Die polnische Bahnstrecke Białystok–Głomno führt von der polnisch-russischen Grenze im ehemaligen Ostpreußen in südöstlicher Richtung durch die Landschaft Masuren zum Zentrum der Landschaft Podlachien, der Stadt Białystok. Die Strecke bildet die Verlängerung der sich in der russischen Oblast Kaliningrad befindlichen Bahnstrecke Kaliningrad–Bagrationowsk.

Die Strecke ist überwiegend eingleisig, nur der nicht mehr im Betrieb befindliche Abschnitt von Głomno nach Bartoszyce besteht aus einem Normalspur- und einem Breitspurgleis. Ab Bartoszyce besteht Güterverkehr und ab Korsze Personenverkehr. Der Abschnitt von Ełk nach Białystok ist elektrifiziert, 2026 wurde dessen zweigleisiger Ausbau mit einer Zielgeschwindigkeit von 200 km/h als Teil der Rail Baltica beauftragt. Der Grenzübergang in die russische Oblast Kaliningrad ist seit 2001 geschlossen.

Verlauf und Ausbauzustand mini|links|Bahnhof Mońki (2014) Der Kilometrierung nach beginnt die Strecke im Bahnhof Białystok (Bialystok) an der Bahnstrecke Warszawa–Hrodna (frühere Petersburg-Warschauer Eisenbahn), der auch Endpunkt der Bahnstrecke Czeremcha–Białystok und Beginn der nur noch bis Waliły befahrbaren Bahnstrecke nach Waukawysk in Belarus ist, und verläuft erst kurz südwestwärts, dann nordwestwärts über die Fernverkehrsbahnhöfe Białystok Starosielce (Starosielce; km 4,555), von dem aus früher Verbindungsgleis aus Richtung Ełk Richtung Warschau und Czeremcha verliefen, Mońki (Monki; 43,872), Osowiec (Osowiec; km 57,232) und Grajewo (Grajewo; km 82,477), kurz vor der früheren russisch-deutschen Grenze gelegen, zum Fernverkehrsbahnhof Ełk (Lyck; km 103,236), der Beginn der nur noch bis Olecko im Güterverkehr bedienten Strecke Ełk–Gołdap und Endpunkt der Bahnstrecke Olsztyn–Ełk und der nicht mehr durchgehend befahrbaren Bahnstrecke Czerwonka–Ełk ist. Die Strecke verläuft weiter nordwestwärts über die Fernverkehrsbahnhöfe Giżycko (Lötzen; km 150,976), Beginn der nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch teilweise befahrenen Bahnstrecke Lötzen–Angerburg und der gar nicht mehr betriebenen Bahnstrecke Lötzen–Johannisburg, und Kętrzyn (Rastenburg), den Beginn der Bahnstrecke Kętrzyn–Węgorzewo und ehemaligen Mittelpunkt der Rastenburger Kleinbahnen, und den Haltepunkt und früheren Bahnhof Nowy Młyn (Neumühl (Ostpreußen); km 184,332), den Endpunkt der ehemaligen Bahnstrecke Sątopy-Samulewo–Nowy Młyn, zum Fernverkehrsbahnhof Korsze (Korschen; km 202,044) an der Bahnstrecke Toruń–Tschernjachowsk, der den Endpunkt des noch im Personenverkehr befahrenen Abschnitts bildet. Die Strecke verläuft weiter über Wiatrowiec Warmiński (Wöterkeim; km 216,190), den stillgelegten Anfangsbahnhof der früheren Kleinbahn Wöterkeim–Schippenbeil, Bartoszyce (Bartenstein; km 225,650), Endpunkt der ehemaligen Strecken aus Lidzbark Warmiński und Wehlau, und Głomno (Glommen; km 235,114) zur polnisch-russischen Grenze bei Bagrationowsk (Preußisch Eylau), wo die Strecke in die Strecke nach Kaliningrad überging. Ab Bartoszyce ist sie jedoch nicht mehr befahrbar.

Die Strecke ist 2026 durchgehend eingleisig und zwischen Białystok und Ełk mit 3000 Volt Gleichspannung elektrifiziert. 2026 wurde ein Auftrag zum zweigleisigen Ausbau dieses Abschnitts bis Ende 2029 vergeben, verbunden mit einer Geschwindigkeitserhöhung bis 200 km/h für Personenverkehr und 120 km/h im Güterverkehr mit Zügen bis 750 m Länge, als Teil der künftige Rail Baltica.

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt bis zum Kilometerpunkt 84,900 hundert Kilometer pro Stunde für Personenzüge und achtzig für Güterzüge, bis zum Kilometerpunkt 100,752 hundertzwanzig und hundert, bis zum Kilometerpunkt 110,800 für alle Zugarten hundert, bis zum Kilometerpunkt 200,815 für alle Zugarten achtzig und bis zum Kilometerpunkt 226,630 für alle Zugarten fünfzig, danach ist die Strecke unbefahrbar.PKP Polskie Linie Kolejowe: Höchstgeschwindigkeiten für Wagenzüge, Triebwagen und Güterzüge vom 8. März 2017

Geschichte Historisch ist die Bahnstrecke Białystok–Głomno Teil der Strecke von Königsberg, , in das heute in Belarus gelegene Brest, die im 19. Jahrhundert von der Ostpreußischen Südbahn-Gesellschaft und von der russischen Brest-Grajewsker Eisenbahngesellschaftrus. Общество Бресто-Граевской железной дороги (Obschtschestwo Bresto-Grajewskoi schelesnoi dorogi) gebaut wurde. Im damaligen Deutschen Reich wurde ausgehend von Königsberg am 24. September 1866 Bartenstein (), am 1. November 1867 Rastenburg () und am 8. Dezember 1868 Lyck () erreicht. 1871 wurde mit dem damaligen Russischen Kaiserreich eine Übereinkunft über eine Verbindung von Lyck nach Brest erzielt, die 1873 fertig war. Der deutsche Teil wurde in Normalspur ausgeführt, während der russische Teil in Breitspur angelegt wurde. Zwischen den Grenzstationen Prostken () und Grajewo lagen diese Gleise parallel. Diese durchgehende deutsch-russische Verbindung sollte vor allem dem russischen Getreideexport dienen. Ab 1894 war der Abschnitt von Korschen () nach Lyck zweigleisig ausgebaut, ab 1905 der von Königsberg nach Korschen und der von Lyck nach Prostken. Von 1916 bis 1920 war die Strecke zwischen Białystok und Prostken zweigleisig.

mini|links|Bahnhof Białystok, 2011 Nach dem Ersten Weltkrieg kam der vorher russische Teil der Strecke zu Polen. Dabei wurde das Breitspurgleis in Normalspur umgespurt.

Nachdem Polen 1939 vom nationalsozialistischen Deutschland und der Sowjetunion wieder aufgeteilt wurde, bestand zwischen Prostken und Grajewo ein deutsch-sowjetischer Grenzübergang. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 wurde der gesamte Streckenabschnitt von Königsberg nach Białystok der Reichsbahndirektion Königsberg zugeordnet. Grenzbahnhof zum sog. Reichskommissariat Ukraine, zu dem die Stadt Brest gehörte, wurde Wysokie-Litewskie, (belarussisch: Wyssokaje). 1942 wurde der Abschnitt von Prostken nach Białystok erneut zweigleisig ausgebaut.Eisenbahn-Kurier Special 52: Ostpreußen, 1999, S. 66. Vermutlich war vorher schon der Abschnitt von Lyck nach Prostken ausgebaut worden.

mini|links|Haltepunkt Martiany (Mertenheim), Blickrichtung Westen, 2008 Seit dem Zweiten Weltkrieg gehört der Streckenabschnitt von Głomno nach Białystok zu Polen. Die zweiten Gleise wurden wieder abgebaut. Von Bartoszyce ausgehend entstand zusätzlich ein Breitspurgleis nach Kaliningrad. Der nach 1945 bei Głomno neu entstandene Grenzübergang diente bis 2001 dem Güterverkehr, der vor allem aus Getreidelieferungen in die russische Oblast Kaliningrad bestand. Der Streckenabschnitt von Ełk nach Białystok wurde 1990 elektrifiziert. Der Personenverkehr von Głomno nach Bartoszyce wurde 1991 und der von Bartoszyce nach Korsze 2002 eingestellt.

In Białystok wurde die Infrastruktur ebenso reduziert: Die Verbindungsstrecke Richtung Warschau ist nicht mehr befahrbar. Von zwei Strecken, die früher von Białystok Starosielce zum Bahnhof Białystok führten, ist nur noch eine geblieben.PKP Polskie Linie Kolejowe: Höchstgeschwindigkeiten für Wagenzüge vom 8. März 2017. Es verkehren TLK- und Nahverkehrszüge.Stand Kursbuch März 2017

Zwischen Korsze und Ełk soll die Strecke zwischen 2023 und 2027 saniert, elektrifiziert und mit neuen Bahnsteigen versehen werden. Die Höchstgeschwindigkeit soll auf 160 km/h erhöht werden.Martyn Janduła: Przygotowania do elektryfikacji linii z Ełku do Korsz, Rynek Kolejowy, 31. März 2017, abgerufen am selben Tage Die Züge werden die Strecke dann 50 Minuten schneller bewältigen. Die Gelder wurden 2017 bewilligt, gebaut sollte bis 2023 werden, was sich jedoch verzögerte.Mehr als eine halbe Milliarde Złoty für eine schnellere Fahrt zwischen Olsztyn nach Ełk http://gazetaolsztynska.pl/ Der erste Vertrag wurde im Dezember 2021 unterzeichnet.

Am 18. Juni 2025 wurde das Streckenstück zwischen Ełk und Giżycko nach einer Totalsanierung wieder in Betrieb genommen. Bis zur Gesamtfertigstellung der Elektrifizierung wird der Streckenabschnitt mit Dieseltriebwagen befahren.

Literatur Ryszard Stankiewicz und Marcin Stiasny: Atlas Linii Kolejowych Polski 2014. Eurosprinter, Rybnik 2014, ISBN 978-83-63652-12-8, S. A9–A10, B10–B12, C12

Weblinks

Bahnstrecke Białystok–Głomno auf atlaskolejowy.net (polnisch) Bahnstrecke Białystok–Głomno auf bazakolejowa.pl (polnisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Bahnstrecke in der Woiwodschaft Podlachien Kategorie:Spurweite 1435 mm Kategorie:Spurweite 1520 mm