mini|Die Elfenkönigin Titania findet am Strand den Zauberring, Gemälde von Johann Heinrich Füssli, 1804/1805

Elfen (auch Albe, Elben) sind eine sehr heterogene Gruppe von Fabelwesen in Mythologie und Literatur. Elfen sind Naturgeister, die ursprünglich aus der nordischen Mythologie stammen. Auch in der keltischen Mythologie spielen sie eine wichtige Rolle, ebenso im mittelalterlichen Aberglauben. Als winzige, geflügelte Wesen, die Blumen bewohnen, waren die Elfen in Europa im 19. Jahrhundert populär. Mit Tolkiens Herr der Ringe zogen Elfen (bei Tolkien: Elben) als mächtige, menschengroße Wesen wieder in die Literatur ein. Tolkiens Bild der Elfen hatte großen Einfluss auf das sich herausbildende Genre der Fantasy-Literatur.

Terminologie Etymologie des Wortes Elfe Die Herkunft des Wortes ist innerhalb der germanischen Sprachen belegt im Altnordischen (álfr), Althochdeutschen (alb) bzw. Mittelhochdeutschen (alp) und Altenglischen (ælf), sodann auch im Dänischen (elve).

Die Herkunft des Wortes ist nicht gänzlich geklärt. Die gemeingermanische Form ist *albaz neben einem *albiz. Zur Verwandtschaft der Wurzel *alb gelten zwei Ansätze als vertretbar: wie althochdeutsch elbiʒ, altnordisch elptr, russisch lébed (лебедь) „Schwan“ und lateinisch albus „weiß“ zum indogermanischen *albh „glänzen, weiß sein“, im Sinne von „Lichtgestalt, weiße Nebelgestalt“ zum altindischen rbhúh, eine Klasse von mythischen Handwerkern, mit einer Grundbedeutung „geschickt, fleißig“ (verwandt mit lateinisch labor = Arbeit), mit einer Motivierung von *albaz als „Handwerker, magischer Helfer“, da auch Elfen neben Zwergen als kunstreiche Schmiede gelten.Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. dtv, München 2005. Stichworte „Alb“ und „Elf“.

Das deutsche Wort Elfen geht auf Altdeutsch Alb oder Elb im Singular bzw. Elbe oder Elber im Plural zurück. Aus der femininen Form „Elbe“ wurde im 16. Jahrhundert zusätzlich der schwache Plural „Elben“ gebildet. Im 18. Jahrhundert wurden die Wortformen durch die englische Form „Elfen“ verdrängt. Die Form „Alb“ findet sich heute noch in einer eingeschränkten Bedeutung im Wort Albtraum wieder.

In der benachbarten keltischen Sprachgruppe existiert ein ähnliches Wort, allerdings ohne den Lippenlaut „b“, bzw. abgeschwächten Lippenlaut „f“: das kymrische (walisische) Wort Ellyll „der [ganz] Andere“, irisch Ailill.Helmut Birkhan: Nachantike Keltenrezeption. Praesens Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-7069-0541-1, S. 546.

Abgrenzung zu Fee

Elfe und Fee werden häufig in ähnlichen Zusammenhängen oder gar synonym verwendet. Während das Wort Elfe ältere Wurzeln aus dem Germanischen hat, hat das Wort Fee erst im 18. Jahrhundert über das Französische (von französisch fée) in die deutsche Sprache Eingang gefunden.Artikel Fee im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache abgerufen am 6. März 2022. Im Englischen ist fairy seit 1320 belegt, ab dem 16. Jahrhundert wurden elf und fairy (engl. für Fee) synonym verwendet.Jenni Bergman: The Significant Other: A Literary History of Elves. Doktorarbeit, University of Cardiff 2011, S. 44.

Elfen in der Mythologie

Lichtalbe und Schwarzalbe in der nordischen Mythologie mini|Wiesenelfen, Gemälde von Nils Blommér, 1850 mini|Tanzende Elfen, Gemälde von August Malmström, 1866 Die Albe („alfa“) werden in der Snorra-Edda (Skandinavische Götter- und Heldensagen um 1220) häufig im Zusammenhang mit dem nordischen Göttergeschlecht der Asen erwähnt. ása ok alfa er hér inni eru, manngi er þér í orði vinr.Lokasenna Vers 2.die Asen und Albe die hier innen sind, sprechen alle arg von dir.Übersetzung von Heusler. In der Snorra-Edda wird unterschieden zwischen Licht- und Schwarzalben, Namen, die stark deren Gesinnung widerspiegeln.

Ob Snorri diese Einteilung bereits vorfand oder selbst entwickelt hat, ist umstritten. Die Albe sind jedenfalls besonders an die Fruchtbarkeit geknüpft, da sie dem Fruchtbarkeitsgott Freyr zugeordnet sind.Jens Peter Schjødt: Relationen mellem aser og vaner og den ideologiske implikationer. (Das Verhältnis zwischen Asen und Vanen und dessen ideologische Implikationen.) In: Nordisk hedendom. Et Symposium. Odense 1991, S. 303–319, 306. Álfheim Frey gáfu í árdaga tívar at tannféi.Grímnismál Vers5.Álfheim gaben sie dem Frey am Anfang der Zeiten als Zahngabe. Später kommen noch die Dunkelalbe hinzu, was eine eher negative Mischform jener beiden ist.

Bei anderen Autoren besteht eine Hierarchie, bei welcher die Asen an oberster, die Albe an zweiter und die Zwerge an letzter Stelle stehen.

Wieder andere stellen die Albe in die Nähe der Zwerge, da álfr in der Tat ein Wortteil einiger Zwergennamen ist, z. B. Álfr, Gandálfr, Vindálfr usw. Der Zwerg Alberich aus dem Nibelungenlied ist ein gutes Beispiel. Nur ein Autor stellt Albe in die Nähe der Riesen.

Eine dämonische Seite der Albe wird deutlich an der Herkunft des Wortes Hexenschuss, welches eine Übertragung des älteren Ausdrucks Albschoss ist. Beide Begriffe werden erwähnt in dem altenglischen Zauberspruch Wið færstice, der in der Lacnunga genannten Textsammlung enthalten ist, hier der entsprechende Auszug mit Übersetzung: gif hit wǣre ēsa gescot oððe hit wǣre ylfa gescot oððe hit wǣre hægtessan gescot nū ic wille ðīn helpan.Ob es wäre Asen-Schuss oder es wäre Albschuss (ylfa gescot) oder es wäre Hexenschuss (hægtessan gescot), nun ich will dir helfen. Zudem wird eine dunkle Facette der Albe widergespiegelt in dem heute noch gebräuchlichen Wort AlbtraumArnulf Krause: Die wirkliche Mittelerde: Tolkiens Mythologie und ihre Wurzeln im Mittelalter. Theiss, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8062-2478-8, S. 101. Die Dunkelalbe bzw. Nachtalbe sind damit auch mit den Nachtmahren und mit den Incubi und Succubi verwandt.

Es gibt jedoch wesentlich mehr positive Darstellungen der Albe als negative. In der Heldensaga von Wieland dem Schmied wird Wieland als Führer und Landsmann der Albe bezeichnet, was mit seiner Kunstfertigkeit als Schmied zu tun hatte. In der Ahnenreihe des Königs Harald Schönhaar treten auch vom Begriff Albe abgeleitete Namen auf (Álfr, Álfgeirr, Gandálfr, Álfhild). Álf war lange als Namensteil bei nordischen Namen häufig. Die altenglische Dichtung verwendet ælfsciene als albenschön für wunderschön. Eine Kenning bezeichnet die Sonne als Albenrad.

Schon die Brüder Grimm wiesen darauf hin, dass die Unterteilung Snorris dem Dualismus des christlichen Weltbildes von Engeln und Teufeln gleichstehe. Christliche Einflüsse sind zwar nicht auszuschließen, aber bei so allgemeinen Einteilungen sind Vermutungen von Übernahmen mit Vorsicht aufzustellen. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass dieser Gegensatz der Licht- und Schwarzalbe aus einem anderen Toten- und Fruchtbarkeitskult kommt. Dies jedenfalls findet sich in angelsächsischen Quellen.

Heute ist diese Form des Albenglaubens noch in Island verbreitet (als Huldufólk).

Álfablót Es wurden in der Zeit des heidnischen Europas Opfer an die Albe gebracht, die álfablót genannt wurden. Es ist nur wenig darüber bekannt. Das álfablót war lokal und wurde von Frauen geleitet, Fremde hatten keinen Zutritt. Da es den Elfen als allgegenwärtigen Mächten gewidmet war und es von Frauen geleitet wurde, vermutet man, dass es um Ahnen und Fruchtbarkeit ging. Wahrscheinlich handelte es sich um Opfer an die Schwarzalbe.Jan de Vries: Über Sigvats Álfablót-Strophen. In: Acta Philologica Scandinavica. 7 (1932/1933) S. 169 ff. Die einzige Nachricht von dem Fest liefert Sigvat, der Skalde Olafs des Heiligen. Der Skalde macht eine Reise nach Osten, und da widerfährt ihm Folgendes:

Álfheimr Das altnordische Wort Álfheimr bedeutet „Welt der Albe“. Snorri Sturluson stellte sich diesen Ort als Wohnort der Lichtalbe (altisländisch ljósálfar), als himmlische Region vor (Gylf 16). Nach Grm 5 ist Álfheimr aber die Wohnung des Freyr und gehört zu den Götterwohnungen in Asgard, der Festung der Nordischen Götterwesen.

Mittelalterliche Vorstellungen In der mittelalterlichen Literatur tauchen Elfen kaum auf; wenn sie es tun, dann wird Elfe als unspezifischer Name für Wesen dämonischer Natur verwendet. Häufig werden Elfen auch mit Zwergen oder Dämonen identifiziert oder verwechselt. In der Literatur übernahmen häufig Zwerge später die Rolle der Elfen.Susanne Dinkl: Untote, Riesen, Zwerge und Elfen: Zur Konstruktion des populären (Aber)Glaubens seit dem frühen Mittelalter. Königshausen & Neumann, Würzburg 2017, ISBN 978-3-8260-6075-5, S. 91–93.

Im Volksglauben blieben die Elfen bestehen; es gibt Belege für Opfergaben an Elfen. Diese wurden deshalb von der Kirche schon früh als heidnische Bräuche bekämpft, die theologischen Werke des Mittelalters beschrieben die Elfen als Krankheitsdämonen und Kinderdiebe und rückten Elfen in die Nähe von Hexen. Besondere Verbreitung fand die Vorstellung, Elfen schöben Menschen Wechselbälger unter.Susanne Dinkl: Untote, Riesen, Zwerge und Elfen: Zur Konstruktion des populären (Aber)Glaubens seit dem frühen Mittelalter. Königshausen & Neumann, Würzburg 2017, ISBN 978-3-8260-6075-5, S. 94–96.

Im Mittelalter setzte sich – auch durch die Vorstellung, dass Elfen und Krankheiten miteinander zusammenhingen – das Wort Alp für schlechte Träume durch.Susanne Dinkl: Untote, Riesen, Zwerge und Elfen: Zur Konstruktion des populären (Aber)Glaubens seit dem frühen Mittelalter. Königshausen & Neumann, Würzburg 2017, ISBN 978-3-8260-6075-5, S. 91–93. Der Alp als Quäl- und Plagegeist kann einem Opfer schweren Schaden zufügen. Er legt sich in der Nacht auf die Brust eines Schlafenden, der durch die Beklemmung dann Atemnot und Albträume (früher Albdruck genannt) bekommt.Andreas Gößling: Das große Buch der Feen und Elfen. Knaur, München 2004, ISBN 3-426-66124-1, S. 359.

Der Alp kann aber auch in der Nachtzeit durch den Mund in den Menschenkörper eindringen und das Blut aufsaugen. Ganz besonders mag er auch Kuh- oder Muttermilch. Vereinzelt findet sich die Vorstellung, dass eine Frau, die eine bestimmte Form der Geburtshilfe verwendet hat, sich nach dem Tod oder schon früher in einen Alp verwandelt und dann in Tiergestalt oder in der Gestalt eines hässlichen Kobolds umherirren muss.

Elfen in der Literatur ab der Neuzeit mini|Zeichnung eines Elfen von Richard Doyle Mit Michael Draytons Nymphidia und William Shakespeares Ein Sommernachtstraum wurden in der englischen Literatur die Vorstellung von Elfen als kleinen, geflügelten, blumenbewohnenden Wesen bekannt gemacht, wobei nicht klar ist, ob diese Vorstellung schon vorher existierte.Jenni Bergman: The Significant Other: A Literary History of Elves. Doktorarbeit, University of Cardiff 2011, S. 64–66. Durch die Übersetzungen ins Deutsche fand diese Vorstellung von Elfen als zarte und kleine Blumenwesen auch Eingang in die deutsche Kultur, z. B. im 18. Jahrhundert durch Christoph Martin Wieland oder Johann Gottfried Herder. Im 19. Jahrhundert schließlich waren die Bilder von Elfen als winzigen, zarten Wesen in Kinderbüchern und Esoterik in England und Deutschland so verbreitet, dass diese die Vorstellungen aus der germanischen und keltischen Mythologie weitgehend verdrängten.Rudolf Simek: Mittelerde: Tolkien und die germanische Mythologie. Beck, München 2005, ISBN 3-406-52837-6, S. 113.Jean N. Goodrich: Fairy, Elves and the Enchanted Otherworld. In: Albrecht Classen (Hrsg.): Handbook of Medieval Culture. Fundamental Aspects and Conditions of the European Middle Ages. Volume 1. De Gruyter, Berlin/Boston 2015, ISBN 978-3-11-026659-7, S. 431–464, hier S. 458. Seit dem 19. Jahrhundert existieren in der englischsprachigen Literatur auch die Weihnachtselfen.

Elfen in Fantasywelten Elfen bei Tolkien