Meerbusch ist eine Stadt im Rhein-Kreis Neuss in Nordrhein-Westfalen. Die als Mittelzentrum ausgewiesene kreisangehörige Stadt im Regierungsbezirk Düsseldorf liegt zwischen Krefeld und Düsseldorf am linken Niederrhein.

Geographie und Religionen Geographische Lage Meerbusch liegt am linken Niederrhein zwischen Krefeld und Düsseldorf. Der ländliche Charakter wird durch die Flächennutzung verdeutlicht: Ungefähr 3600 ha werden landwirtschaftlich genutzt oder sind Brachland, 540 ha sind Wald, 300 ha sind Wasserfläche. Zusammen werden so etwa 70 % des Stadtgebietes abgedeckt. Die Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt 12 km von Nord nach Süd und 8 km von Ost nach West. Die größte Entfernung zwischen den Stadtgrenzen beträgt 12,5 km.

Nachbargemeinden Angrenzende Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen) sind Willich, Krefeld, Duisburg, Düsseldorf, Neuss und Kaarst.

Stadtgliederung Die acht ehemals selbstständigen Gemeinden Büderich, Osterath, Lank-Latum, Ossum-Bösinghoven, Strümp, Langst-Kierst, Nierst und Ilverich bilden die heutigen Stadtteile.

+ Statistische Daten der Stadtteile von Meerbusch (31. Dezember 2021)Stadt Meerbusch Statistisches Jahrbuch 2021 Stadtteil Einwohner Flächein Hektar Fläche in Prozentdes Stadtgebietes Büderich 23.578 1708 26,5 Osterath * 13.505 1202 18,7 Lank-Latum 9.644 684 10,6 Strümp 6.225 620 9,6 Ossum-Bösinghoven 2.312 503 7,8 Nierst 1.466 722 11,2 Langst-Kierst 1.104 355 5,5 Ilverich 662 644 10,0(* = Sitz der Stadtverwaltung)

Konfessionsstatistik Mit Stand 31. Dezember 2011 lebten in Meerbusch 22.979 oder 41,3 % Katholiken, 12.763 oder 22,9 % evangelische Christen sowie 19.872 oder 35,7 % Sonstige oder ohne Konfession. Mit Stand 31. Dezember 2016 lebten in Meerbusch 21.718 oder 38,3 % Katholiken, 11.669 oder 20,6 % evangelische Christen sowie 23.291 oder 41,1 % Sonstige oder ohne Konfession.Stadt Meerbusch Statistisches Jahrbuch 2016, abgerufen am 20. Februar 2020 Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung sinkt jährlich um 1 Prozentpunkt. Gemäß dem Zensus 2022 waren (Mai 2022) 33,2 % der Einwohner katholisch, 18,5 % evangelisch und 48,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 4. September 2024

Laut kirchlicher Statistik sank der Anteil der katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung zwischen Ende 2021 und Ende 2025 mit zirka 5,5 Prozentpunkten.Zahl der Katholiken in Meerbusch geht weiter zurück Statistik des Bistums, abgerufen am 27. März 2026

Geschichte mini|hochkant|Das Teehäuschen am Rande des Parks von Haus Meer Die ersten nachweisbaren Besiedlungsspuren in Meerbusch stellen Reste der großen römischen Villa in Ilverich nahe dem Limes 70 n. Chr., einer weiteren römischen Villa auf der Grenze Lank-Latum/Nierst und einer in Osterath gefundenen römischen Villa dar. Der Lank-Latumer Friedhof ist mindestens seit der Zeit um 900 nachweisbar.Marion Sarna: Ausgrabungen bei der Sanierung des Kirchturmes von St. Stephanus in Meerbusch-Lank-Latum. In: Meerbuscher Geschichtshefte, Heft 23, Meerbusch 2006, S. 89–102. 1001 wurde die Burg Meer errichtet und hochmittelalterliche Rodungen begonnen. Hildegund von Meer gründete 1166 ein Prämonstratenserinnen-Kloster auf Burg Meer, das 1179 durch Papst Alexander III. anerkannt wurde. In der Zeit zwischen 1388 und 1392 ging die Burg Linn und damit Stadt und Land, worunter auch der Raum Meerbusch fiel, an den Erzbischof von Köln über. Seit 1422 belehnten die Erzbischöfe von Köln die Herren von Büderich mit der Vogtei zu Büderich.

Die erste erzbischöflich-kölnische Visitation im Kurfürstentum Köln 1569 und damit in den Pfarreien Büderich, Lank und Osterath zeigte religiöse Missstände auf; reformatorisches Ideengut war jedoch in der Bevölkerung kaum verbreitet. Wegen ihrer Nähe zu Düsseldorf, wo das Vorspiel zum Dreißigjährigen Krieg in den Erbfolgestreitigkeiten um das Tripelherzogtum Jülich-Kleve-Berg ausgetragen wurde, gerieten die Meerbuscher Gemeinden 1618 bis 1648 stark in Mitleidenschaft. Während der napoleonischen Besatzung 1794 bis 1814 wurde das linke Rheinufer Frankreich einverleibt; Büderich, Langst, Lank, Osterath und Strümp wurden französisch verfasste Mairien. Nach dem Wiener Kongress gelangten die ehemaligen Territorien Kurkölns, des Großherzogtums Berg an Preußen und wurden zu dessen Rheinprovinz. 1842 wurden die Gemeinden Lank, Langst und Strümp zusammengelegt. Die Märzrevolution 1848/49 erfasste die Meerbuscher Gemeinden nur in geringem Ausmaß.

1855 wurde die Stammstrecke der Köln-Krefelder Eisenbahn-Gesellschaft von Köln über Neuss und Osterath nach Krefeld gebaut, von deren markanten Bahnhöfen der Osterather als einer der wenigen erhalten blieb. Im Zuge der Industrialisierung wurde 1883 in Osterath die erste Dampfmaschine des Raumes in Betrieb genommen. 1891 nahmen die Weberei Gebr. Stein und die Mosaik-Fabrik Ostara ihre Arbeit auf. 1901 folgte die Drahtseilfabrik Stoessel. In Lank und Latum wurden Weihnachten 1900 zum ersten Mal städtische Laternen mit elektrischem Strom beleuchtet. Osterath folgte 1903.

Ab 1919, später auch während des Ruhrkampfs 1921 bis 1926, wurde der linke Niederrhein von belgischen und französischen Soldaten besetzt. Während der Rheinlandbesetzung waren zeitweilig über 6000 Soldaten in den Meerbuscher Gemeinden stationiert, unter anderem im stillgelegten alten E-Werk in Osterath. Mit der kommunalen Neugliederung 1929 wurden Osterath und das Amt Lank Teil des Kreises Kempen-Krefeld; Büderich wurde dem Kreis Grevenbroich-Neuss zugeschlagen. Ortsgruppen der NSDAP wurden zwischen 1930 und 1932 auch in Büderich, Lank und Osterath gegründet. 1934 wurde der jüdische Friedhof in Osterath geschändet und beseitigt. In der Reichspogromnacht 1938 wurde auch die Synagoge in Osterath zerstört. 1941/42 wurden 37 Juden aus den Meerbuscher Gemeinden deportiert, von denen lediglich drei den Holocaust überlebten und zurückkehrten. Am 1. und 2. März 1945 besetzten amerikanische Truppen Osterath, Büderich und das Amt Lank. Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 kam der Norden der preußischen Rheinprovinz – zu der auch das Gebiet der späteren Stadt Meerbusch gehörte – als Nordrhein an die britische Besatzungszone. 1946 wurden die Bürgerausschüsse durch von der britischen Militärregierung ernannte Gemeinderäte und Bürgermeister ersetzt. Die Provinz Nordrhein – u. a. mit Büderich, Osterath und das Amt Lank – wurde Teil des 1946 neu gegründeten Landes Nordrhein-Westfalen. 1947 wurden evangelische Volksschulen in Büderich und Osterath zur Aufnahme der Kinder von Flüchtlingen und Vertriebenen gegründet.

1960 wurden Gewerbegebiete in Strümp und Lank-Latum erschlossen. 1964 wurde das Sportstadion am Eisenbrand in Büderich eingeweiht. Ein Generalverkehrsplan in der Gemeinde Osterath wurde 1966 erstmals aufgestellt. Mit dem 1969 ratifizierten Gebietsänderungsvertrag durch die Räte der Gemeinden Büderich, Ilverich, Langst-Kierst, Lank-Latum, Nierst, Ossum-Bösinghoven, Osterath und Strümp erhielt der ins Auge gefasste gemeindliche Zusammenschluss eine erste Grundlage, die durch den Landtag von Nordrhein-Westfalen im Kempen-Krefeld-Gesetz verabschiedet wurde. Am 1. Januar 1970 wurde damit die Stadt Meerbusch gegründet, die dem damaligen Kreis Grevenbroich zugeordnet wurde. Die Stadt wurde nach dem Waldgebiet Meerbusch benannt. Das Quickborner Planungsteam entwickelte Pläne für Meerbuschs „Neue Mitte“. Der Landtag von Nordrhein-Westfalen beschloss am 8. Juli 1974 die Auflösung der Stadt Meerbusch und ihre Aufteilung auf die Städte Düsseldorf (Büderich [Hauptteil], Ilverich, Osterath und Strümp [Hauptteil] sowie kleinere Teile von Langst-Kierst, Ossum-Bösinghoven und Willich), Krefeld (Langst-Kierst [Hauptteil], Lank-Latum, Nierst und Ossum-Bösinghoven [Hauptteil] sowie kleinere Teile aus Strümp) und Neuss (kleinere Teile aus Büderich). Die Stadt Meerbusch erwirkte jedoch beim Verfassungsgericht in Münster am 8. Oktober 1974 die Aussetzung des Auflösungsbeschlusses. Am 13. September 1975 erklärte das Landesverfassungsgericht die gesetzlichen Regelungen des Gesetzes zur Neugliederung des Raumes Mönchengladbach – Düsseldorf – Wuppertal, insoweit es die Stadt Meerbusch betraf, für nichtig. Der Landtag von Nordrhein-Westfalen bestätigte daraufhin am 20. Mai 1976 die Existenz der Stadt Meerbusch. Dabei sprachen sich 94 Landtagsabgeordnete für den Erhalt der Stadt, 92 dagegen aus. Der Stadtname „Meerbusch“ ist nicht historisch gewachsen, sondern durch Beschlussfassung im Zuge der Gemeindegebietsreform entstanden. Ursprünglich sollte die „neue“ Stadt „Rheinaue“ heißen. Aufgrund der Tatsache, dass dieser Ortsname jedoch bereits mehrfach in Deutschland existierte und zudem keine Anknüpfung an die Stadthistorie auszumachen war, wurde der Name Meerbusch gewählt, der sich an den Namen des früheren Klosters Haus Meer und den des Meerer Buschs, eines Waldgebiets, anlehnt.

1994 wurden die Kulturzentren „Forum Wasserturm“ und die Teloy-Mühle in Lank eröffnet. Ein Jahr später wurde der Grundstein für das neue Seniorenheim Malteser-Stift in Lank gelegt. Die Ortskernsanierung Osterath begann mit der Hochstraße 1997. Nachdem das Oberverwaltungsgericht den Sofortvollzug der A 44-Rheinquerung genehmigte, wurden die Arbeiten 1998 begonnen und fanden mit der Einweihung der Brücke 2002 ihren Abschluss. Der Sofortvollzug blieb umstritten, weil viele Meerbuscher für die komplette Tunnellösung eintraten und andere das Projekt wegen seiner Wirkung für den Naturschutz gänzlich ablehnten.

Politik

Stadtrat Die Ergebnisse der Stadtratswahl vom 11. September 2020 zeigen die Diagramme – nebenstehend die Stimmenanteile, untenstehend die Sitzverteilung.

CDU SPD Grüne FDP UWG LinkePARTEIAfD Zentrum Piraten Gesamt20202591463111––60 2014 24 10 6 6 3 1–– 1 1 52 2009 23 9 7 12 2 ––– 1 – 54 2004 25 10 6 7 – ––– – – 48

Bürgermeister Zum Bürgermeister der Stadt wurde 2020 in der Stichwahl Christian Bommers (CDU) mit 56,85 % der Stimmen gewäht. Seine Vorgängerin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) kam am 25. Mai 2014 auf 58,2 Prozent der gültigen Stimmen. Sie trat 2020 nicht erneut an. Zuvor amtierte seit 1999 Dieter Spindler (CDU). Bei der Kommunalwahl am 30. August 2009 wurde er mit 49,03 % (2004: 58,06 %) der Stimmen wiedergewählt. Zur Bürgermeisterwahl 2014 trat er nicht mehr an.

Bürgerinitiativen Folgende Bürgerinitiativen existieren bislang in Meerbusch:

Bürgerinitiative „Pro Baum“ gegen Abholzung von Bäumen im Rahmen der Erneuerung der K9, Ortsdurchfahrt Büderich (gegründet 2009) Bürgerinitiative „Bürger gegen Fluglärm“, Ortsgruppe Meerbusch, gegen Fluglärm durch startende und landende Flugzeuge am Flughafen Düsseldorf (gegründet 2003) Bürgerinitiative „Stoppt den Bahnlärm! Für unsere Gesundheit“ gegen Bahnlärm, insbesondere der Bahnlinie Neuss–Osterath–Krefeld (gegründet 2010) Bürgerinitiative „Meerbusch-Nord gegen LKW-Durchfahrtsverkehr“ gegen LKW-Durchfahrtsverkehr durch Lank-Latum zu den Industriegebieten am Rheinhafen Krefeld (gegründet 2010) Bürgerinitiative gegen den Bau einer Stromkonverterstation an der Umspannanlage Osterath (gegründet 2012)

Wappen Blasonierung: „Unter rotem Schildhaupt im Wellenschnitt acht im Stiel sternförmig zusammengeschlossene rote Blätter im goldenen (gelben) Felde.“

Das Wappen der Stadt Meerbusch wurde am 13. Oktober 1971 durch den Regierungspräsidenten genehmigt, es wird seit Anfang 1972 als Hoheitszeichen verwendet, entworfen vom Heraldiker Waldemar Mallek. Die Wellenlinie steht für den Namensbestandteil Meer, der achtstrahlige Blütenkranz symbolisiert den Namensbestandteil Busch, verkörpert das Zusammenwachsen der acht Stadtteile zu einer Einheit und deutet das Wachsen und Emporstreben der neuen Stadt an.

Landtag/Bundestag