Hermannstadt ( Sibiu , , Villa Hermanni, Civitas Hermanorum oder Civitas Cibiniensis, , siebenbürgisch-sächsisch Härmeschtat) ist eine Stadt in Rumänien im Kreis Sibiu und zugleich Kreishauptstadt. Sie liegt in der historischen Landschaft Siebenbürgen, ist eines der Zentren der Siebenbürger Sachsen und war 2007 zusammen mit der Stadt Luxemburg Kulturhauptstadt Europas. Die Stadt wurde im 12. Jahrhundert von siebenbürgisch-sächsischen Kolonisten gegründet und trug zunächst den Namen Hermannsdorf. Zuvor war die Stadt auch unter dem deutschen Namen Zibinsburg bekannt. Sibiu/Hermannstadt war ursprünglich eine dakisch-römische Stadt namens Cedonia. Im Jahr 2008 wurde Sibiu/Hermannstadt von Forbes auf Platz 8 der Liste der 10 idyllischsten Orte Europas zum Leben gesetzt. In der Vergangenheit diente Sibiu/Hermannstadt auch zweimal als Hauptstadt des Fürstentums Siebenbürgen, das erste Mal von 1703 bis 1791 und das zweite Mal von 1849 bis 1865.

Geographie mini|Hermannstadt (rotes Viereck)Nachbarorte: Mediaș, Alba Iulia, Râmnicu Vâlcea Lage Die Stadt liegt am Zibin, einem Nebenfluss des Alt, nahe den Südkarpaten. Weitere Gewässer in der Stadt sind die Bäche Reußbach/Pârâul Reussbach/Pârâul Rusciorului, der Trinkbach/Pârâul Trinkbach und der Seifenbach/Pârâul Săpunului, der Schewiskanal/Canalul Sevis sowie der Bindersee/Lacul Binder. Südlich der Stadt erstreckt sich die Mărginimea Sibiului, eine traditionell rumänisch bewohnte Region der Vorkarpaten. Nördlich, nordwestlich, nordöstlich, südwestlich und östlich der Stadt befindet sich der ehemalige „Königsboden“ – das historisch von Siebenbürger Sachsen besiedelte Gebiet.

Klima In der Stadt herrscht ein kontinentales Klima der gemäßigten Zone. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 9 °C. Im Juli liegt die Temperatur bei 20 °C und im Januar bei −4 °C. Somit ist die Temperaturamplitude mit 24 °C für den 46. Breitengrad relativ hoch, was mit der Lage am Fuße der Karpaten und der großen Entfernung zum Meer zu erklären ist. Die Niederschlagsmenge beträgt in Hermannstadt 652 mm im Jahr. In den Monaten von Dezember bis März sind mit jeweils 30 mm die wenigsten Niederschläge zu verzeichnen. Im Juni hingegen gibt es mit 118 mm die meisten Niederschläge im Jahr. Das Klima ist somit ganzjährig humid.

mini|Oberstadt / Kleiner Ring / evang. Stadtpfarrkirche mini|Blick vom Turm der Stadtpfarrkirche mini|Die Umgebung von Hermannstadt mini|hochkant|Ratturm () mini|hochkant|Evangelische Stadtpfarrkirche mini|Zahlreiche Beschilderungen, u. a. auch die Ortsschilder, werden wieder zweisprachig auf Rumänisch und Deutsch geführt. mini|Kanaldeckel mit rumänischer und deutscher Ortsbezeichnung

Historische Landschaft In Siebenbürgen bildete Hermannstadt das Oberzentrum im wichtigsten Siedlungsgebiet der Siebenbürger Sachsen. Der Hermannstädter Stuhl war auch flächenmäßig der größte. Er dehnte sich im Süden bis zu den Karpaten aus und umfasste im Norden auch Exklaven im Kokelgebiet (Bulkesch und Seiden). Er wurde begrenzt (von Osten über Norden nach Westen) von den Stühlen Leschkirch, Mediasch und Reußmarkt. Hier trafen die wichtigsten Handelsrouten Siebenbürgens und der Rotenturmpass in Richtung Walachei zusammen. Die Lage an diesem Wegekreuz war für die Stadt von herausragender Bedeutung, machte sie aber auch immer wieder zum Ziel heftiger Angriffe.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet ist ständigen Erweiterungen unterworfen, die in einem jeweils zehn Jahre gültigen Bebauungsplan, dem Plan Urbanistic General (PUG), festgehalten werden. Gemäß dem PUG von 1999PUG 1999 – Municipiul Sibiu – Regulamentul local de urbanism, abgerufen am 22. Mai 2011 (rumänisch). gliedert sich die Stadt in mehrere Viertel (), Zonen () und Unterzonen (), die anhand ihrer baulichen Nutzung u. a. als Wohngebiet, Industriegebiet oder Sondergebiet klassifiziert sind.PUG 1999 – Municipiul Sibiu – Unități Teritoriale de Referință, abgerufen am 22. Mai 2011 (rumänisch). 2009 wurde mit den Arbeiten an einem neuen BebauungsplanPUG SIBIU – Regulament local de urbanism. (PDF; 18,2 MB), abgerufen am 22. Mai 2011 (rumänisch). begonnen, der am 27. April 2011 verabschiedet wurde.Sorana Maier: Noul Sibiu: cartiere noi, centre comerciale, parcări supraetajate, parcuri. In: Tribuna. 28. April 2011, abgerufen am 22. Mai 2011 (rumänisch).

Centrul istoric (Historisches Zentrum), bestehend aus: Orașul de Sus (Oberstadt) Orașul de Jos (Unterstadt) Cartierul Broșcărie Cartierul / Zona Calea Poplăcii: Cartierul Câmpușor (befindet sich in Planung) Cartierul / Zona Ceferiștilor Cartierul Dumbrăvii Cartierul Gara Mică Cartierul Gușterița (Hammersdorf) Cartierul Hipodrom, bestehend aus: Cartierul Hipodrom I Cartierul Hipodrom II Cartierul Hipodrom III Cartierul Hipodrom IV Cartierul Lazaret Cartierul Lupeni Cartierul Mediașului Cartierul Reșița Cartierul Reșița II Cartierul Ștefan cel Mare Cartierul Ștrand Cartierul Ștrand 2 Cartierul Terezian Cartierul Țiglari, einschließlich: Zona Lacul lui Binder Cartierul Tilișca Cartierul Tineretului Cartierul Trei Stejari Cartierul Turnișor (Neppendorf), einschließlich: Zona Neppendorf Zona Ogorului Cartierul Valea Aurie Cartierul Vasile Aaron Cartierul Veteranilor Zona Gării Zona Industrială Est Zona Industrială Vest Zona Obor Zona Piața Cluj Zona Ștrand-Vile Zona Victoriei Zona Zăvoi

Nachbargemeinden Die kreisangehörigen Nachbargemeinden sind Heltau (Cisnădie), Großau (Cristian), Rothberg (Roșia), Schellenberg (Șelimbăr), Großscheuern (Șura Mare) und Kleinscheuern (Șura Mică).

Geschichte Vermutlich 1147 erreichten die ersten deutschen Siedler die Gegend; sie ließen sich auf dem Hügel über dem Zibin-Fluss, der heutigen Oberstadt, nieder. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1191, als Papst Coelestin III. dem Erzbischof von Gran die Gründung der Hermannstädter Propstei (, ) mitteilte. Ab 1223 ist der lateinische Name „Villa Hermanni“Harald Roth: Hermannstadt. Kleine Geschichte einer Stadt in Siebenbürgen. Köln/Weimar/Wien 2006, ISBN 3-412-05106-3. und ab 1241 die deutsche Entsprechung Hermannstorf belegt. Der Name leitet sich wahrscheinlich von der Bezeichnung der kölnischen Siedler ab, die ihren neuen Ort nach dem Erzbischof Hermann II. benannten oder aber einem Lokator namens Hermann. Im Mittelalter fand in der Stadt das Magdeburger Recht Anwendung. Die Stadt verfügte dank Matthias Corvinus außerdem über die Rechtsordnung „Hermannstädter Freiheit“, wie auch die übrigen sächsischen Siedlungen im Altland, im Nösnerland (die Provinz Bistritz) und dem Burzenland.

Begünstigt durch seine Lage an der Kreuzung zweier wichtiger Straßenverbindungen wuchs die Siedlung in Folge stark an und zählte 600 Bewohner, eine damals für ein Dorf bereits ansehnliche Größe. Es wird vermutet, dass sowohl die ursprüngliche Siedlung als auch die damalige Kirche bereits mit Wällen oder Palisaden befestigt war. 1241 wurde Hermannsdorf wie viele andere Orte Siebenbürgens im Mongolensturm zerstört.

mini|hochkant|Wappen von Hermannstadt Das Dorf konnte sich allerdings schon bald von den Zerstörungen erholen und entwickelte sich in Folge zu einer Stadt. Ausdrückliches Stadtrecht kann aber erst ab Mitte des 14. Jahrhunderts angenommen werden. Der Name Hermannstadt wurde zum ersten Mal 1401 erwähnt, auch wenn er sicher schon zuvor in Gebrauch war. Das Wappen von Hermannstadt stammt aus der gleichen Zeit.

Im 14. Jahrhundert entwickelte sich Hermannstadt außerdem zu einem Handelszentrum von internationaler Bedeutung. Es war eine der wichtigsten Städte in Siebenbürgen – vielleicht sogar die wichtigste, da sie nicht nur Zentrum von Handel, Verwaltung und Kirche war, sondern auch die größten Befestigungen in ganz Siebenbürgen besaß.

1438 belagerten die Türken die Stadt, es gelang aber nicht, die Stadt einzunehmen. Hingegen wurde das gesamte Umland verwüstet. Als Folge der Bedrohung durch die Türken ließ die Stadt drei Mauerringe (die teilweise noch erhalten sind) mit 39 Türmen und mehreren großen Toren errichten. Sie wurde damit zur größten befestigten Stadt im Königreich Ungarn. Hermannstadt widerstand mehrfach Belagerungen durch die Türken, denen es nie gelang, die Stadt einzunehmen. 1442 wurden die Türken vor den Toren der Stadt geschlagen, der Bürgermeister Thomas Trautenberger wurde zur Legende. 1445 bezeichnete deshalb Papst Eugen IV. Hermannstadt als Mauer und Schild der Christenheit. Jedoch verheerten die durchziehenden und vor der Stadt lagernden Heere wieder und wieder das gesamte Umland.

Nur einmal gelang es dem ungarischen Fürsten von Siebenbürgen, Gabriel Báthory, durch eine Finte die Stadt zu besetzen, zu plündern und alle deutschen Bewohner der festen Mauern zu verweisen – eine bittere Lehre, die danach zu noch größerer Wachsamkeit und Misstrauen der Deutschen führte.

Um 1500 hatte Hermannstadt bereits etwa 6000 Einwohner. In der Reformation kamen ab 1523 Schriften von Martin Luther und Philipp Melanchthon in die Stadt. 1543 wurde das evangelische Glaubensbekenntnis eingeführt, weil die Stände einander die Glaubensentscheidung freigestellt hatten. Am 31. März 1556 brannte bei einem Stadtbrand die gesamte Unterstadt und auch ein Teil der Oberstadt nieder. An die 550 Gebäude wurden zerstört.

Hermannstadt war das politische Zentrum der Siebenbürger Sachsen und Sitz der Universitas Saxonum, einer Art Siebenbürger Parlament, das sich bis 1878 um siebenbürgisch-sächsische Belange kümmerte und ein Symbol der politischen Einheit und Unabhängigkeit der Siebenbürger Sachsen war.

Im Jahr 1692, nachdem Siebenbürgen Österreich angegliedert wurde, ließen sich in der Stadt kaiserliche Truppen nieder. General Damian Hugo von Virmont unterstützte den Bau der Jesuitenkirche am Großen Ring und die Rückgabe des Franziskanerklosters. Im Jahr 1781 fielen durch einen Erlass Kaiser Josephs II. die alten Gesetze, nach denen sich in der Stadt keine Angehörigen anderer Nationen ansiedeln durften. Dadurch konnten nun auch Ungarn und Rumänen innerhalb der Stadtmauern Besitz erwerben. Als erstes ließ die Witwe von Gergely Bethlen ein spätbarockes Palais neben dem reformierten Pfarrhaus in der Fleischergasse errichten, heute bekannt als „Das Haus mit Karyatiden“. In der Folge konnten auch die Rumänen erstmals Kirchen in der Stadt bauen, so etwa 1788 die Biserica din Groapă und die Biserica dintre Brazi. Im 18. Jahrhundert genoss Hermannstadt unter anderem den Ruf, östlichste Stadt Europas mit Postanbindung zu sein.

Im Kaisertum Österreich unterstand Hermannstadt bis 1867 wie ganz Siebenbürgen der kaiserlich-königlichen (k. k.) Regierung in Wien. Bei der Neugliederung in die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn wurde es zum Königreich Ungarn, zu Transleithanien, gezählt und unterstand nun bis 1918 der königlichen Regierung in Budapest. Sie war bestrebt die nichtmagyarischen Nationalitäten des Königreichs, damals etwa die Hälfte aller Einwohner Transleithaniens, zu magyarisieren.

mini|Hermannstadt und Umland auf der Franzisco-Josephinischen Landkarte am Anfang des 20. Jahrhunderts Nach dem Ersten Weltkrieg entschieden sich die Rumänen Siebenbürgens am 1. Dezember 1918 in Alba Iulia (Karlsburg) für den Anschluss an Rumänien, der im Februar 1919 erfolgte. Die Siebenbürger Sachsen und andere Siebenbürgendeutsche unterstützten dies, da sie sich in Rumänien vergeblich bessere Minderheitenrechte erwarteten. Im Vertrag von Trianon der Kriegssieger mit Ungarn wurde 1920 gegen den Protest der Magyaren fixiert, dass Siebenbürgen mit Hermannstadt bei Rumänien verbleibt. Die deutsche Bevölkerungsmehrheit der Stadt blieb bis Ende der 1930er Jahre bestehen, als die Siebenbürger Sachsen in ihrer Metropole die absolute Mehrheit verloren.

2017 wurde Hermannstadt der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Reformationsstadt Hermannstadt (Sibiu). Rumänien. Einig im Bekennen. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 1. Juli 2018.

Bevölkerung