Gutedel (in Frankreich und in der Schweiz Chasselas genannt) ist eine alte Weißwein- und Tafeltraubensorte, die weltweite Verbreitung gefunden hat. Heute ist die Verwendung der Rebsorte sowohl für die Wein- als auch für die Tafeltraubenproduktion weltweit rückläufig. Der daraus im Wallis angebaute Wein wird Fendant genannt.

Umstritten ist die Urheimat dieser Sorte. In der Literatur werden verschiedene Gebiete vermutet wie Oberägypten (schon vor 5000 Jahren), das Jordan-Tal, Chasselas in Frankreich, Cahors in Südfrankreich oder Spanien. Alle diese Angaben beruhen auf Vermutungen, bei denen man mit Hilfe von Ähnlichkeiten im Aussehen (Blattdarstellungen auf Wandmalereien in ägyptischen Gräbern) auf die Sorte schließt. Umfangreiche gendiagnostische Untersuchungen lassen den Ursprung in den Westalpen und nicht in Ägypten vermuten.J. F. Vouillamoz Claire Arnold: Etude historicogénétique de l’origine du Chasselas, Universität Neuenburg, NCCR Plant Survival.

Eine nennenswerte Weinproduktion mit Gutedel hat sich in der Westschweiz und im Markgräflerland in Süddeutschland erhalten.

Herkunft mini|Darstellung des ägyptischen Weinbaus aus dem Grab TT261 mini|Genfersee und Weinanbaugebiet Lavaux mini|Rebhänge bei Sitten im Kanton Wallis

Der Gutedel ist eine alte Rebsorte. Eine Angabe über die Herkunft ist mangels entsprechender Dokumente fast nur auf Vermutungen angewiesen. Die jahrtausendelange Verbreitung der Rebsorte durch zahlreiche Völker, Ägypter, Phönizier, Griechen und Römer, aber auch Kreuzritter, auf verschiedenen Wegen über und um das zentrale Mittelmeer hat reichliche Möglichkeiten zur Verbreitung von Rebsorten geboten.Hoffmann 1980, S. 26.

Ägypten In der Literatur wird für Gutedel als Ursprungsland häufig Ägypten angeführt, wo er seit rund 5000 Jahren angebaut werde. Mehrere Formen des Gutedels seien noch heute in der Oase Fayyum, rund 70 Kilometer südwestlich von Kairo zu finden. Mehrere Spielarten des Gutedels, die denen auf den Wandgemälden in den Königsgräbern bei Luxor in Oberägypten dem Gutedelblatt gleichen, gedeihen dort bis auf den heutigen Tag. Die Sorte Fayoumi in dem großen Rebberg von Gianaclis beispielsweise weist eine auffallende Ähnlichkeit mit dem europäischen Gutedel auf.Siehe Ergebnisse der DNA-Analyse. Die Hypothese eines Ursprungs in Ägypten stammt vom französischen Ampelographen Adrien Berget, der die Rebsorte im Jahr 1932 dort wiedererkannt zu haben glaubte.Adrien Berget: L’origine des Chasselas. In: Revue de Viticulture. LIV (1399), 1921, S. 289–293.Adrien Berget: L’origine égyptienne des Chasselas. In: Revue de Viticulture. LXXVI (1969), 1932, S. 181–185. Diese These wurde später von Henry Wuilloud (1947) verteidigt. Erst später entstand die Behauptung, die Sorte sei in Fayyum seit 5000 Jahren bekannt. Die Römer sollen die Rebsorte dann nach Europa gebracht haben. Eine andere Interpretation legt den Ursprung der Rebsorte innerhalb der Region Palästina in das Tal des Jordan.

Konstantinopel Belegt ist, dass 1523 der Vicomte von Saint-Auban, Botschafter des Königs von Frankreich Franz I. am Hofe des Sultans Süleyman I., Chasselas-Weinstöcke aus Konstantinopel, in dessen Umgebung Chasselas dort seit langem kultiviert wurde, nach Fontainebleau und Burgund gebracht hat.Nikolaus Flüeler: Schweizer Rebbau – Schweizer Wein. 2. Auflage. Exlibris Verlag, Zürich 1980, S. 138. Dieser Wein wurde zum Lieblingsgetränk am Königshof. Von dort soll de Courten, General von Ludwig XV., Chasselas-Reben von Fontainebleau weiter ins Schweizer Wallis nach Siders gebracht haben.

Weitere Andere Autoren verlegen den Ursprung nach Südfrankreich in die Gegend von Cahors, Hauptort des Départements Lot. Von dort sollen Franz I. und Heinrich IV. Rebholz in dem berühmten königlichen Weingarten in Fontainebleau angepflanzt haben. Aus Zypern hingegen, glaubt August Wilhelm von Babo, habe Kaiser Franz I. den Chasselas nach Frankreich eingeführt. Johann Philipp Bronner wiederum vermutet als Herkunft Spanien. Der Provenzale Michel (1819) schließlich vermutet, alle französischen Rebsorten stammten von Mutterreben ab, welche die ionischen Phokäer bei der Gründung von Massalia (Marseille) aus Kleinasien mitgebracht hätten.

Der rege Warenverkehr in Europa verstärkte die Ausbreitung von Chasselas von Ost nach West und Nord, damit konnte sich frühzeitig die Chasselasrebe im Rhonetal über Burgund bis ins Wallis ausbreiten. Von der Westschweiz hat sich der Chasselas unter verschiedenen Synonymen über Elsaß, Rheinpfalz, Baden, Württemberg und ganz Mitteleuropa verbreitet. Hertwig (1660) beispielsweise berichtet aus Ungarn von ihm. Nach seinem Förderer Josef Fabián, der ihn aus Frankreich einführte, ist er dort Ende des 18. Jahrhunderts unter dem Namen Fabiántraube weit verbreitet gewesen.

Den Ursprung für den Gutedel beanspruchen viele Gebiete. Mit Nachdruck meldet sich der Ort Chasselas in Burgund unweit Mâcon an. Die Rebsorte seines Namens gedeihe hier seit Menschengedenken, trüge deshalb den Namen mit vollem Recht, stamme von Schweizer Wildreben ab, über welche die Westschweiz so reichlich verfüge.Hoffmann 1980, S. 19.

DNA-Analyse Eine umfangreiche DNA-Analyse an der Universität Neuenburg konnte keinen Hinweis auf eine Verwandtschaft mit Rebsorten aus Ägypten und Palästina finden. Gutedel sei hingegen mit autochthonen Rebsorten des Alpenraums im Osten Frankreichs, der Schweiz sowie dem Norden Italiens verwandt. Die wichtigsten Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Arbeit sind: Die Elternsorten des Chasselas konnten nicht festgestellt werden. Es konnten aber 20 Klonvarianten mit derselben DNA identifiziert werden. Die Chasselasrebe hat genetische Ähnlichkeit mit den meisten alten Rebsorten des Alpenbogens. Zum Beispiel mit der Sorte Teroldego, dem Lagreiner oder der Altesse. Burgund, wo der Chasselas 1612 unter dem Namen Fendans, Fendant oder Lausannois erwähnt wurde, befindet sich im Bereich der genetischen Verwandtschaft des Chasselas, insbesondere das gleichnamige Dorf, das mit großer Wahrscheinlichkeit eine Durchgangsstation dieser Sorte darstellt. Die Bezeichnung Lausannois oder Luzannois verrät noch wahrscheinlicher die Anfänge des Chasselas. Die glaubhafteste Hypothese sieht den Ursprung des Chasselas im Genferseebogen, am ehesten im Kanton Waadt. (PDF).

Fazit Auf Grund der vielen Annahmen, Ähnlichkeiten und wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen wird die genaue Herkunft wohl nie festgestellt werden können. Die Ururahnen des Gutedel mögen vielleicht aus Ägypten oder dem Jordan-Tal stammen (auf Grund einer gewissen Ähnlichkeit im Aussehen). Mit der verschiedenen und über Jahre andauernden Verbreitung der Reben nach Mitteleuropa sind durch natürliche Kreuzung, Mutationen und Vermehrung mit Samen neue Typen und Sorten entstanden. Die Ergebnisse lassen die Hypothese zu, dass der heute bekannte Gutedel in Mitteleuropa, im Bereich der Westalpen, von Winzern selektioniert wurde. Wie eben bei vielen der heutigen Sorten werden die Ururahnen im Südosten angenommen. Eine vollständige Klärung ist auch mit den Mitteln der Gentechnik nicht möglich.

Namensnennung mini|Schloss Château de Chasselas in Frankreich – die Ortschaft Chasselas ist Namensgeber der Rebsorte. Die Identität der Rebsorte eindeutig zu bestätigen ist schwierig, weil die Angabe der Rebsorte bis zum späten Mittelalter keine Rolle gespielt hat. Erst mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert wurden die Weine mehr und mehr nach der Rebsorte benannt.

In dem Dorf Chasselas soll der Gutedel erstmals in Frankreich angebaut worden sein. Das Synonym Chasselas lässt sich bis auf das Jahr 1654 zurückverfolgen. Nicolas de Bonnefons erwähnt diese Sorte in seinem Werk Les délices de la campagne. Es gilt als gesichert, dass der Name Chasselas im direkten Zusammenhang mit dem Ort Chasselas steht, wo Sämlinge angebaut wurden und der Ort Namensgeber der gleichnamigen Rebsorte ist.Paul Fénelon: Vocabulaire de géographie agraire. Faculté des lettres et sciences humaines de Tours, 2007. Chasselas ist in Frankreich und der Schweiz der gebräuchliche Begriff für die Rebsorte.

Der deutsche Name „Gutedel“ findet sich erstmals 1621 bei Knaben,Michael Knaben: Horti Pomologium, Nürnberg, 1621 die französische Bezeichnung Fendant etwa gleichzeitig (1619) bei Caspar Bauhin aus Basel. Mit den damals bekannten Rebsorten hat er ihn in seinem Botanischen Garten im damals württembergischen Mömpelgard (dem heutigen Montbéliard) gepflegt. In seiner Historia plantarum universalis beschreibt er ihn und erwähnt, in Burgund nenne man ihn Fendant, in Württemberg Gut-edel-Rebe.

Unter den deutschen Traubensorten führt Sachs 1661 die Junckerstraube = Gutedel-Rothewiener = Traminer Fleischwiener (Synonym: Breywiener) auf. Den gebräuchlichsten Namen für diese Rebsorte Chasselas bringt Merlet (1667) mit Chasselas noir et rouge und Chasselas-sur-Aube. Johann Sigismund Elsholtz spricht vom Schönedel.Carl Renatus Hausen, Anton Bernhard Thiele: Darstellung des Weinbaues und des mit einheimischen Weinen: getriebenen inlaendischen und auslaendischen Handels in den Marken Brandenburg von 1173 bis auf gegenwaertige Zeit. Nebst oekonomischen Grundsaetzen, nach welchen der ehemals bluehende Weinbau in den Marken Brandenburg wieder hergestellt werden koenne C.L. Hartmann, 1798. Der Name ‘Gutedel’ weist auf die frühe Wertschätzung hin, auf „gut“ und „edel“.Hoffmann 1980, S. 20.

Unter dem Namen Fendant finden sich Einträge ab dem frühen 18. Jahrhundert. Zunächst im Waadtland und erst später im Wallis. Eine größere Verbreitung im Wallis erfuhr die Sorte erst ab 1848.

Ampelographische Merkmale Die wesentlichen ampelographischen Merkmale sind: Die Triebspitzen sind auffallend rötlich und kahl. Die Ranken sind auffallend lang. Die Blätter sind mittelgroß, hellgrün, rotgeadert, fünflappig, tief gebuchtet und der Blattrand ist scharf gesägt. Die Trauben sind groß, lockerbeerig und geschultert. Die Beeren sind groß, rund, grüngelb oder rot (je nach Typ von weiß, rosarot oder rot). Die Beerenhaut ist dünn, aber fest und sonnenseits häufig bräunlich gefärbt. Die Beeren schmecken saftig bis knackig süß.

Auffallende Merkmale, die durch Mutation zu vielen Spielarten geführt haben, sind beim Gutedel: besondere Blattform, z. B. Geschlitzter Gutedel (Petersilientraube), verschiedene Beerenform und -farbe (Blaßroter und Roter Gutedel), frühere Reife (früher Weißer Diamant-Gutedel). Die Reife erfolgt mittelfrüh im September.

Spielarten des Gutedel

Goldgelber Gutedel Diese Spielart wird in der Champagne auch unter den Bezeichnungen Chasselas doré und Raisin de Champagne geführt.

Die Traube besitzt große, runde, ambragelbe Beeren und wird als „schmelzend, weich, süß, sehr gut“ beschrieben.Gebrüder Baumann: Taschenbuch des Verständigen Gärtners. Band 1. J.G. Cotta’schen Buchhandlung, 1824, S. 538. Größere kultivierte Rebflächen finden sich auch nördlich des Genfersees., Collection Louis-Philippe Bovard, Cully VD.

Roter Gutedel mini|hochkant|Roter Gutedel Die Herkunft dieser Tafel- und Keltertraube ist wie die aller Spielarten ungewiss. Ebenso bleiben die Fragen offen, ob der Rote Gutedel nicht die ursprüngliche Form ist und der Weiße Gutedel, entsprechend den Burgundersorten, eine Verlustmutation der roten. Roter Gutedel ist verbreiteter als alle anderen Spielarten.

Neben einer Vielzahl rosaroter und roter Typen kommt eine weitere Farbvariante in dem in Ungarn als Wein bekannten Medoc noir (Chasselas noir, Blauer Gutedel) vor. Der Züchter Johann Mathiasz brachte ihn aus dem Médoc (Bordelais), wo er Mornen noir heißt, als frühreifende und zuckerreiche Sorte mit nach Ungarn.

Krachgutedel