Saverne , ,Charta der Stadt Zabern zur Förderung der Regionalsprache auf der Grundlage der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen (Server des Europarats) (elsässisch Zàwere [])Wulf Müller, Zabern, in: Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin 2012, p. 713. ist eine Stadt im französischen Département Bas-Rhin im Unterelsass (Europäische Gebietskörperschaft Elsass), an der Zorn und dem parallel dazu verlaufenden Canal de la Marne au Rhin (Rhein-Marne-Kanal) gelegen. Im östlichen Gemeindegebiet verläuft die Mossel, ein Zufluss der Zorn. Die Siedlung ist seit spätrömischer Zeit bezeugt; in der Folge der Teilungen des Fränkischen Reichs kam der Ort 870 zum Ostfrankenreich, das später ins Römisch-Deutsche Reich überging. Seit 1680 gehört die Stadt mit Unterbrechungen zu Frankreich und ist seit 1790 dem Département Bas-Rhin zugeordnet. Im Sinne der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ist Saverne seit dem 13. Februar 2014 zweisprachig.Charta der Stadt Zabern zur Förderung der Regionalsprache auf der Grundlage der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen mini|Grand’Rue in der Altstadt

Geschichte Zabern (lateinisch Tabernæ Alsaticæ) ist als römische Militärstation (Tribus) Tabernis „bei den (drei) Schenken“ zur Sicherung der Zaberner Steige, eines Vogesenübergangs an der Römerstraße Straßburg – Metz, seit dem 4. Jahrhundert bezeugt (im „Itinerarium Antonini“ wie bei Peutinger, in den „Rerum Gestarum“ und in den MGH DD Merovingi). Als Hauptort einer „Civitas“ der Provinz „Germania superior“ wurde die Siedlung zum Verwaltungszentrum. Seit der Besiedlung durch die Alamannen ab dem 5. Jahrhundert gehörte Zabern zum deutschen Sprachraum. Die gesicherten schriftlichen Aufzeichnungen beginnen mit Karl dem Kahlen, dem Herrscher des Westfrankenreichs, der auf einer seiner vielen Reisen 842 „ad Zabarnam“ das Elsass erreichte (Regesta Imperii I,2,1,281, auch bei Nithard, Nithardi hist. III,04). Der Ortsname gelangte offenbar noch vor der Zweiten Lautverschiebung ins Germanische, was den Anlaut sowohl der deutschen als der französischen Namensform erklärt.

Zur Zeit der Franken gehörte Zabern zum Bistum Metz, das mit dem Vertrag von Verdun von 843 Teil des Mittelreichs Lothars I. wurde und 870 im Vertrag von Meerssen an das Ostfrankenreich Ludwigs des Deutschen kam. Für das Jahr 923 berichten zwei Dokumente, dass Rudolf von Burgund die „Festung“ Zabern auf Bitten des Bischofs von Metz längere Zeit belagerte und schließlich einnahm; nach der Einnahme von Metz kam auch Zabern wieder in die Gewalt des deutschen Königs Heinrichs I. (Regesta Imperii II,1,10 a+b). Im 12. Jahrhundert gelangte die Stadt in den Besitz von Straßburg. 1223 schloss König Heinrich VII. mit dem Bischof von Straßburg einen Vergleich, der sowohl dem Reich als auch der Kirche in Zabern bestimmte Rechte zusprach (Regesta Imperii V,1,2,3890). im Zeitraum zwischen 1414 und dem Beginn der Französischen Revolution 1789 diente Zabern als Residenz der Straßburger Bischöfe. In der Zwischenzeit war die Stadt mehrfach im Blickpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen. Im 14. bzw. 15. Jahrhundert musste sich Zabern der Engländer und der Armagnaken erwehren. Im Deutschen Bauernkrieg bezogen die aufständischen Bauern unter ihrem Anführer Erasmus Gerber 1525 dort ihr Hauptquartier. Nachdem sie am 17. Mai 1525 nach der Schlacht bei ZabernVgl. www.dl.ub.uni-freiburg.de. ihre Waffen niedergelegt hatten, versprach ihnen der Herzog Anton von Lothringen freien Abzug. Landsknechte töteten jedoch gegen den Willen des Herzogs etwa 18.000 Bauern.

Auch im Dreißigjährigen Krieg war die Stadt umkämpft und wechselte mehrfach den Besitzer. 1635 hatte der kaiserliche Generalleutnant Matthias Gallas im Feldzug nach Burgund die Stadt als Hauptquartier gewählt. Von hier aus beherrschte er mit den Städten Belfort und Montbéliard die Vogesenlücke und den Zugang nach Frankreich. Am 16. Juli 1636 kapitulierte die belagerte Stadt nach fünf abgeschlagenen Sturmangriffen eines französischen Heeres unter Bernhard von Sachsen-Weimar. Im Westfälischen Frieden wurde Zabern erneut dem Straßburger Bischof zugesprochen. Im Zuge der Reunionspolitik Ludwigs XIV. gelangte die Stadt 1680 unter französische Herrschaft. Ab 1704 residierten im Schloss die Fürstbischöfe aus dem Hause Rohan.

mini|Eingangsseite des Schlosses während der Zabern-Affäre (1913), im Vordergrund eine Militärpatrouille mit aufgepflanztem Seitengewehr

Im Juni 1770 besuchte Johann Wolfgang von Goethe Zabern während seiner Reise durch das nördliche Elsass und die Pfalz. In seiner Autobiographie „Dichtung und Wahrheit“ beschreibt er seinen Besuch und lobt die Stadt und besonders das Schloss wegen ihrer Schönheit. Er beschreibt auch einen Kanal, der vom Schloss in den Park geht. Dies war aber noch nicht der Rhein-Marne-Kanal, sondern Teil des großen Schlossparks, der sich fast bis Steinbourg erstreckte.Stefan Woltersdorff: Nordelsass für Leser. Morstadt, Kehl 2007, ISBN 978-3-88571-326-5, S. 163 f. mini|Plan des Gartens des Château Rohan in Saverne (1797) Mit der administrativen Neuaufteilung des Landes während der Französischen Revolution wurde die Stadt 1790 zum Hauptort des Kantons Saverne im Département Bas-Rhin und 1800 zudem Sitz der Unterpräfektur des Arrondissement Saverne; dieses kam nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 als Kreis Zabern des Reichslandes Elsass-Lothringen zum Deutschen Kaiserreich, das nach dem Ersten Weltkrieg mit Inkrafttreten des Friedensvertrag von Versailles im Januar 1920 wieder zu Frankreich zurückkehrte. Von 1877 bis 1890 war Zabern der Standort des Rheinischen Jäger-Bataillons No. 8.GenWiki: Rheinisches Jäger-Bataillon No. 8 Von 1890 bis 1918 waren im Rohan-Schloss von Zabern zwei Bataillone des 2. Oberrheinischen Infanterie-Regiments Nr. 99 garnisoniert. Aus dieser Zeit stammen heute noch benutzte, wichtige Infrastrukturgebäude wie der Bahnhof Saverne und das Postgebäude. Ende 1913 kam es im Deutschen Reich zu einer Verfassungskrise, nachdem ein Offizier dieses Regiments die elsässische Ortsbevölkerung als „Wackes“ beschimpft hatte, was in der Folge zu Demonstrationen der einheimischen Bevölkerung und einer übertriebenen Gegenreaktion des Militärs führte („Zabern-Affäre“).

Am 22. November 1944 wurde Saverne von französischen Truppen befreit. Im Januar 1945 versuchten Wehrmacht-Truppen in einer Winteroffensive namens Unternehmen Nordwind erfolglos, Zabern und andere Orte zurückzuerobern.

Seit 1945 hat die französische Amts- und Schulsprache die deutsche Sprache und damit auch die elsässische Mundart zurückgedrängt. Es gab und gibt aber Bestrebungen, sie zu bewahren.

Demographie + Bevölkerungszahlen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Jahr Einwohner Anmerkungen 1780 4000 darunter in der Innenstadt wohnende JudenSigmund Billings: Geschichte und Beschreibung des Elsasses und seiner Bewohner von den ältesten bis in die neuesten Zeiten, Basel 1782, S. 188–190. 1821 4595 katholische Einwohner, mit Ausnahme von 50 Protestanten und 300 JudenJohann Friedrich Aufschlager: Das Elsass. Neue historisch-topographische Beschreibung der beiden Rhein-Departemente, Zweiter Theil, Johann Heinrich Heitz, Straßburg 1825, S. 259–260. 1861 5331 1872 5895 am 1. Dezember, in 640 Häusern;C. Stockert, Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten, Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 46–47 und S. 78 nach anderen Angaben 5189 EinwohnerVollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 69 (online) 1880 6605 am 1. Dezember, auf einer Fläche von 2600 ha, in 691 Häusern, davon 4842 Katholiken, 1460 Evangelische und 302 JudenStatistisches Büro des Kaiserlichen Ministeriums für Elsaß-Lothringen (Hrsg.): Ortschafts-Verzeichniß von Elsaß-Lothringen. Aufgestellt auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Friedrich Bull, Straßburg 1884, S. 45. 1885 6936 davon 4877 Katholiken, 1754 Evangelische und 291 JudenAnonymes Mitglied des Katholischen Volksvereins: Die konfessionellen Verhältnisse an den Höheren Schulen in Elsaß-Lothringen. Statistisch und historisch dargestellt. Straßburg 1894, S. 35. 1890 7341 davon 1882 Evangelische, 5142 Katholiken, 313 Juden 1905 8937 , mit der Garnison (zwei Bataillone vom Infanterieregiment Nr. 99), davon 2290 Evangelische, 325 JudenMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 20, Leipzig/Wien 1909, S. 829–830 (online) 1910 9153 Zabern, Elsass, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer alten Landkarte der Umgebung von Zabern.

+ Einwohnerzahlen nach dem Zweiten Weltkrieg Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2017Einwohner 9856 9682 10.170 10.327 10.278 11.201 11.966 11.239

Die jüdische Gemeinde Die Existenz von Juden im bischöflichen Territorium Saverne wird zu Beginn des 14. Jahrhunderts durch eine Urkunde aus dem Jahr 1338 bezeugt. Dabei handelte es sich um eine am 4. Dezember dieses Jahres zwischen der Stadt Straßburg und 15 Familienoberhäuptern unterzeichnete Vereinbarung. Der Text erwähnt eine gewisse „Mösselin von Zabern und sine Kint“, also die Witwe von Mossel und ihren Kindern. Diese Familie konnte in Straßburg Zuflucht finden, als sie vor den sogenannten Armleder-Banden flohen, die zu dieser Zeit die Juden verfolgten. Einige wenige verbliebene Juden wurden 1349 während der Pestpogrome vertrieben, als man im Elsass die Juden für die Pest verantwortlich machte. 1440 befahl der neue Bischof von Straßburg, Robert von Bayern, erneut die Ausweisung aller Juden. Erst 1613 konnten sich unter dem Bischof Leopold wieder Juden ansiedeln. 1616 wurde ein Judenzoll eingeführt für alle Juden, die die Stadt betreten wollten. Während der Belagerung von Saverne 1622 im Dreißigjährigen Krieg flohen Juden aus den umliegenden Dörfern nach Saverne. 1623 konnte der erste Jude ein Haus mieten, weitere folgten. 1634 befahl der Bischof Franz Egon von Fürstenberg-Heiligenberg, dass alle Juden in der Unterstadt, rechts der Zorn, wohnen mussten. Dieses Viertel erhielt bald den Namen Judenhof. In einem Privathaus wurde eine kleine Synagoge eingerichtet. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges verbesserte sich die Situation der Juden, sie durften 1651 ihren Friedhof mit einer Hecke einzäunen, er wurde Judenberg genannt. Er befindet sich noch heute an diesem Ort. Die jüdische Gemeinde wuchs, eine Salzhandlung wurde eröffnet und eine koschere Metzgerei. Um die wachsende Bevölkerung unterzubringen, wurde der Judenhof erweitert um einen Teil, den man Blindstadt nannte. Die Juden mussten hohen Steuern aufbringen, um die Stadtbefestigungen wieder aufzubauen. Immer wieder beschwerten sie sich, so 1677, 1683 und 1687, ohne Erfolg.