mini|Herzog Leopold in einer Darstellung aus dem 16. Jahrhundert mini|Siegel Herzog Leopolds IV.: drei Halbrundschilde (Österreich, Steiermark und Tirol) im Dreipass mit der Umschrift in gotischen Majuskeln: + LEOPOLDVS . DEI . GRACIA . DVX . AVSTRIE . ETCET(e)RASiegelbeschreibung und -legende nach den Angaben bei Hannes Obermair: . Band 2. Bozen 2008. ISBN 978-88-901870-1-8, S. 39. Herzog Leopold IV. von Österreich (* 1371; † 3. Juni 1411 in Wien) war ein Reichsfürst aus der Dynastie der Habsburger. Er regierte von 1392 bis 1406 als Leopold II. über die Grafschaft Tirol und die Vorderen Lande. Seit 1406 war er bis zu seinem Tod Senior der Familie und gemeinsam mit seinem Bruder Ernst I. herzöglicher Regent von „Donauösterreich“ für seinen noch minderjährigen Verwandten Herzog Albrecht V. von Österreich, dem einzigen Sohn von Herzog Albrecht IV. von Österreich.
Herkunft, Familie und Heirat Herzog Leopold IV. war der zweitälteste Sohn des Herzogs Leopold III. von Österreich (1351–1386) aus dessen Ehe mit Viridis Visconti (1350–1414), einer Tochter von Bernabò Visconti, dem Stadtherrn von Mailand. Gemeinsam mit seinen Brüdern Wilhelm, Ernst I. und Friedrich IV. bildete er die Leopoldinische Linie der Habsburger. Ihr Onkel war Herzog Albrecht III. von Österreich (1348–1395), dessen einziger Sohn, Herzog Albrecht IV. die Albertinische Linie der Habsburger weiterführte.
Leopold IV. war mit Katharina von Burgund (* 1378; † um 1425), einer Tochter von Herzog Philipp von Burgund aus dessen Ehe mit Margarete von Flandern, verheiratet. Darüber, dass er Kinder hatte, ist nichts bekannt, seine Ehe blieb jedenfalls kinderlos.Eva Bruckner: Formen der Herrschaftsrepräsentation, 2009, S. 165. Ursprünglich war für ihn eine Ehe mit Katharinas älterer Schwester Margarete geplant, die aber nicht zustande kam. Ende 1384 wurden dann erste Gespräche über eine mögliche Heirat mit Katharina geführt. Die Hochzeit mit ihr war zunächst für 29. September 1385 geplant, musste aber aus verschiedenen Gründen mehrfach verschoben werden und fand letztlich in Anwesenheit Leopolds zwischen dem 14. und 17. September 1387 in Dijon statt. Katharina reiste jedoch erst Jahre später am 18. September 1393 zu ihm. Die Ehe der beiden endete mit Leopolds Tod im Jahr 1411. Nach einigen Aussagen von Katharina dürfte die Beziehung zwischen den Eheleuten recht gut gewesen sein.Eva Bruckner: Formen der Herrschaftsrepräsentation, 2009, S. 174.
Nachfolge-Regelungen nach dem Tod von Leopold III. Als ihr Vater im Jahr 1386 in der Schlacht bei Sempach fiel, trat Leopolds älterer Bruder Wilhelm, der zu diesem Zeitpunkt bereits volljährig war, als der älteste Sohn die Nachfolge an. Allerdings akzeptierte er mit Zustimmung der Prälaten und Landesherren nur wenig später am 10. Oktober 1386 für sich und seine Geschwister seinen Onkel Albrecht III. als Vormund, der daraufhin die zwischen ihm und Leopold III. im Vertrag von Neuberg von 1379 vereinbarte Realteilung vorerst außer Kraft setzte und die alleinige Herrschaft über alle Herrschaften der Familie übernahm. Leopold IV. stimmte dieser Regelung erst im November 1386 zu.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 188. Dass ausdrücklich überliefert ist, dass Leopold IV. zu dieser Nachfolgeregelung seine Zustimmung gab, könnte ein Hinweis dafür sein, dass er zu dieser Zeit ebenfalls bereits volljährig war.
1392 wurde Leopold IV. von seinem Onkel die Verwaltung der Grafschaft Tirol und der Vorderen Lande übertragenAlois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 189.. Nach dessen Tod im Jahr 1395 schloss Leopold IV. mit seinem Bruder Wilhelm und seinem Cousin Albrecht IV. in Wien einen Hausvertrag, in dem seine Herrschaft über Tirol und die Vorderen Lande („Oberösterreich“) bestätigt wurden. Da die Einkünfte aus diesen Teilen der „leopoldinischen Lande“ zu jener Zeit wesentlich geringer waren als die aus den Herrschaften, die Wilhelm verwaltete, verpflichtete sich dieser zusätzlich zur Zahlung einer finanziellen KompensationKlaus Brandstätter: Zur Entwicklung der Finanzen unter Herzog Friedrich IV. In: Georg Mühlberger, Mercedes Blaas (Hrsg.): Grafschaft Tirol: „Terra Venusta“. Studien zur Geschichte Tirols, insbesondere des Vinschgaus (= Schlern-Schriften 337). Innsbruck 2007, S. 233f.. Der Vertrag übertrug Leopold IV. außerdem die Versorgung seines jüngeren Bruder Friedrich IV., während sich Wilhelm zu der von Ernst I. verpflichtete.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 194 und S. 196. Am 20. September 1402 schloss Leopold IV. mit seinen Brüdern in Bruck an der Mur einen weiteren Vertrag über die Verwaltung der Herrschaften, in dem seine beiden jüngeren Brüder Mitregenten in den jeweiligen Herrschaftsbereichen ihrer älteren Brüder wurden.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 197 und Eva Bruckner: Formen der Herrschaftsrepräsentation, 2009, S. 166.
Leopold als Politiker in Tirol und den Vorderen Landen Nach der Übernahme der Herrschaft über Tirol und die Vorderen Landen versuchte Leopold vor allem die Gebietsverluste der Schlachten von Sempach und Näfels auszugleichen, in dem er neue gleichwertige Herrschaften als Pfandschaften oder durch Kauf erwarb. Politisch stützte er sich im Unterschied zu seinen Vorgängern besonders auf die Adelsfamilien. Vor allem in Tirol gewährte er diesen eine ganze Reihe Privilegien und versuchte sie so in seine Politik einzubinden, was allerdings seine Position als Landesherr wesentlich schwächte.
Nach der Absetzung von König Wenzel IV. von Böhmen als König des Heiligen Römischen Reichs durch die „rheinischen“ Kurfürsten im Jahr 1400 und der Wahl des Pfalzgrafen Ruprecht III. bei Rhein zu dessen Nachfolger stellte sich Leopold IV. im Interesse seiner Herrschaftsgebiete auf dessen SeiteAlois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 196.. Bereits im April 1397 hatten sich beide in Heidelberg getroffen, wo sie ein Bündnis miteinander schlossen, ehe Leopold im Mai 1397 den Fürsten- und Städtetag in Frankfurt am Main aufsuchte. Am 2. Juli 1401 wurde in Mainz zwischen Leopold und Ruprecht eine Eheschließung zwischen Leopolds Bruder Friedrich IV. und Ruprechts Tochter Elisabeth vereinbart. In Herbst dieses Jahres unterstützte Leopold Ruprecht bei seinem Italienzug, wobei er nach einer Schlacht bei Brescia von den Mailändern gefangen genommen wurde. Vermutlich aufgrund seiner verwandtschaftlichen Beziehungen zum Mailänder Herzoghaus wurde er schon nach drei Tagen wieder frei gelassen und kehrte daraufhin in seine Länder zurück.Eva Bruckner: Formen der Herrschaftsrepräsentation, 2009, S. 166f. Nach dem Tod seines Cousins Albrecht und seines Bruders Wilhelm versuchte er dessen Nachfolge anzutreten, womit sich sein politischer Schwerpunkt in den östlichen Teil der Herrschaften des Hauses Österreich verlagerte. Es hat den Eindruck, dass er als Folge dieser Entwicklung und durch die Appenzeller Kriege allmählich gezwungen war, die Herrschaft in den Vorderen Landen und danach in Tirol seinem Bruder Friedrich zu überlassen, wobei es zu den verhängnisvollen Schlachten von Vögelinsegg im Jahr 1403 und am Stoss im Jahr 1405 kam.
Leopold als Politiker nach dem Tod von Albrecht IV. und Wilhelm Als im Jahr 1404 sein Cousin Albrecht IV. überraschend verstarb, „bewarb“ er sich um die Vormundschaft über dessen Sohn Albrecht V., doch Wilhelm setzte sich gegen ihn durch.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 197. Als Wilhelm bereits im Jahr 1406 überraschend und ohne Nachkommen starb, beanspruchte er dessen Nachfolge als Senior des Hauses Österreich und versuchte die alleinige Herrschaft zu übernehmen, weswegen er mit seinem Bruder Ernst I. in einen schweren Konflikt geriet, der als Mitregent Wilhelms ebenfalls die Nachfolge beanspruchte.Die Rolle, die sein anderer Bruder in diesem Konflikt spielte, wird in der Literatur unterschiedlich gesehen. Einerseits soll Friedrich Ernst gegen Leopold unterstützt haben, andererseits soll er sich die Herrschaft über Tirol gesichert haben, nachdem er seit 1404 bereits weite Teile der Vorderen Lande regierte. Es entsteht sogar der Eindruck, dass er vielleicht überhaupt nicht an den Auseinandersetzungen beteiligt war. Ein Schiedsspruch der Landesstände vom 14. September 1406, um die Verhältnisse bis zur Volljährigkeit von Albrecht V. zu regeln, war nur vorübergehend erfolgreich und führe im Winter 1407 zum Krieg zwischen Leopold und Ernst, in den auch der Rat der Stadt Wien, der damals bedeutendsten Stadt im Herzogtum Österreich verwickelt war. Nachdem beide am 14. Jänner 1408 endlich Frieden schlossen und Leopold die Herrschaft über das Herzogtum Österreich übernahm, ließ er den Wiener Bürgermeister Konrad Vorlauf und die Ratsherren Hans Rockh und Konrad Ramperstorffer, die Ernst unterstützt hatten, nach einem zweifelhaften Prozess auf dem Schweinemarkt in Wien (heute: Lobkowitzplatz) öffentlich enthaupten. Nach längeren Verhandlungen, an denen die Landstände mitbeteiligt waren, entschied der spätere Kaiser Siegmund, dass Leopold und Ernst die Vormundschaft über Albrecht V. gemeinsam bis zu dessen Volljährigkeit ausüben sollten, wobei Albrecht ein eigener Haushalt zugestanden und als Termin für die Erreichung der Volljährigkeit der 24. April 1411 festgesetzt wurde. Als dieser Termin verstrich, ohne dass Leopold und Ernst von der Vormundschaft offiziell zurücktraten, ließen die Landesstände Albrecht V. heimlich auf einen Landtag nach Eggenburg holen und huldigten ihm dort als Landesfürsten. Wenig später starb Leopold IV., offensichtlich überraschend, in Wien.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, 197ff.
Tod und Folgen, Verteilung der Erblande 1411 Leopold IV. wurde nach seinem Tod in der Herzogsgruft im Wiener Stephansdom beigesetzt. Die genaue Todesursache ist unbekannt, es wird vermutet, dass ein Aderlass als Folge einer Beinverletzung beziehungsweise eine Verletzung durch eine Armbrust zu seinem Tod geführt hat.Eva Bruckner: Formen der Herrschaftsrepräsentation, 2009, S. 175. Am bekanntesten ist eine Geschichte, die seinen Tod mit dem Landtag in Eggenburg verknüpft. Angeblich soll er an einem Schlaganfall verstorben sein, der durch die Nachricht von der Entführung des jungen Herzogs Albrecht V. aus Wien durch die österreichischen Stände und seiner Huldigung in Eggenburg als Landesherr ausgelöst wurde.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, S. 199. Angeblich löste sein Tod beim Volk Freude und Jubel aus.Eva Bruckner: Formen der Herrschaftsrepräsentation, 2009, S. 175.
Mit Unterstützung des späteren Kaisers Siegmund, der inzwischen zum König des Heiligen Römischen Reiches gewählt worden war, gelang es Albrecht V. die alleinige Herrschaft über das Herzogtum Österreich („Donauösterreich“) für sich durchzusetzen. Ernst I. beschränkte sich in der Folge auf die Herrschaft über die Herzogtümer Steiermark, Kärnten und Krain („Innerösterreich“), Friedrich IV. blieb Herrscher über die Grafschaft Tirol und den größten Teil der Vorderen Lande („Oberösterreich“). Damit wurden jene drei „Ländergruppen“ geschaffen, die für die verwaltungsmäßige Gliederung der habsburgischen Erbländer bis in die Neuzeit maßgeblich sein sollten.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411, 2001, 199f.
Leopolds Beinamen, Aussehen und Persönlichkeit