mini|Gebäude in Köln mit dem Sitz des Vorstands mini|350px|Standorte des DLR in Deutschland (2025)
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) ist das deutsche Forschungs- und Technologiezentrum für Luft- und Raumfahrt. Es betreibt für diese Branchen angewandte und Grundlagenforschung, zudem befasst es sich mit Forschungen zu Energie, Verkehr, Sicherheit und Verteidigung sowie Digitalisierung. Beim DLR ist überdies die Deutsche Raumfahrtagentur angesiedelt. Es agiert ferner national und international als Projektträger.
Das DLR hat seinen Hauptsitz in Köln. Es ist an 30 Standorten in Deutschland mit 51 Instituten und Einrichtungen sowie mit Kompetenzzentren vertreten. Hinzu kommen vier Geschäftsstellen im Ausland. Insgesamt beschäftigt das DLR 11.786 Personen (Stand: 2024). Es kooperiert weltweit mit anderen Forschungseinrichtungen wie der ESA sowie mit der Industrie.
Geschichte 1907 bis 1945 Die Ursprünge der Forschungen zu Luft- und Raumfahrt reichen bis ins Jahr 1907 zurück, als Ludwig Prandtl in Göttingen die Modellversuchsanstalt für Aerodynamik gründete,Hierzu Trischler: Luft- und Raumfahrtforschung in Deutschland 1900–1970, S. 56–65. aus der später die Aerodynamische Versuchsanstalt (AVA) hervorging.Historisches Lexikon Bayerns: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR), abgerufen am 10. Juli 2025. Weitere bedeutende Vorläufer waren die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin-Adlershof (gegründet 1912), die Deutsche Forschungsanstalt für Luftfahrt in Braunschweig (DFL, 1936 gegründet) und das von Max Dieckmann geleitete Flugfunk-Forschungsinstitut Oberpfaffenhofen (FFO, gegründet 1937).Die Geschichte des DLR-Standorts Oberpfaffenhofen – von 1937 bis 2004, abgerufen am 10. Juli 2025. Während des Nationalsozialismus waren diese Einrichtungen in die Rüstungsforschung eingebunden und setzten teils Zwangsarbeiter ein.Für die Jahre 1933 bis 1945 siehe Trischler: Luft- und Raumfahrtforschung in Deutschland 1900–1970, S. 174–283, dort jedoch ohne das Thema der Zwangsarbeit. Für Adlershof einschließlich der Zwangsarbeit dort siehe beispielsweise Der Vorläufer des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin war an Menschenversuchen beteiligt, bei denen der Arzt Siegfried Ruff eine zentrale Rolle spielte. Zu diesem Komplex umfassender
1946 bis 1969 Nach dem Zweiten Weltkrieg unterlag die Luftfahrtforschung zunächst alliierten Restriktionen.Hierzu Trischler: Luft- und Raumfahrtforschung in Deutschland 1900–1970, S. 286–308. Erst ab den 1950er Jahren begann der Wiederaufbau, insbesondere in Bayern, wo das FFO in die DVL integriert wurde.
Seit 1969 Weil die Zersplitterung der Forschungslandschaft trotz starker Beharrungskräfte der Einzelakteure als nicht zukunftsfähig galt, entstand 1969 aus dem Zusammenschluss von DVL, AVA, DFL und weiteren Instituten die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR).Hierzu Trischler: Luft- und Raumfahrtforschung in Deutschland 1900–1970, S. 472–499. 1989 erfolgte die Umbenennung in Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR), 1997 die Fusion mit der Deutschen Agentur für Raumfahrtangelegenheiten (DARA) zum heutigen DLR.
Organisation Aufgabenbereiche Die Aufgaben des DLR umfassen drei Bereiche: Zum einen betreibt es Forschung und Entwicklung und ist hier in der angewandten und der Grundlagenforschung aktiv. Inhaltlich beziehen sich diese Tätigkeiten vor allem auf die Luftfahrt, auf die Raumfahrt, aber auch auf Energiefragen, das Verkehrswesen sowie Sicherheits- und Verteidigungsthemen. Zum anderen übernimmt die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR im Auftrag der deutschen Bundesregierung die Zuständigkeit für Planung und Umsetzung deutscher Raumfahrtaktivitäten. Schließlich betreuen zwei Projektträger des DLR eine Vielzahl von Förderprogrammen und stärken den Wissenstransfer.
Rechtsform, Gremien, Leitung und Personal Das DLR ist ein eingetragener Verein. Seine Gremien sind die Mitgliederversammlung, der Senat, der Aufsichtsrat, der Ausschuss für Raumfahrt, der Vorstand und der Wissenschaftlich-Technische Rat. Der Vorstand besteht aus vier hauptamtlichen Mitgliedern, ihm steht Anke Kaysser-Pyzalla vor. Die Vorstandsarbeit wird von drei Bereichsvorständen unterstützt. Sie sind für die Forschungsschwerpunkte Luftfahrt (1), Raumfahrt (2) sowie Energie und Verkehr (3) zuständig. 2024 beschäftigte das DLR 11.786 Personen.
Standorte Das DLR ist in Deutschland an 30 Standorten vertreten und unterhält vier Auslandsbüros.
Finanzierung Die institutionelle Forschung des DLR wird durch Mittel des Bundes und der Bundesländer, in denen es Standorte hat, finanziert.Institutsneubau für mehr als 20 Millionen Euro. In: Thüringische Landeszeitung, 22. Juli 2022. Darüber hinaus wirbt das DLR Drittmittel ein. 2024 belief sich die Gesamtfinanzierung des DLR auf 1,701 Milliarde Euro. Bund und Länder trugen davon 52,9 Prozent, 47,1 Prozent der Mittel kamen aus Drittmitteln.
Mitgliedschaften Das DLR ist unter anderem Mitglied des Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) und Mitglied der European Cooperation for Space Standardization (ECSS) sowie der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.
Eigene Forschung Überblick Das DLR forscht in den zentralen Bereichen Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr, Sicherheit und Digitalisierung. Von diesen Bereichen werden die letzten beiden als Querschnittsbereiche verstanden. Es geht hierbei um (neue) Anwendungsmöglichkeiten und um Grundlagen sowie um damit verbundene gesellschaftliche, technologische und wirtschaftliche Herausforderungen. In der Arbeitspraxis handelt es sich einerseits um die Zusammenarbeit mit öffentlichen Stakeholdern (Ministerien, Kommunen und Behörden etc.), für die das DLR Daten und Fakten zur Entscheidungsfindung liefert. Andererseits kooperiert das DLR mit der Industrie. Hier geht es um die Förderung von Innovationen und Transfer, also um die Mitwirkung an praxistauglichen neuen technischen und technologischen Anwendungen, um die Formulierung von Schutzrechten und Lizenzen bis hin zur Unterstützung von Startups.Thomas Magenheim-Hörmann: Von Bayern ins All. In: General-Anzeiger, 4. Januar 2022, S. 9.
Luftfahrtforschung Ziel der Luftfahrtforschung des DLR ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und der europäischen Luftfahrtindustrie und Luftverkehrswirtschaft zu stärken und den aktuellen und langfristigen Anforderungen – Wachstum, ökologische Verantwortung und Sicherheit – nachzukommen.
Raumfahrtforschung Das DLR entwirft und initiiert Raumfahrt-Projekte, -Missionen und -Anwendungen, bereitet diese vor, führt sie durch und wertet die hierbei gewonnenen Daten aus. Im Fokus steht der gesellschaftliche Nutzen sowie Sicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit im Weltraum.Lernen aus dem All. In: General-Anzeiger, 18. Mai 2022, S. 19.
Verkehrsforschung Im Bereich Verkehr widmen sich die Forscher den Herausforderungen des Verkehrssystems und der bodengebundenen Verkehrsträger. Hier sollen Lösungen für eine umweltverträgliche, intelligente, benutzerfreundliche und wirtschaftliche urbane Mobilität gefunden und implementiert werden.
Energieforschung In diesem DLR-Forschungsbereich geht es um Lösungen zur Transformation des Energiesystems. Im Mittelpunkt stehen die Bereiche Strom, Wärme, chemische Energieträger und Vernetzung der Komponenten. Das DLR strebt Fortschritte bei der Nutzbarmachung, Umwandlung und Speicherung erneuerbarer Energien an.
Sicherheitsforschung (Querschnittsbereich) Das DLR liefert Beiträge zur Entwicklung, Erprobung und Bewertung von sicherheits- und verteidigungsrelevanten Technologien. Die strategische Ausrichtung orientiert sich an den Themenbereichen Schutz und Überwachung kritischer Infrastrukturen, Krisen- und Katastrophenmanagement, Grenzsicherheit sowie Schutz vor Terrorismus. Seit 2026 gibt es das Technologiezentrum Drohnensicherheit.
Digitalisierungsforschung (Querschnittsbereich) Die Forschung des DLR zur Digitalisierung zielt darauf ab, Impulse für die Wirtschaft zu setzen sowie neue Technologien, Methoden und Prozesse anwendungsorientiert zu gestalten und für Forschung und Forschungsmanagement einzusetzen. Dazu gehören unter anderem die Schwerpunkte Künstliche Intelligenz und Autonome Systeme.
Deutsche Raumfahrtagentur im DLR Organisation und rechtliche Grundlage Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR ist die nationale Raumfahrtbehörde Deutschlands. Sie hat ihren Sitz in Bonn und beschäftigt rund 350 Mitarbeiter. Sie ist Teil des DLR und koordiniert sämtliche deutschen Raumfahrtaktivitäten.Arbeit im All zwischen Konkurrenzdruck und Mondträumen. In: Rhein-Zeitung, 1. Dezember 2010. Grundlage ist das Raumfahrtaufgabenübertragungsgesetz (RAÜG), das dem DLR hoheitliche Aufgaben im Bereich Raumfahrt überträgt.Siehe
Aufgaben und Funktionen Zentrale Aufgabenbereiche der Agentur sind: Programmplanung: Entwicklung und Steuerung des nationalen Raumfahrtprogramms, Verwaltung des Budgets Internationale Vertretung: Repräsentation Deutschlands in internationalen Raumfahrtgremien,Alexander Grantl: Experimente fürs All. In: General-Anzeiger, 18. September 2017, S. 25. Steuerung der deutschen Beiträge zur ESA und EUMETSAT Beratung und Strategie: Beratung der Bundesregierung und Umsetzung der Raumfahrtstrategie
Als Management-Funktionen gelten: Forschungsförderung: Unterstützung und Finanzierung von Forschungsexperimenten unter Weltraumbedingungen, etwa Parabelflugkampagnen Technologietransfer: Förderung von Kommerzialisierung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit der Raumfahrtindustrie Digitalisierung: Unterstützung von Digitalisierung und Entwicklung innovativer Raumfahrttechnologien
Als gesellschaftliche Aufgaben betrachtet die Agentur darüber hinaus: Klimaschutz und Umwelt: Bereitstellung von Daten für Klimaschutz und Umweltmonitoring durch Raumfahrtmissionen Öffentlichkeitsarbeit und Bildung: Information der Öffentlichkeit und Förderung des Interesses an Raumfahrt, insbesondere bei jungen Menschen Sicherheit: Beitrag zur gesamtstaatlichen Sicherheit, Betrieb des Weltraumlagezentrums gemeinsam mit der Bundeswehr
Projektträger-Geschäft Grundsätzliche Aufgaben Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist Träger von zwei eigenständigen Projektträger-Einheiten, die sich sowohl in ihren thematischen Schwerpunkten als auch in ihrem Dienstleistungsprofil unterscheiden.
DLR Projektträger Der DLR Projektträger ist als Teil des DLR ein seit 1975 tätiger Projektträger und damit Dienstleister für das Management von Forschung, Bildung und Innovation. Im Auftrag von deutschen Bundes- und Landesministerien, der Europäischen Kommission, von Stiftungen, Interessenverbänden und Forschungsorganisationen erarbeitet er Strategien und Konzepte für Forschung, Wirtschaft und Politik, steuert Förderprogramme und Förderprojekte, begleitet fachliche und gesellschaftliche Dialoge und wirkt an der Wissensverwertung mit.
Projektträger Luftfahrtforschung Der 1994 gegründete Projektträger Luftfahrtforschung, eine abgegrenzte Organisationseinheit des DLR, agiert als zentrale Dienstleistungseinrichtung für die Luftfahrtforschung in Deutschland. Die Einrichtung mit Sitz in Bonn unterstützt als spezialisierter Sektor-Projektträger das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bei der Umsetzung des nationalen zivilen Luftfahrtforschungsprogramms des Bundes (LuFo Klima) sowie die fünf Bundesländer Bayern, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Niedersachsen, die mit eigenen Förderprogrammen das Bundesprogramm ergänzen.
Als nationale Kontaktstelle für die Luftfahrtforschung im EU-Forschungsrahmenprogramm koordiniert der Projektträger Luftfahrtforschung die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern in Programmen wie Clean Aviation Joint Undertaking. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der KMU-Beratung entsprechender Unternehmen in der Luftfahrt.