mini|Funkhaus Stuttgart mini|Funkhaus Mainz mini|Funkhaus Baden-Baden alt=Logo des SWR seit 11. September 2023|mini|Aktuelles Logo seit 11. September 2023, Version mit ARD-Dachmarke mini|Logo des SWR bis 28. Februar 2011 mini|Das Logo des SWR von November 2015 bis September 2023Logos des SWR, abgerufen am 22. Dezember 2015. mini|Eine alte Farbvariante des Senderlogos

Der Südwestrundfunk (SWR) ist eine Landesrundfunkanstalt für die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Er entstand 1998 als Fusion aus Süddeutschem Rundfunk und Südwestfunk und hat mit Baden-Baden, Mainz und Stuttgart drei Hauptstandorte, wobei letzterer als Verwaltungssitz dient. Der SWR ist nach dem WDR die zweitgrößte Rundfunkanstalt der ARD und eine Anstalt des öffentlichen Rechts.

Auftrag Der SWR ist die Landesrundfunkanstalt der Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Sein Programm soll die Bürger dieser Länder informieren, bilden, beraten, unterhalten und insbesondere Beiträge zur Kultur anbieten. Ein Beitritt des Saarlands ist nach § 40 des SWR-Staatsvertrags möglich, geschieht jedoch nicht, weil das Saarland mit dem Saarländischen Rundfunk (SR) eine eigene Rundfunkanstalt besitzt.

Geschichte Der SWR wurde zum 1. Januar 1998 zunächst als Neugründung durch die beiden Bundesländer geschaffen. Am 30. August 1998 übernahm er den Sendebetrieb von SDR und SWF. Nach einer einmonatigen Abwicklungsphase wurde der SWR am 1.10. auch Rechtsnachfolger seiner Vorgängeranstalten. Diesen Weg hatten die Landesregierungen einer bloßen Zusammenführung zweier Anstalten, wie sie etwa 2003 bei der Fusion von SFB und ORB zum RBB praktiziert wurde, vorgezogen. Der Staatsvertrag über den Südwestrundfunk war bereits am 31. Mai 1997 unterzeichnet worden. Im Staatsvertrag sind die Pflicht zur Objektivität und Pluralität seiner Berichterstattung sowie der kulturelle Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verankert.

Intendant des Senders wurde 1998 der bis dahin amtierende Intendant des SWF, Peter Voß. Am 1. Dezember 2006 wurde der vorherige Verwaltungsdirektor Peter Boudgoust zum Intendanten gewählt. Er führte das Amt vom 1. Mai 2007 bis 31. August 2019. Ihm folgte der heute amtierende Intendant Kai Gniffke.

Weg zur Fusion Durch die Fusion wurde der südwestdeutsche Rundfunk-Sonderfall beendet. Bis 1998 hatte Baden-Württemberg als einziges deutsches Bundesland zwei verschiedene Landesrundfunkanstalten für den nördlichen und südlichen Landesteil – von denen eine zusätzlich noch für ein anderes Bundesland zuständig war. Dies war historisch begründet: Der SWF war nach dem Zweiten Weltkrieg als Sender für die französische Besatzungszone mit den Ländern Baden, Württemberg-Hohenzollern und Rheinland-Pfalz gegründet worden, der SDR für das Land Württemberg-Baden der amerikanischen Besatzungszone. 1952 schlossen sich die Länder Baden, Württemberg-Hohenzollern und Württemberg-Baden zum neuen Land Baden-Württemberg zusammen, ohne dabei die Rundfunkzuständigkeit zu verändern.

Während beide Anstalten (und der Saarländische Rundfunk (SR)) beim Fernsehen und ab 1968 auch bei den Kultur-Hörfunkprogrammen (SWF 2, SDR 2, SR 2) von Anfang an eng kooperierten, beschränkte sich die Kooperation im übrigen Hörfunk auf einzelne Gemeinschaftssendungen. Unterschiedliche Unternehmenskulturen und Programmphilosophien sowie der Umstand, dass in einem Großteil Baden-Württembergs sowohl die Programme des SWF als auch die des SDR empfangbar waren und genutzt wurden, führten zu einer Konkurrenz der beiden Anstalten und einem bisweilen offenen Werben um „Fremdhörer“. Besonders ausgeprägt war das Konkurrenzverhältnis zwischen den Machern und Hörern der beiden Popwellen SWF3 und SDR 3.

Bereits seit den 1970er Jahren wurden verschiedene Szenarien für eine Neuordnung des Rundfunks im Südwesten diskutiert. Dabei standen vor allem zwei Modelle im Vordergrund, zum einen die Fusion von SDR, SWF und SR zu einer Dreiländeranstalt nach Vorbild des Norddeutschen Rundfunks, zum anderen die Auflösung des Südwestfunks mit der Erweiterung der SDR-Zuständigkeit auf ganz Baden-Württemberg und der des SR um Rheinland-Pfalz. Da es gegen jedes dieser beiden Modelle erhebliche Widerstände gab – den einen war eine Dreiländeranstalt zu groß, den anderen eine Rundfunkanstalt nur für Rheinland-Pfalz und das Saarland zu klein –, wurde der Status quo beibehalten. 1988 startete der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth eine erste Initiative zur Fusion von SDR und SWF ohne Beteiligung des Saarlands. Zwar scheiterte dieser Ansatz, jedoch wurden SDR und SWF 1991 zur Fusion ihrer beiden Kulturprogramme (aus SDR 2 und SWF 2 wurde so S2 Kultur) und zur Schaffung eines gemeinsamen vierten Hörfunkprogramms für Baden-Württemberg (S4 Baden-Württemberg) verpflichtet. Die Kooperation mit dem SR im Hörfunkbereich wurde einseitig aufgekündigt, im Fernsehbereich aber fortgesetzt. 1997 startete das gemeinsam veranstaltete, zunächst aber nur im Digitalradio DAB verbreitete Jugendradioprogramm Dasding.

Nach den Landtagswahlen 1996 starteten beide Intendanten (Peter Voß, Hermann Fünfgeld) und beide Ministerpräsidenten (Erwin Teufel, Kurt Beck) eine neue Fusionsinitiative, die 1997 in den Staatsvertrag über den Südwestrundfunk mündete.Siehe hierzu: Norbert P. Flechsig (Hrsg.) Kommentar zum SWR-Staatsvertrag. Besonders im SDR-Sendegebiet und im SDR selbst wurde der Staatsvertrag vielfältig kritisiert, da man ihn als feindliche Übernahme des SDR durch den SWF interpretierte. Tatsächlich wurden nach der Fusion die meisten Zentraleinrichtungen der Anstalt in der ehemaligen SWF-Zentrale in Baden-Baden konzentriert, die meisten Leitungsposten mit ehemaligem SWF-Personal besetzt, ohne dass eine Ausschreibung der fraglichen Stellen oder Wahl stattgefunden hatte. Die neuen Hörfunkprogramme des SWR orientierten sich deutlich stärker an den ehemaligen des SWF als an denen des SDR.

Seit der Fusion Durch die Fusion wurden zwei Landessender im SWR mit weitreichenden Befugnissen und eigenen Strukturen eingerichtet. Fachredaktionen, vor allem des SDR, wurden abgebaut, dafür zahlreiche Korrespondentenbüros im Sendegebiet neu eröffnet. Entsprechend wurden sowohl im Hörfunk wie im Fernsehen themenspezifische Fachsendungen verringert und die regionale Berichterstattung verstärkt.

Im Jahr 2000 durfte der SWR UKW-Frequenzen für sein Jugendprogramm DASDING in Betrieb nehmen, was ihm bis dahin untersagt gewesen war. 2002 startete der SWR sein Informationsprogramm SWR cont.ra. 2005 übernahm er vom RBB die Zuständigkeit für das digitale Fernsehprogramm EinsPlus. Zwischen 2006 und 2008 stellte der SWR den terrestrischen Fernsehsendebetrieb von der alten Analognorm PAL zum neuen Digitalstandard DVB-T um. 2011 startete er mit der Ausstrahlung seiner Hörfunkprogramme im Digitalstandard DAB+. Am 9. Januar 2012 wurde SWR cont.ra durch SWRinfo ersetzt.

Seit dem 30. April 2012 ist das SWR Fernsehen im hochauflösenden HDTV über Satellit empfangbar, das analoge Satellitensignal wurde abgeschaltet.

2007 löste Peter Boudgoust Peter Voß als Intendanten ab, 2011 wurde er wiedergewählt. Unter Boudgoust fuhr der SWR einen konsequenten Sparkurs; so wurden die beiden Sinfonieorchester fusioniert und für das Kulturprogramm SWR2 bis 2020 eine Kürzung des Etats um ein Viertel gegenüber 2010 angekündigt., Horizont.net vom 2. Juli 2010, abgerufen am 22. Mai 2024. Am 23. Mai 2019 wurde Kai Gniffke als Nachfolger von Peter Boudgoust gewählt.

Organisation und Finanzen Kontrollgremien Rundfunk- und Verwaltungsrat Der Südwestrundfunk wird von einem 74-köpfigen Rundfunkrat kontrolliert, dessen Zusammensetzung aus Vertretern gesellschaftlich und politisch relevanter Interessensvertretungen der beiden Bundesländer durch den Staatsvertrag geregelt ist. Der Rundfunkrat überwacht insbesondere auch die Einhaltung der Programmgrundsätze. Er berät die Intendantin oder den Intendanten in allgemeinen Programmangelegenheiten.

Demgegenüber überwacht der 18-köpfige Verwaltungsrat die Geschäftsführung in Bezug auf administrative und finanzielle Angelegenheiten und legt den Haushaltsplan sowie den Jahresabschluss fest. 10 Mitglieder des Verwaltungsrats wählt der Rundfunkrat. Die Landtage und Landesregierungen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz entsenden pro Bundesland drei weitere Verwaltungsratsmitglieder. Zwei weitere Mitglieder entsendet der Personalrat, und zwar eines aus jedem Land.Staatsvertrag über den Südwestrundfunk (PDF; 184 kB), auf SWR.de, abgerufen am 5. Oktober 2024. Vorsitzender des Verwaltungsrates ist seit dem 16. September 2011 Hans-Albert Stechl. Die Zugehörigkeit zu Rundfunkrat und Verwaltungsrat wird mit einer festen monatlichen Aufwandsentschädigung sowie Sitzungsgeldern vergütet.

Intendanz und Direktion Sitz von Intendanz, Verwaltungsdirektion und Landessenderdirektion Baden-Württemberg ist Stuttgart, die Fernseh- und Hörfunkdirektion sowie die Direktion Technik und Produktion sind in Baden-Baden angesiedelt, und das Justitiariat und die Landessenderdirektion Rheinland-Pfalz befinden sich in Mainz.SWR: , auf SWR.de, abgerufen am 22. Mai 2024.

Dem Intendanten unterstellt sind neun Direktoren und Direktorinnen, die für folgende Aufgabengebiete Verantwortung tragen (Dienstort in Klammern):

Jan Büttner: Verwaltung (Stuttgart) Clemens Bratzler: Programmdirektor Information, Sport, Film, Service & Unterhaltung (Baden-Baden) Anke Mai: Programmdirektorin Kultur, Wissen & junge Formate (Baden-Baden) Stefanie Schneider: Landessender Baden-Württemberg (Stuttgart) Ulla Fiebig: Landessender Rheinland-Pfalz (Mainz) Alexandra Köth und Katrin Neukamm: Justitiariat (Mainz) Thomas Dauser: Direktor Innovationsmanagement und Digitale Transformation (Stuttgart) Michael Eberhard: Technik und Produktion (Baden-Baden)Geschäftsleitung 2021, auf SWR.de, abgerufen am 1. Oktober 2021.

Mitarbeiter Der SWR wies ab dem Jahr 2006 insgesamt rund 3650 Mitarbeiter-Planstellen aus (im August 1998 waren es über 4200), dazu kommt eine nicht bezifferte Zahl freier Mitarbeiter ohne Planstelle. Im Jahresdurchschnitt 2018 waren 3582 Mitarbeiter beim SWR beschäftigt.

Der gesamte Personalaufwand des SWR inklusive Altersversorgungsaufwendungen lag 2014 bei 503,537 Millionen Euro. Das Bruttogehalt des Intendanten betrug im Jahr 2013 rund 309000 Euro,Tatjana Coerschulte: Artikel über die Einkommen der Rundfunkintendanten – WDR-Intendant Buhrow erhält fast eine Altersversorgung wie der Bundespräsident in: HNA vom 30. Juli 2014, abgerufen am 4. Oktober 2024. im Jahr 2018 beliefen sich dessen Bezüge auf 356000 Euro.

Der Landesrechnungshof Baden-Württemberg erstellte einen im Jahr 2024 bekanntgewordenen Prüfungsbericht. Darin wird festgestellt, dass das Eigenkapital des SWR verzehrt ist und die Alters- und Pensionsversorgung für SWR-Mitarbeiter eine hohe finanzielle Belastung darstellt. Eine Zweckentfremdung des Rundfunkbeitrags wurde in dem Bericht nicht festgestellt.

Der Landesrechnungshof empfiehlt dem SWR deshalb, Tarifsteigerungen und Versorgungslasten künftig zu begrenzen. Denn die Pensionszahlungen seien maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Eigenkapital des Senders aufgezehrt sei (in: Sonderbericht zum SWR mit dem Schwerpunkt „Betriebliche Altersversorgung und Deckungsstöcke“ für 2013 bis 2019).FAZ.NET: Pensionen fressen den SWR auf. (16. Mai 2024).

Finanzierung Der SWR finanziert sich über Rundfunkbeiträge und Erträge aus der Radiowerbung. Hier eine Übersicht über seine Beitragseinnahmen inklusive der Rückflüsse aus dem Anteil der Landesmedienanstalten am Rundfunkbeitrag: