mini|hochkant=1.0|Zwei flankierende Säulen als Schmuckelement auf einem Toraschild aus Lemberg, 19. Jahrhundert (Yeshiva University Museum) Jachin und Boas ( und ) sind die Namen, die den beiden Säulen am Tor des Eingangs des Tempels in Jerusalem gegeben wurden. König Salomo hatte sie nach biblischer Überlieferung von Ḥīrām, einem aus Tyros stammenden Bronzeschmied, anfertigen lassen. Der Text, der die Säulen und ihre Verzierungen beschreibt, findet sich im 1. Buch der Könige im Rahmen der Baubeschreibung des Tempels und in einer Parallelstelle bei Jeremia . Der hebräische Text im Buch Könige ist verderbt und schwer verständlich.

Beschreibung Die Säulen waren aus Bronze gegossen und innen hohl. Die Höhe betrug nach der biblischen Beschreibung 18 Ellen, etwa 9 Meter, der Umfang 12 Ellen, etwa 6 Meter. Die Wandstärke wird mit 4 Fingerbreit (= ca. 7,5 cm) angegeben. Oben waren sie von doppelten Kapitellen bekrönt. Die Verzierungen waren floral, das obere Kapitell in Form einer Lotusblüte, das untere mit Geflecht und Granatäpfeln versehen.

Die Säulen in exegetischer Sicht Namen Dass Säulen Namen haben, ist auch sonst aus dem Vorderen Orient bezeugt.Zu den Namen siehe Die genaue Deutung der Namen bleibt jedoch umstritten. Beide begegnen als Personennamen im Alten Testament (Jachin z. B. in ; Boas in ). Eine These vermutet hinter den Namen der Säulen Götternamen und deutet Jachin als phönizisches Äquivalent zum Tetragramm JHWH (Jahwe) und Boas als Verschreibung von Ba’al, womit die Hauptgötter beider Völker genannt worden wären. Andere Forscher erwägen, dass es sich um zwei Epitheta JHWHs handelt, oder (unter Verweis auf einige Psalmen) um Satzzitate, dass also die Säulen ihre Namen nach dem ersten Wort der auf dieser Säule stehenden Inschrift erhalten hätten. Busink vermutet, dass die Säule Boas ursprünglich Baal („Herr“) als Appellativum für JHWH hieß. Somit bedeutete die Inschrift „JHWH (Ba’al-Boas) [wird dieses Haus] schützen (Jachin)“. Mulder hingegen sieht in den Säulen Relikte kanaanäischer Religion mit Affinität zum Königskult.

Nach aktuellem Forschungsstand weitgehend akzeptiert sind die Herkünfte Jachin, von : „Er wird befestigen.“ Boas, von (Nebenform: ‘oz) (‚Macht/Stärke‘) verbunden mit der Präposition : „Mit Macht“ oder/und – mit zusätzlichem, als Personalsuffix gedeuteten – „In ihm ist Macht.“

Möglicherweise sollen diese Namen betonen, dass die Säulen Dauer und Bestand von Tempel und/oder Königtum zum Ausdruck bringen sollen. Beide Begriffe stammen aus dem weiteren Wortfeld von Schöpfungsaussagen. Zwickel schreibt dazu: „YHWH, der die Erde fest gegründet und das Chaos besiegt hat, ist der Garant für fortdauerndes Leben und Fruchtbarkeit.“ Othmar Keel fragt für die Deutung der Namen nach dem Standort der Säulen. Sind sie als tragendes Element gedacht, bezieht sich „Festmachen“ und „Stärke“ auf die Säulen selbst; stehen sie frei vor dem Tempel, weisen die Namen auf die Eigenschaften Gottes oder den König als Erhalter hin.

Symbolik (nach Wolfgang Zwickel) Die beiden Säulen, deren Kapitelle mit Blüten- und Fruchtsymbolen behängt waren, sollten Bäume verkörpern. Zusammen mit dem Ehernen Meer und den zehn Kesselwagen symbolisierten sie den Kosmos und feierten JHWH als den Schöpfer und Erhalter der Welt.

Bibelstelle

Rezeption Synagogenarchitektur Das Motiv der Säulen Jachin und Boas wurde im Synagogenbau öfter verwendet; es findet sich auch als Dekorationselement auf liturgischen Gegenständen.

Jachin und Boas in der Synagoge zu Worms mini|Innenraum der Wormser Synagoge mit den beiden Mittelsäulen. An der hinteren Säule die Stifterinschrift, die das Baujahr 1174/1175 ergibt und mit Zitaten aus 1 Könige 7 spielt: „Den Perlenschmuck der beiden Säulen verfertigte er ohne lässige Hände, auch die kugeligen Knäufe, an denen er die Lampen aufhängte.“ Auf den beiden Mittelstützen des Innenraums wurden Inschriften angebracht, die diese Säulen als Jachin und Boas identifizieren. Der romanische Synagogenbau wurde von einer christlichen Bauhütte ausgeführt. Wie diese Identifizierung der Säulen zwischen dem Bauherren, der Synagogengemeinde, und den Handwerkern abgesprochen war, ist nicht näher bekannt. Doch scheinen auch die beiden freistehenden Pfeiler am Nordportal des Wormser Domes auf Jachin und Boas anzuspielen. mini|Cymbalista Synagoge, Campus der Universität Tel Aviv

Cymbalista-Synagoge, Campus der Universität Tel Aviv Der Synagogenbau (1988) des Tessiner Architekten Mario Botta nimmt deutlich Bezug auf die Architektur des Salomonischen Tempels und wurde vorbildhaft für andere Synagogen-Neubauten. „Dieses Monument mit seinen Kubus und Zylinder zum kosmischen Symbol vereinenden Zwillingstürmen erscheint wie eine moderne Kreuzritterburg oder – dank den beiden an Boas und Jachin erinnernden Eingangspfeilern – wie eine eigenwillige Interpretation des Salomonischen Tempels und darf als Quintessenz der jüdischen Sakralarchitektur von der Prager Altneuschul bis hin zu Louis Kahns unrealisiert gebliebener Hurva-Synagoge in Jerusalem gelten.“

mini|hochkant=1.0|Säulenpaar mit den Inschriften und , Würzburger Dom, ursprünglich in der Vorhalle, um 1230

Kirchenarchitektur In romanischen Kirchen finden sich nichttragende Säulenpaare, die z. T. als Jachin und Boas beschriftet sind. Eine berühmte Wiederaufnahme dieses Motivs sind die von 1724 bis 1730 geschaffenen Triumphsäulen vor der Wiener Karlskirche.

Jachin und Boas im Würzburger Dom Die beiden romanischen Säulen sind nach Mehrheitsmeinung der Fachleute um 1230 für die Vorhalle des Würzburger Doms angefertigt worden und stellten eine symbolische Verbindung zwischen dem Kirchenbau und dem Salomonischen Tempel her. 1644 wurde die Vorhalle abgerissen und die beiden Säulen im Südschiff des Doms aufgestellt.

Eine abweichende These vertritt Karlheinz Müller, der die jüdischen Grabsteine erfasst hatte, die in Würzburg nach der Zerstörung der jüdischen Gemeinde sekundär vermauert worden waren. Er stellt das Säulenpaar in diesen Zusammenhang und sieht darin einen Portalschmuck der zerstörten romanischen Synagoge.

Freimaurerei mini|hochkant=1.0|Wandteppich mit den Säulen Jachin und Boaz im Inneren des Deutschen Freimaurer-Museums Die beiden Säulen Jachin (rechts) und Boas (links) sind Symbole der Freimaurerei und repräsentieren die Grundpfeiler der Humanität. Sie werden bei rituellen Tempelarbeiten der Freimaurer als tatsächliche Säulen im Versammlungsraum aufgebaut. Boas war der Urgroßvater Davids, des Königs von Israel.

Jachin war ein Hohepriester, der einen Teil des Tempels geweiht hatte. Die beiden Säulen sollen an die Säulen im Vorhof des biblischen Salomonischen Tempels erinnern, der im Ritual der Freimaurer von Bedeutung ist.

mini|Lebensbaum mit Jachin und Boas in der Hermetischen Kabbala Sonstiges Außerdem tragen folgende biblische Personen die Namen Jachin und Boas:

Jachin Sohn Simeons: 1. Mose 46,10 Ein Priester: 1. Chronik 9,10 (eventuell gleiche Person?)

Boas „Löser“ Ruths: Boas, Vorfahre Jesu: Matthäus 1,5

Literatur

Weblinks

Abbildung von Jachin und Boas (Rekonstruktion) in: Hartmann/Wissenschaftliches Bildarchiv für Architektur

Einzelnachweise

Kategorie:Skulptur (Judentum) Kategorie:Bronzeskulptur Kategorie:Säule in Israel Kategorie:Jerusalemer Tempel Kategorie:1. Buch der Könige Kategorie:Freimaurerei und Religion Kategorie:Freimaurerisches Symbol Kategorie:Skulptur (10. Jahrhundert v. Chr.) Kategorie:Erbaut in den 950er Jahren v. Chr. Kategorie:Zerstört in den 580er Jahren v. Chr.