Lindow (Mark) ist eine Stadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg (Deutschland). Sie ist staatlich anerkannter Erholungsort und Sitz des Amtes Lindow (Mark).

Geografie Die Stadt liegt auf dem 13. Meridian östlicher Länge ca. 60 km nördlich von Berlin an der Deutschen Tonstraße im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land inmitten von Kiefern- und Mischwäldern auf einer Landbrücke, umgeben von drei Seen: dem Wutzsee, dem Gudelacksee und dem Vielitzsee.

Stadtgliederung Zur Stadt gehören folgende Ortsteile und Wohnplätze:Stadt Lindow (Mark) im Kommunalverzeichnis Brandenburg

Ortsteile Banzendorf Hindenberg Keller Klosterheide Schönberg (Mark)

Wohnplätze Birkenfelde Dampfmühle Grünhof Gühlen Kramnitz Kramnitzmühle Rosenhof Rudershof Siedlung Werbellinsee Sportschule Lindow Wilhelmshöhe

Geschichte mini|Karte von Lindow (1799) mini|Marktplatz und Straße des Friedens in Lindow

Von den Anfängen bis 1638 (Dreißigjähriger Krieg) Im Gebiet des Stadtkerns gab es eine frühdeutsche Siedlung. An den umgebenden Seen, darunter auch auf dem Werder im Gudelacksee, lagen im 11. und 12. Jahrhundert slawische Siedlungen. Um 1240 ließen die Grafen von Arnstein – später Lindow-Ruppin – auf einer Halbinsel am westlichen Ufer des Wutzsees ein Nonnenkloster des Zisterzienserordens anlegen. Dieses Kloster wurde vermutlich um 1230 im Temnitzgebiet am Südufer des Katerbowsees bei Netzeband gegründet. Möglicherweise gehörte es anfangs dem Prämonstratenserorden an. Wohl auf Betreiben der Ruppiner Grafen von Arnstein, die damals ihren Herrschaftsbereich nach Norden ausdehnten, erfolgte die Verlegung des Klosters an den heutigen Standort. Sie statteten das Kloster mit umfangreichem Landbesitz und mit Einkünften aus. Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts konnte der Klosterkonvent seinen Besitz bedeutend erweitern, so dass Lindow damals zu den reichsten Klöstern im Norden Brandenburgs gehörte.

Bald nach Gründung des Klosters, wohl um die Mitte des 13. Jahrhunderts, begann sich südlich davon, an einer vom Havelland nach Mecklenburg beziehungsweise in die Uckermark führenden Heer- und Handelsstraße eine städtische Siedlung zu entwickeln. 1373 werden „oppidum et monasterium Lyndow“ urkundlich genannt.

Anfangs reichte die Stadtanlage von der Klosterfreiheit (heute Platz der Einheit) bis an das Mühlenfließ zwischen Gudelacksee und Wutzsee. Als Pfarrkirche diente die Klosterkirche (heute Kirche unter freiem Himmel).

Wohl seit dem 14. Jahrhundert dehnte sich die Stadt nach Süden, entlang der Hauptstraße aus. An ihrem südlichen Ende, am Standort der heutigen Stadtkirche, erhielt die Neustadt eine eigene Pfarrkirche. Sie war ein Feldsteinbau, deren Holzturm, wie beim heutigen Kirchenbau an der Straße stand.

Das nunmehr ein langgestrecktes Oval bildende Stadtgebiet besaß einen unregelmäßigen Grundriss aus zwei Längsstraßen (heute Hauptstraße und Mittelstraße), die durch untergeordnete Querstraßen beziehungsweise - gassen verbunden wurden (Sandgasse, Dammstraße, Seestraße). An einer Gabelung lag der dreieckige Markt, dessen Mittelpunkt das frei stehende Rathaus bildete. Der westliche Abzweig der Hauptstraße führte nach Rheinsberg, der östliche nach Gransee. Dieser verließ an der nördlichen Platzecke die Stadt und folgte danach der westlichen Klostermauer. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sank er im morastigen Boden des Klosterluchs ein. Daraufhin wurde die Straßengabelung nach Norden an ihre heutige Stelle verlegt.

Aufgrund seiner Lage verfügte Lindow über keine durchgehende Stadtbefestigung und war lediglich teilweise von einem Wall und Graben umgeben. Davon ist bis heute der Feldgraben am südlichen und östlichen Rand des Stadtgebiets erhalten. Erst seit 1722 umschloss ein Palisadenzaun die Stadt.

Als Stadttore bestanden im Süden das Ruppiner Tor, im Norden an der Klosterfreiheit (später Amtsfreiheit) das Rheinsberger oder Granseer Tor und im Osten an der Klostermühle das Mühlentor. Hier erreichte eine von Berlin über Löwenberg kommende Straße Lindow, die als Pilgerweg weiter nach Wilsnack führte. 1530 lagen vor der Stadt zwei Wassermühlen, die Klostermühle und südlich am Rhin die Heringsmühle.

Im 16. Jahrhundert hatte Lindow ca. 650 Einwohner, die vor allem von Ackerbau, Fischerei und Handwerk lebten (u. a. 1563 Schuhmacher-, 1589 Gerber- und 1595 Tuchmacherzunft). Sie waren dem Nonnenkloster zu Abgaben und Dienstleistungen verpflichtet, das auch die obere Gerichtsbarkeit innehatte. Ein vom Kloster bestellter Lehnschulze, der zugleich Pächter des Lehngutes (später Waisenhof Mittelstraße 8) war, besaß das Untergericht.

Mit Einführung der Reformation übernahmen die Landesherren 1541 Besitz und Rechte des Klosters, das in ein Evangelisches Damenstift umgewandelt wurde. Als Mediatstadt unterstand Lindow fortan dem kurfürstlichen Amt, welches bis 1764 im Wirtschaftshof des Klosters ansässig war. Daneben gab es 1581 Rat und Stadtschreiberei, 1652 Bürgermeister und Ratsherren. Die Landesherren unterhielten um 1525 eine Zollstelle.

Von 1638 (Dreißigjähriger Krieg) bis 1803 (Stadtbrand) Im Dreißigjährigen Krieg hatte Lindow 1626–1628 mehrfach unter Einquartierungen und Kontributionen sowie Verwüstungen und Plünderungen zu leiden. 1638 brannten die kaiserlichen Truppen des Feldmarschalls Matthias Gallas Stadt und Kloster nieder. Die Einwohnerschaft, die mehrfach in den Wäldern beziehungsweise auf dem Werder im Gudelacksee Zuflucht suchte, fiel in großem Umfang den Kriegshandlungen beziehungsweise nachfolgenden Epidemien zum Opfer. Im Jahr 1652 hatte Lindow nur noch 167 Bewohner.

Nur allmählich kam gegen Ende des 17. Jahrhunderts der Wiederaufbau der Stadt in Gang. Noch 1722 lagen 32 Hofstellen wüst. Eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Belebung spielten die ab 1689 in Lindow und Umgebung angesiedelten Schweizer Kolonistenfamilien. Sie gründeten 1691 in Lindow eine reformierte Gemeinde und errichteten 1694–1696 aus Schweizer Spendengeldern eine eigene Kirche. Sie war ein Zentralbau aus Fachwerk und stand hinter dem heutigen Rathaus, an dessen Stelle der Friedhof der reformierten Gemeinde lag. Erster reformierter Pfarrer war Hercules Delliker aus Zürich. In der Folgezeit gab es nicht nur zwei Kirchengemeinden – jeweils mit Kirche, Pfarrhaus und Schule –, sondern auch jährlich wechselnd einen lutherischen und einen reformierten Bürgermeister. Diesem standen zwei Ratsherren sowie neun Verordnete der Bürgerschaft zur Seite. Darüber hinaus war Lindow in vier Stadtviertel unterteilt, die jeweils einen Stadtviertelmeister wählten.

1696–1713 bestand auf dem früheren Lehngut des Klosters ein Waisenhaus der reformierten Gemeinde (Waisenhof). 1763–1766 und 1794–1803 waren in Lindow eine Artillerie- beziehungsweise eine Invalidenkompanie stationiert.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Lindow zu einem regionalen Wirtschafts- und Handelszentrum. Neben der Landwirtschaft gewannen das Handwerk sowie die Brauerei und die Branntweinbrennerei an Bedeutung. Um 1800 bildeten die Tuchmacherei sowie die Kammgarn- und Leineweberei eine wichtige Einnahmequelle. Ein Wollmagazin wurde eingerichtet.; vor dem Ruppiner Tor gab es ein staatliches Salzmagazin (Magazinstraße). Jeweils drei Jahr- und Viehmärkte fanden statt. es bestand ein Zoll- und Akziseamt sowie eine Posthalterei (1798) auf der Strecke von Neuruppin nach Zehdenick. Lindow war Amtssitz eines Kriegs- und Steuerrates, der die Steuer- und Gewerbeaufsicht über die Ruppiner Städte innehatte. Die Einwohnerzahl stieg von 455 (1722) auf 1222 (1817). „Die kleine Stadt hat überhaupt viel Nahrung, Verkehr und Leben…“Friedrich Wilhelm August Bratring: Die Grafschaft Ruppin in historischer, statistischer und geographischer Hinsicht – Ein Beitrag zur Kunde der Mark Brandenburg. Berlin, 1799, S. 401

Dagegen verlor das Domänenamt an wirtschaftlicher Bedeutung und wurde 1764 dem Amt Alt Ruppin zugeschlagen, dem nunmehr auch die Stadtverwaltung unterstand. Kirche und Klausurgebäude des Klosters verfielen und dienten der Gewinnung von Baumaterial. In den verbliebenen und einzeln neu hinzugekommenen Bauten residierte 1696 das Hochadelige Fräuleinstift.

Zwei Brände zerstörten 1744 und 1746 die Stadtkirche sowie die Bürgerhäuser im südlichen und im nördlichen Stadtbereich. Beim Wiederaufbau scheinen noch durchgängig Fachwerkbauten errichtet worden zu sein. 1780 gab es erst 20 Massivhäuser, deren Zahl bis 1801 auf 31 anstieg. Die Stadtkirche erhielt durch Georg Christoph Berger einen barocken Neubau, dessen Turm wirkungsvoll an die Hauptstraße gesetzt wurde.

Von 1803 (Stadtbrand) bis 1896 (Bahnanschluss) Ein verheerender Brand zerstörte 1803 den zentralen Stadtbereich mit Rathaus, Waisenhof sowie 78 Bürgerhäuser mit ihren Nebengebäuden und 23 Schuppen. Weitere Häuser und die Klostermühle fielen 1805 einem Brand zum Opfer. Unmittelbar nach der Brandkatastrophe von 1803 leitete die preußische Staatsverwaltung den Wiederaufbau Lindows ein. Sie beauftragte den Baukondukteur Brasch jun. in Abstimmung mit dem in Lindow ansässigen Kriegs- und Steuerrat von Lindenau und dem Magistrat einen Bestands- und Wiederaufbauplan zu erarbeiten. Aufgrund knapper Finanzmittel war jedoch eine großzügige Neuanlage der Stadt – wie damals gerade beim zu Ende gehenden Wiederaufbau Neuruppins – nicht möglich. Die noch im selben Jahr vorgelegten Planungen sahen daher die weitgehende Beibehaltung der bisherigen Stadtstruktur vor. Zur Erhöhung der Feuersicherheit sollte jedoch das Stadtgebiet geringfügig vergrößert werden, um die Häuser nebeneinander weniger dicht als bisher zu errichten. Hierfür war geplant, die Mittelstraße nach Norden über den Waisenhof hinaus zu verlängern und durch eine weitere Querstraße mit der heutigen Straße des Friedens zu verbinden, was jedoch nicht zur Ausführung kam. mini|Rathaus Dagegen wurde die Grünstraße als neue Quergasse und die heutige August-Fischer-Straße als weitere Längsstraße angelegt. Auch der bisherige Friedhof der reformierten Gemeinde, der damals eine neue Fläche außerhalb des Stadtgebiets zugewiesen bekam, wurde von einer Bebauung freigehalten, um hier künftig die schnelle Ausbreitung eines Feuers entlang der Häuserzeile zu verhindern. Das 1807 an dieser Stelle errichtete Rathaus (Straße des Friedens 20) erhielt daher eine von der Straße zurückversetzte Lage.

Bereits 1805 begann der Neubau der aus Bauhlifs- und Feuerkassengeldern finanzierten Bürgerhäuser, der sich einige Jahre hinzog. Baukondukteur Brasch jun. lieferte hierzu die Entwürfe, die durch das Oberdepartement genehmigt wurden. Obwohl der Wiederaufbau aus Kostengründen auch Fachwerkhäuser zuließ entschieden sich die meisten Bürger für Massivbauten. Die Ziegel lieferte die in Klosterheide gelegene Ziegelei des Lindower Oberamtmanns Bütow, das Bauholz wurde in der Lindower Stadtheide geschlagen. Die dadurch entstandenen Bauten prägen bis heute das Lindower Stadtbild.

Nach Abschluss des Wiederaufbaus 1817 hatte Lindow 1222 Einwohner, deren Zahl bis zur Jahrhundertmitte (1858) auf 1624 stieg.

Mit Einführung der preußischen Städteordnung erhielt Lindow 1809 eine vom Domänenamt unabhängige Stadtverwaltung, die aus dem Magistrat mit Bürgermeister, Kämmerer und vier Ratsherren sowie zwölf Stadtverordneten bestand. Die Bürgerschaft begann nunmehr, die Geschicke der Stadt selbst zu bestimmen. So wurden 1810 ein Schulvorstand und Schulverband gebildet und 1811 die Schulen der lutherischen und der reformierten Gemeinde zusammengelegt. 1812 entstand eine Bürgergarde. Auf Anregung des Landrats Graf Friedrich von Zieten gründete sich 1842 ein Verkehrs- und Verschönerungsverein, der am Feldgraben eine Promenade und einen Park anlegte. 1847 konstituierte sich die Lindower Schützengilde. 1859 wurde eine katholische Missionsstation eingerichtet.