mini|Sporthotel Pontresina mini|Hotel Pontresina um die Jahrhundertwende Das Sporthotel Pontresina ist ein Dreistern-Superior-Hotel an der Dorfstrasse Via Maistra 145 in Pontresina im Oberengadin. Sein Angebot von 140 Betten in 82 Zimmern richtet sich im Sommer vor allem an Wanderer und Mountainbiker, im Winter an Langläufer, Skifahrer und Snowboarder. Für die Gäste stehen entsprechende Infrastrukturen wie Ski- oder Veloraum, Trockner für Ski- und Wanderschuhe sowie eine Bikewerkstatt zur Verfügung. Ein Wellnessbereich ergänzt das Angebot.

Die Geschichte des Hotels beginnt in den 1870er Jahren, als der Tourismus in Pontresina durch den aufkommenden Alpinismus aufblühte. Der Hotelgründer Florian Stoppany aus einer Zuckerbäckerfamilie erwarb 1879 die Fremdenpension Maison Stiffler und liess sie vom Architekten Jakob Ragaz zum 1881 eröffneten Hotel Pontresina & Post erweitern. Der Aufstieg von der einfachen Fremdenpension zum Haus ersten Ranges fand 1895 seinen architektonischen Ausdruck in der zweiten Erweiterung zum heute noch das Dorfbild prägenden HotelpalastIsabelle Rucki: Hotels in Pontresina. Kantonale Denkmalpflege, Chur 1984/85, S. 106.. Seine Kundschaft fand das sich nun Hotel Pontresina nennende Haus mehrheitlich im deutschen Grossbürgertum, darunter oft Gäste jüdischer Herkunft. Auf die Wintersaison 1906/1907 war das Hotel nach Einbau einer Zentralheizung erstmals in Winter geöffnet.

1910 übernahm eine Aktiengesellschaft das Hotel von der Familie Stoppany. An der Gesellschaft blieb sie aber weiterhin massgeblich beteiligt. Der Erste Weltkrieg leitete eine lange Phase des Niedergangs ein. Politische und wirtschaftliche Erschütterungen wie die beiden Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise oder starke Ausschläge in den Wechselkursen liessen oft auch kurzfristig die Gäste fernbleiben. Kredite der Bündner Kreditgenossenschaft und später der Schweizerischen Hotel-Treuhand-Gesellschaft vermochten das Haus nicht zu retten und es kam in den Besitz der Graubündner Kantonalbank. 1936 erhielt es seinen heutigen Namen Sporthotel Pontresina.

Mitte der 1960er Jahre begann die Bank mit den ersten grösseren Sanierungsarbeiten nach über fünfzig Jahren, die sich auch nach Übergang des Hotels in den Besitz der Gemeinde Pontresina 1972 fortsetzten. Die erneuerten Zimmer, nun weitgehend mit individuellen Bädern, die modernisierten Gesellschaftsräume und die erneuerte Infrastruktur ermöglichten den Neustart des Hotels in der heutigen Form. Der letzte Besitzerwechsel erfolgte 2010 mit dem Verkauf des Hotels durch die Gemeinde Pontresina an die Sporthotel Pontresina AG, die sich im Besitz der Familie Pampel befindet.

Das Aufkommen des Tourismus im Engadin und in Pontresina Um 1850 zählte Pontresina 270 Einwohner. Sie lebten von der Landwirtschaft und vom Säumerverkehr über den Berninapass. Der Ausbau der Bündner Alpenpässe Julier, Maloja und Albula von Säumerwegen zu Fahrstrassen ab den 1820er Jahren führte zu besseren Verkehrsverbindungen des Engadins mit der Aussenwelt. Der Postkutschendienst der 1848 gegründeten Eidgenössischen Post befuhr die neuen Verkehrswege regelmässig.

Mit diesem Ausbau verband sich ein Aufschwung des Fremdenverkehrs. Vorerst profitierten Tarasp und St. Moritz mit ihren Bädern von dieser Entwicklung. Ab 1860 entstanden mit dem Kurhaus in Tarasp-Vulpera und dem Kurhaus & Hôtel des Bains in St. Moritz Bad, dem heutigen Hotel Kempinski, die ersten Hotelbauten des Engadins.

Unternahmen die ersten Kurgäste ihre Reise zumeist aus gesundheitlichen Gründen, folgten schon bald die Vergnügungsreisenden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Alpinismus zu einem neuen Freizeitvergnügen. Die ersten Bergsteiger, darunter viele Engländer, bevorzugten Pontresina gegenüber St. Moritz als Ausgangspunkt für ihre Klettertouren im Berninagebiet. 1858 erschien Ernst Lechners Piz Languard und die Bernina Gruppe bei Pontresina. In diesem frühen Reiseführer des Pfarrers von St. Moritz und Samedan nimmt die Beschreibung der Wander- und Bergtouren um Pontresina breiten Raum ein. Der 1872 gegründete Verschönerungsverein legte bis in die 1890er Jahre ein Netz von Wander- und Reitwegen von über 80 Kilometern Länge an. M[ichael] Caviezel: Das Engadin in Wort und Bild. Tanner, Samedan 1893, S. 316. Die Wege trugen klangvolle Namen wie Schluchtenpromenade, Thaispromenade oder Flazpromenade und kosteten insgesamt 35'161.35 Franken.

Unterkunft fanden die Fremden in einfachen Gasthäusern wie der Wirtschaft zur Krone, aus dem das heutige Grand Hotel Kronenhof hervorging, in Fremdenpensionen und vielfach auch bei Privatpersonen. Ab 1870 führte die anhaltende Nachfrage zu einem Bauboom für Hotels. Bis 1890 entstanden so entlang der Hauptstrasse Via Maistra die noch heute das Dorfbild prägenden Hotelbauten.

Der Bauherr und Hotelier mini|Florian Stoppany mit seiner Frau Betty und ihren Kindern

Der Hotelgründer Florian Stoppany entstammte der Zuckerbäckerfamilie Stupan oder Stuppaun aus Pontresina. Der im Ausland erworbene Reichtum erlaubte der Familie 1740 die Errichtung der Chesa Stuppaun an der Hauptstrasse von Pontresina, der heutigen Chesa Campell. Sein Vater Giachem Bunom Stoppany (1800–1867) betrieb als Kompagnon von Johann Stehely aus Silvaplana das Café Stehely in Berlin. Daneben besass er durch seine Frau Carolina Josty (1805–1876), die er 1833 geheiratet hatte, auch Anteile am Café Josty beim Berliner Schloss.Dolf Kaiser: Fast ein Volk von Zuckerbäckern? Bündner Konditoren, Cafetiers und Hoteliers in europäischen Landen bis zum Ersten Weltkrieg. Ein wirtschaftsgeschichtlicher Beitrag. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1985, ISBN 3-85823-217-3, S. 100. 1862/63 kehrten seine Eltern nach Pontresina zurück, während der einzige Sohn Florian nach Abschluss seiner Schulzeit der Tradition der Engadiner Zuckerbäcker folgend in Betrieben bündnerischer Familien in verschiedenen europäischen Städten arbeitete.Nachruf Florian Stoppany. In: Engadin Express, illustriertes Fremdenblatt. 31. Januar 1901, Nr. 16, S. 213. Zu Beginn der 1870er Jahre kehrte er nach Pontresina zurück, um seine Geschäftskenntnisse im aufkommenden Tourismus einzusetzen.

Dabei halfen ihm familiäre Beziehungen. Die Familien Zambail und Stoppany waren mehrfach verschwägert. Sein mehr als zwanzig Jahre älterer Cousin Florian Zambail machte ihn in seinem 1870 gegründeten Hotel Roseg in Pontresina zum Mitbesitzer und langjährigen Direktor.J. M. Ludwig: Pontresina und seine Umgebung. Jost & Albin, Chur 1878, S. 94. Zambail selber besass mit dem Hôtel des Îles Britanniques in Nizza ein weiteres Hotel, in dem er sich vor allem während der Wintermonate aufhielt, damals die Hauptsaison an der Côte d’Azur.

Auch die Familie seiner Frau Betty Stiffler, die er 1871 geheiratet hatte, war im Fremdenverkehr tätig. Sein Schwager Caspar Stiffler betrieb in Pontresina das Hotel Steinbock und Betty mit ihrer Schwester Christina als Schwestern Stiffler die Maison Stiffler, ein Restaurant und Fremdenpension mit 25 Gästebetten.M[ichael] Caviezel: Das Oberengadin. Ein Führer auf Spaziergängen, grossen und kleinen Touren. Gengel, Chur 1876, S. 136.

Sein Erbe, das Florian Stoppany mit dem Tod der Mutter 1876 zufiel, verschaffte ihm genügend Kapital für einen eigenen Betrieb. Die Gelegenheit ergab sich, als am 17. Dezember 1878 sein Schwager Caspar Stiffler unerwartet im Alter von nur 35 Jahren verstarb. Caspar Stifflers Söhne waren zu jung für die Übernahme des Betriebs und so erwarb Florian Stoppany vor März 1879In Dr. J. M. Ludwigs Pontresina and its neighbourhood. Translated by F.S. Reilly. Edward Stanford, London 1879, wird Stoppany auf S. 129 bereits als neuer Besitzer verzeichnet. Redaktionsschluss war März 1879. die Maison Stiffler, den Ursprungsbau des Hotels Pontresina.

Lage mini|hochkant=2|Lage des Hotels Pontresina & Post (blau) an der Berninapass-Strasse (grün), zwischen dem Unterdorf Laret und dem Oberdorf St. Spiert. Die zum Hotel gehörigen Parzellen sind gelb eingefärbt, die der späteren Erweiterung orange

Der Architekt Hermann von der Hude schrieb 1894 im Handbuch der Architektur, bei der Erbauung eines Gasthofes wird man vor Allem darauf bedacht sein, für denselben eine möglichst vortheilhafte Lage auszuwählen, denn hiervon hängt nicht zum geringsten Theile der Besuch, somit gewissermaßen der Erfolg des Unternehmens ab.Handbuch der Architektur IV. Theil: Entwerfen, Anlage und Einrichtung der Gebäude, 4. Halbband: Gebäude für Erholungs-, Beherbergungs- und Vereinszwecke. 2. Auflage. Arnold Bergsträsser, Darmstadt 1894, S. 217/218. Zwar kannte Florian Stoppany diese grundsätzlichen Erwägungen nicht, aber die verkehrsgünstige Lage der Maison Stiffler an der Berninapassstrasse, die Pontresina mit Poschiavo verbindet, entsprach den Überlegungen des Architekten. Seit ihrem Ausbau zur Fahrstrasse gab die Passstrasse die Richtung vor, entlang welcher die verschiedenen Ortsteile von Pontresina zusammenwuchsen. Heute fliesst der Verkehr der Passstrasse über die 1963/64 erbaute Umfahrung des Dorfes. Das Sporthotel liegt heute in einer verkehrsberuhigten Tempo-30-Zone.

Das ausgedehnte Grundstück im weitgehend unbebauten Gebiet zwischen dem Unterdorf Laret und dem Oberdorf St. Spiert versprach gute Erweiterungsmöglichkeiten. Dies im Gegensatz zu den Hotels Saratz oder dem Kronenhof, die innerhalb der bestehenden, kleinteiligen Bebauung in Unterdorf Laret entstanden waren. Ihr Wachstum war mit dem teuren Erwerb bereits bebauter Nachbarparzellen verbunden. Mit der Lage am Hang wuchs mit dem Abstand von der Strasse rasch der Höhenunterschied, was die innere Organisation des Hotels durch die verschiedenen Niveaus des Altbaus und der Erweiterung erschwerte.

Ein weiterer Vorteil der weitgehend unbebauten Lage war die gute Sicht vom Hotel und vom Hotelgarten auf das Rosegtal und den Roseggletscher. Da sich Stoppanys Grundstück auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse fortsetzte, war die Sicht unverbaubar. Der untere Teil des Grundstücks war erschlossen durch eine Strasse, die über die Punt Ota ins Val Roseg und nach St. Moritz führte. Hier fand sich genügend Platz für die Stallungen und das Waschhaus, versteckt vor den Blicken der Gäste und trotzdem gut erschlossen und nahe am Hotel. Diese Strasse gewann mit der Eröffnung der Verzweigung der Albulabahn nach Pontresina am 1. Juli 1908 als Verbindungsstrasse zum Bahnhof Pontresina wesentlich an Bedeutung und erhielt ihren heutigen Namen Via da la Staziun – Bahnhofstrasse.

Bau Erweiterung zum Hotel Pontresina & Post 1881 Innerhalb der Hotelbauten in Pontresina in den 1880er Jahren nimmt das Hotel Pontresina eine Sonderstellung ein. Es ist weder ein völliger Neubau wie das Hotel Roseg noch eine Erweiterung eines Bauernhauses wie die Hotels Kronenhof oder Saratz. Bei der Erweiterung der 1866 erbauten Maison Stiffler M[ichael] Caviezel: Das Engadin in Wort und Bild. Tanner, Samedan 1893, S. 178. zum Hotel Pontresina & Post 1881 integrierten die Architekten Gebrüder Ragaz das 1864 erbaute Haus des Fotografen Alex Flury. Im Erdgeschoss dieses Hausteils richtete Stoppany die zweite Poststelle in Pontresina ein. Dies versprach Gäste sowohl für das Restaurant wie für das Hotel. Die Architekten vereinheitlichten die Fassaden und die Dachformen der bestehenden Häuser durch die Aufstockung um ein weiteres Stockwerk auf insgesamt vier Geschosse. Mit dem eher traditionellen Namen Hotel Post richtete sich dieser Bauteil mit seinen einfacheren Zimmern an mit der Postkutsche durchreisende Gäste oder solche mit geringeren Ansprüchen.