Mljet [] (italienisch Meleda, lateinisch Melitusa) ist die südlichste unter den größeren Inseln Kroatiens. Sie befindet sich etwa 30 km nordwestlich von Dubrovnik in der Adria, hat eine Fläche von knapp 100 Quadratkilometern und wenig mehr als tausend Einwohner. Der höchste Punkt der seit mindestens 5000 Jahren durchgängig besiedelten Insel liegt mehr als 500 m über dem Meeresspiegel. Der Westteil der überaus waldreichen Insel steht als Nationalpark unter Schutz, dort befindet sich auch der zweitgrößte römische Palast Dalmatiens sowie Überreste zweier frühchristlicher Basiliken.

Geographie Überblick Mljet ist eine langgestreckte rund 37 km lange und bis zu 3,2 km breite Insel mit wenig mehr als tausend Einwohnern, die sich von Westnordwest nach Ostsüdost erstreckt. Ihre Fläche beträgt 98,01 km²Tea Duplančić Leder, Tin Ujević, Mendi Čala: Coastline lengths and areas of islands in the Croatian part of the Adriatic Sea determined from the topographic maps at the scale of 1:25 000 (Duljine obalne crte i površine otoka na hrvatskom dijelu Jadranskog mora određene s topografskih karata mjerila 1:25 000). In: Geoadria, Band 9, Nr. 1, 2004, S. 5–32; doi:10.15291/geoadria.127 (), PDF (Abstract, Memento im Webarchiv vom 21. Oktober 2020).. Mit einem Waldanteil von 90 % ist sie eine der am stärksten bewaldeten Inseln im Mittelmeer. mini|Veliko jezero (Großer See) Der Nationalpark Mljet umfasst den westlichen Teil der Insel, die beiden Seen Veliko jezero und Malo jezero („Großer See“ und „Kleiner See“), die Bucht von Soline und einen 500 m breiten Meeresstreifen vom markanten Kap von Mljet mit einer Fläche von 54 km². Die zentralen Flächen des Parks sind der Veliko jezero mit der Insel St. Maria, der Malo jezero und die Dörfer Goveđari, Polače und Pomena;Naklad Naprijet: The Croatian Adriatic Tourist Guide. Zagreb (1999), S. 338, ISBN 953-178-097-8.Population by Age and Sex, by Settlements, 2011 Census: Mljet. Census of Population, Households and Dwellings 2011. Zagreb: Croatian Bureau of Statistics (, DZS). Dezember 2012. dazu kommen das umliegende Meeresgebiet einschließlich der vorgelagerten Inseln.

Höchster Punkt ist mit 514 m der Veliki oder Velji Grad, der sich oberhalb von Babino Polje im Zentrum der Insel erhebt. Etwa zwanzig weitere Bergspitzen sind über 300 m hoch, darunter (von West nach Ost) Korubica (347 m), Veliki Planjak (396 m), Vilin Gradac (305 m), Grabova glava (384 m), Bijeđ (333 m), Bandjera (348 m) und Straža (339 m) nordöstlich von Blato, Brdska gora (345 m) und Veliki vrh Bugara (340 m), Velika sutilija (388 m), dann über 400 m hohe Gipfel, wie der 459 m hohe Kantun und der 438 m hohe Katani, die schon in der Nähe des höchsten Gipfels der Insel liegen, unweit von Babino polje. Weiter östlich schließen sich Zirinje (486 m, über dem Hafen von Sobra), Dračeva glavica (383 m), Straževac (369 m), Blatska gora (388 m), Sušigute (363 m) und weitere Gipfel jenseits der 300 m an, bis zum Crkva (354 m). Östlich davon fällt das Gelände langsam ab.

Politische Zugehörigkeit, Ortschaften nebst Einwohnerzahlen Politisch bildet die Insel Mljet eine Gemeinde innerhalb der Gespanschaft Dubrovnik-Neretva mit wenig mehr als tausend Einwohnern in einer Reihe von Siedlungen, die meist im Landesinnern liegen. Hauptort ist Babino Polje im Zentrum der Insel, das bei der Zählung des Jahres 2021 genau 262 Einwohner aufwies, gefolgt vom im Nordwesten gelegenen Goveđari mit 138 Einwohnern, Sobra mit 129, sowie von Polače mit 111 Einwohnern. Das übrige Drittel der Bevölkerung verteilte sich auf die Dörfer Blato (31 Einwohner), Korita (52), Kozarica (30), Maranovići (29), Okuklje (38), Pomena (62), Prožura (26), Prožurska Luka (48), Ropa (23) und Saplunara (83).Nach dem Zensus des Jahres 2021, Z. 21003–21047.

Klima Typisch für die Inseln ist die Bora, ein kalter und trockener Nordostwind, der oftmals Tage anhält und der vom Festland weht. Hingegen weht der feuchtwarme Schirokko, der am häufigsten weht, von Südosten, schließlich der Mistral von Nordwesten. Letzterer bringt Erfrischung im Frühjahr und Sommer, während die beiden erstgenannten Winde überwiegend in der kalten Jahreszeit wehen.

Geologie mini|Grenzverlauf der Adriatischen Platte Mljet ist Teil der Dinarischen Tektonischen Region und besteht überwiegend aus Kalkstein und Dolomit. Die Adriatische Platte wurde bei ihrer Nordwärtsbewegung unter die Eurasische Platte subduziert, während das Dinarische Gebirge entstand.

Während der Kaltzeiten wurden die Oberflächengesteine überformt. Während der maximalen Vergletscherung während der letzten Kaltzeit lag der Meeresspiegel mehr als 100 m unter dem heutigen Niveau. Damit waren die Inseln der Region Hügel in einer weitläufigen Graslandschaft, die die heutige nördliche Adria ausfüllte. Während die nördliche Adria also weitgehend trocken lag, verlief die Mittelmeerküste entlang des Kanals zwischen Lastovo und Korčula sowie Mljet. Mit dem Ansteigen des Meeresspiegels durch das Abschmelzen vieler Gletscher wurden aus den Hügeln die heutigen Inseln.

Geschichte Illyrer mini|Das Königreich der Ardiaei gegen Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. Die Illyrer, die ersten Bewohner der Insel bereits in prähistorischer Zeit, genauer die Ardiaei, errichteten im Hinterland zahlreiche Fluchtburgen. Den Süden Kroatiens besiedelten Illyrer wohl schon in der Bronzezeit, vielleicht um 3000 v. Chr. Belege für die Anwesenheit von Menschen, nämlich Holzkohlereste, ließen sich in einer Höhle im Nationalpark, der Spila nad Procjepom oberhalb der Procjep-Bucht, für das 15. Jahrhundert v. Chr. finden.Koraljka Bakrač, Olena Sirenko, Dario Hruševar, Ivona Baniček, Vibor Novak, Nataša Kletečki, Ankica Oros Sršen: First palynological results from Spila nad Procjepom cave, Mljet island (Croatia), in: Geologia croatica 77 (2024) 29–39 (online). So entstanden die ersten Ansiedlungen im Osten der Insel gegenüber der Halbinsel Pelješac, wobei die Häuser mittels Trockenmauern errichtet wurden. Jagd, Schaf- und Ziegenhaltung sowie Ackerbau lieferten die notwendigen Lebensmittel, aber auch Kleidung, Werkzeuge und sonstigen Bedarf. Die älteste erhaltene Festung, Gradac, entstand bei Veliki Gradac, ein Bauwerk von mehr als 40 m Länge, das weit über 100 Menschen Zuflucht bieten konnte. Bei den zeitgenössischen Hügelgräbern wurden an der Fundstätte Sutmiholjska und an anderen Stellen auch Gräber mit Bronzeschmuck gefunden, darunter hornförmige Anhänger, Knöpfe und Ringe. Offenbar betrieben die Bewohner Handel oder Ehrentausch mit anderen Bewohnern der dalmatinischen Region.

Dabei entstanden im Osten verhältnismäßig wenige dieser Anlagen, von denen keine mehr in der Nähe der Küste zu finden war. Die Griechen besiedelten die Insel zwar nicht, doch nutzten sie das Süßwasser zur Verproviantierung ihrer Handelsschiffe, worauf Funde von Amphoren bei Okuklje, Sobra und Polače.

Teil des Römerreichs, Odoaker, Ostgoten 167 v. Chr. wurde die Insel von Römern besetzt, nachdem König Gentius im Krieg gegen sie unterlegen war.Dario Alberi: Dalmazia. Storia, arte, cultura, Lint Editoriale, Trebaseleghe 2008, S. 1628 f. In der Antike galt die illyrische Insel als Seeräubernest. So berichtet der Geschichtsschreiber Appian in seinem Werk De rebus Illyricis, der spätere Kaiser Augustus habe im Jahr 34 v. Chr. die Stadt Melitusa zerstören lassen. Die Insel diente fortan als Verbannungsort, die Jungen wurden zwecks „Ausmerzung der Piraterie“ getötet, die Alten verschleppt. Die Nachkommen der Verbliebenen wurden jedenfalls assimiliert und waren bald als Illyrer nicht mehr kenntlich.Elena Mikhaĭlovna Shtaerman: Die Sklaverei in den westlichen Provinzen des römischen Reiches im 1–3. Jahrhundert, Steiner, 1987, S. 177.

Wann die Insel christianisiert wurde, ist unklar. Das Bedürfnis, im Nachineinen unmittelbaren Kontakt mit den wichtigsten Männern und Frauen der frühen Missionsgeschichte des Christentums herzustellen, führte zu zahlreichen legendären Aufenthaltsorten der bekanntesten unter ihnen, auch auf Mljet dazu, dass der Apostel Paulus sich kurzzeitig dort aufgehalten haben sollte. Mljet war neben Malta und (nach einer Annahme, die sich auf eine örtliche Tradition stützen kann) Kefalonia eine der Inseln, die den Anspruch erhob, jene Insel „Melite“ zu sein, wo nach der Apostel Schiffbruch erlitt. Dies wird erstmals in der Schrift De Administrando Imperio des byzantinischen Kaisers Konstantin VII. Porphyrogenetos behauptet. Für diese These schien der Hinweis in zu sprechen, die Einwohner seien „Barbaren“ (also Nichtgriechen und Nichtrömer) gewesen, allerdings wird der weitere Verlauf der Reise des Apostels mit einem Schiff aus dem ägyptischen Alexandria, das auf der fraglichen Insel überwintert hatte und dann zuerst nach Syrakus auf Sizilien fuhr und von dort weiter nach Rom, als geografisches Argument gegen diese These gesehen.Heinz Warnecke: Strandete der Apostel Paulus auf Malta oder in Westgriechenland? Eine historisch-geographische Analyse der spätantiken und mittelalterlichen Belege, in: θεολογία 88 (2017) 69–158 (online, PDF). mini|links|Ruinen in der Bucht von Polače mini|Wandmauer einer Basilika am selben Ort Im 3. Jahrhundert entstand in der Bucht von Polače eine massiv befestigte Villa rustica, die eher einer Festung glich. Unmittelbar nebenan entstanden zwei frühchristliche Basiliken und ein Badehaus. Eine der Basiliken liegt nur 70 m südwestlich des Palasts; der älteste Bau entstand im 5. Jahrhundert, ihm folgte ein neues Bauwerk des 6. bis 9. Jahrhunderts, schließlich ein drittes, das in das 12. Jahrhundert datiert wird. Dort wurde eine Bischofskathedra ebenso entdeckt, wie ein Taufbecken.

Polače war zu jener Zeit eine Stadt namens Meleta, Überreste von Anlegestellen auf dem Meeresgrund deuten darauf hin, dass der Ort ein Handelshafen war. Während der Pax Romana florierte der Handel, zumal das Meer von Piratenflotten weitgehend frei war. Der Hafen war gut geschützt durch die vier Inseln Moračnik, Tajnik, Ovrata, Kobrava, außerdem besaß er eine Trinkwasserquelle. In der Spätantike wurden die Straßen unsicherer, so dass der Anteil des Schiffsverkehrs am Handel weiter zunahm. Davon dürfte Mljet mit seinem sicheren Hafen profitiert haben. Vermutet wurde daher auch, dass der gewaltige Ausbau des Palastes mit einem Hafen den römischen Flotten diente, die dort überwinterten.

Der ausgedehnte Palast war nach dem Diokletianspalast in Spalato (Split) das größte römische Bauwerk dieser Art in Dalmatien. Er wurde als Sitz des Provinzstatthalters gedeutet, die Insel muss in jedem Falle in dieser Zeit sehr dicht besiedelt gewesen sein, um ein solch imposantes Bauwerk mit seinen zahlreichen Bewohnern zu unterhalten. Ausgrabungen brachten zahlreiche Artefakte zutage, darunter Lampen, Skulpturen, einen Altartisch, zahlreiche Kapitellsockel und Münzen. Im Jahr 1973 wurde zudem eine Steintafel mit folgendem Text entdeckt: „PRO SALUTE P. C. BALBINIANI TEMPLUM TUUM PORTICO ADAMPLIAVIT MAGNUS LIBERO [ANIMO] [E]T LIBE[N] FECI[T]“ (sinngemäß: Zum Wohl des P. S. Balbinus [des obersten Gutsverwalters] hat Magnus aus freiem Willen deinen Tempel [um einen Portikus] erweitert).Zitiert nach Vatroslav Župančić: Otok Mljet u ranokršćanskom razdoblju. S prilozima za istraživanje brodoloma Apostola Pavla (sinngemäß: Die Insel Mljet in der frühchristlichen Zeit. Mit Beiträgen zur Erforschung des Schiffsunglücks des Apostels Paulus), in: Kairos. Evanđeoski teološki časopis, 7 (2013) 247–257, hier: S. 250. Die lokale Ökonomie basierte auf Salz, Wein, Olivenöl, Honig, Fleisch und Käse (von Schafen und Ziegen) sowie getrocknetem und gesalzenem Fisch. mini|300x300px|Größte Ausdehnung des Ostgotenreiches, an dessen äußerstem Südostrand Melitusa