Die Zeche Mathias Stinnes war ein Steinkohlen-Bergwerk, das aus mehreren Schachtanlagen bestand und dessen Verwaltung sich in Essen-Karnap befand. Namensgeber für das Bergwerk war der Unternehmensgründer Mathias Stinnes († 1845). Die Gewerkschaft Mathias Stinnes war als Eigentümerin des Bergwerks eines der Gründungsmitglieder des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats (RWKS).

Geschichte Die Anfänge Im Jahr 1855 schlossen sich mehrere Gewerken zum Ruhrorter Bergwerks-Actienverein zusammen, um einen Bergwerksbesitz in Karnap, Brauck und Welheim zu erschließen. Einige Zeit später wurde nördlich der Emscher mit den Teufarbeiten für einen Schacht begonnen. Der Schacht wurde Essen-Karnap genannt, die Zeche erhielt den Namen Zeche Carnap. Im Jahr 1859 musste der Actienverein wegen finanzieller Schwierigkeiten die Arbeiten zunächst stunden. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Schacht bereits eine Teufe von 109 Metern. Wenig später musste das Unternehmen liquidiert werden.

Übernahme durch Stinnes Im 1864 wurde die Gewerkschaft „Mathias Stinnes“ gegründet. Im selben Jahr erwarb die Familie Stinnes die Zeche Carnap. Der Senior-Chef des Familienunternehmens Stinnes, Johann Gustav Stinnes, erwarb sämtliche Kuxe der Gewerkschaft und führte sie in Familienbesitz über. Der Preis für die drei Karnap-Felder betrug damals 150.000 Taler. Zum Zeitpunkt des Erwerbs war der Schacht abgesoffen. Im Jahr 1868 wurden weitere gemutete Felder erworben und zusammen mit den Feldern Karnap zu Mathias Stinnes vereinigt. Im Jahr 1869 wurde der abgesoffene Schacht gesümpft. Im Jahr 1870 wurden die Felder Neu-Horst I A und Neu-Horst III B erworben. Die gesamte Berechtsame umfasste nun eine Fläche von 6,3 km2.

Die Errichtung des Bergwerks Im Jahr 1871 wurden die Teufarbeiten für den Schacht (später Schacht Mathias Stinnes 1 genannt) wieder aufgenommen, wobei es jedoch im Schacht zu starken Wasserzuflüssen kam. Aber noch im selben Jahr erreichte der Schacht bei einer Teufe von 188 Metern das Karbon, und wenig später wurde bei einer Teufe von 224 Metern (- 183 m NN) die 1. Sohle (220-Meter-Sohle) angesetzt. Im Jahr 1872 wurde bei einer Teufe von 276 Metern (- 235 m NN) die 2. Sohle angesetzt und kurz darauf die erste Kohle aus dem neuen Bergwerk gefördert. Um die anfallenden Grubenwässer zu heben, wurde am Schacht 1 eine oberirdische Wasserhaltungsmaschine der Friedrich-Wilhelms-Hütte mit einer Leistung von 250 PS installiert. Die Steigleitung und die Pumpen wurden im Schacht installiert. Im Jahr 1873 wurde südlich des Bergwerks eine Eisenbahnstrecke der Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft in Karnap in Betrieb genommen, die dem Personen- und dem Güterverkehr diente. Die Schächte 1 und 2 der Zeche Mathias Stinnes wurden später über die Station Carnap an diese Bahnlinie angeschlossen. Damit sich die Bergleute für ihre Arbeit umkleiden und nach der Schicht reinigen konnten, wurde in den folgenden Jahren eine Kaue errichtet. Auch wurde später im Verwaltungsgebäude eine Verbandsstube errichtet.

Die ersten Betriebsjahre Im Jahr 1876 wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 weiter fortgeführt und der Schacht tiefer geteuft, im darauffolgenden Jahr wurde bei einer Teufe von 323 Metern (- 282 m NN) die 3. Sohle angesetzt. In den folgenden Jahren wurde die Förderung des Bergwerks stetig erhöht. Im Jahr 1883 wurde mit den Abschlussarbeiten auf der 4. Sohle begonnen. Diese Sohle befand sich bei einer Teufe von 379 Metern (- 338 m NN). Um einen zweiten Fluchtweg zu erhalten, wurde im Jahr 1886 ein Durchschlag zur Nachbarzeche Nordstern erstellt. Im Jahr 1890 wurden bei einer Teufe von 454 Metern (- 413 m NN) mit den Abschlussarbeiten auf der 5. Sohle begonnen. Im Jahr 1892 wurde am Schacht 1 eine neue Fördermaschine von der Friedrich-Wilhelms-Hütte installiert. Die Maschine hatte als Seilträger eine Trommel mit einem Durchmesser von acht Metern und einer Breite von 3,6 Metern. Als Antrieb diente eine Zwillings-Dampfmaschine mit einer Leistung von 750 PS. Im selben Jahr wurde von der Maschinenbauanstalt Humboldt die Kohlenwäsche mit Separation eingerichtet. Die Wäsche konnte pro Stunde 75 Tonnen Fördergut aufbereiten. Am Schacht 2 wurde eine Sieberei montiert. Außerdem wurden eine Schlosserei, eine Schreinerei und eine Schmiede in Betrieb genommen. Im Jahr 1893 wurde über dem Schacht ein stählernes Fördergerüst errichtet, das ebenfalls von der Maschinenbauanstalt Humboldt stammte. Die Höhe von der Rasenhängebank bis zur Seilscheibenachse betrug 31,7 Meter. Die Seilscheiben hatten einen Durchmesser von fünf Metern. Der Förderkorb war mit vier Etagen ausgestattet, auf die jeweils zwei Förderwagen aufgeschoben werden konnten. Im Jahr 1894 wurde mit den Teufarbeiten für den Schacht 2 begonnen. Der Schacht wurde neben Schacht 1 angesetzt.

Im Jahr 1896 wurden am Schacht 2 zwei Fördermaschinen von der Friedrich-Wilhelms-Hütte installiert. Der Schacht war somit mit zwei Schachtförderungen ausgestattet, einer südlichen und einer nördlichen. Beide Schachtförderungen wurden als Trommelförderungen errichtet. Jede der Fördermaschinen hatte zwei konische Trommeln mit einem Durchmesser von 6,2 bis 10,6 Metern und einer Breite von 2,2 Metern. Als Antrieb diente jeweils eine liegende Zwillings-Dampfmaschine mit einer Leistung von 800 PS. Das Fördergerüst wurde wiederum von der Maschinenbauanstalt Humboldt errichtet, seine Höhe von der Rasenhängebank bis zur Seilscheibenachse betrug 28,5 Meter. Die Seilscheiben lagen alle in gleicher Höhe und hatten einen Durchmesser von fünf Metern. Die Förderkörbe waren mit vier Etagen ausgestattet, auf denen jeweils ein Förderwagen aufgeschoben werden konnte. Im Jahr 1897 wurde im Schacht 2 die Förderung aufgenommen. Schacht 2 bildete nun zusammen mit dem Schacht 1 die Schachtanlage Mathias Stinnes 1/2. Zur Drucklufterzeugung wurden zwei Kompressoren von der Maschinenfabrik Burkhard installiert, jedes der beiden Aggregate konnte pro Minute bis zu 2000 m3 Druckluft liefern. Angetrieben wurden die Kompressoren von je einem Gasmotor mit einer Leistung von 250 PS. Noch im selben Jahr wurden die Teufarbeiten an Schacht 2 weitergeführt. Außerdem wurde in diesem Jahr eine Kokerei in Betrieb genommen. Die Kokerei war mit 30 Koksöfen und einer Kohlenwertstoffanlage ausgerüstet. Zusätzlich wurde eine Ziegelei errichtet. Im Jahr 1898 wurden am Schacht 2 zwei Grubenlüfter mit Antriebsmaschinen installiert. Die Antriebsmaschine 1 und die Lüfter wurden von dem auf Bergbaubedarf spezialisierten Maschinenbauunternehmen Schüchtermann & Krämer erbaut. Beide Lüfter waren über einen Wetterkanal mit dem Schacht verbunden. Jeder Lüfter konnte pro Minute bei einer äquivalenten Grubenweite von drei Quadratmetern bis zu 6000 m3 Abwetter aus dem Grubengebäude saugen. Die dampfgetriebene Antriebsmaschine von Lüfter 1 hatte eine Leistung von 250 PS. Für den Lüfter 2 wurde ein Gasmotor von Fried. Krupp mit einer Antriebsleistung von 250 PS installiert. Die Kraftübertragung auf die Lüfter erfolgte bei beiden Antriebsmaschinen mittels Hanfseilen mit einer Stärke von 45 Millimetern.

Ausbau der Schachtanlage Im Jahr 1900 wurde im Schacht 2 bei einer Teufe von 525 Metern (- 484 m NN) die 6. Sohle angesetzt. Im Jahr 1901 wurde die Kokerei um mehrere Öfen erweitert. Im Jahr 1902 wurde im nördlichen Feldesteil, 2,5 Kilometer nördlich von Mathias Stinnes 1/2, in Gladbeck-Brauck mit den Teufarbeiten für die Schachtanlage Mathias Stinnes 3/4 begonnen. Dieser Betriebsteil erhielt später einen Bahnanschluss an die Bahnstation Mathias Stinnes. Um die Schachtanlage aufzubauen, wurden Bergleute vom Betriebsteil 1/2 abgezogen und führten auf 3/4 die notwendigen Arbeiten durch. Noch im selben Jahr wurde auf der 4. Sohle von Mathias Stinnes 1/2 mit einer Unterfahrung begonnen. Um für die Bergleute Wohnraum in der Nähe der Schachtanlage zu schaffen, ordnete der damalige Unternehmensleiter Hugo Stinnes den Bau von 52 Zweifamilienhäusern im südlichen Bereich von Brauck an. Im Jahr 1903 wurde die Kokerei um weitere Öfen erweitert. Insgesamt hatte die Kokerei nun 145 Öfen, die in drei Batterien aufgeteilt waren. Von den Öfen waren 95 Unterbrenneröfen und 50 Regenerations-Unterbrenneröfen. Im selben Jahr wurde der Schacht 3 mit der 4. Sohle von Mathias Stinnes 1/2 durchschlägig. Für Mathias Stinnes 3/4 war dies jedoch die 1. Sohle. Auf Mathias Stinnes 1/2 wurde ein dritter, von der Maschinenfabrik Rud. Meyer erbauter Kompressor in Betrieb genommen, der pro Stunde 6800 Kubikmeter Druckluft mit einem Druck von sechs Bar erzeugen konnte. Im darauffolgenden Jahr wurde der Schacht 3 mit der 6. Sohle von Mathias Stinnes 1/2 durchschlägig. Somit war der Schacht mit dieser 2. Sohle nun mit einer weiteren Sohle durchschlägig. Im selben Jahr wurde das Grubenfeld Mathias Stinnes II verliehen. Am 29. März desselben Jahres kaufte die Gewerkschaft Mathias Stinnes die Zeche Maria Anna & Steinbank bei Bochum, wodurch sie ihre Quote im Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat vergrößern konnte. Außerdem wurden in diesem Jahr am Schacht 3 zwei elektrische Fördermaschinen von Siemens-Schuckert installiert. Jede der Maschinen wurde von zwei Gleichstrommotoren mit jeweils 294 Kilowatt Leistung angetrieben. Für die Erzeugung des Gleichstroms wurden zwei Ilgner-Umformer in Betrieb genommen. Für die Bewetterung wurden zwei Grubenlüfter installiert, die von je einem Drehstrommotor angetrieben wurden. Da auf dem Betriebsteil 3/4 kein eigener Kompressor installiert worden war, wurde die benötigte Druckluft dem Netz der Schachtanlage 1/2 entnommen. Über Tage wurden eine Schreinerei, eine Schmiede und eine Schlosserei betrieben. Außerdem waren eine Kaue und eine Verbandstube in Betrieb.