mini|hochkant=1.2|Dulcamara preist seine „Zaubertränke“ an (Akt I), Metropolitan Opera, 1916

L’elisir d’amore () ist eine Opera buffa (Originalbezeichnung: „melodramma giocoso“) in zwei Akten von Gaetano Donizetti mit einem Libretto von Felice Romani nach Eugène Scribes Libretto zu Daniel-François-Esprit Aubers Oper Le philtre (1831). Sie wurde am 12. Mai 1832 am Mailänder Teatro della Canobbiana uraufgeführt.

Handlung Erster Akt Erstes Bild: Eingang zu einem Gut

Der einfache junge Bauer Nemorino ist in die schöne und reiche Gutsbesitzerin Adina verliebt, die jedoch nichts von ihm wissen will. In einer Arbeitspause liest Adina den Landleuten aus einem Buch die Geschichte von Tristan und Isolde vor, die durch einen Liebestrank verbunden sind. Nemorino bewundert die vorlesende Adina und ist von der Geschichte beeindruckt. Soldaten kommen ins Dorf; der aufschneiderische Sergeant Belcore macht Adina den Hof und auch gleich einen Heiratsantrag; sie ist zwar geschmeichelt, weist Belcore aber zunächst ab. Der durch Belcores Antrag alarmierte Nemorino gesteht nun seinerseits Adina seine Liebe, aber sie lacht ihn aus.

Zweites Bild: Dorfplatz

Mit Pomp und Trompetenklang zieht der Quacksalber Dulcamara ins Dorf ein und preist den Bauern seine unglaublich günstigen Heilmittel gegen alle möglichen Leiden an. Nemorino fragt Dulcamara, ob der unter seinen Wundermitteln nicht auch einen Liebestrank habe, mit dem er die Liebe Adinas gewinnen könnte. Dulcamara ergreift die Gelegenheit, den Einfaltspinsel übers Ohr zu hauen, und verkauft Nemorino eine Flasche Wein als Liebestrank. Die Wirkung würde sich allerdings erst in 24 Stunden einstellen – also erst, wenn Dulcamara längst über alle Berge sein wird. Als Adina zurückkommt, ist Nemorino im Vorgefühl der Wirkung des Liebestranks wie ausgewechselt: Er versichert ihr, innerhalb eines Tages sei er seinen Liebeskummer los, was Adina dann doch verärgert. Als Belcore dazukommt, erklärt sie, diesen in sechs Tagen heiraten zu wollen, worüber Nemorino nur lachen kann. Da wird Belcore die Nachricht überbracht, dass sein Regiment schon am nächsten Morgen abrücken müsse. Adina ist daraufhin bereit, Belcore noch am selben Tag zu heiraten. Nemorino ist verzweifelt, weil bis dahin der Liebestrank noch nicht wirken kann. Er beschwört Adina, die Hochzeit mit Belcore wenigstens einen Tag aufzuschieben, weil sie es sonst bereuen müsse. Niemand versteht das sonderbare Benehmen Nemorinos und so verspotten ihn Adina, Belcore und die Bauern als Trottel.

Zweiter Akt Erstes Bild: Im Innern von Adinas Gut

In Adinas Gutshof kommt die Hochzeitsgesellschaft zusammen (Einlage: Dulcamara singt mit Adina das Lied von der Schifferin und dem Senator). Um Nemorino zu demütigen, will Adina den Heiratsvertrag aber erst unterzeichnen, wenn Nemorino als Zeuge mit unterschreibt. Dieser verlangt unterdessen von Dulcamara einen weiteren Liebestrank, und zwar einen, der sofort wirkt. Allerdings hat Nemorino nun kein Geld mehr und ohne Bezahlung will ihm der Scharlatan nichts geben. Völlig verzweifelt wendet sich Nemorino an seinen Rivalen Belcore: Er will sich von diesem als Soldat anwerben lassen, nur um für das Handgeld den Liebestrank kaufen zu können. Belcore freut sich, dass er seinen Rivalen endgültig loswird und zugleich einen neuen Rekruten bekommt. Er gibt Nemorino 20 Scudi, so dass dieser Dulcamara bezahlen kann.

Zweites Bild: Im Hof des Guts

Auf dem Gut wird unterdessen bekannt, dass Nemorinos Onkel gestorben ist und diesem ein beträchtliches Vermögen hinterlässt. Die Mädchen umschwärmen jetzt Nemorino, der von der Erbschaft noch nichts weiß und der daher seine plötzliche Beliebtheit bei den jungen Frauen auf die Wirkung des Liebestranks zurückführt. Dulcamara, der Zeuge der Szene geworden ist, glaubt jetzt selbst an die Wirkung seines Tranks und empfiehlt ihn wiederum Adina, bei der er Anzeichen von Liebeskummer auszumachen glaubt. So erfährt Adina nun auch vom Liebestrank und dass sich Nemorino deswegen an die Soldaten verkauft hat; sie ist bewegt von der Tiefe der Gefühle Nemorinos. Den von Dulcamara angebotenen Liebestrank weist sie allerdings zurück.

Nemorino glaubt, endlich auch bei Adina erste Anzeichen von Zuneigung erkannt zu haben. Adina hat unterdessen den Kontrakt von Belcore zurückgekauft und gesteht Nemorino endlich auch ihre Liebe. Nemorino erfährt nun auch von seiner Erbschaft und so ist sich Dulcamara sicher, dass sein Trank nicht nur Liebe, sondern auch Reichtum verschaffen könne. Alle sind glücklich und froh – bis auf Belcore, der wünscht, Dulcamara möge sich den Hals brechen.

Entstehung 1830 gelang Donizetti mit Anna Bolena, seiner 31. Oper, endlich der Durchbruch. Ein Jahr zuvor hatte der nur fünf Jahre ältere Rossini, der seit 1823 in Paris lebte, seine französische Grand opéra Wilhelm Tell in Paris uraufgeführt. Zwar wusste damals noch niemand, dass es seine letzte Oper sein würde, dennoch waren Donizetti und Vincenzo Bellini, der sich bereits 1827 mit Il pirata etabliert hatte, nun die führenden Opernkomponisten Italiens. 1832 kehrte Donizetti nach fast zehn Jahren wieder an die Mailänder Scala zurück – neben dem Teatro San Carlo in Neapel damals das wichtigste Opernhaus Italiens. Seine dort am 13. März 1832 aufgeführte (und heute vergessene) Oper Ugo, conte di Parigi wurde jedoch ein Reinfall – trotz eines Starensembles mit Giuditta Pasta, Giulia Grisi und Domenico Donzelli, die in derselben Spielzeit in Bellinis Norma auftraten (uraufgeführt am 26. Dezember 1831); bereits nach fünf Vorstellungen wurde Ugo vom Spielplan abgesetzt und wieder durch Norma ersetzt.S. 26–27, in Jeremy Commons: Ugo, conte di Parigi, Booklettext zur CD-Box: Donizetti: Ugo, conte di Parigi, mit Janet Price, Maurice Arthur, Ivonne Kenny, Della Jones u. a., New Philharmonia Orchestra, Dir.: Alun Francis (Opera Rara, 1977)

mini|Giuseppe Frezzolini (1789–1861) als Dulcamara mit dem Wundermittel Das Angebot Alessandro Lanaris, des Impresarios des Mailänder Teatro della Canobbiana, für einen anderen Komponisten einzuspringen und noch im Frühjahr 1832 eine neue Oper herauszubringen, war daher für Donizetti eine gute Gelegenheit, den Misserfolg an der Scala umgehend auszugleichen (den Vorschlag, eine vorhandene Oper zu überarbeiten, soll Donizetti zurückgewiesen haben).Herbert Weinstock: Donizetti. Edition Kunzelmann, Adliswil, 1983, S. 77. Der Dichter Felice Romani, mit dem Donizetti schon bei Anna Bolena und zuletzt wieder beim gescheiterten Ugo zusammengearbeitet hatte, schrieb nun den Text für die neue Oper mit dem Titel L’elisir d’amore, wobei er das Libretto von Eugène Scribe für Daniel-François-Esprit Aubers Oper Le philtre, die 1831 in Paris uraufgeführt worden war,. verwendete. Dieses Libretto basierte wiederum auf dem Stück Il filtro von Silvio Malaperta, also auf einer italienischen Vorlage.William Weaver: Dr. Donizettis magisches Rezept. In: L’elisir d’amore. Booklet zur CD. Decca 1985, S. 31 f. Romani übersetzte den Text Scribes und passte ihn an italienische Verhältnisse an. Die meisten Nummern von L’elisir d’amore gehen auf Le Philtre zurück: „Fast jede Situation hat ihr Gegenstück in der französischen Vorlage, doch schärft und spitzt Romani einen Moment nach dem anderen.“William Weaver: Dr. Donizettis magisches Rezept. In: L’elisir d’amore. Booklet zur CD. Decca 1985, S. 32. Zu den neu aufgenommenen Stücken gehört auch die bekannteste Nummer der Oper Una furtiva lagrima, die Donizetti erst gegen Romani durchsetzen musste.

Wie Rossinis Il barbiere di Siviglia gilt L’elisir d’amore als Musterbeispiel für den schnellen Wurf eines Komponistengenies, und traditionell wird oft behauptet, die Oper sei in nur zwei Wochen entstanden.William Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1983 (2. edition), S. 72 Die genauen Umstände der Entstehung von L’elisir liegen jedoch im Dunkel, weil ausgerechnet aus dieser Zeit kaum Briefe Donizettis erhalten sind,William Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1983 (2. edition), S. 73 und der Donizetti-Spezialist William Ashbrook wies darauf hin, dass Donizetti den Auftrag bereits Anfang März, also etwa zehn Wochen vor der Premiere, erhalten haben könnte. Trotzdem war die Zeit bis zur Uraufführung Mitte Mai knapp bemessen, auch für einen schnellen KomponistenThomas May nennt ihn einen „hyper-produktiven Workaholic“.Thomas May: . wie Donizetti, der bis dahin innerhalb von 15 Jahren schon 35 Opern (darunter allerdings auch Einakter) komponiert hatte. In einem Brief an seinen Vater vom 24. April 1832 berichtete Donizetti, dass er noch nicht fertig sei, aber dass nur noch wenig fehle,Ashbrook zitiert den Brief in englischer Übersetzung: „…in the coming week I will start rehearsals, even though I may not have finished (though I am lacking only a little).“ William Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1983 (2. edition), S. 73 und dass selbst der bekanntermaßen langsame und unzuverlässige Romani sich diesmal beeilt habe, und nur noch „gewisse Dinge für die Bühne abstimmen“ musste.Briefzitat wiederum nach Ashbrooks englischer Übersetzung: „Romani was obliged to finish quickly, and now he is adjusting certain things for the stage.“. William Ashbrook: Donizetti and his Operas, Cambridge University Press, 1983 (2. edition), S. 73 Bis zur Premiere blieben Donizetti dann noch knapp drei Wochen.

Donizetti war jedoch gewöhnt an die Unwägbarkeiten und Unzuverlässigkeiten des damaligen italienischen Opernbetriebs, arbeitete sehr ökonomisch und hatte immer einen Vorrat an Entwürfen und Skizzen aus anderen Opernprojekten, auf die er zurückgreifen konnte. Immerhin gelang es ihm so, in der außerordentlich kurzen Zeit eine neue abendfüllende Oper mit 28 Nummern fertigzustellen; L’elisir d’amore ist also keine Kurzoper, die Partitur umfasst über 600 Seiten.

Als Ensemble stand Donizetti nicht die allererste Garde zur Verfügung wie an der Scala oder anderen Häusern, die auf Seria-Opern spezialisiert waren, sondern ein typisches Ensemble eines Buffo- und Semiseria-Theaters, wie es das Cannobbiana war. Die Hauptrollen sangen Sabine Heinefetter (Adina), Gianbattista Genero (Nemorino), Henri-Bernard Dabadie (Belcore) und Giuseppe Frezzolini (Dulcamara). In einem Brief an seinen Vater schrieb Donizetti über drei dieser Sänger: „… der einzige Tenor ist passabel, die „donna“ hat eine hübsche Stimme, der Buffo übertreibt ein bisschen.“Zitat hier aus dem Englischen: „… and the only tenor is passable, the donna has a pretty voice, the buffo is a bit hammy.“ Siehe: William Ashbrook: Donizetti and his Operas (2. edition), Cambridge University Press, Cambridge et al., 1982/1983, S. 73Weaver zitiert ohne Quellenangabe einen anderen nicht genauer definierten Brief, wo sich Donizetti ironischer und abschätziger über seine Sänger geäußert haben soll: „Wir haben eine deutsche Primadonna, einen stotternden Tenor, einen Buffo mit einer Ziegenstimme und einen französischen Bass, der nichts taugt.“ Siehe: William Weaver (Übersetzung: Andreas Klatt, 1986): Dr. Donizettis magisches Rezept, Booklettext zur CD-Box: L’elisir d’amore, mit Luciano Pavarotti, Joan Sutherland u. a., Dir.: Richard Bonynge (Decca; 1970). S. 17–20, hier: S. 18. Giuseppe Frezzolini (1789–1861), der Vater der später berühmten Sopranistin Erminia Frezzolini, war bereits ein Bekannter von Donizetti, der für ihn Hauptrollen in Olivo e Pasquale (1827) und Alina (1828) komponiert hatte.William Ashbrook: Donizetti and His Operas (2. edition), Cambridge University Press, 1982/1983, S. 622 (Fußnote 58) Der Bariton Dabadie (1797–1853) hatte zuvor eine beachtliche Karriere an der Pariser Oper – Rossini hatte für ihn u. a. die Titelrolle in Guillaume Tell (1829) geschrieben –, und kannte sich schon im Stoff aus, denn er hatte bereits in Aubers Le Philtre gesungen.William Ashbrook: Donizetti and His Operas (2. edition), Cambridge University Press, 1982/1983, S. 621 (Fußnote 55)

Aufführungsgeschichte