Gobryas I. bzw. Gubaru (altpersisch Gaubaruva, babylonisch Ugbaru, elamisch Kambarma; † 27. Oktober 538 v. Chr.) war der Gouverneur von Sagartien in Gutium (einer medischen Provinz nördlich von Babylon) und der Anführer der Armee von Kyros II., welche die Stadt Babylon einnahm und den chaldäischen König Nabonid gefangen nahm, Online nachdem Ugbaru die Seiten gewechselt hatte. Ugbaru wurde anschließend von Kyros II. als Statthalter (Satrap) von Babylon eingesetzt. Nach dessen Tod übernahm der Sohn von Kyros II., der spätere König Kambyses II. diesen Posten.
Nabonid-Chroniken Die Nabonid-Chroniken erzählen die Eroberung von Babylon folgendermaßen: Kyros II. kämpfte im siebzehnten Regierungsjahr von Nabonid im Monat Tašritu gegen die Babylonier. Am vierzehnten Tag des Monats nahm er Sippar kampflos ein und Nabonid flüchtete. Zwei Tage später, am sechzehnten Tag des Monats, also am 12. Oktober 539 v. Chr., eroberte Ugbaru mit der Armee von Kyros II. Babylon kampflos, und Nabonid wurde gefangen genommen. Kyros II. selbst kam am dritten Tag des Monats Araḫsamna, also am 29. Oktober 539 v. Chr. nach Babylon. Weiter heißt es: „Ugbaru [im Original hier Gubaru genannt], sein [sc. Kyros II.] Statthalter, berief die Statthalter in Babylon. Vom Monat Kislimu bis zum Monat Addaru kehrten die Götter von Akkad, die Nabonid nach Babylon heruntergebracht hatte, zurück zu ihren Orten. In der Nacht des elften Tages des Monats Araḫsamna starb Ugbaru.“Nabonid-Chronik, III.12-22. In: Die englische Originalübersetzung von Grayson lautet:
Dabei stellt sich die Frage, ob Ugbaru im selben Jahr starb, wie die Eroberung stattfand, also acht Tage nachdem Kyros II. nach Babylon gekommen war und somit am 6. November 539 v. Chr. Dafür spricht, dass kein neues Jahr erwähnt wird. Umgekehrt stellt sich die Frage, wieso in der grundsätzlich chronologischen Erzählung zwischen diesen beiden Ereignissen im achten Monat der Einschub der Rückkehr der Götter im neunten und zwölften Monat zu finden ist, so dass sein Tod auf das Folgejahr, sprich den 27. Oktober 538 v. Chr.Gem. Berechnungen nach Jean Meeus: Astronomische Algorithmen – Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5 -, Barth, Leipzig 2000 und Ephemeris Tool 4,5 Umrechnungsprogramm allerdings der 18. Oktober 538 v. Chr. Denn im proleptischen julianischen Kalender 538 v. Chr. fiel der Frühlingsanfang auf den 28. März und der 11. Araḫsamna auf den 25. Oktober, wobei für die Umrechnung auf den heutigen gregorianischen Kalender noch sieben Tage abgezogen werden müssen., zu datieren wäre. Dafür sprechen könnte auch der Aufbau der Nabonid-Chroniken. Denn diese sind in Regierungsjahre gegliedert, die jeweils mit einem waagrechten Strich abgegrenzt werden. Da mit der Festnahme von Nabonid auch seine Regierungszeit endete, gab es kein achtzehntes Regierungsjahr, in dem der Tod von Ugbaru hätte aufgelistet werden können.
Xenophon Xenophon erzählt in seinem Werk Kyrupädie in Kapitel 4.6.1 von einem „Gobryas, ein Assyrer in vorgerücktem Alter“. Da der babylonische König seinen Sohn umbrachte, wechselte Gobryas die Seiten und unterstützte Kyros II. In dieser Erzählung ist die Einnahme von Babylon mit mehr Kampf und Gewalt verbunden. So schreibt Xenophon in Kapitel 7.5.26-30: Es ist wahrscheinlich, dass dieser Gobryas identisch ist mit Ugbaru aus den Nabonid-Chroniken.
Buch Daniel In der biblischen Menetekel-Erscheinung von Belšazar (der Sohn und Stellvertreter von Nabonid) wird Daniel die Deutung offenbart, dass das babylonische Reich geteilt und den Medern und Persern gegeben wird .Eine Aufteilung des babylonischen Reichs deutet Daniel bereits im Traum von Nebukadnezar II., in dem eine Statue durch einen Stein zerstört wird . Dabei deutet Daniel den Kopf der Statue als die Herrschaft von Nebukadnezar selbst. Die Brust und Arme aus Silber müssten – um im Einklang mit der Menetekel-Deutung zu sein – dementsprechend für die Herrschaft der Meder stehen. Der Bauch aus Bronze sodann für die Herrschaft der Perser. Die weitere Deutung der Statue ergibt sich nicht direkt aus Daniel. Historisch müssten jedoch die Schenkel aus Eisen, die für ein Königreich stehen, das stark wie Eisen sein wird, das alles zerschlägt und zermalmt , für das Alexanderreich stehen. Die Füße, teils aus Eisen und teils aus Ton, die für ein geteiltes Königreich stehen , wären mit den Diadochenreichen zu identifizieren. Das Kapitel schließt damit, dass noch in derselben Nacht Belšazar getötet wird . Als Nachfolger folgt Darius der Meder auf den Thron. So heißt es in
Historisch problematisch ist, dass eine Perserherrschaft über Babylon nicht belegt ist und auch zeitlich nicht möglich ist, da der Perserkönig Kyros II. offiziell als Nachfolger von Nabonid gilt. Deshalb geht eine Mehrzahl der Forscher davon aus, dass es Darius nie gegeben hat. Teilweise wird aber die Meinung vertreten, dass Ugbaru dieser Mederkönig Darius ist. Begründet wird das damit, dass Ugbaru selbst aus der medischen Provinz Guti stammte und seine Befugnisse in Babylon in seiner Funktion als Satrap de facto die eines Königs waren. Außerdem stimmt die Aussage bezüglich der Einsetzung von Satrapen mit den Nabonid-Chroniken überein. Weiter stimmt das erwähnte Alter von 62 Jahren mit der Aussage von Xenophon über das „vorgerückte Alter“ überein.
Anmerkungen und Einzelnachweise
Literatur James B. Pritchard (Hrsg.): Ancient near Eastern texts relating to the Old Testament. Reprinted 3rd edition with supplement. Pro Quest, Ann Arbor MI 2005, ISBN 0-691-03503-2 (inkl. Nabonaid-Chronik).
Kategorie:Satrap Kategorie:Perser der Antike Kategorie:Geboren im 6. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben 538 v. Chr. Kategorie:Mann