mini|Mai-Aufmarsch der SPÖ Wien am Rathausplatz in Wien (2023) mit dem beflaggten Rathaus im Hintergrund mini|Demonstration zum 1. Mai bei einer Kieler Werft (2013) mini|Aufstellung zur Mai-Demonstration in Hamburg (2007) Der Erste Mai wird als Tag der Arbeit, Tag der Arbeiterbewegung, Internationaler Kampftag der Arbeiterklasse oder auch als Maifeiertag bezeichnet. Er ist in Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, Belgien, Teilen der Schweiz und in vielen weiteren Staaten ein gesetzlicher Feiertag.
Unabhängig von der politischen Dimension als Tag der Arbeiterbewegung ist der erste Mai vielerorts Höhepunkt des Brauchtums im Mai.
Geschichte: Haymarket Affair mini|Dieser Schnitt von 1886 war die meistverbreitete Illustration der Haymarket-Affäre. Er kombiniert Samuel Fieldens Ansprache, die anschließende Bombenexplosion und die danach stattfindende Schießerei. Chicago History Museum mini|Die sieben zum Tode verurteilten Anarchisten. Der nicht abgebildete achte wurde zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Anfang 1886 rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Mai auf – in Anlehnung an die Massendemonstration am 1. Mai 1856 im australischen Bundesstaat Victoria, die ebenfalls den Achtstundentag forderte. Der 1. Mai war traditionell auch der moving day, der Stichtag, zu dem Arbeitsverhältnisse beendet wurden. Das bedeutete oft einen Umzug zu einem anderen Ort, um neue Arbeit zu finden. Es kam darauf zu Massenstreiks und Demonstrationen in den Industrieregionen.
Auch in einer Chicagoer Fabrik für landwirtschaftliche Geräte erklärte sich zu dieser Zeit die Mehrheit der Arbeiter solidarisch gegen die Betriebsleitung und drohte angesichts des herrschenden 12-Stunden-Tages bei einem Tagesverdienst von durchschnittlich drei US-DollarKaufkraft 2020 gut 80 Dollar, laut mit Streiks. Die Geschäftsleitung reagierte mit Massenaussperrungen und versuchte, die nun 800 bis 1000 freien Stellen mit neuen Einwanderern zu besetzen. Infolge der Kampagnen der sozialistischen Chicagoer Arbeiter-Zeitung meldeten sich jedoch nur 300 neue Arbeiter, während in anderen Fällen Arbeiter vor der Fabrikpforte Schlange standen. Dies wird bis heute als großer Sieg der Gewerkschaft gewertet.
An einem damals regulären Arbeitstag, dem Samstag, 1. Mai 1886, demonstrierten Tausende von Arbeitern. Sie streikten und nahmen an Kundgebungen teil, die vielerorts in den Vereinigten Staaten stattfanden. Am Abend des 3. Mai 1886 hielt August Spies, der Chefredakteur und Herausgeber der Arbeiter-Zeitung, des Organs der österreichischen Sozialdemokratie, auf einer Arbeiterversammlung auf dem Haymarket in Chicago eine Rede. Nach der Haymarket-Versammlung – Ursprung des Arbeiterklassenbewusstseins in den USA – folgte ein mehrtägiger Streik in Chicago. Am 3. Mai kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei, bei der zwei Demonstranten starben. Bei einer Protestkundgebung am Tag darauf stürmte die Polizei die friedliche Versammlung. Ein Unbekannter warf eine Bombe, die einen Polizisten sofort tötete und zahlreiche Polizisten wie auch Demonstranten verletzte. Sechs weitere Polizisten starben an den Folgen des Bombenanschlags. Bei dem anschließenden Gefecht, das in die US-Geschichte als Haymarket Affair eingegangen ist, wurden mehr als 200 Arbeiter verletzt; die Zahl der Toten wird mit sieben Polizisten und schätzungsweise der dreifachen Anzahl auf Seiten der versammelten Arbeiter angegeben.Gabriel Kuhn: „Neuer Anarchismus“ in den USA. Unrast Verlag, 2008, ISBN 978-3-89771-474-8, S. 14 f.
Acht Anarchisten, die die Kundgebung organisiert hatten, wurden festgenommen und der Verschwörung angeklagt. Vier von ihnen, darunter der Chefredakteur und Herausgeber der Arbeiter-Zeitung, August Spies, wurden am 11. November 1887 gehängt; einer beging in seiner Zelle Suizid. Die noch lebenden drei wurden sechs Jahre später begnadigt.
Auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationale zwischen dem 14. und 21. Juli 1889 wurde zum Gedenken an die Opfer des Haymarket Riot der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen. Am 1. Mai 1890 wurde dieser „Protest- und Gedenktag“ erstmals mit Massenstreiks und Massendemonstrationen in der gesamten Welt begangen.
Inwieweit der Maifeiertag auf anarchistische Gewerkschaftskämpfe und eine juristische Hatz auf alles Anarchistische zurückgeht, wurde weitgehend verdrängt und wird erst seit wenigen Jahren kritisch angenommen.
Deutschland – gesetzlicher Feiertag mini|Titelseite der Frankfurter Volksstimme vom Ersten Mai mit Maifeierparole, 1901 mini|hochkant=1.1|Demonstranten auf dem Augustusplatz in Leipzig zur Feier des Ersten Mai, 1950. mini|Berlin: „Kampfdemonstration“ zum Ersten Mai in der Karl-Marx-Allee, 1987
Der Versuch der Weimarer Nationalversammlung, am 15. April 1919 den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu bestimmen, hatte nur begrenzt auf das Jahr 1919 Erfolg.Reichsgesetzblatt 1919, S. 393. Für das Gesetz, das nur auf den 1. Mai 1919 beschränkt war, stimmten SPD, DDP und Teile des Zentrums. Während die bürgerlich-rechte Opposition (DNVP, DVP) sowie weite Teile des Zentrums die Einführung des Tages der Arbeit als Feiertag überhaupt ablehnten, ging der USPD das Gesetz nicht weit genug, sie forderte zusätzlich die Einführung des 9. Novembers als Revolutionsfeiertag. Der sogenannte Blutmai (Berlin 1929) ließ die Widersprüche zwischen KPD und SPD deutlich werden.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der 1. Mai ab 1933 durch die Nationalsozialisten zum gesetzlichen Feiertag. Das Reichsgesetz vom 10. April 1933. benannte ihn als „Tag der nationalen Arbeit“. Am 2. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften in Deutschland zerschlagen, die Gewerkschaftshäuser gestürmt und die Vermögen beschlagnahmt.Fehleinschätzung mit fatalen Folgen, in: Geschichte der Gewerkschaften, abgerufen am 23. April 2018. Im Jahr 1934 wurde der 1. Mai durch das Gesetz über die Feiertage zu einem „nationalen Feiertag des deutschen Volkes“ erklärt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der 1. Mai als Feiertag im Jahr 1946 durch den Alliierten Kontrollrat bestätigt. Maikundgebungen durften jedoch nur eingeschränkt durchgeführt werden.
Der 1. Mai ist in der Bundesrepublik Deutschland nach den Feiertagsgesetzen der Länder ein gesetzlicher Feiertag. Die amtliche Bezeichnung in Deutschland ist durch Gesetze der einzelnen Länder geregelt. In Nordrhein-Westfalen wird der 1. Mai auf Grundlage des nordrhein-westfälischen Feiertagsgesetzes als Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde (abgekürzt als Tag des Friedens und der Völkerversöhnung) begangen. In Hessen ist der 1. Mai explizit durch Artikel 32 der Hessischen Verfassung als „Feiertag aller arbeitenden Menschen“ anerkannt.
In der DDR und weiteren sozialistischen Ländern wurde der 1. Mai als „Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“ mit aufwändigen Maiparaden begangen und auf die Traditionen der internationalen Arbeiterbewegung verwiesen. Symbol des 1. Mai ist die rote Mainelke.
Seit den 1980er Jahren gab es neben den politischen organisierten Demonstrationen auch regelmäßig Ausschreitungen in der Bundesrepublik, vor allem im Zusammenhang mit der Demonstration zum 1. Mai in Kreuzberg (Berlin).
Darüber hinaus gibt es seit 2001 den internationalen EuroMayDay. Dessen zentrales Anliegen ist, den verschiedenartigsten Formen von Prekarisierung in Arbeit und Leben einen Ausdruck zu geben, die nach Ansicht der Organisatoren durch die klassischen Institutionen der Arbeiterbewegung und der Linken nicht (mehr) organisiert werden.
Österreich – Staatsfeiertag
mini|hochkant|Erstes österreichisches 1.-Mai-Abzeichen. Aufschrift: .Der Ursprung des 1. Mai. Hier: Der erste 1. Mai in Österreich. In: rotbewegt.at – Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie. Karl-Renner-Institut (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit der SPÖ. Abgerufen am 23. Juni 2025.
In Österreich finden Kundgebungen zum Ersten Mai seit 1890 statt. Die Wiener Arbeiterschaft veranstaltete z. B. am 1. Mai 1890 im Wiener Prater die mit mehr als 100.000 Teilnehmern größte Kundgebung, die bis dahin jemals in der Stadt Wien zu sehen war. Die 1889 gegründete Arbeiter-Zeitung, das Organ der österreichischen Sozialdemokratie, nahm darauf Bezug, dass die Maifeier im Prater, einem großen Grünareal, stattfand, und schrieb dazu im Mai 1890:
Die christliche Arbeiterbewegung veranstaltete im Jahr 1893 die erste Maikundgebung, nachdem sich 1891 Papst Leo XIII. in der Enzyklika Rerum Novarum über die Arbeiterfrage geäußert hatte.
Die Maikundgebungen der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) in Wien fanden bis 1918 im Prater statt. In der Ersten Republik wurden ab dem 1. Mai 1919 die Kundgebungen an die Ringstraße verlegt, wo man vor dem Rathaus der seit 1919 sozialdemokratisch regierten Stadt Wien (siehe Rotes Wien) aufmarschierte.
Im Laufe der Jahre wurde der 1. Mai immer mehr zum arbeitsfreien Tag erklärt. So war im Jahr 1907 in 62 % der Kollektivverträge der Tag mit Arbeitsruhe verbunden. Am 25. April 1919 erklärte die Konstituierende Nationalversammlung der Republik Deutschösterreich den 12. November sowie den 1. Mai zu allgemeinen Ruhe- und Festtagen.Gesetz vom 25. April 1919 über die Erklärung des 12. November und des 1. Mai als allgemeine Ruhe- und Festtage. (= S. 597–598).Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Sport, Abteilung Politische Bildung (Hrsg.): 26. Oktober. Zur Geschichte des österreichischen Nationalfeiertages. Wien o. J., S. 27–34. Online:
Nach der Zerschlagung der Sozialdemokratie zur Zeit des beginnenden Austrofaschismus wurden auch die Maifeiern der Sozialdemokraten durch Bundeskanzler Engelbert Dollfuß verboten. Die Diktaturregierung ließ mit Verordnung vom 27. April 1934 von da an am nunmehr zum Staatsfeiertag umgewidmeten 1. Mai die Einführung der Maiverfassung des Ständestaats feiern.Verordnung der Bundesregierung vom 27. April 1934 über die Bestimmung des 1. Mai zum Gedenktag an die Proklamation der Verfassung 1934. vom 27. April 1934 (= S. 474): Dollfuß erklärte die Einführung des neuen Inhalts zum alten Feiertag bei einer Feier im Wiener Stadion anlässlich der Proklamation der neuen Verfassung des „Ständestaates“ wie folgt:Zitiert in: Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Sport, Abteilung Politische Bildung (Hrsg.): 26. Oktober. Zur Geschichte des österreichischen Nationalfeiertages. Wien o. J., S. 27–34. Online:
Die nunmehr illegal erscheinende Arbeiter-Zeitung stellte am Tag davor zum 1. Mai bitter fest: Arbeiter-Zeitung. Organ der österreichischen Sozialdemokratie. 1. Jg. Nr. 10, 30. April 1934.
In den Jahren des Nationalsozialismus war der 1. Mai der „Nationale Feiertag des deutschen Volkes“ und gesetzlicher Feiertag. Ein eigener Tag der Arbeit sollte nicht mehr existieren, Arbeitgeber und Arbeitnehmer waren damals in der Deutschen Arbeitsfront zusammengefasst.
Nach Kriegsende wurde der 1. Mai 1945 mit § 1 des Feiertagsruhegesetzes wieder als gesetzlicher Feiertag fortgeführt.Gesetz vom 7. August 1945 über die Regelung der Arbeitsruhe an Feiertagen (Feiertagsruhegesetz). vom Mit Bundesgesetz vom 14. Juli 1949 wurde der 1. Mai explizit zum Staatsfeiertag erklärt.Bundesgesetz vom 14. Juli 1949, womit das Gesetz vom 7. August 1945, St.G.Bl. Nr. 116, über die Regelung der Arbeitsruhe an Feiertagen (Feiertagsruhegesetz) ergänzt wird. vom 20. August 1949. Dies blieb auch nach Wiederverlautbarung als Feiertagsruhegesetz 1957Kundmachung der Bundesregierung vom 18. Juni 1957 über die Wiederverlautbarung des Feiertagsruhegesetzes. vom 11. Juli 1957. und bis heute so ( Feiertagsruhegesetz 1957).
mini|hochkant|Geschmückter Wiener Straßenbahnzug am 1. Mai 1976