien der doppelten Buchhaltung also Nettogeldvermögensbildung. Das Gegenteil davon ist „Nettogeldvermögensverringerung“; mehr für Konsum und/oder Sachinvestitionen ausgeben als man durch Verkäufe von Leistungen oder eigenen Sachvermögensbeständen eingenommen hat. Die Nettogeldvermögensbildung einer offenen Volkswirtschaft entspricht ihrem Leistungsbilanzsaldo, der ihr Nettoauslandsvermögensbestand ändert. Die nicht so einfach statistisch abzählbare Aktivität, vorhandene flüssige Mittel längerfristig zu binden, also anzulegen, beispielsweise indem man Sichteinlagen in zinstragende Termineinlagen oder Unternehmensanleihen wandelt, z. B. Schuldverschreibungen eines Investmentfonds. In einer offenen Volkswirtschaft können z. B. inländische Devisenbestände in ausländische Staats- oder Unternehmensanleihen gewandelt werden. Die in einem Geldbetrag angebbare Differenz zwischen den (höheren) Konsumausgaben einer früheren und den (niedrigeren) Konsumausgaben einer späteren Periode; „Einschränkung“ des Konsums nicht gegenüber dem gleichzeitigen Einkommen (Konsumverzicht), sondern gegenüber dem früheren Konsum. Das Gegenteil davon ist die Erhöhung des Konsums. Die nicht statistisch in Geldbeträgen ablesbare Aktivität, Einsatzfaktoren zur Erreichung eines bestimmten Produktions- oder Konsumziels möglichst sparsam, „rationell“, „effizient“ einzusetzen. Das Gegenteil davon ist die Vergeudung von Mitteln. Angesichts der Mehrdeutigkeit des Begriffs ergeben sich häufig unnötige Missverständnisse oder sogar Theoriefehler dadurch, dass nicht genau spezifiziert wird, welche dieser Bedeutungsmöglichkeiten genau gemeint ist.Johannes Schmidt, Sparen – Fluch oder Segen? Anmerkungen aus einem alten Problem aus Sicht der Saldenmechanik, in: Martin Held/Gisela Kubon-Gilke/Richard Sturn (Hrsg.), Lehren aus der Krise für die Makroökonomik, Jahrbuch normative und institutionelle Grundfragen der Ökonomik (Vol. 11), Marburg: Metropolis, 2012, S. 61–65

Geschichte Solange es Güter oder Geld als Zahlungsmittel gibt, kennt man auch den Vorgang des Sparens. Im frühen Tauschhandel dienten Getreide, Vieh, Muscheln, Silber oder Gold als Geldersatzmittel. Wurden diese nicht oder nicht vollständig ausgegeben, lag ein Sparvorgang vor. Der Sparbegriff war zu jener Zeit ausschließlich mit konkreten Gegenständen verbunden. Vor dem Durchbruch der Geldwirtschaft hatte Sparen bis auf die Lagerung von Erntegütern jedoch eine äußerst marginale Bedeutung.Felix Wilke, Sparen aus Ungewissheit: der Erhalt von Handlungsoptionen als Antrieb individueller Sparentscheidungen, 2010, S. 6 Im Mittelalter schlachteten die Bauern ihr Vieh im November und Dezember, um an den Wintertagen das Viehfutter zu sparen, und pökelten das Fleisch ein.Hans-Werner Goetz, Leben im Mittelalter: Vom 7. bis zum 13. Jahrhundert, 1986, S. 155 Im Mai 1504 mahnte Ludwig von Eyb der Jüngere den Pfalzgrafen Ruprecht, beim Landshuter Erbfolgekrieg nicht an Geld zu sparen, denn es seien noch genügend böhmische Söldner zu haben.Sven Rabeler, Niederadlige Lebensformen im späten Mittelalter, 2006, S. 307 Der Kameralist Georg Obrecht verlangte 1617 in seinem BuchGeorg Obrecht, Fünff Vnderschiedliche Secreta Politica, 1617 eine Art Zwangssparen, wonach Väter bei Geburt eines Kindes einen zu 6 % verzinslichen Betrag bei einer „Kindersparkasse“ einzuzahlen hatten, der auszuzahlen war, sobald der Sohn das 24. und die Tochter das 18. Lebensjahr erreicht hatte.Fritz Voigt, Der volkswirtschaftliche Sparprozess, 1950, S. 149 Der Ökonom Johann Joachim Becher schlug im Jahre 1673 eine „Besoldungs-Cassa“ vor, die die Funktion einer Zwangssparkasse für alle staatlichen Angestellten übernehmen sollte.Johann Joachim Becher, Politischer Discurs: Von den eigentlichen Ursachen deß Auf- und Ablebens der Städt, Länder und Republicken, 1673

Mit dem Aufkommen der ersten kommerziellen Sparkassen während der Gründerzeit wurde das Sparen institutionalisiert, indem die Sparkassen mit ihrem Einlagengeschäft Spareinlagen, Termingelder, Sichteinlagen und später Sparkassenbriefen sowie anderen Anlageformen gegen Habenzinsen Spargelder annahmen. Die ersten, artverwandten Vorläufer der Sparkassen hießen noch „Waisenkassen“ oder „Leihkassen“ wie beispielsweise die 1749 von der Reichsabtei Salem zur Verwaltung von Waisenrenten eingerichtete Kasse. Durch ihre Fristentransformation brachten die Sparkassen auf dem Finanzmarkt die unterschiedlichen Laufzeitinteressen von Sparern und Kreditnehmern in Einklang. Nachfolgend verbreitete sich das Sparen auch bei den Banken.

Adam Smith sah in seinem Hauptwerk Der Wohlstand der Nationen vom März 1776 das Sparen als Faktor der Wohlstandssteigerung und ging davon aus, dass Sparen nur durch einen Anreiz – den Kapitalprofit (Sparzins) – entstehe. „Nun wendet man aber sein Kapital nur um des Profites willen auf die Erwerbstätigkeit…“, „doch der Grundsatz, der zum Sparen treibt, ist das Verlangen, unsere Lage zu bessern…“.Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, 1776, S. 235 f. David Ricardo fasste Sparen als Kapitalakkumulation auf und ging im Oktober 1814 davon aus, dass Ersparnisse investiert werden.David Ricardos Brief an Thomas Robert Malthus vom 23. Oktober 1814 Thomas Robert Malthus hingegen wandte im Jahre 1820 ein, dass man auch zu viel sparen könne, eine bestimmte Sparquote eine Steigerung des Wohlstands gewährleiste und setzte Sparen mit der Beschäftigung gleich.Thomas Robert Malthus, Principles of Political Economy, 1820, S. 325 Der französische Feldherr Herzog von Orleans soll bei seiner Vermählung im Mai 1837 an 1760 Kinder Sparkassenbücher im Gesamtbetrag von zunächst 40000 Francs verschenkt haben.Wilhelm Roscher, Naturgeschichte der Monarchie, Aristokratie, Demokratie, 1933/2015, S. 476

Die Arbeitslosigkeit des 19. Jahrhunderts beruhte überwiegend auf dem Kapitalmangel in der Industrie, so dass die klassischen Ökonomen das Sparen als lebensnotwendig für eine Volkswirtschaft ansahen,Ulrich van Suntum, Die unsichtbare Hand: Ökonomisches Denken gestern und heute, 2005, S. 151 weil hierdurch der Kapitalbedarf der Industrie gedeckt werden konnte. Wilhelm Roscher erläuterte 1874 den Sparvorgang mit einer Parabel über Fischer, die nicht alle gefangenen Fische verbrauchten, dadurch Zeit gewannen, ein Fischernetz bauten und einige Tage nicht zum Fischfang ausfahren mussten.Wilhelm Roscher, Geschichte der Nationalökonomik in Deutschland, 1874, S. 21 ff. Inflation galt 1898 für Knut Wicksell als „erzwungenes Sparen“,Knut Wicksell, Geldzins und Güterpreise, 1898, S. 102 und 143 Robert Liefmann sah im Sparen im Jahre 1912 die „Umwandlung von Einkommen zu Kapital“.Robert Liefmann, Theorie des Sparens und der Kapitalbildung, in: Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft, 1912, S. 1565, 1579 Wicksell erkannte 1913 im Sparen den Austausch zweier Grenznutzen, denn „die Grenzproduktivität der ersparten Arbeits- und Bodenkraft ist größer als die der laufenden, wenigstens bis zu einer gewissen tatsächlich nicht erreichten Grenze“.Knut Wicksell, Vorlesungen über Nationalökonomie auf Grundlage des Marginalprinzipes, Band 1, 1913, S. 218