mini |hochkant=1.5 |Hauptgebäude, Neues Haus 1 (2015) Die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) ist eine künstlerisch-wissenschaftliche Hochschule in Hannover mit Promotions- und Habilitationsrecht. An ihr werden etwa 1358 (Stand: Sommersemester 2023) Studierende in 33 Studiengängen zu Musikern, Schauspielern, Musiklehrern, Musik- und Medienwissenschaftlern ausgebildet.
Geschichte Die Residenzstadt Hannover ist seit Jahrhunderten eine Musikstadt von europäischem Rang. Hannoversche Bürger gründeten 1872 einen Verein für Kammermusik. 1897 haben der Hofkomponist Emil Evers, der Klavierpädagoge Karl Leimer und der Musiker Hermann Brune das Hannoversche Konservatorium gegründet, das 1911 von der Stadt übernommen, 1926 staatlich und mitten im Zweiten Weltkrieg zur Landesmusikschule erklärt wurde. Diese wurde 1950 mit der Hannoverschen Schauspielschule vereinigt und zur Akademie für Musik und Theater ernannt. Zum 1. April 1957 wurde ihr der Hochschulstatus zuerkannt. Gleichzeitig wurde sie in die Teileinrichtungen Niedersächsische Hochschule für Musik und Theater und Niedersächsische Musikschule Hannover aufgeteilt. Zum 1. Oktober 1962 wurden die Bereiche zur Staatlichen Hochschule für Musik und Theater wieder zusammengefasst.
Zwischen 1970 und 1973 entstand nach Plänen des Architekten Rolf Ramcke das heutige Hauptgebäude am Neuen Haus (ehemals Emmichplatz) als Sichtbetonbau im Stil des Brutalismus, der den Grundriss einer zum Stadtwald Eilenriede geöffneten Arena aufweist. Seit 2011 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Seit 1973 ist das Land Niedersachsen Träger der Hochschule, die 1978 den Status einer künstlerisch-wissenschaftlichen Hochschule erhielt.
Ebenfalls 1978 gründeten Professoren der Hochschule gemeinsam mit anderen Persönlichkeiten aus Niedersachsen die Internationale Musikakademie für Solisten zur Förderung Hochbegabter.Boris Kusnezow (Koordinator, Organisation): Internationale Musikakademie für Solisten, Booklet [o. D.], auf der Seite imas-meisterkurse.de herunterladbar als PDF-Dokument, zuletzt abgerufen am 12. Januar 2014.
1985 wurde das Studienangebot um den Bereich Jazz/Rock/Pop sowie den Ergänzungsstudiengang Journalistik erweitert. 1990 wurde das Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung gegründet und der Studiengang Medienmanagement hinzugefügt.
Im Jahr 2010 erweiterte die Intendanz den Namen um das Wort „Medien“. Die HMTMH stellt so den Medienbereich hervor, der durch das etwa 20 Jahre zuvor angegliederte Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK) repräsentiert wird.
Die Staatsoper Hannover, das Staatsorchester, die NDR-Radiophilharmonie, diverse Medienunternehmen und internationale Theaterprojekte bieten den Studierenden Praktika und Zugang zu Stipendienprogrammen.
Standorte Die HMTMH ist heute auf mehrere Standorte in Hannover verteilt: Neues Haus (bis zur Umbenennung 2019: Emmichplatz) 1, Stadtteil Zoo (Hauptgebäude, Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter, Incontri-Institut für neue Musik, Institut für Kammermusik) Loebensteinstraße (bis zur Umbenennung 2023: Hindenburgstraße) 2–4, Stadtteil Zoo (Verwaltung) Hohenzollernstraße 39, Stadtteil Oststadt (Villa Seligmann, Europäisches Zentrum für Jüdische Musik) Schiffgraben 48, Stadtteil Oststadt (Institut für Musikphysiologie und Musiker-Medizin) Seelhorststraße 3, Stadtteil Zoo (Forschungszentrum Musik und Gender, Institut für musikpädagogische Forschung, Musikwissenschaftliches Institut) Expo Plaza 12, Stadtteil Bemerode (Studiengang Schauspiel, Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung) Plathnerstraße 35, Stadtteil Zoo (Institut für alte Musik) Uhlemeyerstraße 21, Stadtteil Oststadt Weidendamm 8, Stadtteil Nordstadt (Institut für Jazz/Rock/Pop)
Studium Die Ausgewogenheit zwischen Musik, Schauspiel, Pädagogik und Wissenschaft sowie das Bekenntnis zur Exzellenz in der Spitzen- wie in der Breitenausbildung sind für die HMTMH der Kern ihres Selbstverständnisses. Dafür wird ein differenziertes und um zahlreiche Meisterkurse ergänztes Studienangebot mit derzeit (2019) 33 Studiengängen angeboten.
Künstlerische Fächer Mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung in instrumentaler Breite und 46 Instrumentalprofessoren liegt der Studienschwerpunkt an der HMTMH in den Studienbereichen Künstlerische Ausbildung/Soloklasse, Gesang, Musikerziehung und Schulmusik. Im Rahmen einer Verstärkung der Popularmusik-Ausbildung wurde 2008 neben dem bereits vorhandenen Studiengang „Jazz, Rock, Pop“ der Studiengang „Popular Music“ eingerichtet. Schwerpunkte der Ausbildung finden sich in den Bereichen Klavier, Orchesterpraxis und Förderung der Kammermusik. Mehrere Opernproduktionen im Studienjahr – darunter auch Ur- und Erstaufführungen – bieten die Möglichkeit, die Praxisbedingungen und -anforderungen bereits im Studium kennenzulernen. Im Jahr 2000 wurde das Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter (IFF) als erste Einrichtung dieser Art an einer deutschen Musikhochschule gegründet. Seit dem Wintersemester 2001/2002 werden hochbegabte Früh-Studenten ab ca. 13 Jahren ausgebildet. In den Folgejahren wurde das Institut um die Vorklasse des IFF für Kinder ab 8 Jahren, das Konzept VIFFRegional sowie um das GrundIFF erweitert.
In der Klavierausbildung bietet die Hochschule ihren Studierenden in Zusammenarbeit mit dem Clavier e. V. an der HMTMH Möglichkeiten zum Kennenlernen der Klänge vom Cembalo bis zum heutigen Konzertflügel. Neben verschiedenen Cembali und Clavichorden steht an der HMTMH eine wertvolle Sammlung historischer Klaviere und Flügel aus dem Zeitraum von 1790 bis 1910 für Unterricht und Konzerte zur Verfügung (Originale und Kopien). Die Hochschule unterhält künstlerische und wissenschaftliche Beziehungen sowie einen internationalen Erfahrungsaustausch mit mehreren in- und ausländischen Musikhochschulen und Universitäten, unter anderem in den Niederlanden und in Osteuropa. Rund 500 Veranstaltungen pro Jahr tragen zur Praxisorientierung der Ausbildung bei. Im Hauptgebäude der Hochschule am Neuen Haus und in den Kammermusiksälen in der Plathnerstraße und in der Uhlemeyerstraße finden häufig öffentliche Konzerte statt. Die Hochschule veranstaltet in der Regel jährlich mehrere Orchesterkonzerte sowie zwei Opernproduktionen, ein Kammermusikfestival, ein Liederfest sowie mehrere Chorkonzerte. In den Clubs der Stadt Hannover treten Studierende des Studienbereichs JazzRockPop regelmäßig auf. Im Studienbereich Schauspiel der HMTMH werden rund 40 Studierende im Diplomstudiengang mit Schwerpunkt Bühne ausgebildet. Das Studium an der hannoverschen Schauspielschule (eine von 13 staatlichen Schauspielschulen der Bundesrepublik) ist äußerst beliebt. Im eigenen Studiotheater an der Expo Plaza im Expo Park Hannover in Hannover haben rund vier Produktionen jährlich Premiere.
Wissenschaftliche und pädagogische Fächer Zum Wintersemester 2004/2005 änderten sich die Strukturen der Lehramtsstudiengänge (Staatsexamen) sowie der Studiengänge Musikwissenschaften und Musikpädagogik (Magister) mit der Umstellung auf die international anerkannten Abschlüsse Bachelor und Master grundlegend. Heute umfasst Musikwissenschaft an der HMTMH die drei Teildisziplinen Musikethnologie, Systematische und Historische Musikwissenschaft. Innerhalb des fächerübergreifenden Bachelor (FüBa) werden neben einer umfassenden künstlerisch-praktischen Ausbildung auch Kompetenzen in den unterschiedlichen Teildisziplinen der Musikwissenschaft vermittelt. Für angehende Schulmusiker bietet der Masterstudiengang für das Lehramt an Gymnasien oder Sonderschulen (M.Ed.) die Möglichkeit, neben musikpädagogischen Inhalten auch musikwissenschaftliche Themen zu vertiefen. Der in Deutschland einzigartige Masterstudiengang Musik und Medien (M.A.) verbindet die Bereiche Musikwissenschaft und Kommunikationswissenschaft und bildet Studierende unter anderem für Berufe im Musikjournalismus sowie in der Öffentlichkeitsarbeit und im Management von Musikunternehmen aus. Im Mittelpunkt des Masterstudiengangs Musikforschung und Musikvermittlung (M.A.) steht die intensive fachliche Vertiefung in Musikwissenschaft sowie Musikpädagogik. Der Promotionsstudiengang (Dr. phil.) bietet die Möglichkeit, sich musikwissenschaftlich zu spezialisieren. Im Bereich der Musikpädagogik werden überdies die Studiengänge Lehramt für Sonderpädagogik (B.A. und M.Ed.) und künstlerisch-pädagogische Ausbildung (KPA) angeboten.
Institute Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung mini|Logo des IJK Das Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK) ist das kommunikationswissenschaftliche Institut der HMTMH und nimmt damit thematisch eine Sonderstellung in der Hochschule ein. Zu den Forschungsschwerpunkten am IJK zählen: Massenmedien und Wahlen, Medienrezeption, Interaktive Medien, Öffentlichkeitsarbeit und ihre Evaluation, Europäische Pressemärkte, Tageszeitungen, Werbung, Kulturjournalismus, Kinder und Medien, Gesundheitskommunikation usw. Das Institut ist unter anderem am DFG-Projekt „Publizistische Struktur der deutschen Tagespresse und ihrer Eigentümerstrukturen“, dem von EU und dem Land Niedersachsen geförderten Innovationsverbund „Veredelung pflanzlicher Rohstoffe“ sowie dem ebenfalls vom Land Niedersachsen geförderten Projekt „Biofabrication for NIFE“ beteiligt.
An Studiengängen wird der Bachelor-Studiengang „Kommunikationswissenschaft“ angeboten., IJK-Website. Außerdem gibt es die Masterstudiengänge „Kommunikations- und Medienforschung“ sowie „Medien und Musik“. Letzterer löste zum Wintersemester 2008/09 den Master-Studiengang „Multimediale Kommunikation“ ab., IJK-Website.
Im Ranking von Karriere (Heft 05/2006) kommt das Institut in der Kategorie Medienwissenschaft auf den zweiten Platz hinter der Universität Leipzig. Laut Hochschulranking des Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) im Jahr 2008 zählt das IJK zur Spitzengruppe deutscher medien- und kommunikationswissenschaftlicher Institute. Im Urteil der Studierenden erhielt das Institut mit der Gesamtnote 1,4 die beste Wertung im CHE-Ranking.CHE Hochschulranking 2008, Die Zeit. Im Jahr 2011 wurde das Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung durch die CHE Evaluationsstudie „Vielfältige Exzellenz 2011“ als „exzellente Lehr- und Forschungseinrichtung“ charakterisiert. Neben dem Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung wurde lediglich noch die private Zeppelin University in Friedrichshafen ausgezeichnet.
Europäisches Zentrum für Jüdische Musik mini|Villa Seligmann (2011)
Das 1988 von Andor Izsák gegründete Europäische Zentrum für Jüdische Musik ist seit 1992 ein Institut der Hochschule. Es befasst sich mit der Dokumentation und Rekonstruktion der jüdisch-liturgischen Musik. Für das Institut wurde 2006 die Villa Seligmann des früheren Direktors der Continental AG Siegmund Seligmann erworben und das Gebäude im Januar 2012 nach der Renovierung eröffnet., abgerufen am 25. Januar 2012.
Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin Das IMMM ist eine in der Bundesrepublik Deutschland einzigartige Einrichtung. Es erforscht die physiologischen Grundlagen der Musikausübung und -wahrnehmung sowie die Ursachen berufsbedingter Musikererkrankungen. Das Expertenwissen von Eckart Altenmüller fließt in die angeschlossene Spezialambulanz für Patienten mit instrumentalspielbezogenen Erkrankungen ein.
Institut für Musikpädagogische Forschung Das ifmpf hat Schwerpunkte in den Bereichen der historiografischen, systematischen und komparativen Musikpädagogik und hat sich mit didaktischer Theorie und praktischen Unterrichtsmaterialien einen Namen gemacht.
Musikwissenschaftliches Institut Unter dem Dach des Musikwissenschaftlichen Instituts forschen und lehren Musikwissenschaftler aus der Systematischen und Historischen Musikwissenschaft sowie aus der Musikethnologie. Ausweis für die Stärke und Vielfalt der Teildisziplinen sind die drei selbstständigen und hoch geachteten Forschungseinrichtungen.