The Next Day ist das 25. Studioalbum von David Bowie, das am 8. März 2013 erschien. Es war das erste Album mit neuem Material nach zehn Jahren.

Es ist auch das erste Album des Musikers, das Platz 1 in den deutschen Album-Charts erreichte.. In: Stern, 8. Januar 2013 Auch in den britischen Charts schaffte es den ersten Platz, was dem Künstler 20 Jahre zuvor das letzte Mal gelungen war. In den USA landete The Next Day auf dem 2. Platz, der dort bis dahin höchsten Position eines Bowie-Albums.Bon Jovi beat David Bowie to Number One in US Album Chart. In: New Musical Express, 20. März 2013

Vorgeschichte Am 8. Januar 2013, seinem 66. Geburtstag, gab Bowie die Veröffentlichung seines Albums bekannt,Bowie überrascht mit neuem Song. In: Der Spiegel, 8. Januar 2013 an dem er zwei Jahre lang in New YorkBowie-Produzent Visconti: 'The Next Day' wird ein Rock-Album. In: Rolling Stone, 9. Januar 2013 gearbeitet hatte.

Mit Where Are We Now erschien die erste Single am selbigen Tag auf iTunes. Am 26. Februar folgte die zweite Vorauskopplung The Stars (Are Out Tonight). Bis zur offiziellen Herausgabe war das Album ab dem 28. Februar überraschend auf iTunes komplett als kostenloser Stream zu hören. Das Plattencover gibt eine abgewandelte Wiederverwendung des Covers von “Heroes” (1977) wieder. Es zeigt den Titel des Werks auf einem großen, weißen Quadrat, das das alte Cover mit dem Gesicht des Sängers großenteils verdeckt. Die alte Bezeichnung “Heroes” ist durchgestrichen.

Beschreibung Was den Stil anbelangt, ist die mediale Rezeption weitgehend einstimmig: Das amerikanische Billboard spricht von einem „eindeutigen Rock-Album.“Rock Album Review: "The Next Day" David Bowie. In: Billboard, 6. März 2013 Die deutsche Presse stellt fest, dass Bowie auf The Next Day „über weite Strecken so rockig [ist] wie lange nicht.“Rock Album Review: „The Next Day“ David Bowie. In: Der Spiegel, 1. März 2013

Der britische New Musical Express schreibt: „Statt Bowie neu zu erfinden, nimmt das Album seine Vergangenheit in sich auf und entwickelt sie weiter.“David Bowie – The Next Day: Rather than reinventing Bowie, it absorbs his past and moves it on, hungry for more. In: New Musical Express, 4. März 2013 „Anklänge an fast alle Phasen“ seines musikalischen Schaffens sind zu erkennen: beginnend mit den späten 1960ern und der psychedelischen Hippiekultur (I’d Rather Be High), einem konkreten musikalischen Zitat aus Ziggy Stardust der Glam-Rock-Ära (You Feel So Lonely You Could Die) über die Angstzustände erregende „Kokain-Paranoia des Thin White Duke“ der mittleren 1970er (Love Is Lost), die brachialen Lodger und Scary Monsters (The Next Day) bis in das Drum and Bass der mittleren 1990er (If You Can See Me).

Thematisch geht es in vielen der Songs um Gewalt, Krieg und Kriminalität (The Next Day, Dirty Boys, Valentine’s Day, If You Can See Me, I’d Rather Be High, How Does the Grass Grow). Angst und Zweifel beherrschen Love Is Lost und Heat.

Das außerhalb der energischen Atmosphäre des Albums stehende Where Are We Now? nimmt als einziges inhaltlichen Bezug auf Berlin.

Die Songs The Next Day In dem temperamentvollen, freudigen Titelsong geht es um einen mittelalterlichen Gewaltherrscher,David Bowie’s 'The Next Day' Album: A Track-by-Track Preview. In: Rolling Stone 15. Januar 2013 der gehängt werden soll und zuvor durch die Straßen am wütenden Mob vorbei gezerrt wird. Im Refrain verkündet Bowie feierlich und mit betont kräftiger Stimme, aggressiv und schreiend: «Here I am, not quite dying/ […] And the next day, and the next, and another day!» Inhalt des begleitenden Videos (Regie: Floria Sigismondi, Premiere: 8. Mai 2013):David Bowie’s 'The Next Day' video criticised by Catholic church. In: New Musical Express 9. Mai 2013 Vor dem Eingang eines Nachtklubs für Geistliche namens The Decameron bittet ein junger Mann eine Prostituierte um Almosen. Ein Priester (Gary Oldman) schlägt ihn zu Boden. Während die Dirne die heruntergefallenen Geldscheine neben dem Bewusstlosen aufsammelt, betritt der Kleriker das Lokal mit einer Frau, die zwei ausgerissene Augäpfel auf einer Schale trägt. Im gut besuchten Etablissement grüßt er einen am Rücken blutenden, sich selbst geißelnden Mönch, einen älteren Kollegen, küsst einem Kardinal die Hand und wendet sich einer an der Bartheke trinkenden, lasziv gekleideten, stark geschminkten, schwarzhaarigen Liebesdienerin (Marion Cotillard) zu. Beide tanzen zeitlupenartig zur Musik von Bowie, der eine grau-bräunliche Tunika mit einem Gürtel und einem Halsumhang trägt und samt Band auf einer kleinen Bühne singt. An den Händen Cotillards entstehen Stigmata. Die Verwundete fällt hin und kniet ratlos vor der entstandenen Blutlache. Das stark spritzende Blut trifft auf eine barbusige, platinblonde, mit einem durchsichtigen, weißen Brautschleier bekleidete Kollegin. Daraufhin schreit Oldman Bowie hasserfüllt an: «You see this? This is your doing – you call yourself a prophet?» und wird mit Bibeln beworfen. Auf den Sänger selbst beginnen die Anwesenden mit Ruten einzuschlagen. Am Ende ist Cotillard in eine jungfräuliche Gestalt mit Tränen auf den Wangen verwandelt. Von göttlichem Licht beschienen und erhöht steht Bowie in Orantenhaltung neben ihr vor allen Protagonisten im Gruppenbild; in der Stille bedankt er sich in einem liebevollen, zur aufbrausenden Stimmung des Videos in Kontrast stehenden Ton («Thank you, Gary. Thank you, Marion. Thank you everybody.») und verschwindet mit einem Glockenschlag.

Das Video wurde von Vertretern der Kirche kritisiert. Der emeritierte Erzbischof von Canterbury G. L. Carey nannte den Clip „kindisch“ und bezweifelte, „dass sich Bowie getraut hätte, ein ähnliches Video mit islamischen Bildern zu drehen.“David Bowie verärgert mit neuem Video die katholische Kirche. In: Musikexpress 10. Mai 2013 Die amerikanische Catholic League äußerte sich: „David Bowie ist zurück, hoffentlich nicht für lange. […] Das Video entspricht dem Künstler – es ist eine einzige Schweinerei.“

Auf youtube ist das Video kurzfristig gesperrt, dann aber mit Altersfreigabe ab 18 Jahren wieder freigeschaltet worden.Altersbeschränkung für „The Next Day“ Youtube sperrt Musik-Video von David Bowie. In: Focus 10. Mai 2013

Dirty Boys Der „schmierige“, „dunkle“ Song über eine kriminelle Bande und dessen Baritonsaxophon-Solo, „das wie Striptease-Musik der 1950er klingt“, würde laut Produzent T. Visconti „auf Young Americans (Bowies Album von 1975) nicht fehl am Platz sein.“

The Stars (Are Out Tonight) Die zweite Single des Albums ist ein schwungvoller, drängender Rocksong, in welchem Bowie mit wiederkehrenden Zeilen wie etwa «The stars are never sleeping» und «I hope they live forever» über die ständige Präsenz der Stars und die gleichzeitige Sehnsucht des Alltagsmenschen nach ihnen singt.

In dem dazugehörigen Clip (Regie: Floria Sigismondi) verkörpern Bowie und Tilda Swinton ein gewöhnliches, bürgerliches Ehepaar aus einer Vorstadt, dessen Idylle mit dem Auftauchen zweier junger Glamour-Stars auf den Kopf gestellt wird. Das rund sechsminütige Musikvideo hebt mit einem Credit und in Form eines Spielfilms an: Die adrette Gattin schaut aus dem Fenster und sieht erschrocken eine Rockband vorbeigehen. Ihr Blick trifft sich mit dem der jungen, rothaarigen, androgyn aussehenden Sängerin (dargestellt vom norwegischen Model Iselin Steiro) – eine Reminiszenz an die Zeit Bowies als The Thin White Duke. In einem Supermarkt schaut sich Bowie eine Illustrierte an. Die Schlagzeile auf der Titelseite lautet Celebrity Couple’s Twisted Antics (deutsch: „verdorbene Streiche eines Prominentenpaares“). Abgebildet sind zwei Glamour-Stars (dargestellt von Andrej Pejic und Saskia De Brauw). Ferner ist ein Foto des Künstlers in seiner Rolle im Film Der Mann, der vom Himmel fiel zu erkennen. Der Sänger konstatiert in einem Smalltalk, dass es nichts Aufregendes in der Gegend gibt, während seine Frau ihm mit «we have a nice life» widerspricht. Musikalisch untermalt wird das Intro mit dem Instrumental Plan (siehe Deluxe Edition des Albums) und seinen langen, harten E-Gitarrenakkorden und langsamen Drums.

Nach knapp zwei Minuten beginnt der eigentliche Song: Das fernsehende Paar fühlt sich vom Lärm der probenden Band gestört, worauf Bowie sich beschweren geht. Die spiegelbildlich nebeneinander gezeigten Gesichter und Frisuren der jungen Sängerin (I. Steiro) und des 66-Jährigen zeigen große Ähnlichkeit. Später hockt einer der Zeitschriftstars (Andrej Pejic) in erotischer Pose über dem schlafenden Bowie, führt lange, künstliche Fingernägel in seinen Mund und küsst ihn, worauf dieser aufwacht. Seine Frau, Gymnastik vor dem Fernseher treibend, meint, dort sich und ihren Mann zu sehen, doch muss sie erschrocken feststellen, dass es sich um eine Spiegelung der Stars aus der Illustrierten handelt, die jetzt hinter ihr auf der Couch sitzen. Im schnellen Schnittwechsel folgen Schlafzimmerszenen, die Geschlechtsverkehr der Models, teilweise oben ohne, andeuten und eine sexuelle Annäherung des einst prüden Ehepaares. Von den Mannequins verzaubert und äußerlich verwandelt, bedroht Swinton Bowie mit Küchenschneidegeräten. Das Video endet mit einem Rollentausch – die beiden Supermodels sitzen auf dem Sofa vor dem Fernseher, während das einst spießige Ehepaar mit Pailletten-Sakkos hinter ihnen steht – und einem Fin.

Love Is Lost Bowie wendet sich an einen 22-Jährigen mit Liebeskummer und singt darüber, dass man vieles verändern wie beispielsweise auswandern oder sich mit neuen Menschen umgeben kann, doch die Angst, die mit jenem Seelenschmerz einhergeht, so alt wie die Welt sei. Kurze, bohrende und abgehackte E-Gitarrenmotive über lang gehaltenen Synthesizer-Akkorden sowie eine stakkatohafte Basslinie erzeugen eine angespannte und bedrohliche Atmosphäre. Der referierende, aufzählende Vortrag der ersten beiden Strophen und eine mittels eines Vocoders verfremdete, zeitversetzte Backgroundstimme in den letzten beiden lassen mechanische Starre entstehen und unterstützen die thematisierte emotionale Extremsituation.

Where Are We Now? Der melancholische Song handelt von der Erinnerung des Künstlers an seine von 1976 bis 1978 in West-Berlin verbrachte Zeit. In dem einfach gehaltenen, nostalgischen Text erwähnt Bowie Orte wie den Potsdamer Platz, den Club Dschungel in der Nürnberger Straße, dessen Gast er oft war, das KaDeWe und die Bösebrücke.