mini|Landratsamt (Kreishaus) in Wetzlar mini|Zentrale Leitstelle des Lahn-Dill-Kreises in Wetzlar
Der Lahn-Dill-Kreis ist eine Gebietskörperschaft mit Einwohnern () im Regierungsbezirk Gießen in Hessen. Der Verwaltungssitz befindet sich in der Kreisstadt Wetzlar und umfasst Nebenstellen in Dillenburg, Herborn und Haiger.
Namensgebend für den Landkreis sind die beiden Flüsse Lahn und Dill. In den 1970er-Jahren wurde der Kreis bei einer großen Gebietsreform aus der Region Lahn-Dill bzw. dem Lahn-Dill-Gebiet gebildet, zuerst 1977 rund um die Stadt Lahn, nach deren Auflösung ein zweites Mal 1979 endgültig in verkleinerter Form, als neuer Landkreis in Mittelhessen, aus Teilen des Altkreises Wetzlar, dem Dillkreis und Randgemeinden des ehemaligen Landkreises Biedenkopf.
Geografie Lage Der Lahn-Dill-Kreis liegt im Westen von Mittelhessen an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Das nördliche Kreisgebiet umfasst Ausläufer des Rothaargebirges, das westliche Ausläufer des Westerwaldes, der Nordosten das südwestliche Gladenbacher Bergland und der südliche Teil des mittleren Lahntals und Teile des östlichen Hintertaunus. Der höchste Punkt des Kreises () liegt auf dem Südhang des im Rothaargebirge und im Gemeindegebiet von Dietzhölztal gelegenen Jagdbergs ().
Durch das Kreisgebiet fließen – in landschaftsprägenden Tälern – insbesondere die Lahn und deren rechter Zufluss Dill. Die Lahn, die aus Richtung Gießen und Heuchelheim im mittelhessischen Landkreis Gießen kommt, verläuft ab dem östlichen Wetzlarer Stadtteil Dutenhofen etwa in Ost-West-Richtung durch das Kreisgebiet und unter anderem durch die Kernstadt der Kreisstadt Wetzlar, wo sie die von Norden heranfließende Dill aufnimmt; sie verlässt den Landkreis beim Leuner Stadtteil Biskirchen in Richtung des im benachbarten Landkreis Limburg-Weilburg gelegenen Kernorts der Gemeinde Löhnberg.
Nachbarkreise Der Lahn-Dill-Kreis grenzt, im Nordosten beginnend im Uhrzeigersinn, an die hessischen Landkreise Marburg-Biedenkopf, Gießen, Wetteraukreis, Hochtaunuskreis und Limburg-Weilburg, an den Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz sowie an den Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen.
Klima Durch den Lahn-Dill-Kreis, der wie ganz Deutschland zur kühlgemäßigten Klimazone gehört, verläuft eine Wetterscheide, die sich vor allem in deutlich variierenden jährlichen Niederschlagsmengen zeigt. So fällt im Norden des Kreises mehr als 50 Prozent mehr Niederschlag als an einigen Wetterstationen in der Mitte und im Süden (Dietzhölztal-Mandeln: 1096,4 Millimeter im Gegensatz zu nur 718,9 Millimetern in Ehringshausen-Kölschhausen, dem niedrigsten Wert im Kreis). Generell fällt auf, dass die Niederschlagswerte vom Norden des Kreisgebiets mit den Ausläufern des Rothaargebirges Richtung Süden tendenziell fallen (Dietzhölztal-Mandeln: 1096,4 mm; Eschenburg-Hirzenhain: 965,6 mm; Siegbach-Eisemroth: 841,4 Millimeter; Wetzlar-Nauborn: 737,1 Millimeter). Eine noch stärkere Differenz gibt es zwischen den Orten im Westen und im Osten des südlichen Lahn-Dill-Kreises. So fallen im zum Westerwald gehörenden Driedorf ganze 1229,1 Millimeter Niederschlag im Jahr – mehr als 70 Prozent mehr als im nur etwa 15 Kilometer Luftlinie entfernten Ehringshausen.
Die Jahresdurchschnittstemperaturen im Lahn-Dill-Kreis liegen in der Nähe des bundesweiten Gebietsmittels von 8,2 °C (Aßlar-Klein Altenstädten: 8,4 °C, im mit 314 m bereits etwas höher gelegenen Dillenburg liegen sie bei 7,7 °C).
Geschichte Das südliche Kreisgebiet gehörte den Fürsten zu Solms-Braunfels und der Freien Reichsstadt Wetzlar. Diese musste in der Folge des Reichsdeputationshauptschlusses ihre Reichsfreiheit 1803, danach als Grafschaft Wetzlar, zugunsten des neugeschaffenen Großherzogtums Frankfurt des Fürstprimas (im alten Reich Reichserzkanzler) Karl Theodor von Dalberg aufgeben. Die ehemals solmsischen Gebiete kamen 1806 an das Herzogtum Nassau und 1815 im Tausch ebenfalls an Preußen. 1816 entstanden die preußischen Kreise Wetzlar und Braunfels, die 1822 zum Landkreis Wetzlar vereinigt wurden. Der Kreis gehörte bis 1932 als Exklave zur preußischen Rheinprovinz. Das nördliche Kreisgebiet gehörte seit dem Mittelalter zum Fürstentum Nassau-Dillenburg, das zwischen 1806 und 1813 zum französisch besetzten Großherzogtum Berg und zwischen 1813 und 1815 zum Fürstentum Nassau-Oranien gehört, welches 1816 im Herzogtum Nassau aufging. Dieses bildete die beiden Ämter Herborn und Dillenburg. Nach der preußischen Annexion des Herzogtums Nassau im September 1866 wurden beide Ämter zum Dillkreis vereinigt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das ganze heutige Kreisgebiet zum Land Hessen. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. Januar 1977 der Lahn-Dill-Kreis gebildet. Der neue Landkreis setzte sich zusammen aus dem gesamten Gebiet des aufgelösten Dillkreises mit den Städten Dillenburg, Haiger und Herborn sowie den Gemeinden Breitscheid, Dietzhölztal, Driedorf, Eschenburg, Greifenstein, Mittenaar, Siegbach und Sinn dem größten Teil des aufgelösten Landkreises Gießen mit den Städten Allendorf (Lumda), Grünberg, Hungen, Laubach, Lich, Linden und Staufenberg sowie den Gemeinden Buseck, Fernwald, Langgöns, Lollar, Pohlheim, Rabenau und Reiskirchen einem Teil des aufgelösten Landkreises Wetzlar mit den Städten Braunfels und Leun sowie den Gemeinden Aßlar, Biebertal, Bischoffen (ehemals Landkreis Biedenkopf), Ehringshausen, Hohenahr, Hüttenberg, Schöffengrund, Solms und Waldsolms. Der neue Landkreis besaß eine Fläche von 1695 km² und umfasste insgesamt 36 Gemeinden. Sitz der Kreisverwaltung wurde die gleichzeitig gebildete kreisfreie Großstadt „Lahn“. Diese entstand durch Vereinigung der kreisfreien Stadt Gießen mit der Stadt Wetzlar, 13 weiteren Gemeinden aus dem Landkreis Wetzlar und der Gemeinde Heuchelheim aus dem Landkreis Gießen.
Wegen heftiger Proteste, im Wesentlichen seitens der Wetzlarer Bevölkerung, wurde die Gebietsreform teilweise rückgängig gemacht. Mit Wirkung vom 1. August 1979 wurde die Stadt Lahn wieder aufgelöst und der Lahn-Dill-Kreis neu zugeschnitten: Die wiederhergestellte Stadt Wetzlar und die neugebildete Gemeinde Lahnau wurden in den Lahn-Dill-Kreis eingegliedert. Die Gemeinde Biebertal sowie alle bis 1976 zum Landkreis Gießen gehörenden Gemeinden schieden aus dem Lahn-Dill-Kreis aus und kamen zum neu errichteten Landkreis Gießen. Seither umfasst der Lahn-Dill-Kreis 23 Städte und Gemeinden auf einer Fläche von 1066,5 km².
Einwohnerstatistik mini|Bevölkerungspyramide für den Lahn-Dill-Kreis (Datenquelle: Zensus 2011)
Der Lahn-Dill-Kreis erhielt am 1. August 1979 eine neue Abgrenzung. Datum Einwohner Quelle 30. Juni 1977 312.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1978 30. Juni 1979 314.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1980 30. Juni 1980 240.000 31. Dezember 1990 247.400 31. Dezember 2000 262.859 Hessisches Statistisches Landesamt 30. September 2010 253.923 30. Juni 2015 251.704 30. Juni 2019 253.670
Konfessionsstatistik Nach den Ergebnissen des Zensus am 9. Mai 2011 waren von den Einwohnern 54,5 % der Einwohner evangelisch, 14,6 % römisch-katholisch und 30,9 % gehörten einer sonstigen oder keiner Religionsgesellschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2011 / Hessen. Hessen unter der Lupe. Wiesbaden 2014, auf Seite 15 der Datei: „Religionszugehörigkeit in den hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten am 9. Mai 2011 (in %)“ Der Mitgliederschwund der evangelischen und katholischen Kirchen hält seitdem weiter an. Gemäß Zensus 2022 waren (2022) 44,8 % der Einwohner evangelisch, 12,0 % katholisch und 43,2 % gehörten einer sonstigen oder keiner Religion an oder machten keine Angabe.Zensusdatenbank: 1000A Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022) - wähle „Zum Thema“: 1000A-1018 Personen: Religion - wähle „Zur Tabelle“ - wähle „Anpassen“ - wähle „anderes Merkmal auswählen“: Landkreise u. krsfr. Städte (Stand 15.05.22) - wähle „Anwenden“: Trefferzeile „(400/400)“ anklicken: hessische Treffer auf Seite 2 der Trefferliste - Anwende-Häkchen auf die gewünschten Treffer eingrenzen - wähle „Anwenden“
Politik Hoheitszeichen Als Hoheitszeichen führt der Lahn-Dill-Kreis ein Siegel, ein Wappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.
Kreistag Für den Kreistag des Lahn-Dill-Kreises erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2026 in Vergleich gesetzt zu den Ergebnissen früherer Kreistagswahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2021Votemanager: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2016, von 2011 und von 2006Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2001 und 1997
Wahlvorschläge %2026 Sitze2026 %2021 Sitze2021 %2016 Sitze2016 %2011 Sitze2011 %2006 Sitze2006 %2001 Sitze2001 31,7 26 30,1 24 31,2 25 34,7 28 38,1 31 35,4 29 20,2 16 24,9 20 29,9 24 32,9 27 35,2 28 39,5 32 10,0 8 14,2 12 8,3 7 13,6 11 5,6 5 5,8 5 FWG Freie Wählergemeinschaft Lahn-Dill 7,8 6 9,4 8 10,0 8 10,6 9 11,4 9 10,6 9 19,2 16 9,0 7 10,0 8 — — — — — — 3,1 3 5,5 4 5,4 4 3,1 2 4,2 3 4,1 3 4,0 3 3,6 3 3,2 3 2,7 2 2,2 2 — — 1,5 1 2,6 2 — — — — – – – – 1,4 1 — — — — — — — — — — — — 0,7 1 2,0 2 2,4 2 2,0 2 1,8 1 — — — — — — — — 1,3 1 2,7 2Gesamt 100 81Ein Sitz ging 2026 an Gemeinsam für Lahn-Dill (GfLD) mit 1,1 % der Stimmen 100 81 100 81 100 81 100 81 100 81Wahlbeteiligung in Prozent51,046,944,541,340,447,7
Landräte Ernst Türk (SPD), 1. Januar 1977 bis 15. Juni 1977 (Staatsbeauftragter Landrat nach der Gebietsreform) Karl Rehrmann (CDU), 16. Juni 1977 bis 31. Juli 1979 sowie 1. August 1979 bis 31. Juli 1981 (Staatsbeauftragter Landrat nach der gebietlichen Neugliederung zum 1. August 1979) Franz Demmer (CDU), 1. August 1981 bis 10. Juni 1985 Gerhard Bökel (SPD), 11. Juni 1985 bis 11. Juli 1994 Karl Ihmels (SPD), 7. November 1994 bis 6. November 2006 Wolfgang Schuster (SPD), 7. November 2006 bis 6. November 2024 Carsten Braun (CDU), seit 7. November 2024
Wirtschaft und Verkehr Wirtschaft Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Lahn-Dill-Kreis Platz 222 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“. In der Ausgabe von 2019 lag er auf Platz 211 von 401.
Verkehr Durch das Kreisgebiet führen die Bundesautobahnen 45 (Aschaffenburg–Dortmund) bzw. E 40, E 41 und 480 (Wetzlar–Reiskirchen E 40; Teilstück ab dem Wetzlarer Kreuz bis zur derzeitigen Ausfahrt nach Wetzlar-Blasbach). Ferner erschließen mehrere Bundesstraßen und Kreisstraßen das Kreisgebiet, darunter die B 49 bzw. E 44, B 253, B 255, B 277 und die ehemalige B 277a.