mini|hochkant|Das Watt ist gekennzeichnet durch stetigen Wechsel von Wasser und Landmini|Nordfriesisches Wattenmeer: in der Bildmitte Hallig Süderoog, dahinter die Insel Pellworm, davor SüderoogsandDas Wattenmeer der Nordsee ist eine im Wirkungsbereich der Gezeiten liegende, etwa 11.500 km² große, rund 500 km lange und bis zu 40 km breite Landschaft zwischen Skallingen, Dänemark, im Nordosten und Den Helder, Niederlande, im Südwesten.Weltnaturerbe Wattenmeer, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV), 9. Oktober 2020. Den bei Niedrigwasser freiliegenden Grund der Nordsee bezeichnet man als Watt. Es ist das größte Wattenmeer der WeltWadden Sea, UNESCO. und wurde 2009 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.
Das Watt wird zweimal am Tag während des Hochwassers überflutet und fällt bei Niedrigwasser wieder trocken, wobei das Wasser oft durch tiefe Ströme (Priele) abfließt. Der zeitliche Abstand zwischen einem Hochwasser und einem Niedrigwasser beträgt durchschnittlich sechs Stunden und zwölf Minuten. Das vor etwa 7500 Jahren entstandene Wattenmeer hat eine der höchsten Primärproduktionsraten in der Welt. Es dient daher vielen Vögeln und Fischen als Rastplatz und Nahrungsquelle.
Naturschutzrechtliche Einordnung Fast das gesamte Wattenmeer steht unter Naturschutz. Das nordfriesische Wattenmeer wurde am 22. Januar 1974 als ein 1390 km² großes Naturschutzgebiet ausgewiesen; es war seinerzeit Deutschlands größtes Naturschutzgebiet. Durch diesen Schutzstatus konnte das natürliche Vorland der Hamburger Hallig erhalten und die Eindeichung der Nordstrander Bucht reduziert werden. Dieser Naturschutzstatus erwies sich als wegweisend für die im Jahre 1985 vollzogene Gründung des Nationalparks Wattenmeer. Er gilt als ein Beispiel für erfolgreichen Naturschutz und für eine gelungene Koexistenz des Menschen und der Natur.
Der zu Deutschland gehörende Teil des Nationalparks Wattenmeer besteht aus dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer. Nicht zum Nationalpark zählen die großen, als Schifffahrtsrouten wichtigen Flussmündungen einschließlich das Wattgebiet im Gebiet der Freien und Hansestadt Bremen. Der dänische Nationalpark Vadehavet wurde am 16. Oktober 2010 eingeweihtNationalpark Vadehavet., das Wattenmeer der Niederlande unterliegt einem komplexen Geflecht aus verschiedenen Schutzmaßnahmen.
In der Wattenmeer-Region gibt es drei UNESCO-Biosphärenreservate; dies sind Modellregionen, in denen beispielhaft innovative Ansätze nachhaltiger Entwicklung erprobt und realisiert werden. Diese gliedern sich in
Biosphärenreservat Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen Biosphärenreservat Hamburgisches Wattenmeer Biosphärenreservat Niedersächsisches Wattenmeer
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der nachhaltigen Bewirtschaftung der Inseln und Halligen, der Nutzung regenerativer Energiequellen sowie der Weiterentwicklung eines naturverträglichen Tourismus. Auch Bildungsarbeit im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung wird durchgeführt.
Die Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Niedersächsisches Wattenmeer sowie der niederländische Wattenmeerbereich gehören seit 2009 zum UNESCO-Welterbe. 2011 wurde auch der Nationalpark Hamburgisches WattenmeerPressemitteilung der UNESCO, 26. Juni 2009 und 2014 der dänische Nationalpark Vadehavet sowie eine seewärtige Erweiterung in Niedersachsen in die Liste der Weltnaturerbe aufgenommenEintrag auf der UNESCO-Liste zum Wattenmeer (englisch).
Nach der Bewertung der UNESCO ist das Wattenmeer eines der letzten verbliebenen großräumigen Gezeitenökosysteme, in denen natürliche Prozesse weitgehend ungestört ablaufen. Es besteht aus einem großen, gemäßigten und relativ flachen Küstenfeuchtgebiet mit einer Vielzahl von Übergangslebensräumen mit Gezeitenkanälen, sandigen Untiefen, Seegraswiesen, Muschelbänken, Sandbänken, Wattenmeer, Salzwiesen, Flussmündungen, Stränden und Dünen und beherbergt zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, darunter Meeressäuger wie Seehund, Kegelrobbe und Schweinswal.
Die Wattenmeerküste der Nordsee wurde 2006 in die Liste der 77 ausgezeichneten Nationalen Geotope aufgenommen.Alexander Bartholomä, Burghard W. Fleming: Übergang zwischen Land und Meer – Die Wattenmeerküste an der Nordsee. In: Ernst-Rüdiger Look, Ludger Feldmann (Hrsg.): Faszination Geologie. Die bedeutende Geotope Deutschlands. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2006, ISBN 3-510-65219-3, S. 18f.
Einflüsse von Geofaktoren mini|Lage des Wattenmeers in der Deutschen Bucht mini|Unterschiedliche Entstehungsgeschichten bedingten unterschiedliche Inselformen im südwestlichen, dem zentralen und dem nördlichen Wattenmeer mini|500px|Unterschiedliche Habitate
Das Wattenmeer liegt im südöstlichen Teil der Nordsee in der Deutschen Bucht. Es erstreckt sich entlang der gesamten Küste vom niederländischen Den Helder über die niedersächsische, bremische und schleswig-holsteinische Nordseeküste bis nach Blåvand in Dänemark. Etwa 30 % des Gebiets liegt unter niederländischer, 60 % unter deutscher und etwa zehn Prozent unter dänischer Jurisdiktion.International Maritime Organization: „Identification and Protection of Special Areas and Particularly Sensitive Sea Areas. Designation of the Wadden Sea as a Particularly Sensitive Sea Area. Submitted by Denmark, Germany and the Netherlands.“ als PDF S. 1–8
Das Wattenmeer umfasst rund 50 (friesische) Inseln. Die von Gletschermoränen gebildeten größeren Inseln formen vom südwestlichen Ende des Wattenmeeres bis zu seinem nordöstlichen Ende eine Kette von Barriereinseln. Die weiteren, kleineren Inseln, die innerhalb der Barriereinseln und vor der nordfriesischen Küste liegen, die sogenannten Halligen Marschinseln, sind teilweise Reste einer ehemaligen Salzmarsch, der vom Meer zerstört wurde.
Südliches Wattenmeer Im südlichen Teil von Den Helder über die Ems bis hin zur Wesermündung liegt das Wattenmeer hinter Barriereinseln, die aus Sandbänken entstanden sind (Ostfriesische Inseln und Westfriesische Inseln). Die Breite des Wattenmeers reicht hier von sechs Kilometern zwischen den Ostfriesischen Inseln und dem Festland bis hin zu 40 oder 50 Kilometern in großen Buchten wie dem Jadebusen, dem Dollart oder der Leybucht. Teilweise wurden in den Niederlanden auch große Buchten ganz eingedeicht und so dem direkten Einfluss des Meeres entzogen; bekanntestes und größtes Beispiel hierfür ist das IJsselmeer.
Nordwestlich (seewärts) von Texel und von Borkum liegen Gesteinsriffe, die der Erosionskraft der See widerstanden haben. In deren Strömungsschatten konnten sich Sandbänke bilden, aus denen im Laufe der Zeit die West- beziehungsweise Ostfriesischen Inseln entstanden. Durch diese Sandbänke beziehungsweise durch die späteren Inseln war der breite Saum zwischen diesen und dem Festland vor der Brandung geschützt, und Sedimente wurden nicht wieder fortgespült.
Durch die Meeresströmungen bildeten sich Sandbänke, die sich im südlichen Wattenmeer zu Barriereinseln auftürmten (Ostfriesische und Westfriesische Inseln). Dabei verläuft dieser Prozess kontinuierlich. In den letzten Jahrhunderten beispielsweise verschwanden Bant und Buise im Meer, dafür entstanden Memmert und die Kachelotplate. Andere Sandbänke wie Lütje Hörn können sich anscheinend nicht dauerhaft etablieren.
Diese Inseln und Sandbänke schützten die dahinter liegende Küste. Durch Ablagerungen aus den Flüssen und dem Meer, die sich auf dem sehr flachen Küstenprofil ansammelten, entstand Schlick- und Sandwatt. Dabei sind diese Sandbänke umso größer und länger, je weniger ausgeprägt der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser ist. So sind die westlichsten Inseln, die der Nordsee-Amphidromie am Ärmelkanal am nächsten liegen, am größten, während sich im gezeitenverstärkenden Trichter der zentralen Deutschen Bucht nur noch vergleichsweise kleine Sandbänke bilden.
Zentrales Wattenmeer Von der Weser- über die Elb- bis zur Eidermündung und nach Eiderstedt erstreckt sich das zentrale Wattenmeer, bei dem Wattenmeer, Nordsee und die Flussmündungen direkt ineinander übergehen. Hier bilden die Gezeiten vor allem Sandbänke, die sich aber kaum zu Inseln entwickeln konnten. Einige kleinere Inseln und Sandbänke wie der Große Knechtsand, Mellum, Neuwerk oder Trischen bilden eine lückenhafte, stark zerbrochene Barriere, in deren Strömungsschatten sich ausgedehnte Wattgebiete entwickelten.
Während die Gestalt des nordfriesischen Wattenmeers maßgeblich durch zahlreiche eiszeitliche Ablagerungen geprägt war, sorgten weiter südlich die schmelzenden Gletscher für den Abtrag von Sedimenten. Das Schmelzwasser, das durch die späteren Mündungsgebiete von Eider, Elbe und Weser floss, trug die Küstenablagerungen ab. Die glaziale Schicht in diesem Bereich des Wattenmeers liegt zehn Meter tiefer unter dem Meeresspiegel als weiter nördlich. Die Priele sind tiefer, zahlreicher und oft mächtiger. Zeitweise reichte die Küste bis direkt an den geschlossenen Geestrand. Die Sedimente, die sich danach hier ablagerten, sind wesentlich jünger als im Norden, die Sedimentschicht ist dicker. Da sich weit weniger Moore und Sümpfe bildeten als im nördlichen Wattenmeer, ist das Land stabiler, einmal gewonnenes Land ist – im Gegensatz zu Nordfriesland – kaum mehr an die See verloren worden.
Hochsand und Sandbänke, die sich hier bilden, sind hochdynamisch und verlagern sich mehrere Meter im Jahr ostwärts auf die Küste zu. Versuche, sie wie in den 1930er Jahren in Trischen zu befestigen, schlugen fehl. Mittlerweile treten die Anlagen, die ursprünglich auf der Ostseite zum Land hin gebaut wurden, am westlichen seewärtigen Watt wieder zu Tage. Sandbänke können hier wie Tötel oder Tertius ganz verschwinden, wenn der Sedimenteintrag nachlässt oder sie auf ihrem Weg zur Küste einen tiefen Priel überqueren mussten. Andererseits legen Beobachtungen der letzten zwanzig Jahre nah, dass sich weiter seewärts auch regelmäßig neue Hochsande bilden, die dann wieder die Reise an die Küste antreten.
Nördliches Wattenmeer Nördlich von Eiderstedt bis hin nach Blåvand liegt das nördliche Wattenmeer. Hier befindet sich das Wattenmeer im Schutz der Nordfriesischen Geestkern- und Marscheninseln, die ursprünglich Teil des Festlandes waren und durch Sturmfluten zu Inseln wurden.