mini|Blick auf Empfingen vom Flugzeug aus Empfingen ist eine Gemeinde mit Einwohnern () im Landkreis Freudenstadt in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Nordschwarzwald.

Geographie Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehört die ehemalige Gemeinde Wiesenstetten, zu der das Dorf Wiesenstetten und der Weiler Dommelsberg gehörte. Zur Gemeinde Empfingen im Gebietsstand vom 30. November 1971 gehört das Dorf Empfingen. Im Gebiet der früheren Gemeinde Empfingen liegt die nicht genau lokalisierte Wüstung Taha.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 643–645

Schutzgebiete

In Empfingen liegt das Landschaftsschutzgebiet Heselgraben. Das flächenhafte Naturdenkmal Bodenloser See ist zudem Bestandteil des FFH-Gebiets Horber Neckarhänge.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Das Gebiet gehörte im Altertum zum Dekumatland. Bei archäologischen Ausgrabungen im Jahr 2022 wurden entlang der Autobahn A81 in Empfingen die Reste einer rundovalen Platzanlage aus der römischen Zeit (1.–3. Jahrhundert n. Chr.) freigelegt. Der Zweck der Anlage ist noch unklar – diskutiert wird eine religiöse, politische oder wirtschaftliche Nutzung –, nicht zuletzt weil von anderswo keine vergleichbaren Anlagen bekannt sind.Inga Kretschmer, Sven Jäger, Klaus Kortüm, Simon Trixl: Ländliches Heiligtum, Versammlungsplatz oder Viehmarkt? Eine rundovale römische Platzanlage am Oberen Neckar bei Empfingen – ein Vorbericht. In: Archäologisches Korrespondenzblatt. Band 54, Nummer 3, 2024, S. 363–383, DOI:10.11588/ak.2024.3.110266 (Open Access). Nach dem Rückzug der Römer auf die Donau-Iller-Rhein-Grenze (dem sogenannten Limesfall) wurde die Region ab dem mittleren 3. Jahrhundert durch die Alamannen besiedelt.

Empfingen wurde erstmals 772 im Lorscher Codex urkundlich erwähnt. Im Hochmittelalter lag die Gemarkung der heutigen Gemeinde im Herzogtum Schwaben. Bis 1341 war es im Besitz der Grafen von Geroldseck, bevor es an die Grafen von Hohenberg kam. Diese verpfändeten den Ort 1373 an einen Volz von Weitingen. 1356 verkaufte das Kloster Reichenau den Kelnhof Empfingen an Konrad den Stahler von Rottenburg, Hofmeister Bischof Albrechts von Freising. Über verschiedene andere Herren, die Rechte an Empfingen erwarben, kam es 1552 an Jos Niklas II. von Zollern, seit 1576 gehörte es zur Herrschaft Hohenzollern-Haigerloch, die 1634 von der Herrschaft Hohenzollern-Sigmaringen übernommen wurde. Seit 1806 war es Teil des hohenzollerischen Oberamts Haigerloch im nun zum Fürstentum erhobenen Kleinstaat, der nach der Abdankung des Fürsten 1849 in Preußen aufging.

Von 1925 an gehörte Empfingen zum Landkreis Hechingen in der preußischen Quasi-Provinz Hohenzollernsche Lande. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Ort als Teil der Französischen Besatzungszone zum Nachkriegsland Württemberg-Hohenzollern, das 1952 im neuen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Im Zuge der Kreisreform von 1973 kam Empfingen mit fünf weiteren hechingschen Gemeinden zum Landkreis Freudenstadt.

Eingemeindungen 1. Dezember 1971: Wiesenstetten mit Dommelsberg (1833 nach Wiesenstetten eingemeindet)

Einwohnerentwicklung 1844: 2000 Einwohner 1961: 1747 Einwohner, in den Grenzen von 1972: 2120 1970: 2247 Einwohner, in den Grenzen von 1972: 2630 1991: 2620 Einwohner 1995: 4156 Einwohner 2000: 4037 Einwohner 2005: 4133 Einwohner 2010: 4137 Einwohner 2015: 3979 Einwohner 2020: 4137 Einwohner

Religionen Als hohenzollerische Gemeinde blieb Empfingen auch nach der Reformation römisch-katholisch und gehört heute zum Dekanat Zollern und damit zum Erzbistum Freiburg.

Politik Verwaltungsgemeinschaft Seit 1975 bildet Empfingen mit Horb am Neckar eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft. mini|Rathaus

Gemeinderat Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 ergab folgende Sitzverteilung:

Partei/Liste20242019AnteilSitzeAnteilSitze Unabhängige Bürgerliste 54,4 %88 WIR – Bürger für Empfingen 45,6 %76 Bürgerunion -- --1Wahlbeteiligung63,6 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2017 Ferdinand Truffner (CDU). Von 1986 bis 2017 war Albert Schindler Bürgermeister.

Haushalt Die Gemeinde Empfingen ist mit Stand vom 31. Dezember 2021 schuldenfrei.

Wappen

Gemeindepartnerschaften La Roche-Blanche, Frankreich, seit 1991

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Empfingen ist durch die Bundesautobahn 81 (Stuttgart–Singen) an das überregionale Straßennetz angebunden. Außerdem führt die Bundesstraße 463 (Pforzheim–Sigmaringen) durch den Ort.

Durch Empfingen verläuft der Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee-Radweg. Er führt von Heidelberg nach Radolfzell am Bodensee. Er verläuft von Horb am Neckar kommend nach Empfingen herauf, wieder hinab in den Sulzer Stadtteil Mühlheim und östlich des Neckartals über die Höhen weiter nach Rottweil.

Bildungseinrichtungen Empfingen verfügt über eine Grund- und Werkrealschule, die auch für zwei Horber Stadtteile zuständig ist. Für die Kleinsten gibt es zwei gemeindliche und einen römisch-katholischen Kindergarten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Dorfschmiedemuseum Heimatmuseum in der Zehntscheuer

Bauwerke mini|Kirche St. GeorgDie Pfarrkirche St. Georg in Empfingen wurde 1858 vom fürstlich-hohenzollerischen Baumeister Josef Laur im neuromanischen Stil erbaut. Der Horber Bildhauer Anton Leins schuf sechs Heiligenfiguren für diese Kirche. Johannes-Kepler-Observatorium zur Überwachung von Weltraumschrott mini|Fachwerkhof in Empfingen (1985)

Naturdenkmäler Stauweiher im Täle Bodenloser See

Regelmäßige Veranstaltungen mini|hochkant|„Kneller“ der Narrenzunft Empfingen

In Empfingen wird alljährlich die schwäbisch-alemannische Fastnacht gefeiert. Ein Gerichtsprotokoll von 1784 beschreibt erstmals das „Masqueren“-Gehen. Die einheimischen Traditionsfiguren entstammen zum größten Teil aus dem bäuerlichen Umfeld, so der Strohbär und der Ausgestopfte oder Sauigel, welcher vom Typus her mit dem Wuascht oder Wuescht der Narrozunft Villingen verwandt ist. Ein seltenes Brauchtum sind die Rußhexen, die am Rußigen Donnerstag (Schmotziger) den Passanten im Ort mit Ofenruß das Gesicht beschwärzen. Ursprüngliche Vermummung waren Stoffgardinen, heute noch von Rußhexen und Ausgestopften getragen. Holzmasken hielten erst zwischen 1920 und 1930 mit der Figur des „Schantle“ in Empfingen Einzug und wurden teilweise von den einheimischen Handwerkern selbst geschnitzt. Die Narrenzunft Empfingen gibt es seit 1951. Sie übernahm nach ihrer Gründung die Traditionsfiguren Kneller, Hexe, Schantle, Bäuerle, Bajass und Domino aus dem freien, überlieferten Brauchtum der einheimischen dörflichen Fastnacht. Der peitschenknallende Kneller entstammt einer alten Fuhrmannstradition. Die Hexen trugen ursprünglich die einheimische abgelegte Frauentracht und waren mit Ofengabeln am Fasnetssonntag, -montag und -dienstag unterwegs. Die Narrenzunft gestaltete zwischen 1952 und 1955 diese alte Figur um, um die Trachtenbekleidung vor dem Untergang zu retten, ebenso die männliche Trachtenkleidung des „Bäuerle“. Aus dem „Bäuerle“ wurde das Osterbachmännle. Seit 2005 gibt es bei der Narrenzunft eine Gruppe „Alt-Empfinger Fasnet“, in der alle historischen Empfinger Fasnetsfiguren vertreten sind. Durch die Entdeckung der Fastnachtserzählung "Die Vergeltung", aus der Fastnacht 1894, verfasst von Wilhem Schenk Stadtarchiv Marbach und mehrerer Geldstrafen wegen Peitschenknallens und Rußeln an der Fastnacht Gemeindearchiv Empfingen konnte nachgewiesen werden, dass Bäuerle, Kneller, Rußhexe, sowie Hexe mit Ofengabel im 19. Jahrhundert zur einheimischen Fleckenfasnet gehörten. Der ebenfalls erwähnte Schellenmann wurde anhand der Beschreibung im Jahre 2022 reaktiviert in der Gruppe "Alt-Empfinger Fasnet". https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.narrenzunft-empfingen-fasnetsfigur-schellenmann-erwacht-wieder-zum-leben.808b51dc-aa63-4129-8b0b-a3efa5f405d3.html Beatparade, die einzige Technoparade in Baden-Württemberg und eine der größten noch durchgeführten deutschen Technoparaden.

Persönlichkeiten Konstantin Hank (* 18. Juni 1907 in Wiesenstetten; † 19. März 1977 in Schramberg), Politiker (CDU), erster Oberbürgermeister von Schramberg Hubert Deuringer (* 18. Januar 1924 in Empfingen; † 16. Juni 2014 ebenda), Orchesterleiter und Liedgutsammler Josef Henger (* 2. November 1931 in Empfingen; † 2. Juni 2020 in Ravensburg), Bildhauer Konstantin Faigle (* 1971 in Sulz am Neckar; † 16. Juni 2016 in Köln), Dokumentarfilmer. Erhielt für seinen 60-90-minütigen Dokumentarfilm Out of EDEKA über den Empfinger Edeka-Laden, in dem er aufwuchs, den Bayerischen Dokumentarfilmpreis Der junge Löwe 2001 sowie eine Empfehlung beim William-Dieterle-Filmpreis 2002.

Weblinks

Offizielle Webpräsenz der Gemeinde Empfingen

Einzelnachweise

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