mini|300px|Bahnhofstraße an der Bolldammbrücke über die Else mit St. Laurentius im Hintergrund
Bünde (niederdeutsch Buine, Buüne) ist eine kreisangehörige Mittelstadt im nordöstlichen Nordrhein-Westfalen rund 20 km nördlich von Bielefeld. Mit Einwohnern () ist sie die zweitgrößte Stadt im ostwestfälischen Kreis Herford (Regierungsbezirk Detmold). Ihr territorialer Zuschnitt ist das Ergebnis der Kommunalreform von 1969.
Bünde wurde erstmals bereits 853 als Buginithi schriftlich erwähnt. Da der Ort einst Zentrum der deutschen Zigarrenindustrie war, nennt man Bünde bis heute die Zigarrenstadt.
Geographie mini|Topographie des Stadtgebietes mini|Else
Geographische Lage Bünde liegt in der Ravensberger Mulde zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge, großenteils in den Flussniederungen der Else. Es hat seinen tiefsten Punkt bei im Osten, wo die Else das Stadtgebiet verlässt, seinen höchsten bei im Norden, wo das Gebiet langsam zum Wiehengebirge hin ansteigt.
Die nächstgelegenen Großstädte sind das 20 km südlich gelegene Bielefeld und das 30 km westlich gelegene Osnabrück.
Nachbargemeinden Im Norden grenzt Bünde an die Gemeinde Hüllhorst im Nachbarkreis Minden-Lübbecke. Die Ostgrenze teilt sich die Stadt auf gesamter Länge mit Kirchlengern. Südlich stoßen die Gemeinde Hiddenhausen sowie die Städte Enger und Spenge an Bünde. Im Nordwesten und Westen grenzt Bünde an Rödinghausen, südwestlich an Melle, das bereits zum benachbarten Land Niedersachsen gehört.
Gewässer Das Stadtgebiet wird in West-Ost-Richtung von der Else durchquert, einem der weltweit seltenen Flüsse, die nicht aus einer Quelle entspringen, sondern durch Bifurkation entstehen. Sie entwässert das gesamte Gelände und mündet über Werre und Weser letztlich in die Nordsee. Innerhalb des Stadtgebietes fließen ihr zahlreiche kleinere Bäche von Süden und Norden her zu. Ein Beispiel ist der von Norden kommende Gewinghauser Bach, der auf seinem Weg zur Else eine Auenlandschaft im Stadtteil Ennigloh-Gewinghausen durchquert. Weitere Zuflüsse sind in Fließrichtung zunächst (von Norden kommend) der Ahler Bruchbach, der, in Rödinghausen beginnend, hauptsächlich durch den Ortsteil Ahler Bruch fließt und erst auf Meller Gebiet in die Else mündet; außerdem der Darmühlenbach, ebenfalls in Rödinghausen entspringend; dann der Spradower Mühlenbach und schließlich der Eselsbach. Von Süden mündet zusätzlich der Werfener Bach in die Else.
Geologie Das Gebiet gehört zur Ravensberger Mulde, einem leicht welligen, zwischen 50 und liegenden Hügelland. Zahlreiche kleine Täler (sog. Sieke) schneiden oft unvermittelt und tief in das sonst nur schwach kuppierte Land ein. Geologisch handelt es sich im Wesentlichen um Liasplatten mit Lössauflage, die durch Zertalung im Pleistozän zum Hügelland umgestaltet wurden. Unter der Lössdecke finden sich teilweise Geschiebelehme. Weitere Hinterlassenschaft der pleistozänen Kaltzeiten sind die häufig anzutreffenden Findlinge.
Das Elsetal und der Unterlauf der Werre weiter im Osten bilden das tief liegende, in westöstlicher Richtung verlaufende Urstromtal der Else-Werre-Niederung. Mit dem hohen und daher eigentlich nicht als Berg im geologischen Sinne geltenden Doberg verfügt Bünde über eine der umfangreichsten Fossilienlagerstätten aus der Zeit des Oligozän nördlich der Alpen. Der Hügel im Süden der Stadt überragt seine Umgebung um etwa 30 m. Er besteht aus den Sedimenten des Oligozän-Meeres und gibt Auskunft über die Meeresfauna der damaligen Zeit. Herausragende Fundstücke, darunter das Skelett einer jahrmillionenalten Seekuh und eines Zahnwals, sind im Doberg-Museum bzw., während dessen Renovierung, im Striedieckschen Hof (Museumsinsel) zu besichtigen.
mini|Geothermische Karte von Bünde Bünde eignet sich mittelmäßig bis gut, in einigen östlichen Gemeindelagen sogar sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB) Geologischer Dienst NRW.
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebietes mini|Flächennutzung
Bünde hat eine Fläche von 59,3 km². Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 10,7 km, die Ost-West-Ausdehnung 11 km.
Das Stadtgebiet ist stark zersiedelt und weist rund um die Kernstadt Bünde mehrere Siedlungskerne auf, die ursprünglich eigenständige Gemeinden waren. Insbesondere im Süden bildet das Stadtgebiet eine durchgehende Agglomeration mit den Städten Herford und der Gemeinde Hiddenhausen. Das nicht besiedelte Land besitzt kaum größere Waldgebiete. Die Gegend zählt aufgrund der hohen Fertilität zum Altsiedelland und wird, wie der übrige Kreis Herford, landschaftlich intensiv genutzt, während die Auen der im Winter oft überschwemmten Else extensiv bewirtschaftet werden. Auf den fruchtbaren Lössgebieten wird hauptsächlich Getreide und Mais, zunehmend auch Raps kultiviert. Die folgende Tabelle zeigt die genaue Flächennutzung.
Fläche nach Nutzungsart Siedlungs- und Verkehrsfläche Landwirt- schaftsfläche Wald- fläche sonstige Freiflächen Fläche in Hektar 2.228 3.370 254 72 Anteil an Gesamtfläche 37,6 % 56,8 % 4,3 % 1,2 %
Stadtgliederung Bünde besteht aus der Kernstadt Bünde-Mitte und elf Ortsteilen, die bis zur Gebietsreform am 31. Dezember 1968 selbstständige Gemeinden bzw. Gemeindeteile der zu diesem Zeitpunkt aufgelösten Ämter Ennigloh, Kirchlengern und Herford-Hiddenhausen waren. mini|280px|Stadtgliederung
Ortsteil Einwohner (6. Nov. 2022) Fläche (km²) Dichte (Ew/km²) 20px Ahle 1.868 4,51 415 20px Bünde-Mitte 11.331 3,75 3.022 20px Bustedt 1.638 1,24 1.321 20px Dünne 3.916 10,13 389 20px Ennigloh 8.607 7,45 1.155 20px Holsen 3.539 5,96 594 20px Hüffen 1.894 2,43 779 20px Hunnebrock 3.592 2,77 1.297 20px Muckum 718 6,51 110 20px Spradow 4.912 7,48 657 20px Südlengern 4.396 2,68 1.640 20px Werfen 1.047 4,01 267
Der Ortsteil Bünde-Mitte als Zentrum der Stadt sowie die Siedlungsschwerpunkte der Ortsteile Ennigloh, Spradow, Südlengern, Bustedt, Hunnebrock und Hüffen sind heute größtenteils zusammengewachsen, und bilden zusammen den Hauptteil der Stadt Bünde. Die Ortsteile Holsen und Ahle, im Westen des Stadtgebietes gelegen, sind ebenfalls überwiegend zusammengewachsen, bilden aber wie die Ortsteile Muckum, Dünne und Werfen weiterhin eigene Siedlungskerne außerhalb des Hauptteils der Stadt. Die Bebauung der Stadt Bünde geht darüber hinaus teilweise fließend in die der Nachbargemeinden Kirchlengern und Hiddenhausen über.
Klima Das vorherrschende Klima ist das atlantische Seeklima. Klimadaten im langjährigen Mittel (1971–2000) für das etwa 10 km Luftentfernung entfernte Herford zeigt nachstehende Tabelle. mini|280px|Klimadiagramm für Bünde
Im Zeitraum 1961–1990 hatte die Region durchschnittlich 1473 Sonnenstunden pro Jahr (Beobachtungsstation: Herford). Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik; abgerufen am 2. Juli 2007. Die Wetterdaten für Bünde dürften im langjährigen Mittel kaum von den angegebenen Daten aus Herford abweichen, da beide Städte etwa gleich hoch liegen und ihre naturräumliche Lage sehr ähnlich ist.
Siehe auch: Klima in Ostwestfalen-Lippe
Geschichte
Ursprünge und Stadtwerdung Das Stadtwappen (zwei sich die Hand reichende Ritter) spielt auf die Sachsen Hengist und Horsa an, die der Sage nach im 5. Jahrhundert an dieser Stelle einen Bund zur Eroberung Englands schlossen. Tatsächlich lebte zu dieser Zeit im Bünder Land der Sachsenstamm der Engern. Dennoch ist es eher unwahrscheinlich, dass der Name der Stadt auf dieses Bündnis zurückzuführen ist. Vielmehr weist der Name Bünde vermutlich auf eine Anhöhe hin, die früher Buhn (wortverwandt mit Bühne) genannt wurde, woraus sich bis 1222 der Name Bünde entwickelte. Auch heute noch ist die im Vergleich zur Elseniederung erhöhte Lage des alten Stadtkerns um die Laurentiuskirche deutlich erkennbar.
Am 22. Mai 853 wurde Bünde erstmals als Buginithi in einer Schenkungsurkunde erwähnt. Darin bestätigt König Ludwig der Deutsche, dass sein Vater Ludwig der Fromme die im Bistum Osnabrück gelegene Kirche zu Bünde dem Stift zu Herford geschenkt habe. Das Schriftstück selbst existiert nicht mehr. Vorhanden ist noch eine Abschrift aus dem 11. Jahrhundert. Damit gehört Bünde zu den ältesten Siedlungen des fruchtbaren Ravensberger Landes. Bereits im Mittelalter gewann Bünde dank seiner zentralen Lage eine gewisse Bedeutung. Kirche, Markt und Gerichtsbarkeit zogen neben Bauernhöfen auch Händler und Handwerker sowie Tagelöhner und Kötter an. Im 11. Jahrhundert entstand das Kirchspiel Bünde aus dem Dorf und 15 Bauerschaften. Im Jahre 1152 wurden die Edelherren von Blankena, die die Landeshoheit über die Umgebung ausübten, erstmals urkundlich erwähnt. Ihre heute nicht mehr erhaltene Burg, das Castrum Blankena, wird westlich von Bünde-Mitte vermutet. Nach 1280 verliert sich die Spur dieses Adelsgeschlechts.
Das heutige Stadtgebiet gehörte seit 1530 zur Grafschaft Ravensberg, mit Ausnahme der Stadtteile Spradow und Dünne, die zum Fürstentum Minden bzw. Hochstift Minden gehörten. Bünde war Sitz der Vogtei Bünde, die zum ravensbergischen Amt Limberg gehörte. Der Bischof von Osnabrück und die Lippischen Edelherren verloren die Gerichtshoheit. Die Stadt fiel über die Grafschaft Ravensberg 1614 an Brandenburg-Preußen. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. verlieh dem Ort Bünde 1719 die Stadtrechte – zunächst jedoch nicht als Vollstadt, sondern als Titularstadt. Von 1807 bis 1813 war Bünde Sitz des Kantons Bünde, der von 1807 bis 1810 zum napoleonischen Satellitenstaat Königreich Westphalen und von 1811 bis 1813 zum Département de l’Ems-Supérieur (Ober-Ems-Departement) im Kaiserreich Frankreich gehörte. Während der Zugehörigkeit zu Frankreich war Bünde außerdem Sitz der Mairie (Bürgermeisterei) Bünde, die neben der Stadt auch Ahle, Dünne, Ennigloh, Holsen, Hunnebrock, Hüffen, Muckum, Spradow, Südlengern und Werfen umfasste. Nach der napoleonischen Niederlage fiel Bünde 1813 zurück an Preußen und wurde zunächst dem Generalgouvernement zwischen Weser und Rhein unterstellt. Die Stadt kam 1815 zur neuen Provinz Westfalen und wurde 1816 Kreisstadt des neuen Kreises Bünde, der 1832 im Kreis Herford aufging. Im Rahmen der Einführung der Westfälischen Landgemeinde-Ordnung von 1841 wurde die Stadt 1843 Sitz des Amtes Bünde, dessen Umfang dem der Mairie Bünde von 1811 entsprach. Bünde wurde weiterhin nach der Landgemeindeordnung verwaltet, da die Einwohnerzahl noch nicht ausreichte, um die Städteordnung zu erhalten.
Bünde erhielt 1902 das volle Stadtrecht gemäß der Westfälischen Städteordnung von 1856 und schied dadurch aus dem Amt Bünde aus, das als Amt Ennigloh fortbestand.
Flachsverarbeitung In Bünde war vom 15. Jahrhundert bis in die 1830er Jahre die Flachsverarbeitung im Spinn- und Webergewerbe Haupt- und Nebentätigkeit vieler Bünder, vor allem der armen Heuerlinge und Kötter in den umliegenden Stadtteilen, die früher noch selbstständige Gemeinden bildeten. Die Landbevölkerung litt vor allem unter der Hofteilung, die dazu führte, dass sogar im fruchtbaren Ravensberger Land die Hofgröße nicht mehr ausreichte, ihre Familien zu ernähren. Mit Einführung der mechanischen Webstühle brach dieses oft in Heimarbeit ausgeübte Handwerk völlig zusammen. 1860 musste beispielsweise die erst 1853 gegründete Strohflechtereigesellschaft endgültig ihre Türen schließen. Viele Bünder emigrierten deswegen und wegen der Missernten in den Hungerjahren 1845–1848 nach Amerika. Von 1850 bis 1900 wanderten 1083 Bürger (teilweise auch illegal) aus. Stadtarchiv Bünde; abgerufen am Juli 2007.
Industrialisierung und Tabakindustrie ab 1842