Illuminatus! ist eine Roman-Trilogie der US-amerikanischen Autoren Robert Shea und Robert Anton Wilson. Sie entstand zwischen 1969 und 1971. Die drei Romane enthalten eine satirische Abenteuergeschichte voller literarischer Zitate und Anspielungen. Sie erzählen eine mit Sex- und Drogenerfahrungen angereicherte Reise durch mehrere historische und fiktive Verschwörungstheorien, die die Autoren um den historisch belegten, im Jahr 1785 verbotenen bayerischen Geheimbund der Illuminaten herum spinnen. Die Erzählung ist nicht chronologisch, wechselt oft zwischen Erzählperspektiven und behandelt verschiedene Themen, wie die Gegenkultur der 1960er Jahre, das Problem der Willensfreiheit, Zen, Numerologie und Diskordianismus.

Die drei Bände der Trilogie, Das Auge in der Pyramide, Der goldene Apfel und Leviathan, die heute auch zusammengefasst in einem Band vorliegen, wurden ab September 1975 veröffentlicht. 1986 gewann der Roman den Preis der Prometheus Hall of Fame.

Wilson und Shea verfassten im Anschluss weitere Romane und Sachbücher, die sich mit den Themen der Trilogie auseinandersetzen, doch nicht als unmittelbare Fortsetzungen zu verstehen sind.

Der Einfluss des Buches auf die Popkultur in den USA und anderen westlichen Ländern ist groß. Es entstand eine Bühnenfassung, Spuren der Illuminatus!-Lektüre lassen sich bei zahlreichen Schriftstellern, Musikern und Autoren von Spielen nachweisen. Der Roman begründete das Genre der belletristischen Verschwörungsliteratur; das weit verbreitete (angebliche) Geheimnis der 23 ist im Wesentlichen auf die Trilogie zurückzuführen.

Inhalt Die Handlung führt dem Leser die Gedanken, Halluzinationen und die teils realen, teils wahnhaften inneren Stimmen der zahlreichen Protagonisten vor und wechselt zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, manchmal sogar mitten im Satz. Ein Großteil ihres Hintergrunds wird in Gesprächen der Romanfiguren mitgeteilt, die sich mehr oder weniger zuverlässig erscheinende, gelegentlich sogar direkt widersprüchliche Versionen der weltweiten Verschwörung erzählen, die sie aufdecken wollen. Es gibt auch Passagen, in denen sich der Roman selbst reflektiert und auf scherzhafte Weise dekonstruiert.

Zusammenfassung der Handlung Die eigentliche Handlung (falls man bei einem Roman mit so vielen Abschweifungen von einer eigentlichen Handlung sprechen kann) setzt mit zwei New Yorker Polizeidetektiven ein. Saul Goodman und Barney Muldoon sollen im Jahr 1976 einen Bombenanschlag auf Confrontation, eine linke Zeitschrift, aufklären und deren verschwundenen Herausgeber Joe Malik finden. Sie entdecken, dass Confrontation den Hintergrund der Morde an John F. Kennedy, Robert F. Kennedy und Martin Luther King recherchierte; daraufhin gehen die beiden den Spuren, Notizen und Indizien nach, die sie gefunden haben und die alle darauf hindeuten, dass mächtige Geheimgesellschaften in die drei Attentate verwickelt waren. Langsam werden sie in ein Netz von immer komplexer werdenden Verschwörungstheorien verstrickt.

Gleichzeitig wird George Dorn, ein Reporter der Zeitschrift, in einem gottverlassenen texanischen Städtchen namens Mad Dog wegen Drogenbesitzes festgenommen. Im Gefängnis wird er von rechtsgerichteten Hinterwäldlern bedroht und halluziniert seine eigene Hinrichtung. Schließlich wird er bei einem Sprengstoffanschlag auf das Gefängnis von einer Gruppe von Anarchisten befreit, die ihm mit ziemlich drastischen Mitteln zu einer Erleuchtung im Sinne ihrer Lehre verhelfen, dem Diskordianismus. Anführer ist der rätselhafte Hagbard Celine, Kommandant der Lief Erikson, eines goldenen U-Boots, das er selbst gebaut hat (ganz offensichtlich eine Anspielung auf den bekannten Beatles-Song Yellow Submarine, der versteckt von Drogenerfahrungen erzählt). An Bord befindet sich auch FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer), ein Riesen-Computer, der mittels eines virtuellen I Ging täglich die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch des Dritten Weltkriegs ermittelt.

Hagbards Gruppe ist in einen fortwährenden Kampf gegen die Illuminaten verstrickt, die Verschwörergruppe, die insgeheim die Welt kontrolliert. Dieser Kampf wird mit dem Gold finanziert, das die Diskordianer in den unterseeischen Ruinen von Atlantis gefunden haben.

Die Handlung wandert im weiteren Verlauf des Romans rund um den Globus zu so unterschiedlichen Schauplätzen wie Las Vegas (wo ein tödlicher Milzbrand-Stamm freigesetzt wurde, der im Auftrag der US-Regierung genetisch verändert worden war), Atlantis (wo Howard, der sprechende Tümmler, mit seinen Artgenossen Hagbard beim Kampf gegen die Illuminaten hilft), Chicago (wo jemand, der John Dillinger verblüffend ähnlich sah, vor vielen Jahren erschossen wurde); Ingolstadt (an dessen Universität der historische Illuminatenorden gegründet wurde) bis zur Insel Fernando Poo (dem Schauplatz der nächsten großen Konfrontation zwischen der Sowjetunion, China und den USA im Kalten Krieg, wo überraschenderweise auch Yog-Sothoth auftaucht, ein Wesen aus dem Cthulhu-Mythos H. P. Lovecrafts).

Der finstere Plan der Illuminaten, der im Verlauf der Roman-Trilogie aufgedeckt wird, besteht darin, das „Eschaton zu immanentisieren“, eine Formulierung des deutsch-amerikanischen Philosophen Eric Voegelin, die das Herbeiführen des Endes der Welt oder das Schaffen eines Paradieses auf Erden bezeichnet. Nachdem der Atomkrieg um Fernando Poo und die weltweite Anthrax-Epidemie verhindert wurden, stellt der geheime Plan der American Medical Association (AMA), einer bösen Rockband, den dritten Versuch dar: Sie möchte ein massenhaftes Menschenopfer veranstalten mit dem Zweck, genug „Lebens-Energie“ freizusetzen, um so einer kleinen Gruppe von Eingeweihten (darunter auch Adolf Hitler) ewiges Leben zu verschaffen. Die AMA besteht aus den Geschwistern Werner, Winifred, Wolfgang und Wilhelm Saure, die vier der fünf geheimnisvollen Illuminati Primi sind. Die Identität des fünften bleibt zunächst unbekannt. Ein Rockfestival, das am 1. Mai 1976 (auf den Tag genau 200 Jahre nach der Gründung des historischen Illuminatenordens) als Pendant zu dem in Woodstock im bayerischen Ingolstadt stattfinden soll, ist der geplante Schauplatz des Massenmords, den ein Bataillon Nazis ausführen soll, die am Grunde des nahe gelegenen Totenkopfsees im Winterschlaf liegen. Dieser Plan wird mit Hilfe einer über fünfzehn Meter großen Epiphanie der griechischen Göttin Eris vereitelt, der Schutzgöttin der Diskordianer. Die vier Ober-Illuminaten werden dabei getötet.

Die Protagonisten, die nun alle an Bord des U-Boots versammelt sind, werden vom Leviathan bedroht, einem riesigen pyramidenförmigen Einzeller, der seit Jahrtausenden unaufhörlich im Meer gewachsen ist. Diese ins Bizarre übertriebene Begegnung führt einige der Romanpersonen vorübergehend zu der metafiktionalen Frage, ob sie selbst nicht nur Figuren in einem Roman sind, doch nimmt das Monster gleich wieder ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Die Gefahr wird dadurch gebannt, dass dem einsamen Leviathan FUCKUP, der Bordcomputer des U-Boots, zur Verfügung gestellt wird, damit er endlich einen Gesprächspartner hat. Schließlich eröffnet Hagbard, dass er selbst der fünfte Illuminatus Primus ist – er hat ein doppeltes Spiel getrieben und beide Seiten gegeneinander ausgespielt, um das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Er ist in Wahrheit Mitglied eines noch geheimeren Geheimbunds hinter den sich bekämpfenden Geheimbünden, dessen Ziel die Verbreitung der Idee ist, dass jeder die Freiheit hat, jederzeit das zu tun, was er will.

Titel und Gliederung mini|Zankapfel Die Buchtitel der drei Bände beziehen sich auf wiederkehrende Symbole, die im Verlauf der Handlung erläutert werden:

Das Auge in der Pyramide verweist auf das Allsehende Auge, von dem im Roman behauptet wird, es wäre das Zeichen der bayerischen Illuminaten gewesen. Es taucht an verschiedenen Stellen im Roman auf, als Altar, als Tätowierung, nicht zuletzt aber auf dem Dollarschein. Der goldene Apfel bezieht sich auf den Zankapfel, der im Mittelpunkt des Urteils des Paris der griechischen Mythologie steht. Im Roman wird es benutzt als Symbol der „Legion des dynamischen Diskord“, einer Untergruppe der Diskordianer. Der Apfel taucht wiederholt im Roman auf, z. B. auf der schwarzen Fahne der Anarchisten, als Einweihungsobjekt und als Abzeichen auf einer Uniform. Leviathan bezieht sich zum einen auf das biblische Urweltmonster, zum anderen aber auch auf die gleichnamige staatstheoretische Schrift von Thomas Hobbes, in der der alles erfassende Staat mit seinem Gewaltmonopol gemeint ist.

Die drei Teile der Trilogie sind ihrerseits unterteilt in fünf Bücher, die nach den fünf Jahreszeiten des diskordianischen Kalenders benannt sind. Diese Bücher sind wiederum in insgesamt zehn „Trips“ gegliedert, die nach den kabbalistischen Sephiroth benannt sind. Auf den letzten „Trip“ folgen schließlich vierzehn Anhänge, die als Überschriften die Namen der Buchstaben des hebräischen Alphabets tragen. Auf der ersten Seite der Anhänge findet sich die geheimnisvolle Notiz: „Ursprünglich gab es 22 Anhänge, die die Geheimnisse der Illuminati erklären. Acht Anhänge wurden wegen Papiermangels entfernt. Sie werden im Himmel gedruckt werden.“, während „Anhang Mem“ klarstellt: „Wo sind die fehlenden Anhänge? Antwort: Zensiert.“ Dies scheint ein weiterer Scherz der Autoren zu sein, auch wenn es zutrifft, dass in den Anhängen acht Teile fehlen, um auf die Zahl der Buchstaben des hebräischen Alphabets zu kommen, und dass der Verleger von Shea und Wilson verlangte, fünfhundert Seiten aus dem Buch herauszukürzen.

Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte Die Trilogie wurde zwischen 1969 und 1971 geschrieben, als Wilson und Shea in der Redaktion des Playboy arbeiteten. Sie waren auch für die Leserbriefe zuständig, von denen viele paranoide Phantasmen über Verschwörungen und Geheimbünde zum Thema hatten. Sie begannen einen Roman zu schreiben unter der Prämisse, dass „all diese Schwachköpfe recht hatten und jede einzelne Verschwörung, über die sie sich beschweren, wirklich existiert“. In einem Interview, das er 1980 gab, erklärte Wilson, dass der Roman obendrein einen Mythos um die Weltanschauung herum aufbauen sollte, an dem beide mitwirkten, den Diskordianismus.

Es gab keine spezifische Arbeitsteilung beim Schreiben des Romans. Wilson erklärte 1976 in einem Interview:

Der Schauspieler Ken Campbell, der die Trilogie für die Bühne adaptierte, sagte in einem Interview, die beiden hätten den Prozess des Schreibens als eine Art lustigen Sport oder Wettkampf betrieben:

Das ungewöhnliche Endprodukt fand bei den Verlagen keinen Gefallen, und erst nach mehreren Jahren fand sich ein Verleger. Wilson erklärte später, die Einteilung von Illuminatus! in drei Bände sei eine kommerzielle Entscheidung des Verlags Dell gewesen – die Autoren dagegen hätten den Roman als Einheit und nicht als Trilogie angelegt. Dell habe obendrein von ihnen verlangt, den Text um 500 Seiten zu kürzen, um die Druckkosten des, wie es damals schien, riskanten Unternehmens zu senken. Ein Großteil des herausgekürzten Materials wurde in späteren Büchern verwendet. Der Gedanke, dass ausgerechnet die tiefsten Geheimnisse der Illuminaten der kostenbedingten Streichung zum Opfer gefallen wären, ist einer der typischen Scherze von Wilson und Shea.