Cluj-Napoca (; , ungarisch Kolozsvár)Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa ist die zweitgrößte Stadt Rumäniens. Sie ist Hauptstadt des Kreises Cluj in Siebenbürgen und Sitz der Planungsregion Nordwest. Die Stadt hat 286.598 Einwohner (Stand: Dezember 2021).Die Kreise von Rumänien und alle Städte mit mehr als 15.000 Einwohnern bei citypopulation.de, Rumänien, Stand Oktober 2011.
Geographie Lage mini|hochkant=1.3| mini|Fluss Someșul Mic in Cluj mini|Cluj-Napoca (rotes Viereck) mit Nachbarorten: Zalău, Dej, Bistrița, Târgu Mureș, Mediaș, Alba Iulia, Turda Cluj-Napoca befindet sich im Westen Siebenbürgens am Fluss Someșul Mic (Kleiner Somesch). Die Umgebung ist durch Berge und Wälder geprägt. Neben einigen Seen, Bächen und Flüssen wie dem Someșul Mic gibt es auch unterirdische Gewässer.
Das kontinental-gemäßigte Klima erzeugt große jahreszeitliche Temperaturschwankungen mit heißen, trockenen Sommern und kalten Wintern.
Von den südlich gelegenen Hügeln bei Feleacu hat man einen schönen Panoramablick auf die Stadt.
Stadtgliederung mini|hochkant=1.1|Lage der Stadtteile Die Innenstadt mit ihren historischen Gebäuden ist vor allem von großen Plattenbausiedlungen aus kommunistischer Zeit umgeben: Im Westen Mănăștur (dt. früher Abtsdorf) und Grigorescu, im Osten Mărăști und Gheorgheni sowie südlich des Zentrums Zorilor.
Die Viertel Iris, Bulgaria und Dâmbul Rotund sind hauptsächlich industriell geprägt. Gruia, Someșeni (eigenständiger Vorort bis 1960)Lajos Asztalos: , 2010. Abgerufen am 24. September 2010. und Andrei Mureșanu gehören zu den älteren Einfamilienhaus-Siedlungen, daneben gibt es weitere, teils sehr junge Wohnviertel und Wohnparks.
Nachbargemeinden Folgende Gemeinden grenzen unmittelbar an die Stadt: nördlich Chinteni, östlich Apahida, südlich Feleacu (Fleck), westlich Florești (Sächsisch Fenesch) und im Nordwesten Baciu. Vor allem seit Beginn des 21. Jahrhunderts ziehen viele Klausenburger aus der Stadt in neu errichtete Wohnanlagen des Umlandes.
Klima Das Klima in Cluj-Napoca ist warm-gemäßigt mit kühlen Wintern und warmen Sommern bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 10,0 °C. Die Jahresniederschlagssumme beträgt 548 Liter, dabei ist das Winterhalbjahr deutlich trockener als der Zeitraum April bis September. Das ganze Jahr über ist dennoch als humid zu bewerten. Die Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger lautet Cfb.
Geschichte Frühgeschichte mini|2016 entdecktes neolithisches Beil An der Stelle der heutigen Stadt befand sich in prähistorischer Zeit zeitweilig eine Siedlung. Nach der römischen Eroberung Dakiens unter Kaiser Trajan wurde diese Dakersiedlung Napoca zu einem Legionslager ausgebaut, doch entwickelte sich auch die zivile Siedlung als Verkehrsknotenpunkt schnell zu einem lokal bedeutenden kleinen städtischen Mittelpunkt. Schon unter Kaiser Hadrian (117–138) erhielt Napoca die Rechte eines Municipiums und hieß jetzt Municipium Aelium Hadrianum Napoca. Wahrscheinlich unter Kaiser Marcus Aurelius erfolgte die Gründung einer römischen Kolonie. Im 3. Jahrhundert überflügelte Napoca für einige Jahre die Provinzhauptstadt Porolissum und wurde Sitz des Prokurators. Um 250 ging die Siedlung bereits im Zuge verheerender Plünderungszüge von Germanen und Karpen und dem Abzug der kleinen romanisierten Bevölkerungsschicht unter.
Mittelalter Die Stadt wurde im 13. Jahrhundert von deutschen Siedlern am Ufer des Flusses Someșul Mic (dt. Kleiner Samosch) erbaut. Klausenburg, die zweitgrößte Stadt des Königreichs Ungarn, war seit damals Sitz des Komitats Klausenburg. mini|„Clavdiopolis, Coloswar vulgo Clavsenbvrg, Transiluaniæ ciuitas primaria“ (1617) Der ungarische König Matthias Corvinus wurde hier 1443 geboren.
Ab 1523 kamen evangelische Schriften von Martin Luther und Philipp Melanchthon in die Stadt. Um 1550 wurde die Reformation des helvetischen Bekenntnisses eingeführt, weil die Stände einander die Glaubensentscheidung freigestellt hatten.
18. und 19. Jahrhundert mini|Cluj, Kolozsvár, Klausenburg (1759) Von 1790 bis 1848 und von 1861 bis 1867 war Klausenburg Hauptstadt des Großfürstentums Siebenbürgen innerhalb der Habsburgermonarchie. Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 wurde Siebenbürgen integraler Bestandteil Ungarns. Der sächsische Bevölkerungsteil akkulturalisierte sich im 17. und frühen 18. Jahrhundert an den ungarischen. Ursachen waren die Hinwendung zum Unitarismus in der Reformationszeit, den die übrigen Siebenbürger Sachsen nicht vollzogen, und ein fehlendes kompakt deutsch besiedeltes Umland. Vielmehr war das Umland von Klausenburg bis ins 17./18. Jahrhundert überwiegend von Rumänen und Ungarn bewohnt, mit der Ausnahme von Sächsisch Fenesch. 1872 wurde in Klausenburg die zweite Universität innerhalb des historischen Ungarns gegründet, die Franz-Josef-Universität (heute Universität Szeged). Im Jahr 1894 fand in der Stadt der Prozess gegen führende Mitglieder der Rumänischen Nationalpartei statt, denen die Mitwirkung am Memorandum der Siebenbürgischen Rumänen von 1892 vorgeworfen wurde. Der Prozess wurde zum politischen Skandal, Tausende von Rumänen erschienen zu Solidaritätsbekundungen in der Stadt.
20. Jahrhundert Nach dem Ersten Weltkrieg, am 4. Juni 1920, erfolgte durch den Friedensvertrag von Trianon die Angliederung Siebenbürgens an Rumänien. 1940 gelangte Nordsiebenbürgen mit Cluj durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch wieder an Ungarn. Mit der deutschen Besetzung Ungarns geriet Klausenburg vom 19. März 1944 bis 1945 direkt unter deutsche Verwaltung. Die Geschichte von Klausenburg ist eng verflochten mit der Geschichte des Holocaust. Den jüdischen Einwohnern, die 1920 mit 14.000 Personen noch 13,4 % der städtischen Bevölkerung ausgemacht hatten, wurden bereits mit der ungarischen Annexion von 1940 wirtschaftliche Restriktionen und Zwangsarbeit auferlegt. 1941 wurden mehrere Hundert Juden deportiert und in Kamjanez-Podilskyj ermordet. Nach dem deutschen Einmarsch wurden etwa 18.000 Juden aus Klausenburg, Gherla und Umgebung in die städtische Ziegelei gepfercht und von dort aus in eines der Vernichtungslager deportiert. 388 Klausenburger Juden wurden dank einer umstrittenen Vereinbarung zwischen dem jüdischen Journalisten und Rechtsanwalt Rudolf Kasztner und der SS von dieser Deportation verschont und gerettet.Dániel Löwy: Von der Ziegelfabrik bis zum Viehwaggon. Der Untergang einer jüdischen Gemeinde im siebenbürgischen Klausenburg. Schäfer, Herne 2011, ISBN 978-3-933337-84-9.Yehouda Marton, Paul Schveiger, Randolph L. Braham: Cluj (Hung. Kolozsvár; Ger. Klausenburg). In: Michael Berenbaum und Fred Skolnik (Hrsg.): Encyclopaedia Judaica. 2nd ed. Macmillan Reference, Detroit 2007 (22 vols), S. 762–763. Nach der Pariser Friedenskonferenz 1946 fiel Klausenburg 1947 an Rumänien zurück.
Seit dem 21. Jahrhundert Heute ist es eines der wichtigsten kulturellen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Zentren Rumäniens. Mit über zehn praktizierten Religionen verfügt Klausenburg über eine große religiöse Vielfalt, wobei die Mehrzahl der Einwohner seit den 1970er Jahren dem orthodoxen Glauben angehört. Noch heute ist Klausenburg das kulturelle Zentrum der ungarischen Minderheit in Rumänien. Bis ungefähr 1956 stellten die Ungarn die relative Bevölkerungsmehrheit in der Stadt.
Die Stadt erlebte nach dem Ende des kommunistischen Regimes in Rumänien 1989 und dem EU-Beitritt des Landes 2004 einen großen wirtschaftlichen Aufschwung, da sie als Investitionstandort für Industrie- und Dienstleistungsunternehmen aus West- und Mitteleuropa interessant wurde und entwickelt sich in den letzten Jahren auch zu einem Anziehungspunkt für Touristen. Dabei wird auch die kulturelle Vielfalt der Stadt wieder stärker wertgeschätzt und gepflegt, so finden etwa an der Babeș-Bolyai-Universität Cluj Lehrveranstaltungen in vier verschiedenen Sprachen (Rumänisch, Ungarisch, Deutsch, Englisch) statt.
Namen der Stadt Die Namen der Stadt lauten rumänisch „Cluj-Napoca“, deutsch „Klausenburg“, ungarisch „Kolozsvár“. Im Lateinischen wurde die Stadt „Claudiopolis“ bzw. „Claudianopolis“ genannt.CERL Thesaurus: Das Tor zum gedruckten europäischen Kulturerbe Abgerufen am 28. März 2014. 1974 ließ Nicolae Ceaușescu dem bisherigen rumänischen Ortsnamen „Cluj“ die antike römische Bezeichnung „Napoca“ hinzufügen, um der offiziellen Theorie von der Abstammung der Rumänen von Dakern und Römern Geltung zu verschaffen (siehe dako-romanische Kontinuitätstheorie). Im Alltag war diese Namensänderung wenig erfolgreich; man spricht nach wie vor von „Cluj“.
Bevölkerung Ethnische Aufteilung mini|Ehemalige Klausenburger Minoritenkirche mini|hochkant|Reformierte Kirche in der Wolfsgasse (Ulița Lupilor)
Nach der Volkszählung von 2002 waren die Einwohner von Cluj zu 79,4 % Rumänen, 19 % Magyaren, 1 % Roma und 0,2 % Rumäniendeutsche und über etwa 17 andere registrierte Ethnien.Rezultate Recensamant 2002 Volumul 4 – Structura etnică şi confesională (Tabel 04) bei recensamantromania.ro, abgerufen am 26. August 2024 (rumänisch). Die Stadt hat damit ihren multiethnischen Charakter, der die Stadt seit dem Mittelalter prägte, bis heute nicht verloren, auch wenn besonders im Verlauf des 20. Jahrhunderts eine Verschiebung der Bevölkerungsanteile stattfand. 1910 waren von damals knapp 61.000 Einwohnern nach Muttersprache 83,4 % Ungarn, 12,4 % Rumänen und 2,8 % Deutsche.
Der Großteil der Stadtbevölkerung gehört der rumänisch-orthodoxen Kirche an (69,2 %). Darüber hinaus sind 12,2 % reformiert, 5,8 % griechisch-katholisch, 5,5 % römisch-katholisch, 1,2 % Baptisten, 1 % unitarisch und 0,07 % jüdisch.. Abgerufen am 23. September 2010. Die jüdische Gemeinde hat etwa 500 Mitglieder,www.romanianjewish.org. Homepage der jüdischen Gemeinden in Rumänien. Abgerufen am 23. September 2010. in der Zwischenkriegszeit lag ihr Anteil an der Klausenburger Gesamtbevölkerung noch bei 13 %.Varga E. Árpád: Volkszählungen 1850–2002 bei kia.hu, letzte Aktualisierung am 9. November 2008 (PDF; 1 MB; ungarisch).
Im August 2009 waren 4.777 Arbeitslose registriert.Vasile Ielciu: In: Foaia Transilvana. (online) vom 18. August 2009. Abgerufen am 23. September 2010.
Von den 324.576 registrierten Menschen bei der Volkszählung 2011 waren 245.737 Rumänen, gefolgt von 49.565 Magyaren, 3.273 Roma, 544 Rumäniendeutschen, 155 Juden, 127 Ukrainer, 88 Italiener, 71 Griechen, 64 Türken, u. a. Ethnien in geringerer Anzahl.Volkszählung 2011 in Rumänien (MS Excel; 1,3 MB).
2021 fiel die Einwohnerzahl im Vergleich zu jener vor zehn Jahren um etwa 12 % auf 286.598 registrierte Menschen. Davon bekannten sich 204.297 als Rumänen, 33.603 als Magyaren, 1758 als Roma, 433 als Rumäniendeutsche, 157 als Ukrainer, 106 als Juden, 104 als Italiener und mehrere andere Ethnien in zweistelliger Anzahl. Des Weiteren wurden 755 mit nicht registrierter Ethnie und 45.036 Menschen machten keine Angaben dazu.
Rumäniendeutsche In Cluj-Napoca leben noch immer mehrere hundert Siebenbürger Sachsen bzw. Angehörige anderer deutschsprachiger Volksgruppen. Traditionell gehört Klausenburg bereits seit Jahrhunderten zu den Zentren der siebenbürgisch-sächsischen Kultur. In der Zwischenkriegszeit studierten 2.000 bis 3.000 Deutschsprachige pro Jahrgang an der Universität der Stadt. Durch die heute Babeș-Bolyai-Universität genannte Bildungsstätte, an der seit 1995 auch deutschsprachige Studiengänge angeboten werden, hat die Stadt weiterhin Bedeutung im Bildungswesen. Ferner gibt es deutsche Kindergartengruppen und Schulunterricht, Bibliotheken mit deutschsprachiger Literatur und das Deutsche Kulturzentrum Klausenburg. Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) hat seit 1990 eine Zweigstelle in der Innenstadt. 1996 wurde das Jugendforum der Deutschen in Klausenburg gegründet.
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