Die Gebirgs- oder Höhenzugsbezeichnung Jura wird heute vor allem für den nordwestlich des Alpenkammes und des schweizerischen Mittellandes liegenden Französischen Jura ( []) und den Schweizer Jura verwendet, die eine geologisch-tektonische Einheit bilden.
Im weiteren Sinne gehören auch die Schwäbische und die Fränkische Alb zu den gesamten Juragebirgszügen, die sich von den südlichsten Juraketten westlich des Lac du Bourget in der Nähe von Chambéry zur Klus der Rhone südwestlich von Genf und bis nach Coburg in Oberfranken erstrecken.
Bedeutungsfeld Jura-Höhenzüge mini|Satellitenbild des Juras Vor allem im 19. Jahrhundert wurde seitens der Geologie auch für die Schwäbische Alb und die Fränkische Alb oder für Teile dieser Gebirge die Bezeichnung Jura verwendet und geprägt, heute geschieht dies auf Deutsch nur noch selten – diese Bezeichnungen haben sich dort nicht durchgesetzt. Die Zuordnung der im hoch- und niederalemannischen Mundartgebiet nördlich des Hochrheins liegenden Jurazüge (Klettgaujura, Randen, Baarjura) ist nicht eindeutig. Des Öfteren werden vor allem Baarjura («Baaralb») und Randen als Teil der Schwäbischen Alb betrachtet, was insofern inkorrekt ist, als die Südwestgrenze Schwabens bei Tuttlingen und Spaichingen verläuft und der Randen grösstenteils auf Schweizer Staatsgebiet liegt. Korrekt ist diese Einbeziehung aber hinsichtlich der Tatsache, dass Baarjura, Randen und Klettgaujura mit dem Jura der Schwäbischen Alb eine geologisch-tektonische Einheit bilden: Sie zählen allesamt zu einem einheitlichen Gebiet leicht schräggestellter und ungefalteter Juraschichten, die durch Erosion Schichtstufen ausbildeten. Diese Gebiete finden jedoch wiederum ihre Fortsetzung südlich des Hochrheins in Gebieten, die zum Schweizer Jura gezählt werden und dort – im Gegensatz zum Faltenjura – Tafeljura genannt werden. Während die Jurazüge mit ungefalteten Schichten jedoch auf die Aufwölbung des Gebietes zwischen Paris und Böhmerwald zurückgehen (siehe Südwestdeutsches Stufenland), steht der Faltenjura in direktem Zusammenhang mit der Bildung (Faltung) der Alpen, er kann sogar als kleiner Ausläufer der Alpen angesehen werden, der sich in Savoyen gegen Norden von deren Gebirgsmassiv trennt.Vgl. auch Martin Burkhard: Strukturgeologie und Tektonik im Bereich AlpTransit. Vorerkundung und Prognose der Basistunnels am Gotthard und am Lötschberg 21, 1999 (; 533 kB).
Der Unterschied zwischen Schweizer Jura und Schwäbischer Alb im weiteren Sinne rührt von den heutigen politischen Grenzen her und hat keine geologische Grundlage – der sich dieser Gegenüberstellung annähernde, signifikante Gegensatz ist derjenige zwischen Faltenjura und Tafeljura. Der Tafeljura ist Teil des Südwestdeutschen und Französischen Schichtstufenlandes, welche beide zusammen ein Antiklinal-Schichtstufenland bilden. Der ungefaltete Jura östlich des Oberrheingrabens (Basler und Aargauer Tafeljura, Schwäbische Alb etc.) hat sein notwendiges Gegenüber in den ungefalteten Jurazügen des Französischen Schichtstufenlandes westlich des Oberrheingrabens. Auch dieses Gebiet reicht bis an den Faltenjura des Französischen und Schweizer Jura heran. In der Schweiz liegt die Ajoie bereits im Gebiet des ungefalteten Juras (in der Schweiz auch hier Tafeljura genannt). Der Tafeljura des Aargaus, des Randen, der Schwäbischen Alb usw. hat also geologisch mehr mit dem Tafeljura von Ajoie, Burgundischer Pforte und Nordfranzösischem Schichtstufenland gemeinsam als mit dem Faltenjura des Schweizer und Französischen Juras.
Das hier behandelte Juragebirge (Französischer und Schweizer Jura) besteht überwiegend aus Faltenjura; kleinere Gebiete des Tafeljuras vor allem in der Schweiz im Nordosten (Gebiete am Hochrhein) und im Nordwesten (Ajoie, Burgundische Pforte) werden aber hier, wie auch sonst üblich, mitbetrachtet.
Name Ursprünglich stammt das Wort Jura aus dem Keltischen. Die Kelten nannten das Gebirge Jor, die Römer Juris, was so viel wie Wald oder Waldland bedeutet. Dies geschah vielleicht in Anlehnung an die ausgedehnten Wälder an den Hängen des Juras.
Die Namensgebung für die deutschen Jura-Landschaften leitet sich vom französisch-schweizerischen Jura ab, allerdings über den geologischen Umweg der Gesteinsbenennung. Zunächst wurde von Alexander von Humboldt um 1795 der Begriff Juragestein eingeführt für das im namensgebenden französisch-schweizerischen Jura anstehende Kalkgestein. Anschliessend wurde der Begriff Jura von Alexandre Brongniart (1829) zur Benennung der zugehörigen geologischen Gesteinsschicht übernommen. Erst später wurden die Schwäbische Alb und Fränkische Alb wegen ihres geologischen Aufbaus ebenfalls als Jura-Gebirge bezeichnet.Georg Wagner: Einführung in die Erd- und Landschaftsgeschichte. Verlag der Hohenlohe’schen Buchhandlung F. Rau, Öhringen 1950.
Lage und Topografie
Der Hauptteil des Juras befindet sich beidseits der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz. Grob kann man den Jura im Osten und Südosten durch das Schweizer Mittelland, im Norden durch den Hochrhein und die Oberrheinische Tiefebene, im Nordwesten durch die Burgundische Pforte, im Westen durch die Rhône-Saône-Senke, im Süden durch die Isère und die Chartreuse eingrenzen.
Der Jura ist ein geologisch junges Faltengebirge mit einer Längenausdehnung von etwa 300 km. Es beschreibt einen grossen halbmondförmigen, nach Südosten offenen Bogen (Arc Jurassien, Jurabogen). Die südlichste Jurafalte ist die Chaîne du Ratz, die bei Voreppe in Frankreich an der Isère beginnt und sich nach Nordosten parallel zum voralpinen Gebirge der Chartreuse zieht. Sie ist zwar deutlich niedriger als die Berge der Chartreuse, aber nur durch ein schmales Tal von diesen getrennt. Die zweite Jurafalte, die Montagne de l’Epine, beginnt beim Ort Les Échelles und zweigt bei Chambéry (Savoyen) von den Alpen in nördlicher Richtung ab. Je weiter man nun nach Norden kommt, desto mehr Ketten gesellen sich dazu und bilden ein ganzes Gebirgssystem. Westlich von Genf erreicht der Jura bereits eine Breite von 40 km. Hier vollzieht sich die allmähliche Richtungsänderung der Ketten nach Nordosten. Auf der Linie Besançon–Yverdon-les-Bains beträgt die grösste Breite des Gebirges rund 70 km. Bei Biel/Bienne ändern die Ketten ihre Richtung immer mehr nach Osten, das Gebirgssystem wird rasch schmaler, und die Zahl der nebeneinander liegenden Ketten nimmt ab. Die östlichste Jurakette, die Lägernkette, verläuft schliesslich in exakter West-Ost-Richtung und endet bei Dielsdorf im Kanton Zürich, indem die gebirgsbildenden Schichten unter die Molasse des Schweizer Mittellandes abtauchen.
Betrachtet man einen Querschnitt durch das Gebirge, so erreicht der Jura seine grössten Höhen meist in der südöstlichsten, direkt an das Mittelland grenzenden Kette. Von da an stuft sich das Gebirge in Richtung Nordwesten allmählich ab. Vom Schweizer Mittelland aus gesehen, erscheint der Jura daher als hoher, kaum gegliederter Kamm. Höchster Punkt ist der Crêt de la Neige (), dann folgen Reculet () und Colomby de Gex (), alle in Frankreich im Gebiet nordwestlich von Genf gelegen, genauso wie der etwas niedrigere Grand Crêt d’Eau (). Im schweizerischen Teil des Juras sind die Erhebungen Mont Tendre (), La Dôle (), Chasseron () und Chasseral () besonders markant. Zahlreiche weitere Kämme weisen Gipfelhöhen zwischen 1000 und 1600 m auf. Im östlichsten Teil des Juras sind die Gipfel durchweg niedriger als 1000 m.
Mit einem Anteil von 70 % (9903 km²) liegt der Jura überwiegend in Frankreich.. L’Observatoire des Territoires. In der Schweiz macht der Jura etwa 10 Prozent (4200 km²) der Landesfläche aus. Anteil am Gebirgssystem haben die Kantone Waadt, Neuenburg, Jura, Bern, Solothurn, Basel-Landschaft, Aargau und Zürich. Ferner hat der Kanton Schaffhausen mit dem Randen Anteil am Tafeljura nördlich des Hochrheins.
Geologie Sedimente Das Juragebirge ist namensgebend für das geologische Zeitalter Jura, das von rund 200 bis 145 Millionen Jahren BP andauerte. Bereits im vorangehenden Zeitalter der Trias und dann während der ganzen Jurazeit befand sich südlich des kristallinen Sockels der Vogesen und des Schwarzwaldes, beides wesentlich ältere Gebirge als der Jura und die Alpen, ein tropisches Flachmeer, bekannt unter dem Namen Tethys oder Urmittelmeer. In den seichten, von Zeit zu Zeit trockenfallenden Buchten am Nordrand des Meeres verdunstete viel Wasser und schuf bedeutende Steinsalzlager (heute genutzt bei Schweizerhalle und Rheinfelden) und Gipslager (im Aargauer Jura).
In dem bis 200 m tiefen Flachmeer wurden im Lauf der Zeit mächtige Sedimentschichten abgelagert. Zwei Drittel davon waren Kalkstein, der Rest bestand aus zahlreichen darin eingeschalteten Mergel- und Tonschichten. Es gibt in der Jurazeit drei stratigrafische Einheiten (Serien), deren harte, verwitterungsbeständige Gesteinsschichten landschaftsbildend sind: Malm: oberste, jüngste Schicht, vor 161 bis 145 Millionen Jahren abgelagert, auf Grund der hellen Kalksteine auch weisser Jura genannt. Dogger: mittlere Schicht, vor 175 bis 161 Millionen Jahren abgelagert, auch brauner Jura genannt wegen des teilweise darin vorkommenden Brauneisens. Lias: unterste, älteste Schicht, vor 200 bis 175 Millionen Jahren abgelagert, wegen der darin enthaltenen dunklen Tonminerale auch schwarzer Jura genannt.
Am Ende der Jurazeit kam es zu einer Regression des Meeres, das sich allmählich nach Südwesten zurückzog. Relativ geringmächtige Meeresablagerungen aus der nachfolgenden Kreidezeit gibt es deshalb nur im Jura westlich von Biel.
Jede dieser Gesteinsschichten enthält zahlreiche Fossilien, manche sind dabei nur für bestimmte Schichten charakteristisch, so genannte Leitfossilien. Im Jura wurden auch viele Reste von Saurierskeletten gefunden, vor allem Meeres- oder Ichthyosaurier. In der Nähe von Lyon kamen sogar versteinerte Fussabdrücke von Dinosauriern zum Vorschein.
Entstehung des Gebirges (Jurafaltung) Die Schweizer Jurafaltung hängt eng mit der letzten Phase der Alpenbildung zusammen. Da auch die jüngsten vorhandenen Sedimente des Miozäns verfaltet sind, muss die Faltung im späten Miozän und im Pliozän stattgefunden haben, das heisst in der Zeit vor etwa 10 bis 2 Millionen Jahren. Durch den Schub im Zusammenhang mit der Verschiebung des afrikanischen Kontinents nach Norden, der mit der Alpenbildung einherging, wurden auch die nordwestlich der mit Molasseablagerungen aufgefüllten Geosynklinale des Schweizer Mittellandes, das bis in das französische Mittelgebirge und das nördliche Alpenvorland reicht, wieder an die Oberfläche vordringenden älteren Gesteinsschichten der Jurazeit aufgeworfen und verfaltet. Das kristalline Grundgebirge erfuhr keine Faltung. Die Abscherungsfläche, also die Gleitschicht zwischen den unverfalteten und den verfalteten Gesteinsschichten, bildeten die Steinsalz- und Anhydritschichten aus der Triaszeit. Der Gesamtwert des Zusammenschubs variiert zwischen 2 und etwa 35 Kilometern (im Querschnitt im Bereich nördlich von Genf, Mont Tendre, Risoux und angrenzende Ketten).Arnfried Becker: Der Faltenjura: geologischer Rahmen, Bau und Entwicklung seit dem Miozän. In: Jahresberichte und Mitteilungen des Oberrheinischen Geologischen Vereins. Band 82, 2000, S. 317–336, doi:10.1127/jmogv/82/2000/317; H. Laubscher: Ein neues Konzept für das Verhalten der eozänen Tafeljuragräben bei der spätmiozänen Jurafaltung: Der Therwil-Witterswil-Dittingen-Grabenzug (bei Basel/Schweiz) als Muster der Grabenverfaltung. In: Naturforschende Gesellschaft in Basel. Band 8, 2004, S. 167–180.
Landschaftsformen mini|Teil des Faltenjuras im Kanton Solothurn
Aufgrund der Art und der Erosion der Verfaltung unterscheidet man zwei tektonische Haupteinheiten, die sich auch im Landschaftsbild abzeichnen, den Faltenjura und den Tafeljura.