mini|Typische Rhizome von Sansevieria trifasciata.

Sansevieria ist eine Pflanzengattung aus der Unterfamilie der Nolinoideae in der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) innerhalb der Ordnung der Spargelartigen (Asparagales). Sansevieria ist nahe mit der Gattung Dracaena (Drachenbaum) verwandt und wird manchmal zu dieser gerechnet. Der botanische Name ehrt Pietro Antonio Sanseverino (1724–1772), Fürst von Bisignano, in dessen Garten in La Barra bei Neapel der Botaniker Vincenzo Petagna die Pflanze in Blüte und Frucht sah und 1787 erstmals beschrieb.W. Marais: (350) Proposal to Amend the Entry of 1100. Sansevieria in the List of Nomina Generica Conservanda. Band 22, Nr. 1, 1973, S. 158–159 (online).Urs Eggli, Leonard E. Newton: Etymological Dictionary of Succulent Plant Names. Birkhäuser 2004, ISBN 3-540-00489-0, S. 212. Einige Arten und viele Sorten (zum Teil panaschiert, also mit hellen Streifen auf den Blättern) sind beliebte und leicht zu pflegende Zimmerpflanzen.

Deutsche Trivialnamen sind Bogenhanf oder Schwiegermutterzunge.

Beschreibung Vegetative Merkmale Sansevieria-Arten wachsen als stammlose oder stammbildende, ausdauernde, sukkulente Pflanzen. Sie sind meist immergrün und bilden oft größere Horste, dabei sind sie manchmal nahe der Basis her verzweigt mit unterirdischen Rhizomen oder oberirdischen Ausläufern. Die ungestielten, aufrechten Laubblätter wachsen einzeln bis zu mehreren und dabei zweizeilig oder auch in grundständigen Rosetten zusammenstehend. Die dicke Blattspreite ist sukkulent oder lederig, lanzettlich, linealisch oder bandförmig und flach, oder zylindrisch oder halbzylindrisch und gewöhnlich oberseits mit einer Rinne versehen. Die Spreiten sind manchmal an der Basis etwas verschmälert oder auch blattstielähnlich. Sie sind grün, oft mit helleren Flecken oder Querbändern gemustert und bei Kulturformen können sie auch panaschiert sein. Der Blattrand ist glatt. Sämlinge von Arten mit zylindrischen Blättern, wie auch aus Stecklingen gezogene Jungpflanzen haben kurze, flache Blätter und unterscheiden sich von den ausgewachsenen Pflanzen.

Generative Merkmale Die zwittrigen Blüten stehen in einfach ährigen, rispig verzweigten oder auch in einfach kopfigen dichten Blütenständen zusammen. Die Tragblätter der Blüten haben extrafloralen Nektar. Sie sind gestielt, aktinomorph und oft nächtlich süßlich duftend. Der Blütenstiel ist segmentiert. Die gleichgestalteten Blütenhüllblätter sind an der Basis verwachsen und bilden eine Röhre mit sechs freien Zipfeln. Diese häufig weißlichen Zipfel sind bei der Anthese zurückgerollt. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden, die über die Blütenhülle hinaus verlängert sind und bei geöffneter Blüte durch die zurückgerollten Tepalen herausragen. Der einfache Griffel ist meist so lang oder wenig länger als die Staubblätter. Die Blütenhüllblätter sind weiß, gelblich-weiß, hellrosafarben oder grünlich-weiß. Die Blüten werden in der Nacht häufig durch Motten bestäubt. Nach der Bestäubung wird eine rote oder orangefarbene Beere gebildet, die ein bis drei Samen enthält. Die Blütenstände sind endständig und beenden das Wachstum des jeweiligen Triebes, so dass jeder Trieb nur einmal blüht. Allerdings sind sie nicht hapaxanth, da sie nach der Blüte noch etliche Jahre leben.L.E. Newton: Thoughts on the Sansevieria inflorescence. In: Sansevieria. Jg. 24, 2010, S. 7–10.

Chromosomen Die Basischromosomenzahl der Gattung beträgt oder .Margaret Y. Menzel, James B. Pate: Chromosomes and Crossing Behavior of some Species of Sansevieria. In: American Journal of Botany. Jg. 47, Heft 3, 1960, S. 230–238 (online).

Inhaltsstoffe Aus Blattpresssaft von Sansevieria aethiopica wurde Aconitsäure isoliert. Bei 60 Grad getrocknete Blätter von Sansevieria trifasciata lieferten 0,7 Prozent eines Diesters der Phthalsäure mit einem Molekül Propanol und einem Molekül 1,4-Butandiol.Robert Hegnauer: Chemotaxonomie der Pflanzen: eine Übersicht über die Verbreitung und die systematische Bedeutung der Pflanzenstoffe. Band 7, Birkhäuser Verlag, Basel 1986, ISBN 3-7643-0723-4, S. 564.

Verbreitung und Standorte Sansevieria ist vor allem in Afrika, besonders in Kenia und Tansania, außerdem auf der Arabischen Halbinsel, hier besonders im Jemen und im südlichen Asien, hier auf den Komoren, in Indien, in Sri Lanka und in Myanmar verbreitet. Einige Arten sind in subtropischen Ländern verwildert. Viele Arten werden als Grundstücksbegrenzung im südlichen Florida angepflanzt. Sie haben sich teilweise verselbständigt. Im südlichen Europa und auf den kanarischen Inseln findet sich in Gärten und sonstigen Anpflanzungen eine Vielzahl von Arten, die ebenfalls durch den Menschen hierher gebracht wurden.

Systematik Äußere Systematik Sansevieria gehört zur Tribus Dracaenea aus der Unterfamilie der Nolinoideae in der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen (Monokotyledonen).

Nach traditioneller Auffassung wäre die Gattung Schwestergruppe der Gattung Dracaena

Neuere Ergebnisse haben erwiesen, dass die Arten der Gattung eine monophyletische Gruppe bilden, die aber innerhalb der Gattung Dracaena eingeschachtelt ist, d. h., es handelt sich wohl um eine Klade von Arten mit abweichender Morphologie, die sich aus einer Verwandtschaftsgruppe Dracaena-ähnlicher Vorfahren ausdifferenziert hat. Da die Anerkennung der Gattung somit Dracaena paraphyletisch machen würde, werden die Arten nun meist in diese Gattung einbezogen. Dieser Artikel folgt der traditionellen Taxonomie, die heute noch weiter verbreitet ist. Eine Liste der Arten der Gattung Dracaena (Stand 2020) unter Einschluss von Sansevieria findet sich bei R. Govaerts (WCSP).

Innere Systematik Die Erstbeschreibung als „Sanseverinia“ erfolgte 1787 durch Vincenzo Petagna.Petagna: Institutiones Botanicae. Band 3, 1787, S. 643 (online). Ein Synonym für die Gattung ist Acyntha (1786).

Die Systematik der Gattung Sansevieria ist schwierig, da es viele Kultursorten gibt, die wie Arten bezeichnet wurden, und mit diesen Namen in Pflanzenlisten usw. auftauchen. Folgende Arten gehören zur Gattung Sansevieria:Peter A. Mansfeld. Neugliederung der Gattung Sansevieria (Asparagaceae). In: Kakteen und andere Sukkulenten. Band 64, Nr. 2, 2013, S. 35–38.

Sektion „Sansevieria“ Untersektion „Sansevieria“ Sansevieria aethiopica Sansevieria aubrytiana Sansevieria braunii Sansevieria burmanica Sansevieria concinna Sansevieria conspicua Sansevieria dawei Sansevieria fasciata Sansevieria forskaoliana Sansevieria frequens Sansevieria hyacinthoides (Typusart der Untersektion) Sansevieria liberica Sansevieria longiflora Sansevieria longistyla Sansevieria masoniana Sansevieria metallica Sansevieria nilotica Sansevieria nitida Sansevieria parva Sansevieria pedicellata Sansevieria raffillii Sansevieria roxburghiana Sansevieria senegambica Sansevieria subspicata Sansevieria subtilis Sansevieria trifasciata – von dieser Art gibt es viele Sorten; die wichtigsten sind ‚Hahnii‘ und ‚Laurentii‘ Untersektion „Hastifoliae“ Sansevieria bacularis Sansevieria burdettii Sansevieria canaliculata Sansevieria cylindrica (Typusart der Untersektion) Sansevieria ebracteata Sansevieria eilensis Sansevieria erythraeae Sansevieria gracillima Sansevieria hargeisana Sansevieria pearsonii Sansevieria pfisteri Sansevieria sordida Sansevieria varians Sansevieria volkensii Sansevieria zeylanica Untersektion „Stoloniferae“ Sansevieria ballyi Sansevieria bella Sansevieria caulescens Sansevieria downsii Sansevieria francisii Sansevieria gracilis Sansevieria phillipsiae Sansevieria suffruticosa (Typusart der Untersektion) Sektion „Dracomima“ Sansevieria arborescens Sansevieria ascendens Sansevieria bagamoyensis Sansevieria dumetescens Sansevieria ehrenbergii (Typusart der Sektion) Sansevieria perrotii Sansevieria pinguicula Sansevieria powellii Sansevieria powysii Sektion „Cephalantha“ Sansevieria fischeri Sansevieria formosa Sansevieria hallii Sansevieria humiflora Sansevieria kirkii (Typusart der Sektion) Sansevieria sambiranensis Sansevieria scimitariformis Sansevieria sinus-simiorum Sansevieria stuckyi

Neu beschrieben wurden seit 2013: Sansevieria lineata : Sie kommt in Uganda vor. Sie wurde 2013 erstbeschrieben. Sansevieria lunatifolia : Sie kommt in Kenia vor. Sie wurde 2015 erstbeschrieben. Sansevieria newtoniana : Sie kommt in Uganda vor. Sie wurde 2014 erstbeschrieben.

mini|Fasern bei Sansevieria trifasciata mini|Sansevieria pinguicula, nachtblühend in Florida mini|Sansevieria cylindrica mit zylindrischem Blatt mini|Ausschnitt eines Blütenstandes von Sansevieria kirkii mini|Sansevieria trifasciata 'Golden Hahnii' (Kulturform) mini|Blütenstand einer Sansevieria trifasciata

Botanische Geschichte Als im Jahre 1794 Carl Peter Thunberg die Gattung Sansevieria und zwei dazugehörende Arten Sansevieria aethiopica und Sansevieria thyrsiflora beschrieb,Prodromus Plantarum Capensium, quas in Promontorio Bonae Spei Africes, collegit Carol. Peter. Thunberg. Upsaliae 1794, S. 65 (online). muss ihm eigentlich aufgefallen sein, dass bereits sieben Jahre zuvor, im Jahre 1787, in der von Vincenzo Petagna begründeten Gattung Sanseverinia eine der beiden Arten, nämlich Sansevieria thyrsiflora, generisch beschrieben war.

Die Ähnlichkeit der beiden generischen und spezifischen Namen scheint ein Indiz dafür zu sein, da Thunberg selbst den Namen Sanseverinia benutzte.Carl Peter Thunberg: In: Flora Capensis. Band 2, 1818, S. 322 (online). Anhand des Herbarbeleges in Thunbergs Sammlung haben drei italienische Autoren 2013 zweifelsfrei nachgewiesen, dass Sanseverinia und Sansevieria nur Varianten ein und desselben Namens sind.Bruno Menale, Paolo De Luca, Emanuele Del Guacchio: A plea to restore Petagna’s autorship for the genus Sansevieria, nom. cons. (Liliaceae). In: Taxon 62 (2), April 2013: 387–390.Bruno Menale, Paolo De Luca, Emanuele Del Guacchio: Ein Appell, Petagnas Autorenschaft für die Gattung Sansevieria, nom.cons. (Liliaceae), wiederherzustellen. In: Sansevieria Online, Jg. 2, 2014, Heft 1, 1. Mai 2014, S. 38–44 (online).

Bereits ein Jahr vor Petagna hatte im Jahre 1786 Friedrich Casimir Medicus die Gattung Acyntha aufgestellt.F. C. Medicus: Theodora. 1786, S. 76 (online). Einige Arten wurden bereits 1763 von Michel Adanson unter den damals neuen Gattungsnamen Cordyline gestellt.Michel Adanson: Familles des Plantes. Band 2, 1763, S. 54., 543.

Einem Vorschlag von Hermann August Theodor Harms und anderen Botanikern folgend wurde 1904H. Harms: Vorschlag zur Ergänzung der „Lois de la nomenclature botanique de 1867“, dem in Wien 1905 tagenden Nomenclatur-Kongreß zur Annahme empfohlen. In: Notizblatt des Königl. botanischen Gartens und Museums zu Berlin. Band 4, Appendix XIII, 1904, S. 13, eine Liste von Gattungsnamen veröffentlicht, die entgegen dem unter den Botanikern akzeptierten Prioritätsprinzip aufgrund ihrer weiteren Verbreitung als „nomen conservandum“ bewahrt werden sollten. Unter den von Harms empfohlenen Gattungsnamen befand sich auch die Gattung Sansevieria, die gegenüber der vorher beschriebenen Gattung Acyntha bewahrt werden sollte. Harms Liste fand Eingang in die Vorschläge, die dem 1905 in Wien tagenden Zweiten Internationalen Botanischen Kongress zur Annahme unterbreitet wurden.John Briquet: Texte synoptique des documents destines A servir de base aux debats du Congres International de Nomenclature Botanique de Vienne 1905. R. Friedlinder & Sohn, Berlin 1905, S. 146. Sie wurde vom Kongress angenommen.John Briquet: Règles internationales de la nomenclature botanique : adoptées par le Congrès International de Botanique de Vienne 1905 et publiées au nom de la commission de rédaction du congrès. Fischer, Jena 1906. Eine andere Lösung hätte zu erheblichen Verwirrungen geführt.