Lieberose ()Ernst Eichler: Die Ortsnamen der Niederlausitz. Domowina-Verlag, Bautzen 1975, S. 72. ist eine Landstadt im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg. Sie wird vom Amt Lieberose/Oberspreewald mit Sitz in der Gemeinde Straupitz (Spreewald) verwaltet. mini|Lieberose aus der Vogelperspektive. mini|Südlich der Stadt gelegene Lieberoser Wüste.

Geografie Lieberose liegt circa 30 Kilometer nördlich von Cottbus inmitten einer sehr unterschiedlichen Waldlandschaft: während im Westen der Spreewald mit seiner Lagunen-, Sumpf- und Kanallandschaft mit Erlenwaldgesellschaften anschließt, grenzt im Osten das von Eichen und Buchen geprägte Schlaubetal. Südlich liegt innerhalb der Lieberoser Heide der mit rund 25.000 Hektar größte ehemalige Truppenübungsplatz der DDR (davon sind allerdings nur rund 4.000 ha „echte“ Übungsflächen, der überwiegende Teil sind naturnah bewirtschaftete Kiefernwälder). Hier finden sich vor allem Kiefernwaldgesellschaften des (eiszeitlichen) Sanders, sowie auf den ehemaligen Schießbahnen alle Formen von Wiederbewaldung, Sukzession etc., die nach einer derartigen Waldverwüstung typisch sind: angefangen von Sandoffenlandschaften – mit der Lieberoser Wüste als der größten Wüste Deutschlands –, Silbergrasfluren, Calluna-Heiden, Sandheiden, Besenginsterfluren, Birken-Vorwälder etc. und entsprechend eine einzigartige Vielfalt von Biotopen. Im Gebiet sind viele „Rote-Liste“-Arten Brandenburgs zu finden. 142 der vorzufindenden Pflanzenarten gelten als gefährdet, darunter 16 als vom Aussterben bedroht. See- und Fischadler, Wiedehopf, Raufußkauz, Eisvogel, Bekassine und Ziegenmelker sind nur einige der in und um Lieberose lebenden Vogelarten. Das Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzgebietes ist durch von sowjetischen Truppen hinterlassene Munitionsreste kontaminiert, kann aber auf zahlreichen geführten Wanderungen vor allem der Forstverwaltung, aber auch der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg erkundet werden.

Im Naturschutzgebiet Stockshof – Behlower Wiesen zu Lieberose sind zahlreichen Tier- und Pflanzenarten vertreten, darunter der vom Aussterben bedrohte Europäische Laubfrosch, seltene „Eremiten“ sowie sonstige Alt- und Totholzspezialisten. Der Stockshof ist ein Buchen-Eichen-Waldrelikt in der ansonsten waldfreien Schmelzwasserrinne zum Schwielochsee. Hier befindet sich das „Alte Schloss“, ein bronzezeitlicher Ringwall.

Stadtgliederung Die Hauptsatzung der amtsangehörigen Stadt Lieberose weist vier Ortsteile aus: Blasdorf Doberburg (bis 25. November 1937 Dobberbus)Statistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939; S. 250 Goschen (bis 2. November 1937 Goschzschen) Trebitz

Bewohnte Gemeindeteile sind Behlow, Hollbrunn und Münchhofe.

Wohnplätze sind Baroldmühle, Damme, Friedrichshöhe, Hilles Ansiedlung, Schweizerhaus und Stockshof

Geschichte mini|Schloss Lieberose um 1861/62, Sammlung Alexander Duncker. mini|Schloss. mini|Rathaus. mini|Stadtkirche (vorn) und Landkirche. Die früheste Erwähnung einer Schutzburg stammt aus dem Jahr 1301. Unter dem Schutz der Burgherren hatte sich schon vorher eine wendische Siedlung entwickelt.

Im hiesigen slawisch besiedelten Gebiet, das im 10. Jahrhundert an das Reich Ottos I. gefallen war, wurde eine deutsche Kolonistensiedlung angelegt, die 1272 beziehungsweise 1295 urkundlich erwähnt wird (Lubraz beziehungsweise „Luberase“ war die damalige Schreibweise). Am 29. November 1302 bestätigte Markgraf Dietrich IV. die Rechte und Privilegien der Gemarkung Lieberose und verlieh dem Ort das Stadtrecht.

Lieberose unterstand in der Folgezeit mehreren Herrschaften und wurde am 11. November 1519 von den Brüdern Jakob und Richard von der Schulenburg erworben. Dieses aus der Altmark stammende Geschlecht, dessen Zweig Haus Lieberose aus dem Schwarzen Stamm bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hier saß, prägte die Geschichte der Kleinstadt 400 Jahre lang. Unter den Schulenburgs stieg die Herrschaft zur Standesherrschaft Lieberose auf, die Sitz und Stimme in der Herrenkurie der Landtage der Markgrafschaft Niederlausitz hatte, die zu den Ländern der Böhmischen Krone gehörte. Unmittelbare Lehnsherren der Herrschaft Lieberose waren bis 1848 die böhmischen Grafen Sternberg. In den Stiftsmatrikeln des Bistums Meißen von 1346 und 1495 wird Lieberose an fünfter Stelle aller wichtigen Lausitzer Städte gezählt. 1505 hatten die Schulenburg bereits die Herrschaft Lübbenau und Neu Zauche erworben, die 1560 durch Erbschaft mit Lieberose zusammenfielen, 1578 wurde die Herrschaft Straupitz gekauft. Nach weiteren Zukäufen und Erbteilungen fiel der gesamte Niederlausitzer Besitz der Schulenburg 1601 an Joachim VII., der allerdings durch seine aufwändige Hofhaltung einen Schuldenberg anhäufte. 1615 veräußerte er seine Besitzungen in der Altmark und Pommern sowie Straupitz, 1619 übernahmen die Gläubiger von seiner Witwe auch Lübbenau und Neu Zauche. Die Herrschaft Lieberose konnte jedoch durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges gehalten werden.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts besaß Lieberose den Charakter einer kleinen Residenzstadt, geprägt vom Schloss der Standesherren von der Schulenburg. Bis zu den Befreiungskriegen war Lieberose unter sächsischer Hoheit und in der Lage und Pflicht, den sächsischen König und seinen Hof aufzunehmen. Nach dem Wiener Kongress kam es an Preußen. 1816 wurden die Herren von der Schulenburg-Lieberose in den Grafenstand erhoben und trugen teils die Titulatur eines Landesältesten der Niederlausitz.

1759 versammelte Friedrich der Große in der Nähe von Lieberose sein neues, zuvor bei Kunersdorf geschlagenes Heer, um nach einer Verfolgung die russischen und österreichischen Truppen in Schlesien zu schlagen. Den „Friedrichstein“, der den Sammelpunkt markiert, steht am Weg zwischen Behlow und Goschen.

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in Lieberose und vor allem in den umliegenden eingepfarrten Dörfern noch niedersorbisch (wendisch) gesprochen.Richard Andree: Wendische Wanderstudien. Stuttgart 1874, S. 175. Mit der Abschaffung des wendischen Gottesdienstes wechselte auch die Dorfbevölkerung allmählich zum Deutschen.

Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich in Lieberose mit einer Gesamtfläche von 130 km² – davon 113 km² Forst und Fischerei – einer der bedeutendsten Forstbetriebe der Provinz Brandenburg mit einem Sägewerk und einer Dampfziegelei. Anschluss an das Bahnnetz bestand über den Bahnhof Lieberose (1958 umbenannt in Bahnhof Jamlitz) und über die Spreewaldbahn, die ab dem Abzweig Byhlen nach Lieberose führte.

Während der NS-Herrschaft errichtete die SS 1943 das KZ Lieberose. Es war ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, und die Insassen sollten den „größten Truppenübungsplatz der deutschen Waffen-SS in Europa“ (Himmler) errichten. 1943 forderte die SS von Graf Albrecht von der Schulenburg 8000 Hektar Forst zur Erweiterung ihres Truppenübungsplatzes „Kurmark“ und drohte mit Enteignung. Auch sollte der Graf freiwillig Schloss Lieberose verlassen und seine Herrschaft verkaufen, was er jedoch bis Kriegsende durch Verhandlungen hinausschob. Danach wurde sein Besitz von der späteren DDR entschädigungslos enteignet.

Im November 1943 wurden die ersten Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen nach Jamlitz überstellt. Sie wurden zum Ausbau des Außenlagers Lieberose eingesetzt. Im Frühjahr 1944 trafen weitere Häftlingstransporte aus den Lagern KZ Auschwitz-Birkenau und KZ Groß-Rosen ein. Zunächst handelte es sich um ungarische und polnische Juden. Unter unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen errichteten sie die Anlagen des Truppenübungsplatzes. 1.342 marschunfähige Häftlinge wurden von der SS ermordet, die anderen Häftlinge auf einen Todesmarsch ins Hauptlager nach Sachsenhausen gebracht, wo 400 von ihnen getötet wurden. 1945 wurde das KZ Lieberose aufgelöst und die restlichen Überlebenden ins KZ Mauthausen geschickt.

Seit 2003 besteht vor Ort eine Dokumentationsstätte mit Ausstellung.Jamlitz Gedenkstättenportal der Stiftung Denkmal, abgerufen am 8. Mai 2024. Sie wurde im April 2018 um einen Gedenkort für jene 1.342 Häftlinge erweitert, die die SS Anfang Februar 1945 noch vor dem Todesmarsch nach Sachsenhausen ermordete.Die Lager Jamlitz, abgerufen am 8. Mai 2024.

Lieberose sollte im Dritten Reich zur Garnisonsstadt ausgebaut werden, weshalb es zum Ziel für alliierte Bomber wurde. Zeitzeugen berichten, dass Lieberose am Ende des Zweiten Weltkriegs kampflos übergeben werden sollte. Der Verantwortliche des Lieberoser Volkssturms, Passing, hisste zu diesem Zweck die weiße Fahne auf dem Schlossturm. Trotzdem kam es zu Kampfhandlungen, in deren Verlauf die Stadtkirche und das Schloss beschädigt worden sind.

Die sowjetischen Besatzungstruppen unterhielten nach Kriegsende in Jamlitz ein vom Geheimdienst NKWD kontrolliertes Internierungslager, das Speziallager Nr. 6 Jamlitz. Neben Männern waren auch Frauen und Kinder unter katastrophalen Bedingungen inhaftiert. Bis 1990 als Tabu verschwiegen, konnte erst nach dem Ende der DDR eine Gedenkstätte zum Speziallager eingerichtet werden.

Verwaltungsgeschichte

Lieberose gehörte seit 1816 zum Kreis Lübben (Spreewald) in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Beeskow im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegt die Stadt im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald.

Der Ort Trebitz wurde am 1. Mai 1997 eingemeindet. Blasdorf folgte am 29. Dezember 1997.StBA-Wiesbanden (Hrsg.): Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997. StBA. Doberburg kam am 26. Oktober 2003 hinzu.Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1.899 1890 1.811 1910 1.777 1925 1.664 1933 1.733 1939 1.665 Jahr Einwohner 1946 2 495 1950 2 407 1964 1.830 1971 1.755 1981 1.598 1985 1.542 Jahr Einwohner 1990 1.545 1995 1.488 2000 1.644 2005 1.613 2010 1.485 2015 1.379 Jahr Einwohner 2020 1.371 2021 1.340 2022 1.316 2023 1.326 2024 1.33020251.301

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Lieberose besteht aus 10 Stadtverordneten und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 73,0 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Liste Lieberose 24,6 % 2 47,5 % 5 Bündnis Zukunft Lieberose 52,8 % 6 30,2 % 3 Aufbruch Neue Zeit – – 22,3 % 2 Die Linke 12,2 % 1 – – Alternative für Lieberose 8,3 % 1 – – Einzelbewerber Tobias Küchholz 2,1 % – – – Insgesamt 100 % 10 100 % 10

Bürgermeisterin 1993–2008: Kerstin Michelchen 2008–2012: Manfred Lischeski († 2012)Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen (PDF) S. 8 2012–2016: Astrid Burisch 2016–2019: Kerstin Michelchen (Freie Liste Lieberose) 2019–2024: Petra Dreißig (Bündnis Zukunft Lieberose) seit 2024: Kerstin Michelchen (Freie Liste Lieberose)

Michelchen wurde bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 bei einer Gegenkandidatin mit 51,9 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024. Ihre Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kom-munalwahlgesetz, § 73 (1)

Wappen Das Wappen wurde am 15. Februar 1993 genehmigt.