mini|Karl Marx (1875), Fotografie von John Mayall jun.Budd J. LaRue: John Mayall Jr. and W. H. Dallinger. Nineteenth century microscope collectors and critical microscopists. In: Microscopy. The journal of the Quekett Microscopical Club. Vol. 36, 1992, pt. 9 (Autumn), S. 675–691. rahmenlos|klasse=skin-invert-image

Karl Marx (auch Carl Marx; * 5. Mai 1818 in Trier, Großherzogtum Niederrhein, Preußen; † 14. März 1883 in London, Vereinigtes Königreich) war ein deutscher Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politischer Journalist, Historiker, Protagonist der Arbeiterbewegung sowie Kritiker des Kapitalismus, genauer der kapitalistischen Produktionsweise, und der Religion.

Seinen politischen Lebenslauf begann er 1842 als Redakteur der neu gegründeten radikaldemokratischen Rheinischen Zeitung, die unter den Zensurbestimmungen des preußischen Staates bereits im darauffolgenden Jahr ihr Erscheinen einstellen musste. Er verzichtete auf die preußische Staatsangehörigkeit und übersiedelte nach Paris, wo er 1845 ausgewiesen wurde. Aus seinem neuen Domizil Belgien wurde er 1848 ausgewiesen. Nach seiner Rückkehr nach Preußen begründete er die Neue Rheinische Zeitung und beteiligte sich an den revolutionär-demokratischen Strömungen im Rheinland. Nachdem er 1849 in einem Prozess wegen „Aufreizung zur Rebellion“ freigesprochen worden war, wurde er als Staatenloser ausgewiesen. Sein letztes Exil verbrachte er mit seiner Familie bis zu seinem Tod in London.

Mit Friedrich Engels begründete er den „historischen Materialismus“ und wurde zum einflussreichsten Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus, deren Grundzüge die beiden in der programmatischen Schrift Manifest der Kommunistischen Partei (1848) niederlegten. Als Marx’ Hauptwerk gilt Das Kapital, dessen erster Band, Der Produktionsprozess des Kapitals, noch zu seinen Lebzeiten im Jahr 1867 erschien; die beiden folgenden Bände, Der Zirkulationsprozess des Kapitals und Der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion, wurden posthum von Engels herausgegeben. Einflussreich waren auch seine politischen Aktivitäten in der entstehenden internationalen Arbeiterbewegung (Internationale Arbeiterassoziation), in der er zeitweise eine intellektuelle Führungsrolle übernahm.

Die theoretischen Grundlagen des nach Marx benannten Marxismus beeinflussen die Diskurse der Geschichtswissenschaft und Soziologie wie auch der Wirtschafts- und Politikwissenschaft bis in die Gegenwart.

Leben Familie und Herkunft mini|Stammbaum väterlicherseits mini|Karl-Marx-Haus in Trier – Geburtshaus und Museum, Brückenstraße 10 (2014) mini|hochkant|Wohnhaus der Familie Marx in Trier, Simeonstraße 8 (2011) Karl, laut GeburtsurkundeDie Geburtsurkunde wurde von Emmerich Grach, dem Ur-Ur-Ur-Urgroßvater von Günther Jauch als zweiten Bürgermeister von Trier unterschieben. Carl Marx,Die in verschiedenen Lexika benutzte Namensform „Karl Heinrich Marx“ beruht auf einem Irrtum. Nach den Aufgeboten und der Heiratsurkunde hieß er „Karl Marx“. Nur in seinen Gedichtsammlungen und der Abschrift seiner Dissertation unterschrieb er mit „K. H. Marx“. Weil Marx seinen Vater, der 1838 gestorben war, ehren wollte, nannte er sich in drei Dokumenten „Karl Heinrich“. Auch der Artikel „Marx, Heinrich Karl“ von Friedrich Engels im Handwörterbuch der Staatswissenschaften (Jena 1892, Sp. 1130–1133, siehe MEW Band 22, S. 337–345) rechtfertigt nicht, Marx einen zweiten Vornamen zuzuordnen. Siehe dazu Heinz Monz: Karl Marx. Grundlagen zu Leben und Werk. NCO-Verlag, Trier 1973, S. 214 und 354. war das dritte von neun Kindern des Anwalts Heinrich (Heschel) Marx (1777–1838) und seiner Frau Henriette, geborene Presburg (1788–1863).Heinz Monz: Karl Marx: Grundlagen der Entwicklung zu Leben und Werk. NCO-Verlag Neu, Trier 1973, S. 217 und 221. Heinrich Marx entstammte sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits bedeutenden Rabbinerfamilien.Der Orden Brie Briss, Mitteilungen der Großloge für Deutschland, VIII U.C.B.B. (= United Order B’nai B’rith). Sammelbl. jüd. Wiss., S. 167.Siehe den Eintrag Grabsteine der Vorfahren von Karl Marx. Unter napoleonischer Herrschaft war er von 1811 bis 1813 Gerichtsdolmetscher und vereidigter Übersetzer in Osnabrück gewesen, das damals zum Département Hanséatique Oberems gehörte. 1812 schloss er sich dort der französischen Freimaurerloge „L’Etoile Hanséatique“ (Der Hanseatische Stern) an.Nikolaus Sandmann: Heinrich Marx, Jude, Freimaurer und Vater von Karl Marx. In: Humanität, Zeitschrift für Gesellschaft, Kultur und Geistesleben. Hamburg; Heft 5/1992, S. 13–15. Nach dem Wiener Kongress fiel seine Heimatstadt Trier an die neu gegründete preußische Provinz Großherzogtum Niederrhein. Da er sich als Jude in Preußen, anders als im napoleonischen Frankreich, nicht weiter als Avoué (dt.: Advokat, Anwalt) hätte betätigen dürfen, konvertierte er zwischen 1816 und 1822 zum Protestantismus.Der Militärpfarrer Mühlenhoff hatte das Taufbuch nur unvollständig geführt und war 1821 nach Berlin versetzt worden. Dies ist das späteste Datum. Noch 1819 ließ Heinrich Marx seinen Sohn Mauritz David Marx auf dem jüdischen Friedhof beerdigen. Gleichzeitig wurde er als Jurist mit Fragen der Tilgung der Judentilgungskommission befasst. Am 26. August 1824 wurden auch die Kinder Sophia, Hermann, Henriette, Louise, Emilie, Caroline und Karl in der elterlichen Wohnung getauft. Heinrich Marx’ Frau Henriette ließ sich erst am 20. November 1825 taufen, da sie die Missbilligung dieses Schritts durch ihre Familie befürchtete, vor allem von Seiten ihres Vaters, der auch Rabbiner war. Karl Marx war mütterlicherseits Cousin dritten GradesHeinz Monz: Karl Marx: Grundlagen der Entwicklung zu Leben und Werk. NCO-Verlag Neu, Trier 1973, S. 229. des deutschen Dichters Heinrich Heine, der ebenfalls aus einer jüdischen Familie stammte und mit dem er während seiner Pariser Zeit in engem Kontakt stand.Marx schrieb Ende Januar bis 1. Februar 1845 an Heine: „Lieber Freund! Ich hoffe morgen noch Zeit zu haben, Sie zu sehen. […] Von Allem, was ich hier an Menschen zurücklasse, ist mir die Heinesche Hinterlassenschaft am unangenehmsten. Ich möchte Sie gern mit einpacken.“ Heine Portal. Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung III. Band 1, Dietz Verlag, Berlin 1975, S. 264. Ein Cousin ersten Grades war Frederik Philips (1830–1900), der 1891 mit seinem Sohn Gerard den niederländischen Elektrikkonzern Philips gründete.

Schulzeit Von 1830 an besuchte Karl Marx das Gymnasium zu Trier,Später (1896) umbenannt in Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. wo er 1835 zusammen mit seinem Freund und späteren Schwager Edgar von Westphalen mit 17 Jahren das Abitur mit der Durchschnittsnote 2,4Heinz Monz: Karl Marx. Grundlagen der Entwicklung zu Leben und Werk. Trier 1973, S. 315. ablegte.Königliches Friedrich Wilhelms-Gymnasium zu Trier 1563–1913. Festschrift zur Feier des 350jährigen Jubiläums der Anstalt am 6. bis 8. Oktober 1913. Jacob Lintz, Trier 1913, Anhang (Verzeichnis der Direktoren, Lehrer und Abiturienten des Königlichen Friedrich Wilhelms-Gymnasiums vom Jahre 1815 ab), S. 32 (online bei Internet Archive). Besondere Zuneigung fühlte Marx zu seinem Direktor Johann Hugo Wyttenbach. Zu seinen Lehrern gehörten Vitus Loers und Johann Abraham Küpper. Ein weiterer seiner Lehrer war Johannes Steininger, ein Naturwissenschaftler und Geologe von internationalem Ruf. Steininger war ein Anhänger Alexander von Humboldts. 1836 verlobte sich Marx in Trier mit Edgars Schwester Jenny von Westphalen (1814–1881).

Studium 1835 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften und der Kameralistik an der Universität Bonn. Ob er der „Landsmannschaft der Treveraner“ (Trierer) beitrat, ist letztlich nicht zu beweisen.Manfred Schöncke: „Ein fröhliches Jahr in Bonn“? Was wir über Karl Marx’ erstes Studienjahr wissen. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 1994. Hamburg 1994, S. 239–255.Ingrid Bodsch (Hrsg.): Dr. Karl Marx. Vom Studium zur Promotion – Bonn, Berlin, Jena. Mit Beiträgen von Joachim Bauer, Ingrid Bodsch, Klaus Dicke, Margit Hartleb, Thomas Pester und Rita Seifert. Verlag des StadtMuseum Bonn, Bonn 2013, ISBN 978-3-931878-36-8, S. 9–28. Bekannt ist aber, dass er wegen „nächtlichen Lärmens und Trunkenheit“ verurteilt wurdeAbgangszeugnis Karl Marx; Universitätsakten; Manfred Schöncke, S. 245 ff. und gegen ihn wegen „Tragens eines Säbels“ ermittelt wurde. In Bonn besuchte er juristische Vorlesungen bei Ferdinand Walter, Eduard Puggé und Vorlesungen bei Friedrich Gottlieb Welcker und August Wilhelm Schlegel. Nach Mitteilungen von Moriz Carrière schloss Marx sich einem poetischen Kränzchen an, dem Carrière, Emanuel Geibel, Karl Grün, Karl Ludwig Bernays, Theodor Creizenach, Heinrich Bernhard Oppenheim angehört haben sollen.Moriz Carrière: Lebenserinnerungen. Hrsg. von W. Diehl. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde. Neue Folge. Band X (1914), S. 165.Kritisch dazu siehe Ingrid Bodsch (Hrsg.): Dr. Karl Marx. Vom Studium zur Promotion – Bonn, Berlin, Jena. S. 21 ff.

Ein Jahr später wechselte er an die Friedrich-Wilhelms-Universität (heute: Humboldt-Universität) nach Berlin und besuchte juristische Vorlesungen bei Eduard Gans (Kriminalrecht und Preußisches Landrecht), Friedrich Carl von Savigny (Pandekten), August Wilhelm Heffter (Kirchenrecht, gemeiner deutscher Zivilprozess), Adolf August Friedrich Rudorff (Erbrecht), ließ aber das Jura-Studium gegenüber weiteren Interessen, besonders an Themen der Philosophie und Geschichte, in den Hintergrund treten (Besuch der Vorlesungen von Henrich Steffens (Anthropologie), Georg Andreas Gabler (Logik), Carl Ritter (allgemeine Geographie), Bruno Bauer (Jesaja) und Carl Eduard Geppert (Euripides)). Hier stieß Marx zum Kreis der Jung- oder Linkshegelianer („Doctorclub“), deren bedeutendste Vertreter die Brüder Bruno und Edgar Bauer waren. Freundschaft schloss er mit Karl Friedrich Köppen und mit Adolf Friedrich Rutenberg.

Georg W. F. Hegel, der 1831 starb, hatte seinerzeit einen starken Einfluss auf das geistige Leben in Deutschland. Das hegelianische Establishment (bekannt als „Alt- oder Rechtshegelianer“) sah den preußischen Staat als fortschrittlichen modernen Staat im Sinne des Abschlusses einer Serie von dialektischen Entwicklungen: ein funktionierendes Rechtssystem, eine effiziente Bürokratie, gute Universitäten, Industrialisierung und ein hoher Beschäftigungsgrad. Die Linkshegelianer, zu denen Marx gehörte, erwarteten für die Zukunft eine fundamentale Weiterentwicklung der preußischen Gesellschaft, die durch Probleme wie massenhafte Armut, staatliche Zensur und fehlende demokratische Mitbestimmung des Volkes gekennzeichnet war.

Nach dem Tod seines Vaters Heinrich Marx am 10. Mai 1838 bekam Marx, weil er erst mit 25 Jahren volljährig wurde, als gesetzlichen Vormund Johann Heinrich Schlink.Nachlassaufnahme Heinrich Marx (Landeshauptarchiv Koblenz Abt. 587,40 Nr. 533; Manfred Schöncke: Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister. Pahl-Rugenstein, Bonn 1993, S. 287 f.).

mini|Gedenktafel an der Universität Jena, wo Marx promoviert wurde (2024)