Hadamar ist eine Stadt mit Einwohnern () im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg.
Sie grenzt an die Kreisstadt Limburg an der Lahn und liegt am Südrand des Westerwalds am Elbbach in einer Höhe von 120 bis .
Bekannt ist Hadamar für die am Stadtrand gelegene Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Hadamar, in deren Nebengebäuden sich die Gedenkstätte HadamarWebsite der Gedenkstätte Hadamar. befindet. Dort wird an die Ermordung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen während der Zeit des Nationalsozialismus in der als Tötungsanstalt Hadamar benutzten Heil- und Pflegeanstalt HadamarMatthias Meusch: Hadamar. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 521. erinnert.
Geografie mini|297px|Blick auf den Stadtkern vom Mönchberg aus nach Osten
Nachbargemeinden Hadamar grenzt im Norden an die Gemeinden Dornburg, Elbtal und Waldbrunn, im Osten an die Gemeinde Beselich, im Süden an die Stadt Limburg und die Gemeinde Elz (alle im Landkreis Limburg-Weilburg), sowie im Westen an die Gemeinde Hundsangen (im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz).
Geologie Die unteren Bodenschichten im Hadamarer Gebiet bestehen aus verwittertem Basalt, Schalstein, Diabas und Tonschiefer. Sie werden von starken Schichten aus Löss bedeckt.
Klima Der Jahresniederschlag liegt bei 739 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Wald mini|Luftbild des Waldes zwischen Hadamar-Niederhadamar, Elz-Malmeneich und Hundsangen
Die Stadt Hadamar verfügt über 612 Hektar Waldbesitz. Der größte Teil dieser Fläche befindet sich mit knapp 206 Hektar auf dem Gebiet des Stadtteils Niederhadamar, gefolgt von Niederzeuzheim mit 179 Hektar, Steinbach mit knapp 91, Oberzeuzheim mit 72, Oberweyer mit 35 und der Kernstadt mit knapp 30 Hektar. Der Wald in der Hadamarer Gemarkung gehört dem Wuchsbezirk „Nördliches Limburger Becken“ an. Die Baumarten im städtischen Wald gliedern sich in 38 Prozent Buche, 26 Prozent Fichte, 17 Prozent Eiche, 13 Prozent andere Laubholzarten, drei Prozent Kiefer, zwei Prozent Douglasie und ein Prozent Lärche.
Stadtgliederung Die Stadt besteht aus sechs offiziellen Stadtteilen.
Stadtteil Einwohner1910 Einwohner2020 Flächein km² BevölkerungsdichteEinwohner/km² Hadamar (Kernstadt) 2.735 3.959 7,54 525,1 Niederhadamar (zur Kernstadt) 1.193 4.149 8,50 488,1 Faulbach (zur Kernstadt) 138 145 * * Niederweyer 132 198 1,36 145,6 Niederzeuzheim 877 1.514 7,65 197,9 Oberweyer 560 864 4,16 207,7 Oberzeuzheim 673 1.280 6,61 193,6 Steinbach 641 1.170 6,15 190,2 Gesamtstadt Hadamar 6.811 13.279 40,97 324,1 * Die Angaben zu Fläche und Bevölkerungsdichte von Faulbach sind in denen der Kernstadt enthalten.
Geschichte
mini|Das Hadamarer Rathaus, erbaut 1639
Übersicht Der Name der Stadt selbst wurde als Hatimer im Jahr 832 in einer karolingischen Tauschurkunde erstmals erwähnt. Größere Bedeutung kam der Stadt erstmals 1320 zu, als Graf Emich die ältere Linie des Hauses Nassau-Hadamar begründete und auf der Basis eines ehemaligen Klostergutes der Zisterzienser eine Wasserburg errichten ließ. 1324 erhielt Hadamar die Stadtrechte und kurz darauf eine Stadtmauer. Nach dem Aussterben der älteren Nassau-Hadamarer Linie 1394 folgten Erbauseinandersetzungen und Aufteilungen der Stadt zwischen dem Haus Nassau und anderen Adelshäusern. Am 14. März 1540 kam es zu einer verheerenden Brandkatastrophe. Bis auf drei Häuser brannte die gesamte Stadt ab.
mini|links|hochkant=0.6|Mahnmal der Gedenkstätte Hadamar mini|Südflügel des Schlosses
Ein umfassender Stadtumbau folgte unter dem Grafen, später Fürsten, Johann Ludwig von Nassau-Hadamar (1590–1653), der die jüngere Linie des Hauses Nassau-Hadamar begründete und Hadamar zu seiner Residenz machte. Vor allem wurden die alte Wasserburg zum barocken Schloss erweitert und mehrere katholische Orden angesiedelt. Darunter befand sich auch der Jesuitenorden, der mit seinem Kloster und Gymnasium den Grundstein für die überörtliche Bedeutung Hadamars als Schulstandort legte. Mit dem „Hadamarer Barock“ entwickelte sich in der Residenzstadt eine überörtlich bedeutsame Spielart dieser Kulturepoche.
Mit Johann Ludwigs Enkel Franz Alexander starb im Mai 1711 die jüngere Linie Nassau-Hadamar aus. Es folgte ein Streit um das Erbe zwischen den zahlreichen Zweigen des Hauses Nassau, aus dem schließlich Nassau-Diez als Sieger hervorging. Hadamar blieb Mittelpunkt für die Verwaltung mehrerer Gemeinden des Umlands. Im Jahr 1815 wurde die Stadt Teil des Herzogtums Nassau und 1866 von Preußen. 1870 wurde die Stadt an den Eisenbahnverkehr angeschlossen.
Das im Jahr 1883 gegründete psychiatrische Krankenhaus wurde von Januar 1941 bis März 1945 zur NS-Tötungsanstalt Hadamar, in der schätzungsweise mindestens 14.494 Behinderte, psychisch Kranke, so genannte „Halbjuden“ und „Ostarbeiter“ ermordet wurden. Heute erinnert eine Gedenkstätte an diese Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus.
Begünstigt durch die Ansiedlung von deutschsprachigen Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland nach dem Zweiten Weltkrieg, entstand die Erwin-Stein-Glasfachschule.
Eingemeindungen 1971 Zum 31. Dezember 1971 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbstständigen Gemeinden Niederweyer, Niederzeuzheim, Oberweyer, Oberzeuzheim und Steinbach auf freiwilliger Basis in die Stadt Hadamar eingegliedert. Für die eingegliederten Gemeinden und die Kernstadt wurden Ortsbezirke gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Hadamar angehört(e):
ab 7. Jahrhundert: Fränkisches Reich, Niederlahngau 12. Jahrhundert bis 1332: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Diez und Grafschaft Leiningen 1332–1394: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Nassau-Hadamar 1394–1405: Heiliges Römisches Reich, umstritten zwischen Grafschaft Nassau-Dillenburg und Grafschaft Katzenelnbogen 1405–1479: Heiliges Römisches Reich, Kondominat zwischen Grafschaft Nassau-Dillenburg und Grafschaft Katzenelnbogen 1479–1492: Heiliges Römisches Reich, Kondominat zwischen Grafschaft Nassau-Dillenburg und der Landgrafschaft Hessen (hessische Verpfändung des Anteils von 1492 bis 1557) 1492–1522: Heiliges Römisches Reich, Kondominat zwischen Grafschaft Nassau-Dillenburg und den Herren von Eppstein 1522–1535: Heiliges Römisches Reich, Kondominat zwischen Grafschaft Nassau-Dillenburg und den Herren von Königstein 1535–1557: Heiliges Römisches Reich, Kondominat zwischen Grafschaft Nassau-Dillenburg und den Grafen von Stolberg-Königstein 1557–1607: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Nassau-Dillenburg 1607–1711: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Hadamar, Amt Hadamar 1717–1743: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Hadamar 1743–1806: Heiliges Römisches Reich, Grafen von Nassau-Diez als Teil des Fürstentums Nassau-Oranien, Amt Hadamar 1806–1813: Großherzogtum Berg,Infolge des Friedens von Tilsit. Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Hadamar 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Hadamar ab 1816: Herzogtum Nassau,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Amt Hadamar ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HadamarAbtrennung der Justiz (Justizamt Hadamar) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Hadamar ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, OberlahnkreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Hadamar) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Oberlahnkreis ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Limburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Limburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Limburg-Weilburg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Limburg-Weilburg
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Hadamar 12.029 Einwohner. Nach dem Lebensalter waren 2307 Einwohner unter 18 Jahren, 5088 zwischen 18 und 49, 2412 zwischen 50 und 64 und 2223 Einwohner waren älter. Unter den Einwohnern waren 1109 (9,2 %) Ausländer, von denen 366 aus dem EU-Ausland, 544 aus anderen europäischen Ländern und 199 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 15,8 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 17,4 %.) Die Einwohner lebten in 5103 Haushalten. Davon waren 1638 Singlehaushalte, 1247 Paare ohne Kinder und 1554 Paare mit Kindern, sowie 450 Alleinerziehende und 114 Wohngemeinschaften. In 1023 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 3588 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1566: 55 Häuser • 1644: 75 Bürger und 44 Beisassen • 1793: 272 Häuser • 1950: 6003 Einwohner (davon 1207 Flüchtlinge)
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 448 evangelische (= 19,01 %), 1803 katholische (= 76,50 %) und 106 jüdische (= 4,50 %) Einwohner • 1961: 984 evangelische (= 16,66 %), 4858 römisch-katholische (= 82,05 %) Einwohner • 1987: 1608 evangelische (= 15,4 %), 8096 katholische (= 77,3 %), 768 sonstige (= 7,3 %) Einwohner • 2011: 2480 evangelische (= 20,6 %), 7070 katholische (= 58,8 %), 2480 sonstige (= 20,6 %) Einwohner
Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Hadamar erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 32,5 12 31,5 12 40,7 15 42,9 16 37,0 14 50,6 19 25,6 9 20,5 7 22,5 8 20,1 7 23,6 9 19,7 7 WfH Wir für Hadamar 16,2 6 18,2 7 16,3 6 12,5 5 22,1 8 – – 12,8 5 15,5 6 – – – – – – – – 12,9 5 14,3 5 20,5 8 21,0 8 17,3 6 29,7 11 – – – – – – 2,1 1 – – – – – – – – – – 1,3 0 – – – – Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 48,9 47,6 44,9 43,4 44,5 48,0 mini|hochkant|Portal des Rathauses
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Hadamar neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und neun weitere Stadträte angehören. Bürgermeister ist seit dem 1. November 2009 Michael Ruoff (CDU). Er wurde als Nachfolger von Hans Beresko, der nach drei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl antrat, am 7. Juni 2009 im ersten Wahlgang bei 50,40 Prozent Wahlbeteiligung mit 61,20 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgten zwei Wiederwahlen, zuletzt im März 2021.Votemanager: Bürgermeisterwahl Stadt Hadamar 2021
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: Einzelergebnisse sind nicht archiviert - Votemanager: Wahltermine Stadt Hadamar, seit 1995; Hinweis: Bürgermeisterwahlen vor 2009 sind nicht aufbereitet