Ernst Harms, auch Ernest Harms, geb. Robert Wolfgang Wallach (* 12. September 1895 in Alsfeld; † 2. Juli 1974 in New York City) Abgerufen am 26. Juli 2026. war ein deutsch-amerikanischer Psychologe.

Leben Robert Wolfgang Wallach war der Sohn des jüdischen Brauereibesitzers Karl Isfried Wallach und dessen Ehefrau Paula, geb. Neumann. Er wurde in Alsfeld geboren und erhielt dort seine erste Schulbildung.Robert Wolfgang Wallach, Aus dem Tagebuch eines Kriegsfreiwilligen 1914/15. In: lagis-hessen.de. Abgerufen am 26. Juli 2026. Im Anschluss an die Realschule besuchte er die Dürerschule Hochwaldhausen, deren Reformpädagogik ihn geistig prägte.Jutta Schuett-Frank: Von Alsfeld nach New York. In: Gießener Allgemeine. 27. Mai 2025. Abgerufen am 26. Juli 2026. Ab 1914 studierte er Philosophie an der Universität Marburg, meldete sich jedoch wenige Tage nach Beginn des Ersten Weltkriegs freiwillig an die Front. Nach einem Aufenthalt im Lazarett in Gießen rückte er im Oktober 1914 mit anderen Freiwilligen (vermutlich als Angehöriger des Infanterie-Regiments Nr. 116) aus und nahm im November in Le Quesnoy erstmals an Kampfhandlungen teil. Aufgrund einer Verwundung hielt er sich längere Zeit im Lazarett auf, bevor er im März 1915 nach Deutschland zurückkehrte. Seine Erfahrungen schilderte er in dem 1916 erschienenen Gedichtband Aus dem Tagebuch eines Kriegsfreiwilligen 1914/15.

Später setzte Wallach seine Studien in München fort und machte dort Bekanntschaft mit Gelehrten wie Heinrich Wölfflin und Artur Kutscher. 1917 nahm er an Kulturtagungen auf der Burg Lauenstein teil, wo er ihn beeinflussende Persönlichkeiten wie Max Weber, Theodor Heuß und Richard Dehmel kennenlernte. 1919 wurde Wallach an der Universität Würzburg mit der Dissertation Über Anwendung und Bedeutung des Wortes Stil promoviert. Wallach, der sich selbst als „Philosoph und Anthroposoph“ definierte, war 1920 Mitarbeiter beim anthroposophischen „Bund für Dreigliederung“ in Stuttgart.Robert Wolfgang Wallach, Ernst Harms. In: dreigliederung.de. Abgerufen am 26. Juli 2026. Kurzzeitig unterrichtete er an der Dürerschule Hochwaldhausen, bevor er eine Tätigkeit als Publizist und wissenschaftlicher Journalist aufnahm. Er schrieb in den 1920er Jahren philosophische Artikel für die Lauterbacher Zeitung Der Pfeil, ging dann nach Oslo und verfasste dort unter dem Pseudonym „Dr. Ernst Harms“ Beiträge über nordische Kunst für deutsche Tageszeitungen wie das Berliner Tageblatt und die Frankfurter Zeitung. Danach lebte er dauerhaft unter dem Namen Ern(e)st Harms.

Laut dem vom Institut für Zeitgeschichte herausgegebenen Biographischen Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 studierte Harms zwischen 1921 und 1928 erneut an verschiedenen Universitäten, darunter Paris (1921–1923), London (1924–1926), Harvard und Duke (1927/1928). Von 1929 bis 1934 war er demnach Direktor eines Völkerpsychologischen Instituts und von 1934 bis 1936 Herausgeber des Jahrbuchs für Idealistische Philosophie sowie der Reihe Bibliothek des Idealismus.Harms, Ernest. In: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 2. Saur, München 1983, S. 459 (online). 1933 emigrierte Harms in die Schweiz und war dort beim Rascher Verlag tätig.

Harms litt in diesen Jahren unter einer psychischen Erkrankung. In einem Brief des Schweizer Psychiaters Carl Gustav Jung wurde er als „einsam und bodenlos“ beschrieben. Harms und Jung standen einige Zeit in Kontakt, auch wenn Harms kein Anhänger der Jung’schen Schule war. In einem Interview äußerte er, von Jung kostenlos analysiert worden zu sein und dass dieser ihn nach Quellen zu Aspekten der Typologie befragt habe. Dass er damit zu Jungs Theorie der Psychologischen Typen beitrug, ist aber fraglich aufgrund von ihm an anderer Stelle gemachten Zeitangaben, laut denen sie sich erst seit Anfang der 1920er Jahre kannten. Harms, der 1940 öffentlich gegen Hitlers Ideologie Stellung bezogen hatte, machte 1946 mit dem in Psychiatric Quarterly erschienenen Artikel Carl Gustav Jung - defender of freud and the jews auf sich aufmerksam, in dem er Jung gegen Vorwürfe verteidigte, ein Antisemit und Nazifreund gewesen zu sein. Als Vorbereitung stellte er Material über Jung zusammen, das sich in der Ernest Harms Collection der Kristine Mann Library in New York befindet.Jay Sherry: The Schweizer Illustrierte interview. A commentary. In: Journal of Analytical Psychology. Band 46. Nr. 2, 2001, S. 359 doi:10.1111/1465-5922.00242.

1936 emigrierte Harms in die USA, wo er zunächst auf berufliche Probleme traf, später aber ein anerkannter Kinderpsychiater wurde. Von 1943 bis 1962 leitete er die Klinik „Child guidance“ am Beth David Hospital (ab 1959 Grand Central Hospital) in New York. Er gab von 1940 bis 1958 die Zeitschriften The Nervous Child und Journal of Child Psychiatry sowie ab 1960 die International Series of Monographs on Child Psychiatry heraus. Er veröffentlichte unter anderem Monografien über Hegel, Psychologie als Wissenschaft und krankhafte Konversionen. Daneben war er Herausgeber einer Reihe von Büchern über Kinder- und Jugendpsychologie mit Themen wie somatische und psychiatrische Aspekte von Allergien, Schlaf und Träumen, nervöse und psychische Erkrankungen, Kopfschmerzen sowie Drogenkonsum bei Jugendlichen. Er publizierte auch über Kunsttherapie und war erster Chefredakteur der 1973 begründeten Fachzeitschrift Art Psychotherapy.Ernest Harms: The Development of Modern Art Therapy. In: Leonardo. Band 8, Nr. 3, 1975, S. 241, doi:10.2307/1573248.

Ernest Harms heiratete 1948 die Frauenrechtlerin Elisabeth Scott. Er starb 1974 im Alter von 78 Jahren in New York. Sein Grab befindet sich auf dem Shaw Family Cemetery in Pittsfield im Merrimack County, New Hampshire. Ihm wurde ein Nachruf in der New York Times gewidmet.r. Ernest Harms, 78, Dies. In: The New York Times. 7. Juli 1974. Abgerufen am 26. Juli 2026. Ein Porträt von Harms, das Dawid Burljuk malte, befindet sich im Syracuse Art Museum.Portrait of Professor Ernst Harms. In: onlinecollections.syr.edu. Abgerufen am 26. Juli 2026.

In seiner Heimat blieb das Schicksal von Robert Wolfgang Wallach lange Zeit ungeklärt. So vermutete der Historiker Heinrich Dittmar in der Geschichte der Juden in Alsfeld (1988), Wallach sei zunächst nach Berlin gegangen und um 1930 in China verstorben. Später entdeckte Quellen führten zu einer besseren Dokumentation seines Lebens und seiner geistigen Entwicklung.

Publikationen (Auswahl) Robert Wolfgang Wallach: Aus dem Tagebuch eines Kriegsfreiwilligen 1914/15. Xenien-Verlag, Leipzig 1916 (Digitalisat). Robert Wolfgang Wallach: Stil: Wie wurde und wird dies Wort angewendet und was bedeutet es? Ein Beitrag zur Klärung ästhetischer Terminologie. Reinhardt, München 1920. Ernst Harms: Hegel und das zwanzigste Jahrhundert. Winter, Heidelberg 1933. Ernst Harms: Die Hauptpunkte des Autonomieproblems der Psychologie als Wissenschaft. Verlag von Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1934. Ernst Harms (Hrsg.): Idealismus: Jahrbuch für die idealistische Philosophie. Rascher, Zürich 1934. Ernst Harms: The Psychology of Clothes. In: American Journal of Sociology. Band 44, Nr. 2, 1938, S. 239–250, . Ernst Harms: Psychologie und Psychiatrie der Conversion. Mit einem Vorwort von Johannes van der Spek. Sijthoff, Leiden 1939. Ernest Harms (Hrsg.): Handbook of Child Guidance. Child Care Publications, New York 1947. Ernest Harms: Essentials of Abnormal Child Psychology: a Survey Representing Twenty-five Years’ Work in the Field af Child Psychology. The Julian Press, New York 1953. Ernest Harms (Hrsg.): Drug Addiction in Youth. Pergamon Press, Oxford 1965. Ernest Harms, Francis J. Braceland: Origins of Modern Psychiatry. Thomas, Springfield 1967. Ernest Harms: Understanding Mental Disorders in Childhood. Interstate Printers & Publishers, Danville 1971. Richard L. Jenkins, Ernest Harms (Hrsg.): Understanding Disturbed Children: Professional Insights into their Psychiatric and Developmental Problems. Special Child Publications, Seattle, Washington 1976.

Weblinks

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Einzelnachweise

Kategorie:Sachbuchautor (Pädagogik und Psychologie) Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Deutscher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1895 Kategorie:Gestorben 1974 Kategorie:Mann