mini|hochkant=1.2|Bettie Page Bettie Mae Page (* 22. April 1923 in Nashville, Tennessee; † 11. Dezember 2008 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanisches Fetisch- und Aktmodell. Sie wurde in den 1950er Jahren durch Pin-up-Bilder bekannt, geriet in den 1960er Jahren weitgehend in Vergessenheit und wird seit den 1980er Jahren von verschiedenen Subkulturen als Pin-up-Ikone und Sexsymbol verehrt. Sie gilt als eine der meistfotografierten Frauen der 1950er Jahre, als erstes bekanntes Bondage- und Fetischmodel und als Wegbereiterin der sogenannten sexuellen Revolution. Sie war Inspiration für Comicfiguren, Filme und die Entwicklung der New Burlesque.

Biografie Kindheit und Jugend Bettie Page wurde in ärmlichen Verhältnissen als zweites der sechs Kinder von Walter Roy Page (1896–1964) und Edna Mae Pirtles (1901–1986) geboren. In ihrer Kindheit reiste die Familie durchs Land, auf der Suche nach Arbeit und wirtschaftlicher Stabilität. Bettie, die von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde, im Internet-Archiv, Originalseite nicht mehr online verfügbar. musste sich bereits früh um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Ihre Eltern ließen sich scheiden, als Bettie zehn Jahre alt war, und ihre Mutter gab Bettie aus einer finanziellen Notlage heraus für ein Jahr in ein Waisenhaus.

Als Teenager entwarfen Bettie und ihre Schwestern Frisuren, sie imitierten die Make-up-Stile ihrer Idole, und Page lernte in dieser Zeit auch das Nähen. Beides erwies sich später als nützlich für ihre Karriere, da sie sowohl ihr Make-up als auch ihre Frisuren, ihre Bikinis und ihre Kostüme selbst entwarf. Sie war eine sehr gute Schülerin der Hume-Fogg High School und Mitglied des Debattierclubs, dort wurde sie als „höchstwahrscheinlich erfolgreich“ beurteilt., letzter Abruf am 17. Dezember 2011.

Sie schloss die High School am 6. Juni 1940 als Zweitbeste ihres Jahrgangs ab und immatrikulierte am George Peabody College mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. Im Herbst darauf wechselte sie das Studienfach; sie studierte nun Schauspiel in der Hoffnung, als Filmstar entdeckt zu werden. Zur gleichen Zeit nahm sie ihren ersten Job an, sie erledigte Schreibarbeiten für den Autor Alfred Leland Crabb. 1944 schloss sie das College mit dem Bachelor of Arts ab.

1943 heiratete Page ihren früheren Schulkameraden Billy Neal kurz vor dessen Einberufung zum aktiven Dienst im Zweiten Weltkrieg. In den folgenden Jahren zog Page von San Francisco nach Nashville, von dort nach Miami und anschließend nach Port-au-Prince auf Haiti. Nach ihrer Rückkehr in die Vereinigten Staaten im Jahr 1947 beantragte sie die Scheidung von Neal.

Karriere als Fotomodell Die Camera-Clubs Danach arbeitete sie gelegentlich in San Francisco und auf Haiti. Auf der Suche nach einer Anstellung als Schauspielerin zog sie schließlich nach New York, wo sie sich zunächst mit Gelegenheitsjobs als Sekretärin über Wasser hielt. 1950 begegnete Page bei einem Spaziergang am Strand von Coney Island dem Polizisten Jerry Tibbs, der sich für Fotografie interessierte. Page war bereit, für ihn Modell zu stehen. Aus den von Tibbs gemachten Fotografien entstand ihr erstes Pin-up-Portfolio.

In den späten 1940er Jahren fanden sich Männer in sogenannten Camera-Clubs zusammen, deren Zweck es war, die bestehenden restriktiven gesetzlichen Bestimmungen zur Produktion von Aktaufnahmen zu umgehen. Vorgeblich dienten die Clubs der Herstellung künstlerisch wertvoller Fotografien; sie waren jedoch nur Fassade für die Herstellung erotischer und zum Teil auch pornografischer Aufnahmen. Als Page im Bereich der Glamourfotografie mit dem Fotografen Cass Carr zu arbeiten begann, war sie bereits ein sehr bekanntes Model in der Camera-Club-Szene. Ihre hemmungslose Art beim Posieren vor der Kamera machte sie populär und ihr Gesicht wurde in der Erotikindustrie rasch bekannt. 1951 erschienen ihre Bilder in Männermagazinen mit Namen wie Eyeful, Wink, Titter, Black Nylons oder auch Beauty Parade., letzter Abruf am 13. Mai 2008.

Zusammenarbeit mit Irving Klaw Zu dieser Zeit modelte sie gelegentlich für den Fotografen Irving Klaw, der Fotografien mit Bondage- und sadomasochistischen Motiven per Postversand vertrieb. Klaw schlug Page die Pony-Frisur vor, die zu ihrem Markenzeichen wurde und in den kommenden Jahrzehnten Reminiszenzen an Page leicht erkennbar machte.Evolver-Porträt von Irving Klaw: Die Leichtigkeit des Scheins, letzter Abruf am 14. Mai 2008. Sie wurde durch Klaw als Bettie Page – The Dark Angel („Der dunkle Engel“) zum ersten bekannten Bondage- und Fetischmodel. Klaw deckte mit den Dominatrix-Bildern der mit einer Peitsche versehenen Page eine Lücke ab, denn in den öffentlich verkäuflichen Männermagazinen der Eisenhower-Ära waren solche Bilder nicht verfügbar. Entgegen den Behauptungen von Klaw, die überwiegend Marketingzwecke erfüllten, war Page selbst weder an Bondage noch an BDSM interessiert. Die Szenerien, die sie als Femdom mit ihrer Schwester darstellten, sowie die Fotografien submissiver oder gefesselter Damsel in Distress („Verfolgte Unschuld“) waren gestellt.Maria Elena Buszek: Pin-up Grrrls: Feminism, Sexuality, Popular Culture. Duke University Press, 2006, ISBN 0-8223-3746-0.

Als die von Klaw vertriebenen Künstler wie John Willie und Gene Bilbrew nicht mehr nur einzelne Bilder produzierten, sondern ganze Serien herstellten, die sich wie Bildergeschichten betrachten ließen, war für Klaw der Schritt zu Filmproduktionen mit Page eine naheliegende Weiterentwicklung. Mit ihr und weiteren bekannten Stars aus der Pin-up- und der Burlesque-Szene, beispielsweise Lili St. Cyr und Tempest Storm, produzierte Klaw die drei Untergrundfilme Striporama (1953), Varietease (1954) und Teaserama (1955). Diese drei Filme waren für die Verbreitung des Striptease in den prüden USA der Nachkriegszeit von besonderer Bedeutung, da sie weit mehr Menschen erreichten und beeinflussten als die bis dahin üblichen Burlesque-Nummern in den Nachtclubs oder Vaudeville-Häusern.Rachel Shteir: Striptease: The Untold History of the Girlie Show. Oxford University Press, 2004, ISBN 0-19-512750-1, Seite 288 ff. Bettie Page wurde durch die Zusammenarbeit mit Klaw zu einer Ikone des Catfight. Sie wirkte an etwa 50 Frauenringkampffilmen mit, zudem gab es hunderte von Fotos mit Ringkampfposen.Werner Sonntag: Kampfes Lust. über die Erotik der Körperbegegnung im Zweikampf; Beschreibung einer Szene; wenn Frauen kämpfen und Männer zuschauen: Emanzipation, Stimulation, Obsession? Laufen und Leben, Ostfildern 2002, ISBN 3-9802835-2-6, S. 184.

Off-Broadway Während ihrer Zusammenarbeit mit Herbert Berghoff bekam Page 1953 einige Theaterrollen in New Yorker Off-Broadway-Produktionen, beispielsweise Time is a Thief und Sunday Costs Five Pesos, und sie hatte einige Fernsehauftritte, darunter einen Auftritt in der damals populären Jackie Gleason Show. Obwohl sie zu mehreren Castings bei Filmgesellschaften in Hollywood eingeladen wurde, scheiterte sie wegen ihres sehr stark ausgeprägten Südstaatendialekts, den sie trotz intensiven Sprachtrainings nie ablegen konnte. Sie konnte in der Schauspielerei weder auf der Bühne noch auf der Leinwand Fuß fassen, ihr Schwerpunkt blieb die Pin-up-Fotografie.

Zusammenarbeit mit Bunny Yeager 1954, während einer ihrer jährlichen Reisen nach Miami, traf sie die Fotografen Jan Caldwell, H. W. Hannau und Bunny Yeager. Als eines der bekanntesten Pin-ups in New York wurde sie von Yeager, ehemaligem Model und damals aufstrebender Fotografin, für Fotoaufnahmen im heute geschlossenen Africa U.S.A. Park in Boca Raton gebucht. Das Ergebnis war die Jungle-Queen-Serie mit den meistbeachteten Fotografien ihrer Karriere, darunter sind sehr populär gewordene Aktaufnahmen von Page mit einem Gepardenpaar.Fotografien von Bunnie Yeager: The Jungle Queen. Die verwendeten Kostüme mit dem klassischen Leopardenmuster hatte Page selbst entworfen.

Als Yeager 1955 einige der Fotos an den Gründer des Playboy, Hugh Hefner, schickte, stellte dieser Page als Playmate des Monats Januar vor. Im selben Jahr gewann sie auch den Titel „Miss Pinup Girl of the World“. Während die Karriere vieler Pin-up-Girls sich häufig nur auf ein paar Monate beschränkte, war Page als Model über Jahre hinweg bis 1957 gefragt. Obwohl sie oft nackt posierte, erschien sie nie offiziell in Szenen mit pornografischem Bezug.

Rückzug aus der Öffentlichkeit Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere zog sie sich 1957 aus der Öffentlichkeit zurück. Zu diesem Zeitpunkt gab es etwa 20.000 Bilder von ihr,Reason Magazine, Ausgabe August/September 2007: „Greg Beato: The Fetishist Next Door – The all-American appeal of Bettie Page“, letzter Abruf am 15. Mai 2008. und sie war auf mehr Titelblättern und Magazinen erschienen als später Marilyn Monroe und Joan Crawford zusammen.NBC-Interview auf YouTube|Youtube: REAL Bettie Page TV Interview – Her Life In Her OWN Words, letzter Abruf am 15. Mai 2008. Für ihren Rückzug wurden verschiedene Gründe angegeben. In einem ihrer Interviews zwischen 1996 und 1999 gab sie selbst an, sie sei zu alt geworden.Sex und Hopp - Karriereende von Bettie Page, Spiegel Online vom 8. November 2013, abgerufen am 10. September 2014.

Nach ihrem Rückzug wandte sich Page der evangelikalen Erweckungsbewegung zu. Während einer ihrer regelmäßigen Besuche in Key West wohnte sie am Silvesterabend einem Gottesdienst der Gemeinde bei, die heute die Key West Temple Baptist Church ist. Sie fand die ethnisch gemischte Atmosphäre sehr attraktiv und besuchte nun regelmäßig die Gottesdienste. Nach dieser Bekehrung brach sie jede Verbindung zu ihrem früheren Leben ab.

Die Jahre nach dem Rückzug In den folgenden Jahren besuchte sie verschiedene weiterführende Bibelschulen, unter anderem das Bible Institute of Los Angeles, die Multnomah School of the Bible und ein als „Bibletown“ bekanntes Rüstzentrum einer überkonfessionellen Gemeinde in Boca Raton. In den 1960er Jahren wollte sie als christliche Missionarin nach Afrika gehen; da sie geschieden war, wurde dies jedoch abgelehnt. Ehe sie sich 1963 wieder in Nashville niederließ, arbeitete sie für verschiedene christliche Organisationen. Um Zugang zur Missionsarbeit zu erhalten, heiratete sie ihren geschiedenen Mann Billy Neal ein zweites Mal, die Ehe wurde jedoch nach kurzer Zeit wieder geschieden. Neben einer weiteren gescheiterten Ehe mit Armond Walterson in den 1960er Jahren und ihrer Arbeit in einer christlichen Organisation gab es bis in die 1980er Jahre hinein keine weiteren öffentlichen Informationen über Page.

Sie kehrte 1967 in das von ihr geliebte Florida zurück und heiratete dort Harry Lear. Die Ehe wurde 1972 geschieden. Page verließ Florida in den späten 1970er Jahren, um mit ihrem Bruder zusammen in Los Angeles zu leben. Sie lebte dort sehr zurückgezogen und war sich des Kultes, der in den 1980er Jahren um ihre Person herum entstanden war, nicht bewusst. Die wiederaufkommende Popularität führte dazu, dass nachgeforscht wurde, was nach den 1950er Jahren mit Page geschehen war. In der Ausgabe des sehr bekannten Book of Lists von 1990 wurde Page als ehemalige Berühmtheit gelistet, die völlig aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwunden war.David Wallechinsky und Amy Wallace: The People’s Almanac Presents the Book of Lists – the '90s Edition. Little Brown & Co, 1993, ISBN 0-316-92079-7.