Ludlockit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“. Er kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung PbFe3+4As3+10O22, ist also chemisch gesehen ein Blei-Eisen-Arsenit.
Ludlockit ist durchscheinend und entwickelt faserige bis tafelige Kristalle mit fettähnlichem Glanz auf den Oberflächen, die meist in haarförmigen Büscheln oder filzigen Matten angeordnet sind und dann eher seidig glänzen. Seine Farbe variiert zwischen rot, rotbraun bis orangebraun und gelb, seine Strichfarbe ist dagegen hellbraun.
Mit einer Mohshärte von 1,5 bis 2 gehört Ludlockit zu den weichen Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Gips mit dem Fingernagel ritzen lassen.
Etymologie und Geschichte Erstmals entdeckt wurde Ludlockit im Germanit-Erz der 2. Oxidationszone der „Tsumeb Mine“ in der Oshikoto-Region von Namibia und beschrieben 1970 durch R. J. Davis, P. G. Embrey und M. H. Hey. Sie benannten das Mineral nach den beiden Mineralsammlern und Händlern Frederick Ludlow Smith III und Charles Locke Key, die Davis und sein Team großzügig mit Mineralproben zur Analyse des Materials versorgten.
Klassifikation In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Ludlockit noch nicht aufgeführt.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/J.07-010. Dies entspricht der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Arsenite (mit As3+)“, wo Ludlockit als einziges Mineral die „Arsenite mit [AsxOy]-Gruppen“ mit der Systemnummer IV/J.07 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Ludlockit in die Klasse der „Oxide (Hydroxide, V[5,6]-Vanadate, Arsenite, Antimonite, Bismutite, Sulfite, Selenite, Tellurite, Iodate)“ und dort in die Abteilung „Arsenite, Antimonite, Bismutite, Sulfite, Selenite, Tellurite; Iodate“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Arsenite, Antimonite, Bismutite; ohne zusätzliche Anionen, ohne H2O“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 4.JA.45 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Ludlockit die System- und Mineralnummer 45.01.14.01. Das entspricht der Klasse der „Antimonate, Antimonite und Arsenite“ und dort der Abteilung „Saure und normale Antimonite und Arsenite“. Hier findet er sich als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 45.01.14.
Bildung und Fundorte mini|links|Ludlockit (orange) auf Leiteit (perlweiß) aus der Tsumeb Mine, Namibia (röße: 2,8 × 1,8 × 1,2 cm) mini|Orangebraune Ludlockit-Sonnen aus der Veta Negra Mine, Tierra Amarilla, Provinz Copiapó, Región de Atacama, Chile (Sichtfeld ca. 3 × 4 mm) Ludlockit bildet sich in hydrothermalen Sulfiderz-Lagerstätten komplexer, polymetallischer Zusammensetzung. Als Begleitminerale treten unter anderem Bornit, Chalkosin, Germanit, Leiteit, Quarz, Pyrit, Renierit, Schneiderhöhnit, zinkhaltiger Siderit, Stolzit und Tennantit auf.
Als seltene Mineralbildung konnte Ludlockit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand: 2013) rund 20 Fundorte als bekannt gelten. Seine Typlokalität „Tsumeb Mine“ ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Namibia, lieferte dafür aber die weltweit reichhaltigsten Mineralproben und schönsten Sammelstücke.
In Deutschland kennt man das Mineral bisher nur aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz nahe der Kupferkammer Hettstedt, der Krughütte bei Lutherstadt Eisleben sowie der Eckardthütte und der Lutherhütte bei Leimbach (Mansfeld).
Der bisher einzige Fundort in Österreich sind die antiken Goldgruben bei Kliening im Lavanttal, Unterkärnten.
Weitere Fundorte sind unter anderem die „Veta Negra Mine“ im Pampa Larga District (Tierra Amarilla) in der chilenischen Provinz Copiapó, die Schlackenhalden der „Les Rats Mine“ bei Le Crozet in der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes, die Schlackenhalden in der Umgebung von Lavrio in der griechischen Gemeinde Attika, die Schlackenhalden in der Umgebung von Campiglia Marittima und Piombino in der italienischen Toskana, die „Kiura Mine“ nahe Saeki in der japanischen Präfektur Ōita (Kyūshū) und das „Stavoren-Mutue“-Zinnerzfeld in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga.
Kristallstruktur Ludlockit kristallisiert triklin in der mit den Gitterparametern a = 10,43 Å; b = 12,07 Å; c = 18,35 Å; α = 101,8°; β = 100,2° und γ = 90,6° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.
Siehe auch Liste der Minerale
Literatur R. J. Davis, P. G. Embrey, M. H. Hey: Ludlockite: A New Arsenate Mineral. In: Mineralogical Society of Japan Special Paper. Band 1, 1970, S. 264–264. (PDF 125 kB) M. A. Cooper, F. C. Hawthorne: The crystal structure of ludlockite, PbFe3+4As3+10O22, the mineral with pentameric arsenite groups and orange hair. In: The Canadian Mineralogist. Band 34, 1996, S. 79–89. (PDF 1 MB)
Weblinks
Mineralienatlas:Ludlockit (Wiki) Database-of-Raman-spectroscopy - Ludlockite
Einzelnachweise Fundortliste für Ludlockit beim Mineralienatlas und bei Mindat Ludlockite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001. (PDF 71,3 kB)
Mindat - Ludlockite Mineralienatlas:Ludlockit
Webmineral - Ludlockite
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