Der Main-Kinzig-Kreis ist eine Gebietskörperschaft in Hessen mit 322.784 Einwohnern (30. September 2025)zurückgerechnet auf den heutigen Gebietsstand ohne Stadt Hanau. Der Landkreis war bis zur Auskreisung der Stadt Hanau Anfang 2026 mit über 400.000 Einwohnern der zweitbevölkerungsreichste des Landes Hessen und ist der flächengrößte im Regierungsbezirk Darmstadt (Südhessen). Kreisstadt und seit Juli 2005 Sitz der Verwaltung ist Gelnhausen, die bevölkerungsreichste Stadt des Landkreises ist Maintal.
Der Landkreis liegt im östlichen Rhein-Main-Gebiet. Der dicht besiedelte südwestliche Teil des Landkreises um die Städte Hanau und Maintal ist zudem Bestandteil der Stadtregion Frankfurt. Der Landkreis entstand 1974 durch den Zusammenschluss der Landkreise Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern mit der kreisfreien Stadt Hanau (die Anfang 2026 wieder ausgegliedert wurde und diesen Status zurückerhielt). Darüber hinaus kamen durch Eingemeindungen Orte zum Main-Kinzig-Kreis, die zuvor nicht den Altkreisen angehörten, so z. B. Heldenbergen als Stadtteil von Nidderau und Büdesheim als Ortsteil von Schöneck, die bis dahin dem Landkreis Friedberg angehörten, sowie die heutigen Hanauer Stadtteile Steinheim und Klein-Auheim, zuvor Landkreis Offenbach. 1977 wurde die Stadt Bergen-Enkheim, die zunächst dem Main-Kinzig-Kreis angehörte, Stadtteil von Frankfurt am Main. Darüber hinaus liegt der gemeindefreie Gutsbezirk Spessart im Südosten des Main-Kinzig-Kreises.
Die Behörden der Kreisverwaltung befinden sich im Gebäudekomplex auf dem Main-Kinzig-Forum in Gelnhausen.
Geografie Lage Der Landkreis hat seinen Namen von den zwei Hauptflüssen, dem Main, der die südwestliche Kreisgrenze bildet, und seinem rechten Nebenfluss Kinzig, der das Kreisgebiet von Nordosten nach Südwesten durchfließt. Die Landschaften um die Kinzig sind die Ausläufer von Vogelsberg, Spessart und der westlichen Rhön. Nördlich der Kinzig erstrecken sich das Ronneburger Hügelland und der Büdinger Wald. Der höchste Berg im Main-Kinzig-Kreis ist der Haag mit .
Nachbarkreise Der Main-Kinzig-Kreis grenzt, im Nordwesten beginnend im Uhrzeigersinn, an den Wetteraukreis, den Vogelsbergkreis, den Landkreis Fulda (alle in Hessen), an die Landkreise Bad Kissingen, Main-Spessart und Aschaffenburg (alle in Bayern) sowie an den Landkreis Offenbach und die kreisfreien Städte Hanau, Offenbach am Main und Frankfurt am Main (alle wiederum in Hessen).
Geschichte mini|Ehemalige Mainfähre vor Maintal-Dörnigheim mini|Kinzigaue bei Gelnhausen mini|Der Main-Kinzig-Kreis mit den Gemeinden nach der Gebietsreform sowie den Altkreisen Hanau (HU), Gelnhausen (GN) und Schlüchtern (SLÜ)
Das heutige Kreisgebiet war früher in zahlreiche Herrschaftsgebiete zersplittert. Großen Anteil hatten die Grafen von Hanau sowie die Adelshäuser Hutten (1704 ausgestorben). Die Teil-Grafschaften Ysenburg und Büdingen in Büdingen, in Meerholz und in Wächtersbach wurden 1806 mediatisiert und in das zum Rheinbund gehörende Fürstentum Isenburg eingegliedert; sie kamen nach einer Landesteilung 1816 an das Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt) und Kurhessen (Hessen-Kassel).Convention Territorial entre le Grand Duc de Hesse et Electeur de Hesse. – Signèe à Francfort sur Mein, le 29 Juin, 1816. British and Foreign State Papers 1815–1816, Band 3, Compiled by the Librarian and Keeper of the Papers, Foreign Office, James Ridgway and Sons, Piccadilly, London 1838, S. 812–819 (größtenteils in deutscher Sprache; Digitalisat; auch abgedruckt in Grindaha, Heft 26, Geschichtsverein Gründau e. V., Gründau 2016, S. 4–12 mit Anmerkung von Norbert Breunig).
Am 21. August 1821 wurde Kurhessen in Kreise eingeteilt.Verordnung vom 29. Juni 1821 über die Umbildung der bisherigen Staatsverwaltung betreffend. In: (Sammlung von Gesetzen, Verordnungen, Ausschreiben und anderen allgemeinen Verfügungen für Kurhessen vom Jahre 1821, Hof- und Waisenhaus-Druckerei, Cassel) kurhessGS 1821, S. 29–62; auch in: Wilhelm Möller und Karl Fuchs (Hrsg.): Sammlung der im Kurfürstenthum Hessen noch geltenden gesetzlichen Bestimmungen von 1813 bis 1860. Elwert’sche Universitäts-Buchhandlung, Marburg/Leipzig 1866, S. 311–351. Die neuen Kreise Hanau, Gelnhausen, Salmünster und Schlüchtern bildeten dabei die Provinz Hanau, die südlichste der vier Provinzen des Landes (mit anderen Maßeinheiten und anderer Währung als der Norden). Zum 1. Januar 1830 wurde der Kreis Salmünster aufgelöst und seine Gemeinden auf die benachbarten Kreise Gelnhausen und Schlüchtern verteilt.
1866 wurde Kurhessen von Preußen annektiert, 1867 wurde sein Gebiet in den neuen Regierungsbezirk Kassel überführt; die Provinz Hanau wurde aufgelöst. Der Kreis Gelnhausen erhielt den größten Teil des Bezirks Orb (bis 1862 Landgerichtsbezirk Orb) von dem Königreich Bayern, der aber formell noch ca. 20 Jahre lang von einem eigens dazu ernannten Amtmann verwaltet wurde (dies war regelmäßig der Landrat des damaligen Kreises Gelnhausen).
1885 wurde der Kreis Hanau durch die Abtrennung des neuen Landkreis Frankfurt sowie die Ausgliederung der Stadt Hanau verkleinert.
Seitdem bestanden die zwei Kreise (Gelnhausen und Schlüchtern, sie hießen erst nach dem Zweiten Weltkrieg Landkreise) sowie die nun kreisfreie Stadt Hanau und der Landkreis Hanau weitgehend unverändert bis in die 1970er Jahre. Allerdings wechselten Hanau und die drei Kreise noch zweimal den Regierungsbezirk, sie kamen 1944 zum Regierungsbezirk Wiesbaden und 1968 zum Regierungsbezirk Darmstadt.
Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen wurden zahlreiche Varianten diskutiert,Landkreis Hanau, Strukturabteilung (Hrsg.): Gebietsreform in Hessen – der Main-Kinzig-Kreis als Alternative. Hanau 1971. wie man aus den zu klein gewordenen Kreisen größere Einheiten schaffen könnte.Der Hessische Minister des Innern (HdMI): Vorschläge zur gebietlichen Neugliederung auf der Kreisebene in Hessen Wiesbaden (Mai) 1971. Im Kinzigtal einigte man sich schließlich auf die „große Lösung“: die Fusion der drei Landkreise und der Stadt Hanau zum neuen Main-Kinzig-Kreis, dem bevölkerungsreichsten in Hessen.Der Hessische Minister des Innern (HdMI): Vorschläge für die gebietliche Neugliederung der Landkreise Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern und der Stadt Hanau – Anhörungsverfahren Wiesbaden (März) 1972. Die Fusion wurde am 1. Juli 1974 vollzogen. Gleichzeitig wurden die bis dahin zum Landkreis Offenbach gehörenden Gemeinden Klein-Auheim und Steinheim in die Stadt Hanau eingemeindet.
Die Stadt Hanau behielt als Stadt mit Sonderstatus (über 50.000 Einwohner) jedoch einige Sonderrechte. So hatte sie jahrelang z. B. noch ein eigenes Sozialamt und eine eigene Zulassungsstelle.
Am 1. Januar 1977 wurde die bis dahin zum Main-Kinzig-Kreis gehörende Stadt Bergen-Enkheim nach Frankfurt am Main eingemeindet. Am selben Tag wurde die Gemeinde Züntersbach in die Gemeinde Sinntal eingegliedert.
Am 1. Januar 2026 wurde die seit Jahren geplante Auskreisung der Stadt Hanau vollzogen. In einer ersten Pressekonferenz am 25. Juni 2018 gaben der Oberbürgermeister der Stadt Hanau Claus Kaminsky und Landrat Thorsten Stolz bekannt, dass eine Auskreisung zum 1. April 2021 geplant sei. Den entsprechenden Grundsatzbeschluss fasste die Hanauer Stadtverordnetenversammlung am 20. August 2018. Die Corona-Pandemie bewirkte allerdings einen Aufschub des Zeitplans. Schließlich wurde am 25. Februar 2025 vom Hessischen Landtag ein Gesetz beschlossen, durch das die Stadt Hanau mit Wirkung zum 1. Januar 2026 zur kreisfreien Stadt erklärt und aus dem Main-Kinzig-Kreis ausgegliedert wurde.GVBl. vom 10. März 2025: Gesetz über die Ausgliederung der Stadt Hanau aus dem Main-Kinzig-Kreis und zur Änderung anderer Rechtsvorschriften - Seitdem ist die Stadt Maintal die größte Stadt im Main-Kinzig-Kreis und die Gemeinde Großkrotzenburg wurde räumlich vom übrigen Kreisgebiet getrennt und bildet nun eine Exklave des Main-Kinzig-Kreises. Bisher waren die Städte Hirschhorn (Neckar) und Neckarsteinach (Landkreis Bergstraße) hessenweit die einzigen Gemeinden ohne direkte Verbindung zum restlichen Kreisgebiet.
Bis zur Auskreisung Hanaus war der Main-Kinzig-Kreis mit 420.914 Einwohnern (31. Dezember 2024) der bevölkerungsreichste Landkreis in Hessen, mit seiner Fläche von Quadratkilometern lag er an vierter Stelle. Mittlerweile umfasst der Kreis 322.958 Einwohner (1. Januar 2026) und ist damit der Landkreis mit der zweithöchsten Bevölkerung.
Einwohnerentwicklung mini|Bevölkerungspyramide für den Main-Kinzig-Kreis (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Main-Kinzig-Kreis, Alter + Geschlecht)
Jahr Einwohner Quelle 1975 368.100 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1976 1980 360.900 1990 375.000 2000 405.942 Hessisches Statistisches Landesamt 2010 407.409 2015 409.043
Konfessionsstatistik Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2011 waren 36,2 % der Einwohner evangelisch, 27,9 % römisch-katholisch und 35,9 % gehörten einer sonstigen oder keiner Religionsgesellschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2011 / Hessen. Hessen unter der Lupe. Wiesbaden 2014, auf Seite 15 der Datei: „Religionszugehörigkeit in den hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten am 9. Mai 2011 (in %)“ Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem jährlich um 1 Prozentpunkt gesunken. Gemäß Zensus 2022 waren (2022) 27,8 % der Einwohner evangelisch, 22,4 % katholisch und 49,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensusdatenbank: 1000A Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022) - wähle „Zum Thema“: 1000A-1018 Personen: Religion - wähle „Zur Tabelle“ - wähle „Anpassen“ - wähle „anderes Merkmal auswählen“: Landkreise u. krsfr. Städte (Stand 15.05.22) - wähle „Anwenden“: Trefferzeile „(400/400)“ anklicken: hessische Treffer auf Seite 2 der Trefferliste - Anwende-Häkchen auf die gewünschten Treffer eingrenzen - wähle „Anwenden“
Politik Kreistag Für den Kreistag des Main-Kinzig-Kreises erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2026 in Vergleich gesetzt zu den Ergebnissen früherer Kreistagswahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2021Votemanager: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2016, von 2011 und von 2006Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2001 und 1997
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands29,32526,22327,12433,12938,63438,135SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands24,42130,82733,62935,63135,43140,037AfDAlternative für Deutschland19,4179,2814,613——————GRÜNEBündnis 90/Die Grünen10,2915,6148,3715,1137,678,38FWGFreie Wählergemeinschaft Main-Kinzig-Kreis4,746,965,045,044,643,73DIE LINKE.DIE LINKE.4,443,433,333,233,630,91FDPFreie Demokratische Partei3,536,355,753,336,254,04FREIE WÄHLERFreie Wähler (Partei)2,52——————————VoltVolt Deutschland1,72——————————Die PARTEIPartei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative——1,21————————REPDie Republikaner——0,400,911,514,035,05NPDNationaldemokratische Partei Deutschlands————0,911,41————PIRATENPiratenpartei Deutschland————0,4—1,72————Gesamt100,087100,087100,087100,087100,087100,093Wahlbeteiligung in %56,449,449,046,745,145,1
Landräte 1974–1987: Hans Rüger (CDU) 1987–2005: Karl Eyerkaufer (SPD) 2005–2017: Erich Pipa (SPD) seit 2017: Thorsten Stolz (SPD)
Landratswahl Die letzte Wahl des Landrats des Main-Kinzig-Kreises war am 29. Januar 2023, dort sind wie bei der Kommunalwahl die Bürger des Landkreises aufgerufen, den aufgestellten Kandidaten in einer Direktwahl zu wählen. Die nächste Wahl findet voraussichtlich 2029 statt.
Diagrammdarstellung der letzten zwei Landratswahlen
Wappen, Flagge und Banner
Der Main-Kinzig-Kreis führt ein Wappen sowie eine Hiss- und Bannerflagge.