mini|Schloss Badingen (um 1650), Sitz der Herren von Badingen und Himmelpfort mini|Ruine der Klosterkirche Himmelpfort mit der Pfarrkirche im Ostteil (1858) Die Herrschaft Badingen, ab 1551 meist Herrschaft Badingen und Himmelpfort genannt, war eine Adelsherrschaft, deren Gebiet heute mit einer kleinen Ausnahme im nördlichen Teil von Brandenburg liegt. 1727 fiel die Herrschaft an den brandenburgischen Kurfürsten und wurde in ein kurfürstlich-brandenburgisches Amt (Amt Badingen) umgewandelt. Die Adelsherrschaft bzw. das spätere Amt Badingen bestand im Wesentlichen aus zwei nicht zusammen hängenden Gebieten, den früheren Besitzungen des Bischofs von Brandenburg um Badingen herum und aus den Besitzungen des ehemaligen Klosters Himmelpfort. Die zugehörigen Orte gehören heute zu den Städten Fürstenberg/Havel und Zehdenick im Landkreis Oberhavel, und zu den Städten Lychen und Templin im Landkreis Uckermark. Streubesitz liegt auch noch in anderen Gemeinden. 1815 wurde das Amt Badingen mit dem Amt Zehdenick vereinigt und aufgelöst.
Geschichte mini|Adam von Trott führte die Besitzungen um Badingen und Himmelpfort zusammen mini|hochkant|Wappen der Trott zu Solz in der Klosterkirche Das Gebiet der Herrschaft Badingen (ohne das Gebiet des Klosters Himmelpfort) gehörte im Mittelalter zum Land Löwenberg (auch Ländchen Löwenberg), das bis 1270 im Besitz des Markgrafen von Brandenburg war. In einem Vorvertrag von 1267, endgültig 1270, wurde es mit dem Bischof von Brandenburg gegen Stadt und Land Königsberg in der Neumark getauscht. 1459 wird Badingen als oppidulum (Städtchen) bezeichnet und war neben Löwenberg der zweite Hauptort des Ländchens Löwenberg. Seit 1460 war die kleine Herrschaft an die Familie v. Badingen verliehen, 1475 kam sie an die v. Bredow. 1536 wurde die Herrschaft Badingen vom Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg mit Zustimmung des Oberlehensherr, Bischof Matthias von Brandenburg von den Bredows erworben. Bereits 1537 verlieh der Kurfürst die Herrschaft Badingen an Adam von Trott, der den Familienzweig derer von Trott zu Solz in der Mark Brandenburg begründete. 1541 wurde das Kloster Himmelpfort säkularisiert und aufgelöst. Zwischen 1541 und 1551 hatten die v. Arnim auf Boitzenburg den Himmelpfort’schen Klosterbesitz verwaltungsweise oder pfandweise inne.
mini|Epitaph des Friedrich Wedige von Trott in der Klosterkirche Himmelpfort 1551 erhielt Adam von Trott auch die Ländereien und Rechte des ehemaligen Klosters Himmelpfort zunächst in seiner Funktion als Amtmann des Kurfürsten, 1557 dann erblich. 1598 wurde das Bistum Brandenburg säkularisiert und die Herrschaft Badingen wurde auch formal ein landesherrliches Lehen. Am 4. August 1727 starb Friedrich Wedige von Trott, und mit ihm starb der brandenburgische Zweig derer von Trott zu Solz in der männlichen Linie aus. Die Herrschaft Badingen und Himmelpfort wurde vom Kurfürsten als erledigtes Lehen eingezogen. Die Herrschaft wurde in ein königliches Domänenamt umgewandelt. In der Zeit des Amtes erfolgte die Wiederbesiedelung zahlreicher älterer, wüster Siedlungsplätze und die Anlage von neuen „Kolonien“. 1815 wurde das Amt Badingen aufgelöst und dessen Rechte und Einkünfte zum Amt Zehdenick geschlagen.
Bestandteile der Herrschaft Die Herrschaft Badingen und Himmelpfort bzw. das spätere Amt Badingen bestand aus zwei nicht zusammenhängenden Gebieten, die aus der kleinen Adelsherrschaft Badingen, vormals Besitz des Bischofs von Brandenburg, und dem säkularisierten Besitz des Klosters Himmelpfort hervorgegangen waren. Ein kleineres Gebiet gehörte ursprünglich zum Kloster Zehdenick und wurde formal dem säkularisierten Besitz des ehemaligen Klosters Himmelpfort zugelegt. Ein Dorf war von den v. Trott einer anderen Adelsfamilie abgekauft worden.
Der Besitz um Badingen Der 1270 gegen die Stadt Königsberg in der Neumark, heute Chojna eingetauschte Besitz um Badingen bestand aus vier Dörfern, von den das Dorf Osterne im Laufe des Spätmittelalters wüst fiel und erst um 1600 als Vorwerk wiederbesiedelt wurde. Keilförmig in dieses Gebiet hinein reichte das Dorf Ribbeck (zwischen Zabelsdorf und Mildenberg), das in Adelsbesitz war. Es konnte 1572 von den v. Trott erworben werden. mini|Schloss Badingen Badingen, heute Ortsteil von Zehdenick. Mildenberg, heute Ortsteil von Zehdenick Osterne, heute Wohnplatz auf der Gemarkung Badingen Ribbeck. Das Dorf gehörte schon vor 1525 überwiegend den v. Barsdorff zu Wulkow (Abgaben der Bauern, Jurisdiktion und Patronat). Die Rechte über zwei Zweihufenhöfe konnte Adam v. Trott nach 1539 von den v. Beren auf Blumenow erwerben. 1572 verkauften die v. Barsdorff alle ihre Rechte an die Familie v. Trott. Der Kaufvertrag scheint allerdings erst 1579/80 realisiert worden zu sein. Das Dorf wurde danach zur Herrschaft Badingen und Himmelpfort gerechnet. Der Ort ist heute ein Ortsteil von Zehdenick. Zabelsdorf, heute ein Ortsteil von Zehdenick
Dieses kleine Gebiet wurde und wird traditionell zum erweiterten Ländchen Löwenberg gerechnet.
Der Besitz des ehemaligen Klosters Himmelpfort mini|Ruine des Mittelschiffs der Klosterkirche Himmelpfort Das Kloster Himmelpfort wurde 1299 vom Markgrafen Albrecht dem III. gestiftet und als drittes Tochterkloster von Mönchen des Klosters Lehnin besetzt und aufgebaut. Sechs Dörfer, 100 Hufen in verschiedenen Dörfern, zehn Mühlen und 39 Seen gehörten zur relativ großzügigen Erstausstattung des Klosters. Im Laufe der Zeit kamen noch eine ganze Reihe weiterer Dörfer an das Kloster.
Der Besitz des Klosters Himmelpfort bestand neben dem Kloster selber und den Dörfern aus größeren Wald- und Heidegebieten (unter anderem die Himmelpforter Heide), die (auch) durch das Wüstwerden zahlreicher mittelalterlicher Dörfer entstanden waren. Vor allem im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden eine ganze Reihe neuer Vorwerke und „Kolonien“ in den Wald- und Heidegebieten auf den wüsten Feldmarken der alten Dörfer angelegt. Das Kloster Himmelpfort wurde 1541 säkularisiert, war von 1541 bis 1551 im Pfandbesitz bzw. unter der Verwaltung der v. Arnim auf Boitzenburg. 1551 erhielt Adam von Trott die Ländereien und Rechte des ehemaligen Klosters Himmelpfort zunächst in seiner Funktion als Amtmann des Kurfürsten, 1557 dann erblich.
Altthymen. Das Dorf gehörte zur Erstausstattung des Klosters Himmelpfort. Bredereiche. Das Dorf wurde 1307 von Redekin v. Redern zum Bau des Klosters Himmelpfort verkauft. 1337 kam auch die Mühle zu Bredereiche in Klosterbesitz. Bredereiche blieb mehr oder weniger kontinuierlich besiedelt und ist heute ein Ortsteil der Stadt Fürstenberg/Havel. Brüsenwalde. Das Dorf gehörte zur Erstausstattung des Klosters. Brüsenwalde ist heute ein Wohnplatz der Gemeinde Boitzenburger Land. Flatow (Mecklenburg-Vorpommern). Eine unbestimmte Anzahl an Hufen gehörten bereits zur Erstausstattung des Klosters. 1438 wurde das ganze Dorf erworben: es gehörte noch 1754 zum Klosterbesitz Garlin. Das mittelalterliche Dorf wurde 1299 erstmals erwähnt und gehörte bereits zur Erstausstattung des Klosters Himmelpfort. Wahrscheinlich gehörte das Dorf ursprünglich auch zur „terra Lychen“, da die Pfarrkirche in Lychen den Zehnten in Garlin erhob. 1358 wurde die (wüste?) Feldmark an den Grafen von Fürstenberg verkauft; von einem Dorf ist nicht mehr die Rede. Seit 1440 ist die Feldmark wieder im Besitz des Klosters. Später wird die Feldmark auch als Sprenkelheide bezeichnet, ein Forst westlich von Ravensbrück, die von der Stadt Fürstenberg/Havel genutzt wurde, aber formal zum Klosterbesitz gehörte. Allerdings kam vermutlich ein Teil der Feldmark zum Vorwerk Ravensbrück, da zu dieser Meierei ein Acker, die „Gerlinsche Breite“ gehörte. Himmelpfort, Kastaven. Das mittelalterliche Dorf in der „terra Lychen“ gehörte 1299 bei der Gründung des Klosters Himmelpfort zur markgräflichen Erstausstattung des Klosters. Nach der Verwüstung des Dorfes in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde das Dorf nicht wieder aufgebaut. Die Feldmark wurde zumindest zum Teil von den Gemeinden Rutenberg sowie Alt- und Neuthymen bewirtschaftet. Ein Teil der Feldmark ist wahrscheinlich auch in der Feldmark des Dorfes Dabelow (heute Ortsteil von Wokuhl-Dabelow Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, Mecklenburg-Vorpommern) aufgegangen. 1709 wird im Kirchenbuch von Rutenberg bereits ein Vorwerk auf der wüsten Feldmark Kastaven erwähnt. Kastaven ist heute ein Wohnplatz im Ortsteil Himmelpfort der Stadt Fürstenberg/Havel. Ein weiterer Wohnplatz dieses Namens entstand am Ostufer von Großer Kastavensee und Kleiner Kastavensee im nördlichen Teil der alten Feldmark Kastaven. Dieser Wohnplatz gehört jedoch zur Stadt Lychen und dessen Ortsteil Retzow. 1727 ist durch die Abgabe von Teerofenpacht ein Teerofen auf der Feldmark belegt, der heutige Wohnplatz Sähle (s. u.). Krams. Zwei Drittel der Dorfstätte und Feldmark Krams und das Mühlenfließ, das aus dem Großen Beutelsee in die Havel verläuft, wurde 1441 vom Kloster Himmelpfort erworben. 1443 konnte das Kloster auch das restliche Drittel der Feldmark erwerben. Das Dorf selber war wahrscheinlich schon vor 1375 wüst gefallen. 1580 wurde ein Teil der Feldmark von den v. Trott wieder bewirtschaftet. Ende des 18. Jahrhunderts war ein Erbpachtvorwerk entstanden. Heute ist nur noch ein Forsthaus vorhanden (Forsthaus Krams, Wohnplatz der Stadt Templin). Krumbeck. 1313 übertrug Albert von Heidebracke eine Hälfte des Dorfes an das Kloster, 1319 folgte auch die andere Hälfte. Krumbeck ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft. Lyniczere (Linow). Das Dorf gehörte zur Gründungsausstattung des Klosters Himmelpfort. Es lag am Südende (?) des Linowsee und fiel im 14. Jahrhundert wüst. Die Gemarkung gehört heute zu Rutenberg. Marienthal. 1755/6 wurde diese Kolonie im Amtsgebiet angelegt. Marienthal ist heute ein Ortsteil der Stadt Zehdenick. Neuthymen. Das Dorf gehörte zur Erstausstattung des Klosters Himmelpfort. Es fiel im 30-jährigen Krieg wüst und wird noch 1728 als wüste Feldmark bezeichnet. 1736 ist bereits wieder ein Vorwerk vorhanden. Neuthymen ist heute ein Wohnplatz der Stadt Fürstenberg/Havel. Ravensbrück. Vor 1727 als Vorwerk auf der Feldmark des wüsten Dorfes Garlin errichtet. 1752/53 wurde zusätzlich ein Straßendorf angelegt und mit Kolonisten besiedelt. Ravensbrück ist heute Teil der Stadt Fürstenberg/Havel. Regelsdorf. Das mittelalterliche Dorf kam 1317 in den Besitz des Klosters Himmelpfort. 1307 erwarb das Kloster Himmelpfort die dortige Mühle, zwischen Bredereiche und Regelsdorf an der Havel gelegen. Für die Bauern von Bredereiche, Regeldorf und Zootzen sowie für die mecklenburgischen Dörfer Blumenow und Qualzow (heute zur Stadt Fürstenberg/Havel gehörig) herrschte Mahlzwang in dieser Mühle. 1381 war die Hälfte des Ortes vermutlich wiederkaufsweise an die v. Dewitz und Niekerken verkauft. Wann das Dorf wüst fiel, ist nicht genau bekannt; 1544 ist Regeldorf jedoch ein wüste Feldmark. Diese wird von der Gemeinde Bredereiche und der „Kolonie“ Zootzen genutzt. 1767 wurde ein Gesuch um die Wiederbesiedlung der Feldmark abgelehnt. 1894 wird ein Forsthaus auf der Feldmark errichtet. Heute ist Regelsdorf ein Wohnplatz der Stadt Fürstenberg/Havel. Rudow. 1307 verkaufte Redekin v. Redern u. a. das Dorf Rudow an Abt und Konvent des Klosters Lehnin zum Bau des Klosters Himmelpfort. Wahrscheinlich war es bereits vor 1375 wüst gefallen. Die Feldmark von Rudow wurde z. T. der Gemeinde Bredereiche zugewiesen, der größere Teil zum Forst genommen. 1782 wird ein Gesuch zur Wiederbesiedlung der Feldmark abgelehnt. Das Dorf lag ungefähr am heutigen Schleusenhof Regow an der Havel (heute Wohnplatz der Stadt Lychen).