mini|100px|Deutschland: Richtzeichen Tankstelle (Ottokraftstoffe, Diesel) mini|100px|Österreich: Hinweiszeichen Tankstelle mini|100px|Schweiz, Liechtenstein: Hinweissignal Tankstelle

Eine Tankstelle (auch Versorgungsanlage, Tankstation, Gasfüllanlage§ 2 Nr. 1 der Wasserstofftankstellenverordnung, umgangssprachlich Tanke, ursprünglich Zapfstelle) ist eine Anlage, an der Kraftfahrzeuge mit den flüssigen Kraftstoffen Benzin und Diesel versorgt werden können. Teilweise werden zusätzlich auch Autogas (LPG, flüssig), Erdgas (CNG, 200 bar), Wasserstoff (H2, 700 bar) oder Ladestationen für Elektrofahrzeuge angeboten. Die Abgabe der Stoffe erfolgt an Zapfsäulen mit meist 5 Schläuchen über einen Zähler, Gaszapfsäulen sind meist separat. Die im Tagesverlauf fluktuierenden Preise für die Kraftstoffe werden meist an einem Preismast dargestellt. Außerhalb der Öffnungszeiten kann an manchen Tankstellen ein Tankautomat benutzt werden. Es gibt zudem auch Tankstellen ohne Kassierer, an diesen wird nur mittels Automat bezahlt.

Geschichte Vorformen

Als die ersten Verbrennungsmotoren konstruiert wurden, gab es Benzin und andere Treibstoffe, wie Petroleum, nur in Apotheken. Als erste „Tankstelle“ der Welt wird deshalb die Stadt-Apotheke in Wiesloch in Deutschland genannt, wo Bertha Benz bei ihrer Automobil-Überlandfahrt von Mannheim nach Pforzheim Anfang August 1888 das Leichtbenzin Ligroin einkaufte. An diese Fahrt erinnert seit 2008 die offizielle deutsche Ferienstraße Bertha Benz Memorial Route. Ligroin diente damals in erster Linie der Reinigung von Kleidung (Waschbenzin).

Etwa ab 1900 verkauften auch andere Stellen Treibstoffe. Das erste Tankstellenverzeichnis in Deutschland stammt aus dem Jahr 1909 und listet 2500 Drogerien, Kolonialwarenhändler, Fahrradhandlungen, Hotels und Gaststätten, die Benzin bereithielten.Rainer Karlsch, Raymond G. Stokes: Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859–1974. S. 130.

Benzin wurde damals in beliebige Behälter abgefüllt. Sicherheitsvorschriften mussten dabei nicht erfüllt werden. Häufig waren nicht mehr benötigte Milchkannen oder Flaschen üblich. Auch wurde beim Umfüllen in den Fahrzeugtank geraucht. Die Folge waren schwere Unfälle durch Entzündung des Treibstoffs. Aus diesen Vorkommnissen etablierten sich langsam die gültigen Normen. In Deutschland sind dies die Technischen Regeln für brennbare Flüssigkeiten (TRbF).Technische Regeln für brennbare Flüssigkeiten Tankstellen Bundesrecht auf Arbeitssicherheit.de; abgerufen am 16. Mai 2023.

Tankstellen mini|Erste öffentliche Tankstelle in Deutschland: Die OLEX-Tankstelle am Raschplatz in Hannover (veröffentlicht 1923) mini|Tankstelle in Mount Olive, Illinois, an der Route 66 (2023)

Mit Zunahme des motorisierten Verkehrs entstanden die ersten Zapfstellen, häufig zusammen mit Autowerkstätten, die sich oft aus einer Schmiede oder Schlosserei entwickelten. In den ersten Jahrzehnten waren es zumeist einfache Fasspumpen, wie sie lange noch in der heimischen Garage benutzt wurden (Fasstankstelle).

Später kamen Handpumpen-Säulen mit unter der Straßen- oder Bürgersteigdecke eingelassenen Benzintanks auf. Die Standard Oil of Indiana stellte 1917 den Einheitstyp der Tankstelle vor, der mit Abwandlungen noch immer besteht, damals „Großtankstelle“ genannt. Die Zapfsäulen und die tankenden Kunden werden von einem freistehenden Dach gegen Regen geschützt, unter das mit dem Kraftfahrzeug gefahren werden kann. Das zu den Zapfsäulen hin voll verglaste Kassenhäuschen steht einige Meter abseits und ein „Preismast“ bewirbt die Preise in Blickrichtung der Straße. Tankstellen dieser Bauart entstanden seit den 1920er Jahren.

Deutschland mini|Zapfsäule ARAL in Bacharach am Rhein um 1935 Die erste Tankstelle im Deutschen Reich wurde Ende 1922 von der Mineralölfirma OLEX am Raschplatz in Hannover eröffnet. Die gleiche Firma errichtete in ihrem Geschäftshaus, dem Olex-Haus, in Berlin-Schöneberg eine Tankstelle. Am 11. August 1927 konnten die Autofahrer nach dem US-amerikanischen Vorbild (wo dies bereits seit 1907 möglich war) erstmals in Hamburg an einer Zapfsäule tanken. Hier wurden die Autos direkt durch den Füllrüssel betankt, sodass der Tankwart nicht mehr mit den Kanistern hantieren musste.

Das Sortiment der ersten Tankstellen umfasste – neben dem Treibstoff – Schmieröle, Reifen, Zündkerzen und Zubehör, später kamen noch Autoradios dazu. Bei manchen war eine Werkstatt angegliedert.

Nachdem Shell in Hamburg-Altona und Aral im Ruhrgebiet 1969 zunächst Testbetriebe in Pilotanlagen durchgeführt hatte, eröffnete BP am 10. Juli 1970 in Hamburg-Hausbruch die erste reine Selbstbedienungstankstelle Deutschlands mit neuzeitlichen Zapfanlagen. Ende 1970 verfügte Shell über 30 solcher Stationen, bis Ende 1973 waren es bei BP ca. 10 % ihrer 4.150 Tankstellen. Die Kunden erhielten den Kraftstoff hier seinerzeit mit einem Preisvorteil von 2–3 Pfennig pro Liter gegenüber den herkömmlichen Tankstellen.

Österreich Die erste Tankstelle Österreichs ging am 16. September 1924 in Graz in Betrieb. Der gemauerte Kiosk stand bis 1964 an der Westseite des Jakominiplatzes auf einer Verkehrsinsel. Der unterirdische Tank fasste 5000 Liter Benzin. Gegen einen später geplanten 15.000-Liter-Tank regte sich Widerstand. Kurz danach wurde in Graz je eine Tankstelle auf dem Gries- und Lendplatz errichtet. Der Jakominiplatz wurde ein Knoten für Straßenbahn und Bus und fast autofrei.Eberhard: Mythos Tankstelle. Volkskundemuseum Graz, Ausstellung, Laufzeit 11. April 2019 – 6. Jänner 2020. Mythos Tankstelle Die erste öffentliche Benzinzapfstelle in Kärnten wurde im Mai 1925 am Hauptplatz von St. Veit an der Glan eröffnet. In der Hauptstadt Wien wurde die erste Tankstelle erst am 12. Oktober 1925 durch Fanto Benzin eröffnet.

Beruf Tankwart Das Berufsbild Tankwart entstand zunächst unter Sicherheitsaspekten, da wegen der Unfallgefahr das Betanken Profis überlassen sein sollte. Dazu kam der Service-Gedanke. Der Tankwart „wartete den Tank“, füllte also Treibstoff nach und kassierte dafür. Meist wurden die Scheiben gereinigt, der Ölstand, Wasserstand des Kühlers, Frostschutzmittelgehalt des Kühlwassers, der Luftdruck der Reifen und die Beleuchtung geprüft. In Zeiten der Vollmotorisierung, Rationalisierung und der Selbstbedienungstankstellen gerät in Vergessenheit, dass früher ein Tankwart diesen Service leistete.

Vor 1952 war der Tankwart „Anlernberuf“. In diesem Jahr wurde er in der Bundesrepublik Deutschland zum Lehrberuf mit einer dreijährigen Lehrzeit.Beschluss der Arbeitsstelle für Berufserziehung des deutschen Industrie- und Handelstages in Bonn vom 1. Februar 1952.

Damit griff das Bundesverkehrsministerium eine Idee von 1942 wieder auf, die damals wegen des Zweiten Weltkrieges nicht umgesetzt worden war. Erst durch Verordnung vom 23. März 2026 wurde die Anerkennung als Ausbildungsberuf wieder aufgehoben.https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2026/76/VO.html

Treibstoffarten mini|Preismast mit acht Produkten (Walldorf 22. April 2018)

Klassische Treibstoffe Zunächst wurden an den Tankstellen Leichtbenzin und Petroleum angeboten, Benzol und Benzin in unterschiedlicher Qualität. Dieselkraftstoffe gehörten lange nicht zum Angebot, da Selbstzündungsmotoren nur in Lkw verwendet wurden, die meist auf einem Betriebshof betankt wurden.

Herkömmliche Treibstoffe Tankstellen bieten unterschiedliche Kraftstoffe an. Benzin in unterschiedlicher Qualität (unterschiedliche Oktanzahl) und Dieselkraftstoff sind am meisten verbreitet.

Lange Zeit wurden allen Benzinsorten noch Bleiverbindungen zugesetzt, um die Klopffestigkeit zu erhöhen und so die Ventilsitze der Motoren zu schonen. Bei der Verbrennung dieser Additive im Motor entstanden giftige Bleirückstände. Das Weglassen der Additive führte aus Rücksicht auf ältere Autos mit ungehärteten Ventilsitzen in den 1990er Jahren dazu, dass zeitweise verbleites und unverbleites Benzin nebeneinander angeboten wurde.

Neue Treibstoffe Zu dem Angebot traten ab den 1980er Jahren Autogas, Erdgas und Wasserstoff für entsprechende Antriebsarten hinzu. Mit Biodiesel kam erstmals ein Kraftstoff auf, der einen anderen Kraftstoff (Diesel) ersetzen sollte. Neu sind jetzt Kraftstoffe, die pur oder mit klassischen Treibstoffen vermischt getankt werden können, wie Pflanzenöl und Bioethanol.

Tankstellenarten Markentankstellen mini|Shell-Tankstelle in Japan

Markentankstellen sind an bestimmte Ketten gebunden. Dies können die großen Ölkonzerne wie BP (in Deutschland primär unter der Marke Aral), Shell, Phillips 66 (in Deutschland hauptsächlich unter der Marke Jet), TotalEnergies oder ExxonMobil (Esso) sein, die im Branchen-Jargon A-Gesellschaften, Farbengesellschaften oder auch „die großen Fünf“, genannt werden. Es kann aber auch eine der vielen mittelständischen Ketten sein (B-Farben), die zwischen einem Dutzend und einer dreistelligen Zahl von Tankstellen unterhalten. Viele dieser Mittelständler sind in Deutschland im UNITI-Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen zusammengeschlossen oder Mitglied der Avia.

Es werden gesellschaftseigene, also im Eigentum der Mineralölgesellschaft befindliche, und unter Franchise genutzte Tankstellen unterschieden. Zu letzterem gehören beispielsweise in der Schweiz Tankstellen der Coop Pronto. Internationale Konzerne mit Tankstellenketten sind unter anderem AVIA, BP (Aral in Deutschland), Eni (Agip in D-A-CH), ExxonMobil, Phillips 66 (Jet in D-A-CH), Shell, Tamoil (HEM in Deutschland) oder TotalEnergies. Phillips 66 hat sich in Deutschland selbst mit seinen Jet-Tankstellen als B-Marke positioniert. Orlen Deutschland gehört zum polnischen Mineralöl- und Petrochemiekonzern PKN Orlen und betreibt die „Star-Tankstellen“.

Ab Mitte der 2010er-Jahre verkauften einige Mineralölkonzerne ihre Tankstellennetze, um sich auf das Upstream-Geschäft zu konzentrieren. So kaufte die EG Group im Jahr 2018 die Esso-Tankstellen von ExxonMobil sowie 2022 die OMV-Tankstellen, die Tankstellen von TotalEnergies wurden 2023 an Alimentation Couche-Tard verkauft.

Darüber hinaus betreiben einige Mineralölgesellschaften noch Tankstellen unter Marken, die sie übernommen haben, um die Markenrechte durch „Ausübung“ zu schützen. Ein Beispiel hierfür sind in Deutschland die Gasolin-Tankstellen im Falle von Aral sowie Dea im Falle von Shell.

Freie Tankstellen mini|Freie BFT-Tankstelle in Hückeswagen

Als Freie Tankstellen werden Tankstellen bezeichnet, die ihre Kraft- und Schmierstoffe im eigenen Namen und für eigene Rechnung verkaufen und die nicht in das Vertriebssystem einer Markenfirma eingegliedert sind. Sie werden mitunter markenlose oder weiße Tankstellen genannt, in Österreich Diskonttankstellen.umweltdatenbank.de Wahrgenommen wird allerdings gemeinhin jede Tankstelle als freie, die dem äußeren Erscheinungsbild nach nicht zumindest einer der B-Marken (Westfalen, Ruedi Rüssel, Turmöl) zuzuordnen ist, obwohl der größte Teil solcher Tankstellen Kraftstoffe direkt oder indirekt (PDF) im Namen und für Rechnung eines großen Mineralölkonzerns vertreibt.

Teilweise werden weiße Markentankstellen direkt als solche errichtet, in Deutschland insbesondere von ConocoPhillips als Supermarkttankstellen.Jet (Tankstelle)#Shops (PDF) Fußnote 5 Die Betreiber von tatsächlich freien Tankstellen können ihre Kraftstoffe nur von den Raffinerien der großen Mineralölkonzerne beziehen, die qualitativ alle den gleichen gesetzlichen Normen, in der EU insbesondere der EN 228 entsprechen müssen. In Deutschland sind gut 500 freie Tankstellenbetreiber im Bundesverband freier Tankstellen zusammengeschlossen, dieser ist Mitglied im Dachverband MEW Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland.

Autobahntankstellen Zur Vergabe der Einlieferungsrechte an Autobahntankstellen und dementsprechend der Markenverteilung an selbigen ist im Artikel zur Autobahnraststätte nachzulesen.

Mobile Tankanlagen