Die Vogesen ([], Pluraletantum; frz. les Vosges [], dt. früher auch Wasichen, Wasgauen, Wasgenwald oder Wasigenwald) sind ein Mittelgebirge in Frankreich. Die höchste Erhebung ist der Große Belchen mit . Gemeinsam mit dem Pfälzerwald sind die Vogesen Teil eines einheitlichen Mittelgebirgsraumes von etwa 8000 km² Gesamtfläche. Er erstreckt sich von der Burgundischen Pforte (Linie Belfort–Ronchamp–Lure) bis zur Börrstadter Senke (Linie Winnweiler–Börrstadt–Göllheim) und die westliche Begrenzung der Oberrheinischen Tiefebene bildet.Institut Geographique National (Hrsg.): Cartes Topographique 1 : 25 000 oder 1 : 50 000, relevante Blätter. Verlag Institut Geographique National, Paris div. Erscheinungsjahre
Der Name leitet sich vermutlich von dem ursprünglich keltischen, später von den Römern in Gallien übernommenen Berg- und Waldgott Vosegus (auch Vosagus, Vosacius) ab.B. Maier: Die Kelten. Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. C.H. Beck, 2000, ISBN 3-406-46094-1
Geographie Allgemeines mini|Typische Vogesenlandschaft im Tal der Großen Fecht mini|Der Grand Ballon (Großer Belchen), mit 1424 m der höchste Gipfel der Vogesen mini|Der schroffe Hohneck, 1363 m mini|Wasserreichtum: Wasserfälle am Osthang der Vogesen mini|Wolkenverhangene Landschaft am Vogesenkamm mini|Wasgaulandschaft bei Obersteinbach: Steinbachtal und Mohnenberg (links)
Historisch, naturräumlich und geologisch gesehen erstrecken sich die Vogesen von der Burgundischen Pforte im Süden bis zur Zaberner Steige im Norden. Sie bilden das südwestliche Randgebirge des Oberrheingrabens. Das sich nördlich an die Zaberner Steige anschließende Gebiet bis zur französisch-deutschen Grenze wird in Frankreich ebenfalls zu den Vogesen gezählt und dort als Nordvogesen (Vosges du Nord) bezeichnet, allerdings bildet dieses Gebiet keine Einheit mit den eigentlichen Vogesen, sondern geologisch und naturräumlich mit dem nördlich anschließenden Pfälzerwald. Beide Gebiete bilden das grenzüberschreitende Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord. Diese Nordvogesen werden zusammen mit dem südlich der Queich liegenden Teil des Pfälzerwalds auch als Wasgau bezeichnet.
In den südlichen Vogesen, zwischen Burgundischer Pforte und Breuschtal, haben die meisten markanten Berge eine durch Erosion und Gletschertätigkeit entstandene Rundkuppe, darunter der Elsässer Belchen (1247 Meter), der Große Belchen (1424 Meter) und der Kleine Belchen (1272 Meter). Zwischen Breuschtal und Zaberner Steige dominieren tafelartig geformte Berge aus rotem Sandstein der Formation Buntsandstein (untere Trias). Sie erreichen in Rocher de Mutzig (1010 Meter) und Donon (1009 Meter) ihre größten Höhen. Der Wasgau hingegen ist durch niedrig gelegene Berge und Bergrücken, vielfältige Bergformen (zum Beispiel Kegelberge) und bizarre Sandsteinfelsen gekennzeichnet.
Berge Die höchsten Berge sind: Großer Belchen (frz. Grand Ballon) 1424 m Storkenkopf 1366 m Hohneck 1363 m Kastelberg 1350 m Klintzkopf (dt. Klinzkopf) 1330 m Rothenbachkopf 1316 m Lauchenkopf 1314 m Batteriekopf 1311 m Haut de Falimont 1306 m Rainkopf 1305 m Gazon du Faîte 1303 m Gazon du Faing 1302 m Ringbuhl (dt. Ringbühl) 1302 m Soultzereneck (dt. Sulzereneck) 1302 m
Eine Auswahl weiterer Vogesengipfel:
Tanet (dt. Tanneck) 1292 m Kahler Wasen (auch Kleiner Belchen, frz. Petit Ballon) 1272 m Elsässer Belchen (frz. Ballon d’Alsace, deutsch früher auch Welscher Belchen) 1247 m Brézouard (dt. Birschberg) 1229 m Ballon de Servance (Höchster Punkt des Départements Haute-Saône) 1216 m Tête des Faux (dt. Buchenkopf) 1208 m Drumont (dt. Trumenkopf) 1200 m Thannerhubel 1183 m Planche des Belles Filles 1148 m Molkenrain 1123 m Champ du Feu (dt. Hochfeld, auch Firstfeld) 1099 m Baerenkopf (dt. Bärenkopf) 1074 m Rocher de Mutzig (dt. Mutzigfelsen) 1010 m Donon (dt. ungebräuchlich auch Hohe Donne) 1009 m Taennchel (dt. Tännchel) 992 m Climont (dt. früher Winberg oder Weinberg) 965 m Hartmannswillerkopf (dt. Hartmannsweilerkopf) 956 m Chatte Pendue (dt. Katzenstein) 902 m Ungersberg 901 m Tête du Coquin 837 m Odilienberg (frz. Mont St. Odile) 760 m Dagsburg (Schlossberg) (frz. Dabo) 647 m Großer Wintersberg 581 m Hohenburg (Schlossberg) (frz. Hohenbourg) 550 m
Pässe
Die Kammlinie des Gebirges bildet größtenteils die Grenze zwischen den französischen Regionen Elsass im Osten und Lothringen im Westen, die über einige wichtige Pässe verbunden sind (von Süd nach Nord): Col de Bussang (dt. Büssingpass, 731 m): Mülhausen – Remiremont Col d’Oderen (dt. Odernpass, 884 m): Cornimont – Fellering Col de la Schlucht (dt. Schluchtpass, 1139 m): Colmar – Gérardmer Col du Bonhomme (dt. Diedolshauser Pass, 949 m): Colmar – Saint-Dié-des-Vosges Col de Saales (dt. Saalpass, 554 m): Schirmeck – Saint-Dié-des-Vosges Zaberner Steige (413 m): Saverne – Phalsbourg
Anders als der Schwarzwald besitzen die Vogesen zwischen Burgundischer Pforte und Zaberner Steige einen durchgehend verlaufenden Hauptkamm. Er trennt die nach Ost und West laufenden Täler streng voneinander ab. Auch die meisten der höchsten Erhebungen liegen auf dem Hauptkamm. Da die Vogesen Teil eines leicht nach West gekippten Schichtstufenlandes sind, sind manche der höchsten Erhebungen allerdings auch am Ostrand der Vogesen zu finden.
Seen In den Vogesen gibt es zahlreiche Seen. Die bekanntesten sind: im Département Haut-Rhin, zumeist östlich vom Hauptkamm Lac Blanc (dt. Weißer See): 29 Hektar Lac Noir (dt. Schwarzer See): 14 Hektar Lac des Truites (dt. Forellenweiher): 2,8 Hektar Lac de Kruth-Wildenstein (dt. Krüt-Wildensteiner Stausee): 81 Hektar westlich vom Hauptkamm im Département Vosges Lac de Gérardmer: 116 Hektar (durch einen Gletscherursprung erklärt, wie die ersten Zitate) Lac de Longemer: 76 Hektar (ibidem) Lac de Retournemer: 5 Hektar (idem) Lac du Lispach oder Lispach: 10 Hektar (Ehemaliger kleiner Torfsee am Bach Chajoux, 1914 in ein Wasserreservoir für die Textilindustrie umgewandelt). Réservoir de Bouzey (Stausee): 140 Hektar in den Nordvogesen (Sandstein bedeckt) Etang de Hanau (dt. Hanauer Weiher): 1,6 Hektar (Département Moselle) Lac de la Maix: 1,6 Hektar (Departement Vosges, durch einen Gletscherursprung erklärt) Lac de Pierre-Percée (bzw. Lac du Vieux Pré) (Stausee): 304 Hektar (künstlicher See zwischen Département Meurthe-et-Moselle und Vosges) Lac de Plaine, 39 Hektar.(künstlicher See unten des vorherigen See, departement Vosges)
Entstehung Entstanden ist das Mittelgebirge im Tertiär (genauer Eozän) vor rund 50 Millionen Jahren durch eine bis heute anhaltende tektonisch bedingte Anhebung, aus der heraus zunächst ein mit dem Schwarzwald zusammenhängendes Gebirge resultierte. Dann senkte sich der Oberrheingraben ab, der seither die beiden Bergzüge trennt. Die Anhebung hatte auch die Entstehung des nordfranzösischen beziehungsweise südwestdeutschen Schichtstufenlandes zur Folge.
Geologie Die Vogesen sind aus Gneisen, Graniten, paläozoischen Schiefern und Vulkaniten aufgebaut. Im Norden und Westen taucht das Grundgebirge unter die jüngeren Gesteine des Buntsandsteins ab, die nördlich der Breusch (frz. Bruche) die Oberflächengestalt des Gebirges bestimmen. Im Osten fällt das Gelände an Staffelbrüchen zur Oberrheinebene ab, dort sind auch Ablagerungen aus der Trias und dem Jura erhalten. Abgebaut wurden Blei und Silber, später auch Baryt (z. B. bei Sainte-Marie-aux-Mines oder Sainte-Croix-aux-Mines). Im Süden und nach Osten hin gab es einige kleine Vorkommen von Steinkohle (Kohlebergbau in den Vogesen und im Jura).
Glazialmorphologie mini|Lac du Schiessrothried, Stausee in einem Kar Die Vogesen gehören zum Typus der glazial überprägten Mittelgebirge. Ihre Gesteine gehören zum armorikanischen Gebirgssystem. Sie sind das erste große Hindernis für die feuchten Luftmassen vom Atlantik und haben deshalb stärkere Niederschläge als der benachbarte Schwarzwald. In den vergangenen Eiszeiten gab es deshalb auch eine stärkere glaziale Aktivität.
Als typische Landschaftsformen findet man eine Reihe von Karen, in denen häufig Karseen (Bsp.: Lac Blanc) und Moore liegen.
Vegetation mini|Lac de Lispach westlich des Hauptkamms mit Schwingrasen mini|Die Hautes Chaumes (Hochweiden) im Norden des Vogesenhauptkamms Wie in fast allen Gebirgen der gemäßigten Zone hängt die Vegetation auch in den Vogesen von den Höhenstufen ab: Die colline Stufe, auch Eichenwaldstufe genannt, in der früher wärmeliebende Eichenmischwälder standen, sind heute aufgrund ihrer Lage in Kulturlandschaften umgewandelt. Die nachfolgende (sub-)montane Stufe wird auch Buchenwaldstufe genannt. Der vorherrschende Buchenwald ist durchsetzt mit Tannen, Bergulmen, Fichten, Bergahornen und Eichen, im Wasgau auch mit Kiefern. Aufgeforstet wird heute aber fast ausschließlich mit Fichten. In den Vogesen bildet die Buche die Waldgrenze. Ein schmaler Streifen entlang des Kammes, oberhalb von etwa 1250–1300 m ist von Natur aus waldfrei. Vielerorts wurden diese waldfreien Flächen durch Beweidung noch vergrößert. Durch die hohen Windgeschwindigkeiten in den stark exponierten Kammlagen werden die Buchen mit zunehmender Höhe immer kleinwüchsiger und fehlen schließlich ganz. Auch das Vorkommen von Latschenkiefern in Höhen von über verweist auf die subalpine Krummholzzone und die besonderen klimatischen und edaphischen Bedingungen, die am Vogesenhauptkamm herrschen. Bergkiefern finden sich besonders im Kammbereich zwischen Col de la Schlucht und Col du Calvaire und hier vor allem in den etwa hoch gelegenen Hautes Chaumes/Reisberg (dt. Hochweiden) nördlich des Lac Noir (dt. Schwarzer See) und Lac Blanc (dt. Weißer See). Bedingt durch das atlantisch beeinflusste Klima hat die Fichte zwar ein natürliches Vorkommen in den Vogesen, spielt jedoch keine große Rolle. Die Gipfelheiden der Vogesen zeichnen sich durch zahlreiche botanische Raritäten aus; unter anderem finden sich zahlreiche Glazialrelikte.
Im Bereich der Hochvogesen haben sich an verschiedenen Stellen (z. B. am Tanet () nördlich des Col de la Schlucht) Hochmoore entwickelt, die teilweise als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind.Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Ulmer, Stuttgart 1963, S. 440; Ellenberg verwendet die Bezeichnung „Tanneck“. Auch aus verlandenden Karseen (z. B. im Frankenthal nordwestlich des Hohneck, am Lac de Lispach oder am Etang du Devin in der Nordostflanke des Tête des Faux) entwickeln sich Moore.
Fauna Neben den üblichen heimischen Wildtieren finden sich in den Vogesen vereinzelt die Europäische Wildkatze sowie durch Wiedereinbürgerung der Biber, der Luchs und die Gämse. Das für die Vogesen besonders typische Auerhuhn ist vom Aussterben bedroht.
Vergleich mit dem Schwarzwald mini|Blick über die Vogesen bis zum Schwarzwald am Horizont mini|Blick von Badenweiler zu den Vogesen am Horizont Im Vergleich zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald fällt zunächst der etwas stärkere Niederschlag auf. Dies liegt an der exponierten Lage der Vogesen, wodurch die Luft vom Atlantik abgefangen wird, und durch Steigungsregen einen Teil ihrer Feuchte verliert. Während der Eiszeiten führte dies auch zu einer stärkeren Vergletscherung der Vogesen. Während die einander zugewandten Seiten der beiden Gebirge ähnlich steil sind, da hier jeweils der Rhein als Vorfluter dient und somit die Erosionskraft vergleichbar ist, kann man an den Außenseiten deutliche Unterschiede erkennen. Der Schwarzwald fällt deutlich flacher ab, da sein östlicher Vorfluter die Donau ist, die wegen ihres schwachen Gefälles und des langen Weges bis zum Schwarzen Meer eine deutlich geringere Erosionskraft hat als der Rhein. Auf der Westseite der Vogesen ist jedoch die zum tiefer verlaufenden Rhein fließende Mosel der Vorfluter. Daraus folgt eine stärkere fluviatile Zerschneidung der Westvogesen als des Ostschwarzwaldes.