Das Kloster Eberbach (auch Kloster Erbach; ) ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in Eltville am Rhein im Rheingau, Hessen. Das für seinen Weinbau berühmte Kloster war eine der ältesten und bedeutendsten Zisterzen in Deutschland. Die im Naturpark Rhein-Taunus gelegene Anlage zählt mit ihren romanischen und frühgotischen Bauten zu den bedeutendsten Kunstdenkmälern Europas. { "type": "FeatureCollection", "features": [

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] } mini|Konventssiegel, das von 1332 bis 1803 benutzt wurde

Geschichte Gründung und Aufstieg (12./13. Jahrhundert) mini|hochkant|Als Gründer des Klosters genoss der heilige Bernhard besonderes Ansehen; hier die Statue vom Torhaus 1748 mini|hochkant|Bronzekruzifix aus der Gründungszeit des Klosters mini|hochkant|Kopie der Weiheinschrift in der Klosterbasilika Die Gründung des Zisterzienserklosters in Eberbach geht auf Bernhard von Clairvaux zurück. Nach der Gründung des Klosters Himmerod 1135 in der Eifel war das Kloster Clairvaux des Zisterzienserordens um ein weiteres Tochterkloster in Deutschland bemüht. So kam es am 13. Februar 1136 zur Gründung des Klosters Eberbach durch Abt Ruthard und 12 Mönche, die aus Clairvaux entsandt worden waren. Das Kloster stand unter dem Patrozinium der Maria Immaculata und hatte das Nebenpatrozinium Johannes der Täufer. Diese beiden Klöster wurden durch die Primarabtei Clairvaux gegründet, fast alle anderen Zisterzienserklöster in Deutschland durch die burgundische Primarabtei Morimond.Wolfgang Einsingbach, Wolfgang Riedel: Kloster Eberbach im Rheingau. 2007, S. 8.

Grundstock des Klosters Eberbach war ein 1116 von Mainzer Bischof Adalbert I. von Saarbrücken gegründetes Augustiner-Chorherren-Stift. Dessen Patron war der heilige Thomas. Das Stift wurde jedoch von Adalbert wegen angeblicher Zuchtlosigkeit 1131 von dort wieder vertrieben und siedelte nach St. Ägidius in Mittelheim um. Die Gebäude des Stifts wurden vorübergehend für eine Priorei des Klosters Johannisberg genutzt. So konnten die Zisterzienser die aufgelassenen Gebäude beziehen und davon ausgehend ein neues Kloster nach zisterziensischen Idealvorstellungen aufbauen.Wolfgang Einsingbach, Wolfgang Riedel: Kloster Eberbach im Rheingau. 2007, S. 17.

Schnell entwickelte sich das Kloster Eberbach. Bereits 1142 erfolgte die Gründung des Tochterklosters Schönau im Odenwald. Zu diesem Zeitpunkt musste, nach den Statuten der Zisterzienser, das Kloster Eberbach bereits über mehr als 60 Mönche verfügen. 1144/1145 erfolgte die Gründung des Tochterklosters Otterberg in der Pfalz und 1155 jene des Tochterklosters Hocht, später Gottesthal (Val-Dieu) bei Lüttich.

Eine erste Krise durchlebte Eberbach während der Kirchenspaltung um 1160 bis 1170. Der Zisterzienserorden unterstützte Papst Alexander III. gegen die Päpste des staufischen Kaisers Friedrich Barbarossa. Wie der Mainzer Erzbischof Konrad I. von Wittelsbach floh der Eberbacher Abt nach Rom. Weitere Mönche flohen vorübergehend nach Frankreich. Sie kehrten nach wenigen Jahren in das aufstrebende Kloster zurück.

Im Jahr 1174 erfolgte die Gründung des Tochterklosters Arnsburg in der Wetterau.

Ein von Eberbach und seinem Tochterkloster Schönau im frühen 13. Jahrhundert geplantes Tochterkloster im Königreich Sizilien konnte nicht gegründet werden. Die Planung erfolgte unter Abt Theobald, der zuvor Abt des Klosters Schönau gewesen war. Dem Generalkapitel lag die Planung vor. Die Äbte von Casamari und Fossanova waren beauftragt, die Umsetzung zu prüfen. Allerdings kam es 1217 zu einer Übersiedlung mehrerer Mönche zum Kloster Sambucina, einem Tochterkloster von Casamari.

Von 1232 bis 1234 besetzte Erzbischof Siegfried III. von Eppstein das Kloster Lorsch mit Mönchen aus Eberbach. Das bisherige Kloster der Benediktiner sollte nach den Regeln der Zisterzienser reformiert werden. Nachdem die Reformation nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hatte, wurde das Kloster Lorsch an die Prämonstratenser übergeben. In der Zeit der Besetzung wurden 35 karolingische Handschriften in die Bibliothek des Klosters Eberbach verbracht.

Eine weitere geplante Klostergründung im Hanauer Wald um 1234 vereitelten die Grafen von Hanau.

Soziale Zusammensetzung mini|hochkant|Ein Flechtbandfenster aus der Zeit um 1180, aus dem Klostermuseum Als Zisterzienserkloster folgte Eberbach den Regeln der zisterziensischen Reformation. Diese forderte ein streng an den Benediktregeln orientiertes Klosterleben. Die Mönche sollten von der Arbeit ihrer eigenen Hand leben. Dieses Arbeitsgebot machte das Klosterleben in Eberbach für Adlige unattraktiv, so dass die Mönche über die gesamte Zeit der Klostergeschichte aus nichtadligen Schichten stammten. Aus der Notwendigkeit, Arbeit und Gebet zu organisieren, entsteht bei den Zisterziensern die Trennung in verschiedene Stände. Den obersten bildeten die Mönche/Priester (). Hierbei handelte es sich um studierte Theologen. Darunter waren die Konversen/Laienbrüder () als mönchisch lebende Mitarbeiter angesiedelt. Mönche und Konversen wohnten in getrennten Räumen und hatten getrennte Plätze in der Basilika. Ein Wechsel vom Stand des Konversen zum Mönchsstand war nicht möglich.

Für das Mittelalter liegen nur Schätzungen zur Konventgröße vor. Der Konvent umfasste demnach etwa 300 Personen, davon 100 Mönche und 200 Konversen. Ähnliche Verhältnisse lassen sich auch in anderen Zisterzienserklöstern beobachten. Der hohe Anteil von Konversen bildete die Basis der schnellen Expansion des Ordens. Den untersten Stand bildeten die zeitweise, zum Beispiel als Erntehelfer, angeworbenen Lohnarbeiter ().

Die Konversen stammten im Mittelalter überwiegend aus bäuerlichen Familien. Sie nahmen nur eingeschränkt am spirituellen Leben im Kloster teil. Geistige Tätigkeiten wie Bücherlesen waren ihnen verboten. Bei der Abtwahl besaßen sie kein Wahlrecht. Die Stellung eines Konversen war im 12. Jahrhundert dennoch begehrt, da die Klostergemeinschaft bessere Lebensumstände bot als die Tätigkeit als einfacher Bauer oder Lohnarbeiter. Viele Konversen lebten ganz oder teilweise auf den Grangien und nicht direkt im Kloster.

Klosterwirtschaft mini|hochkant|Die Johanneskapelle in Limburg gehörte zum dortigen Stadthof des Klosters Als Folge des Gebots, von der eigenen Arbeit zu leben, lehnte das Kloster in den ersten Jahrhunderten die Verpachtung von Ländereien und Einnahmen aus Feudalrechten strikt ab. Auch Pfarreien wurden anfänglich nicht übernommen.

Stattdessen bildete ein ausgedehntes Netz von selbstbewirtschafteten Wirtschaftshöfen, die sogenannten Grangien, die Grundlage der Klosterwirtschaft. Für das Jahr 1163 sind bereits zwölf Grangien belegt, darunter der Draiser Hof, Hof Reichartshausen sowie der klosternahe Neuhof, vier weitere wurden noch im 12. Jahrhundert angelegt. Sie dienten dem Getreideanbau und der Viehzucht. In der Frühphase des Klosters wurde nur ein geringer Teil der landwirtschaftlichen Flächen für den Weinanbau verwendet. Die Reichweite der Besitzungen wird beispielsweise an der Grangie Hadamar deutlich. Diese wurde auf Grundlage mehrerer Schenkungen zwischen 1190 und 1230 in dem 50 Kilometer vom Kloster entfernten Ort aufgebaut. Auf dem Hof lebten und arbeiteten nachweislich mindestens sechs Konversen, zuzüglich saisonale Lohnarbeiter. Der Bau der St. Wendelinbrücke nahe dem Hof wird den Mönchen des Klosters zugeschrieben.Johannes Schweitzer, Peter Paul Schweizer: Stegwert und Brücke bei St. Wendelin in Niederhadamar. Hessische Straßenbauverwaltung, Weilburg 1983. Der Hof wurde 1320 an Graf Emich I. von Nassau-Hadamar verkauft, der ihn zum Schloss Hadamar ausbaute. Ab diesem Zeitpunkt verwaltete das Kloster seinen Besitz in dieser Region vom Erbacher Hof in Limburg. In Limburg erinnert heute noch der Straßenname Erbach, eine Variante des Klosternamens Eberbach, an den dortigen Hof des Klosters.

Daneben unterhielt das Kloster elf Stadthöfe, unter anderem den Eberbacher Hof in Köln, Frankfurt am Main und den Erbacher Hof in Mainz, die als Werkstätten, Handelsposten und Herbergen dienten. Der Kölner Hof und sein Weinkeller wurden in einem 1162 für Eberbach ausgestellten Privileg von Papst Alexander III. erstmals genannt.Karl Rossel (Hrsg.): Urkundenbuch der Abtei Eberbach im Rheingau. Band 1. Wiesbaden 1862, S. 44. Der Hof war Ziel der jährlichen Kölnfahrt des Klosters, des zentralen Ereignisses des Wirtschaftsjahrs. Im Rahmen der Fahrt wurde die jährliche überschüssige Weinproduktion nach Köln verschifft, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Der Kölner Hof entwickelte sich zu einem wichtigen Handelsstützpunkt des Klosters, da die Hansestadt Köln Zentrum des nordeuropäischen Weinhandels war. Die Leitung der Fahrt oblag regelmäßig direkt dem Abt des Klosters. Bei geeignetem Wasserstand erfolgte sie im Herbst, ansonsten im Frühling. Während der Fahrt wurden Ernteerzeugnisse von den stromabwärts gelegenen Höfen eingesammelt. Die Erlöse wurden genutzt, um höherwertige Waren zu erwerben, die das Kloster nicht selbst erzeugen konnte.

Auch in Boppard besaß das Kloster im 13. Jahrhundert Höfe. Da diese sehr beengt lagen, bezog es spätestens 1323 einen neuen Hof in der Bopparder Niederstadt, der zu einem großen Verwaltungszentrum für die bedeutenden Besitzungen am Mittelrhein wurde. Heute zeugt noch das Ebertor von diesem Hof.

Spirituelle Entwicklung mini|hochkant|„Christus und Ecclesia“ aus einer Buchmalerei in einem Kommentar zum Hohenlied aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts aus dem Kloster Eberbach Obwohl es sich bei den Zisterziensern nicht um einen wissenschaftlichen Orden handelte, brachte das Kloster Eberbach im Mittelalter einige beachtliche Theologen und Gelehrte hervor.

Der 1221 gestorbene Abt Konrad stammte aus dem Mutterkloster Clairvaux. Er war Verfasser des , eines wichtigen Werkes über die frühe Geschichte des Zisterzienserordens.

Der zeitgleich amtierende Prior Gebeno fungierte als Vermittler der Schriften der heiligen Hildegard, der Meisterin des nahe gelegenen Klosters Rupertsberg bei Bingen. Das von Gebeno zusammengestellte Werk gilt als Wegbereiter der Popularität Hildegards. Die von ihren Zeitgenossen als Prophetin anerkannte Meisterin stand in regem Austausch mit dem Kloster Eberbach. In der Einleitung des Werkes bezieht sich Gebeno auf den Besuch des Abts Johannes vom Kloster Sambucina in Eberbach 1217 und dessen Diskussion über das eschatologische Werk des Joachim von Fiore. Joachim wird wie Bernhard von Clairvaux ausdrücklich als Prophet benannt, der wie Hildegard dem Adler des Johannes (als Verfasser der Offenbarung des Johannes) gleich sei.

Mit Abt Jakob aus Eltville wurde 1372 ein Professor der Pariser Sorbonne zum Abt gewählt. Er gilt als Verfasser bedeutender theologischer Werke.

Daneben blühte auch die Volksfrömmigkeit um das Kloster auf. Bei der Klostergründung durch Bernhard von Clairvaux soll es demnach zu Wundern gekommen sein. So soll das Wasser des Kisselbachs plötzlich bergauf geflossen sein oder ein Eber den Bauplatz abgesteckt haben. Auch wurde mehreren Eberbacher Konversen in zeitgenössischen Quellen des 12. Jahrhunderts die Gabe der Wunderheilung durch Handauflegen zugeschrieben.

Das Kloster erwarb im Laufe der Jahrhunderte eine ansehnliche Reliquiensammlung. So wurde der Kiefer des heiligen Bernhard in Eberbach aufbewahrt. Das Kopfreliquiar des heiligen Valentius der Wallfahrtskirche Kiedrich stammte aus der Eberbacher Reliquiensammlung. Bei der Säkularisation des Klosters sollen noch „zwei Schränke voll“ Reliquien im Kloster gewesen sein.Wolfgang Einsingbach, Wolfgang Riedel: Kloster Eberbach im Rheingau. 2007, S. 20.

Höhepunkt der Bedeutung (13./14. Jahrhundert) mini|Das Eberbacher Exlibris von 1413 mini|hochkant|Grabplatte des Grafen Eberhard I. von Katzenelnbogen, des ersten Nichtklosterangehörigen, der in der Basilika bestattet wurde