295px|mini|Schopfheimer Straße mit katholischer Stadtpfarrkirche im Hintergrund Zell im Wiesental ist eine Stadt im Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg (Deutschland). Sie wurde wahrscheinlich zu Beginn des 11. Jahrhunderts im Oberen Wiesental als Mönchszelle/Klause des Säckinger Fridolinsklosters gegründetLandkreis Lörrach, S. 925. und im Jahr 1275 erstmals urkundlich erwähnt.Fräulin, Neue Geschichte der Stadt Zell im Wiesental, S. 28. Zell war Mittelpunkt eines stiftsäckingschen Dinghofes, für den ab dem 14. Jahrhundert die Herren von Schönau das Meieramt hatten. Der Hauptort und die umgebenden Dörfer gehörten zu Vorderösterreich und später zum Großherzogtum Baden, von dessen Großherzog Karl Friedrich Zell im Jahr 1810 das Stadtrecht erhielt. Wie auch im restlichen Wiesental setzte die Industrialisierung in Zell recht früh ein, und im 19. und 20. Jahrhundert war die Stadt ein wichtiger Produktionsort der badischen Textilindustrie.

Geographie mini|Das Zeller Bergland mit dem dominierenden Zeller Blauen

Geographische Lage Zell im Wiesental bildet das Zentrum des Zeller Berglandes, das sich im südlichsten Teil des Schwarzwaldes auf einer Höhe von 415 bis 1300 m über NN zwischen Basel und dem Feldberg im großen Wiesental erstreckt. Dominierende Berge sind zum einen der Zeller Blauen () nördlich von Zell und die auf Schopfheimer Gebiet liegende Hohe Möhr () im Südosten. Auf dem Blauen liegt auch der höchste Punkt des Zeller Gemeindegebiets, am tiefsten ist es im Südwesten an der Grenze zu Hausen auf .Landkreis Lörrach, S. 886. Neben der Stadt selbst zählen ihre Ortschaften Adelsberg, Atzenbach, Gresgen, Mambach, Pfaffenberg und Riedichen sowie die Gemeinde Häg-Ehrsberg zu dieser Region. Die Ortsteile Zell, Atzenbach und Mambach liegen im Tal der Wiese, während Adelsberg, Gresgen, Pfaffenberg und Riedichen mit , , und –Landkreis Lörrach, S. 893ff. deutlich höher gelegen sind.

Nachbargemeinden von Zell sind, im Uhrzeigersinn (von Norden beginnend): Kleines Wiesental, Fröhnd, Häg-Ehrsberg, Schopfheim und Hausen im Wiesental. Aufgrund einer Waldexklave nordwestlich der eigentlichen Gemarkung zwischen den Häg-Ehrsberger Ortsteilen Happach und Altenstein grenzt Zell außerdem an Todtmoos und damit an den Landkreis Waldshut.

Stadtgliederung mini|Ortschaften und Wohnplätze Zur Stadt Zell im Wiesental mit den früher selbstständigen Gemeinden Adelsberg, Atzenbach, Gresgen, Mambach, Pfaffenberg und Riedichen gehören die Stadt Zell im Wiesental und 20 weitere Dörfer, Weiler, Zinken und Höfe oder Häuser.

Zur ehemaligen Gemeinde Adelsberg gehören die Dörfer Adelsberg (mit Ober- und Unterdorf) und Blauen. Die ehemaligen Gemeinden Atzenbach und Gresgen bestehen nur aus den gleichnamigen Dörfern. Zur ehemaligen Gemeinde Mambach gehören das Dorf Mambach, die Zinken Saufert und Silbersau, der Hof Mühlschau, das Haus Baumwollspinnerei und die Bergklause Maria Frieden. Zur ehemaligen Gemeinde Pfaffenberg gehören das Dorf Pfaffenberg, der Weiler Käsern und die Zinken Helblingsmatt und Hollbühl (Biegematthof). Zur ehemaligen Gemeinde Riedichen gehören das Dorf Riedichen, der Weiler Gaisbühl und die Zinken Grüneck und Hütten. Zur Stadt Zell im Wiesental in den Grenzen vom 29. Februar 1972 gehören die Stadt Zell im Wiesental und die Höfe Oberer Henschenberg und Unterer Henschenberg.

Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Atzenbach liegen die Wüstungen Itzingen, Schowingen und Zizingen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 910–913.

Im Zuge der Säkularisation des Klosters St. Blasien erhielten Zell im Wiesental und einige Teilorte Waldgebiete nordwestlich der eigentlichen Gemarkung geschenkt, die zu den noch heute bestehenden, von Häg-Ehrsberg und Todtmoos umschlossenen Exklaven führten. Von den Gebieten entfallen 156 Hektar zwischen Happach, dem Weiler Forsthof und der Hohe-Muttlen auf Zell.Fräulin, Neue Geschichte der Stadt Zell, S. 16. Zu Adelsberg gehören 43 Hektar auf der Sägenhalde bei Schürberg-SägeInternetauftritt der Stadt Zell: Adelsberg., zu Atzenbach 25 Hektar beim Kupferbühl westlich von Forsthof und dem St.-Antoni-PassInternetauftritt der Stadt Zell: Atzenbach. und auf Riedichen entfallen 24 Hektar beim Dietenschwander Kopf.Internetauftritt der Stadt Zell: Riedichen

Die früher selbstständigen und in den 1970er Jahren eingemeindeten Gemeinden werden nach der Hauptsatzung der Stadt Zell als Stadtteile bezeichnet und bilden Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenen Ortschaftsräten und Ortsvorstehern als dessen Vorsitzende.

Geologie Das Zeller Bergland bildet einen südlichen Ausläufer des Schwarzwaldes, in dem zwei Gesteinstypen vorherrschen: Im Südwesten, an der Grenze zu Hausen, findet sich „Malsburger Granit“, nordöstlich hiervon, um Hohe Möhr und Zeller Blauen, dominiert „Mambacher Syntexit“. Bei letzterem handelt sich um Magmatisches Gestein, das durch eine Durchmischung von Magma mit metamorphen Sedimenten entstand. In beiden Gesteinsregionen finden sich außerdem zahlreiche in Nordwest-Südost-Richtung verlaufende Granit- und Porphyrgänge. In der Riß-Kaltzeit war Zell vollständig von Eis bedeckt, in der Würm-Kaltzeit reichte der Wiesegletscher bis vor Atzenbach; allfällige Moränen wurden allerdings wahrscheinlich von den Schmelzwässern und der Erosion weggewaschen.Landkreis Lörrach, S. 885 ff.

Klima Aufgrund der großen Höhendifferenzen in der Zeller Gemarkung bestehen auch deutliche Klimaunterschiede zwischen den verschiedenen Ortsteilen, wobei die höher gelegenen Ortsteile in der Regel niedrigere Temperaturen und höhere Niederschlagsmengen aufweisen, die sich auch darin manifestieren, dass die Apfelblüte dort etwa 10 Tage später als im Tal erfolgt.Landkreis Lörrach, S. 887. Eine Wetterstation besteht im Schopfheimer Ortsteil Eichen auf ähnlicher Höhe wie die Stadt Zell. Die dort gemessenen Temperatur- und Niederschlagswerte sind in der folgenden Tabelle wiedergegeben:

Seit 1987 besteht darüber hinaus eine Station im Zeller Ortsteil Pfaffenberg auf . 1988 registrierte diese Station ein gegenüber Eichen um rund 550 mm höheres Niederschlagsniveau.

Naturlandschaft Das gesamte Gemeindegebiet Zells ist Teil des Naturparks Südschwarzwald und des Biosphärengebiet Schwarzwald.Datenauswertebogen NP 6 – Südschwarzwald, abgerufen am 16. Juni 2012 vom der Landesumweltbehörde Baden-Württemberg (Karte nicht mehr verfügbar). Daneben hat Zell noch Anteil an zwei Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Gebieten: 111,87 Hektar der Gemarkung gehören zum FFH-Gebiet „Weidfelder im Oberen Wiesental“. Die für den Hochschwarzwald typische Kulturlandschaft aus Weidfeldern, Buchenwäldern und Wiesenbächen hat eine Gesamtfläche von mehr als 1700 Hektar und bietet unter anderem Lebensraum für Groppe, Bachneunauge, Grünes Gabelzahnmoos, Spanische Fahne und Großes Mausohr.Datenauswertebogen FFH 8213341 – Weidfelder im Oberen Wiesetal, abgerufen am 16. Juni 2012 vom der Landesumweltbehörde Baden-Württemberg (Daten nicht mehr verfügbar). 3,53 Hektar der Gemarkung gehören außerdem zum FFH-Gebiet „Röttler Wald“. Es handelt sich dabei um ein über mehrere Gemeinden verteiltes, mehr als 2500 Hektar großes, strukturreiches Wald- und Wiesengebiet mit Buchenaltbeständen. Zu den darin heimischen Arten gehören die Gelbbauchunke, der Hirschkäfer, die Helm-Azurjungfer, das Grüne Gabelzahnmoos, die Bechstein- und die Wimperfledermaus sowie das Große Mausohr.Datenauswertebogen FFH 8312341 – Röttler Wald, abgerufen am 16. Juni 2012 vom der Landesumweltbehörde Baden-Württemberg (Daten nicht mehr verfügbar). Ein kleines Gemarkungsstück von 1,71 Hektar ist darüber hinaus Teil der SPA „Südschwarzwald“ (Gesamtfläche 33.515,91 Hektar), zu dessen Arteninventar unter anderem der Uhu, Wanderfalke, Schwarzmilan, Wespenbussard und der Zitronengirlitz gehören.Datenauswertebogen SPA 8114441 – Südschwarzwald, abgerufen am 16. Juni 2012 vom der Landesumweltbehörde Baden-Württemberg (Daten nicht mehr verfügbar).

Außerdem befinden sich auf Zeller Gemarkung sieben Naturdenkmäler. Dabei handelt es sich um die Bergkuppe des „Rümmelesbühl“ bei Gresgen, die Atzenbacher Wasserfälle, die Höllwasserfälle bei Pfaffenberg, die Fischbach-Wasserfälle bei Zell sowie um drei Bäume: Eine einzelstehende Weide-Linde im „Moosrain“ bei Pfaffenberg, die Fichte „Einsame Tanne“ in der Nähe der Hohen Möhr sowie eine Weidbuche im „Erlenboden“ bei Gresgen.Datenauswertebögen zu END 83361030003, END 83361030002 END 83361030001, FND 83361030007, FND 83361030006, FND 83361030005 und FND 83361030006, abgerufen am 16. Juni 2012 vom der Landesumweltbehörde Baden-Württemberg (Daten nicht mehr verfügbar).

Geschichte Erste Besiedlung und Erwähnung Zell wurde vermutlich um das Jahr 1000 als Mönchskolonie oder Einsiedelei (cella) des Säckinger Fridolinsklosters Säckingen gegründet.Landkreis Lörrach, S. 925. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Zell im Jahr 1275 im Zehntbuch der Diözese Konstanz. Darin werden von Pfarrer Waltherus in Celle zwei Raten zu 34 und 33 Pfund Basler Währung als Kreuzzugszehnt verlangt.Fräulin, Neue Geschichte der Stadt Zell im Wiesental, S. 28. Von den heutigen Ortsteilen wurden Atzenbach und Gresgen noch vor Zell urkundlich genannt. Beide tauchen als Atzo und Greszkon in einer Schenkungsurkunde von Walcho von Waldeck aus dem Jahr 1113 auf. Der Ortsname Gresgen beruht dabei wohl auf Grasinchoven, ein Name, der auf eine Entstehung im 9. oder 10. Jahrhundert hindeutet. Die anderen Ortsteile wurden allesamt erst später erwähnt: Mambach im Jahre 1377, Pfaffenberg und Riedichen (gemeinsam mit dem Gaisbühl, aber ohne das bereits 1396 erwähnte Käsern) im Säckinger Zinsrodel des Jahres 1439. Dasselbe gilt auch für den Adelsberg, in dem allerdings ein vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammender Wohnturm besteht.Landkreis Lörrach, S. 920 ff.

Dinghof und Vogtei des Stifts Säckingen Die Besitzverhältnisse auf der heutigen Zeller Gemarkung waren geprägt von zahlreichen Herrschaften, Ansprüchen und Rechten (siehe hierzu auch den Artikel zur Geschichte des Wiesentals). Zu erwähnen sind hierbei vor allem die Klöster St. Blasien und Säckingen sowie die Herren von Stein und die Röttelsche Seitenlinie derer von Rotenberg, die vor allem in Gresgen begütert war.Landkreis Lörrach, S. 922. Nach mehrmaligen Schenkungen kam es aber dann zu einer gewissen Konsolidierung, wobei das gesamte heutige Gemeindegebiet mit Ausnahme Gresgens an das Stift Säckingen und dadurch an die Habsburger (Vorderösterreich), Gresgen unter markgräflich-badische Oberherrschaft gelangte. Zell bildete dabei den Hauptort eines Dinghofes bzw. einer Vogtei. Diese umfasste mit Ausnahme Gresgens die gesamte Fläche der heutigen politischen Gemeinden Zell und Häg-Ehrsberg, eine Fläche von rund 5200 Hektar.Fräulin, Neue Geschichte der Stadt Zell im Wiesental, S. 65. Das Meieramt über den Hof war im 14. Jahrhundert von der Familie derer von Stein/Altenstein auf die mit ihnen verwandten Schönauer übergegangen, die dadurch eine bis 1831 andauernde Grundherrschaft über die Vogtei begründen konnten.Fräulin, Neue Geschichte der Stadt Zell im Wiesental, S. 34 ff. Die Lokalisation der Burg Altenstein ist umstritten; die den Herren vom Stein gehörende Burg wird entweder beim gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Häg-Ehrsberg oder auf dem „Henschenberg“ bei Zell vermutet.Klaus Schubring: Wo lag die Burg Altenstein? In: Das Markgräflerland. Band 1/2012, S. 106–117. Für die Zuordnung zum Henschenberg: Andre Gutmann: Unter dem Wappen der Fidel. Die Herren von Wieladingen und die Herren vom Stein zwischen Ministerialität und adliger Herrschaft Unter Mitarbeit von Christopher Schmidberger (= Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte. Band 55), Freiburg i. Br./München 2011, S. 320 f. (Volltext als PDF).

Grundherrschaft der Herren von Schönau mini|hochkant|Constanze Weber wurde am 5. Januar 1762 als Tochter des Amtmanns Fridolin Weber in Zell geboren