hochkant|mini|Die Kirche im Juni 2007 mini|Innenansicht der Kirche Die Kirche Sankt Oswald in Freiland ist die römisch-katholische Pfarrkirche des Gebietes der ehemaligen Gemeinde Kloster in der Gemeinde Deutschlandsberg in der Steiermark. Ihre Geschichte führt bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück. Das Gebiet der Pfarre besteht aus den Katastralgemeinden Klosterwinkel und Rettenbach sowie einem Teil der KG Sallegg (Gebiet von Dorfstatt) aus der ehemaligen Gemeinde Bad Gams. Die Kirche steht als Teil der Kirchhofanlage Klosterwinkel unter Denkmalschutz ().
Standort Die Kirche steht auf dem östlichen Rücken des Schwarzkogels (Wolfsriegel) in der Gemeinde Deutschlandsberg in der Ortschaft Sankt Oswald in Freiland, Katastralgemeinde Klosterwinkel.
Die Lage des Pfarrgebietes führte dazu, dass eine Reihe von Bauernhöfen aus Osterwitz, Ortsteil Osterwitz-Winkel (u. a. Pöschl, Kleinreinisch, Stoff und Stefflpeterkeusche/Pust) kürzere und bessere Wegeverbindungen in die Kirche nach St. Oswald hatten als zur eigenen Pfarrkirche.Gerhard Fischer: Osterwitz. ain wunderthätig Ort im hochen gepürg. Leben, Freude und Leid einer Gegend und ihrer Bewohner. Osterwitz 2002. Herausgeber und Verleger: Gemeinde Osterwitz, keine ISBN, S. 39. Gleiches trifft auf eine Reihe von Höfen im Tal des Wildbaches in der Katastralgemeinde Sallegg der ehemaligen Gemeinde Bad Gams zu, deren Gebiet zur Pfarre St. Oswald gehört, obwohl sie (vor der Gemeindezusammenlegung 2015) in einer anderen Gemeinde lagen. Verstorbene dieser Höfe werden ebenfalls auf dem Friedhof von St. Oswald in Freiland begraben.
Beschreibung Kirchengebäude hochkant=0.5|mini|Die Mariengrotte an der südlichen Außenmauer Der Kirchturm ist der Westfassade der Kirche vorgestellt. Er hat einen achtseitigen Spitzhelm. An der Außenfassade der Kirche findet man Reste einer gemalten Pilastergliederung.
Der langgestreckte Kirchenraum ist fünfjochig. Der Chor hat einen Dreiachtelschluss. Er wird von einem auf Wandpfeilern ruhenden Kreuzgewölbe überspannt. Die dreiachsige Westempore im Langhaus ruht auf mächtigen Pfeilern.
Der Hochaltar stammt aus dem dritten Viertel des 17. Jahrhunderts und wurde im Knorpelstil gestaltet. Links am Hauptaltar befindet sich eine Figur des Hl. Leonhard (mit Kette), rechts eine Figur des Hl. Jakobus (mit Pilgerstab). Diese beiden Heiligen sind die Patrone der Stammpfarre St. Jakob in Freiland und weisen darauf hin, dass St. Oswald eine Filialkirche von Freiland war. Im Oberbild des Hochaltares befindet sich ein Bild des zweiten Pfarrpatrons, des Hl. Martin.Informationsmappe im Turmraum der Pfarrkirche. Die beiden Seitenaltäre, der (vielleicht auch nur wegen einer früher dort aufgestellten Statue so bezeichnete) Herz-Jesu-Altar und der Marienaltar, stammen etwa aus derselben Zeit wie der Hauptaltar. Auf dem Herz-Jesu-Altar stand eine Statue Herz Jesu, die durch eine Marienstatue ersetzt wurde, und sein Altarbild zeigt den heiligen Georg im Kampf gegen den Drachen. Das Oberbild des Altars zeigt den heiligen Blasius, den Patron des Stiftes Admont. Auf dem Marienaltar steht eine Statue der heiligen Maria mit Kind. Auf dem Oberbild ist die heilige Dreifaltigkeit dargestellt. Die Kanzel und der Taufstein wurden um 1790 aufgestellt.
An der südlichen Außenwand der Kirche befindet sich eine Mariengrotte mit einer Statue der Maria von Lourdes. Sie wurde von der Bauerngemeinschaft Freiländeralm gestiftet, am 8. September 1896 geweiht und 2006 renoviert. Am neben dieser Kapelle angebrachten Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege werden auch die später verstorbenen Kriegsteilnehmer verzeichnet. hochkant=0.5|mini|Das Ziborium von St. Oswald in Freiland
Die Neugestaltung der Umgebung des Gebäudes wurde nach der Entfernung des umliegenden Wald- und Buschwerkes in den Jahren 2023 und 2024, wodurch die Kirche wieder weithin besser sichtbar wurde, mit einem Kirchenkogl-Fest am 7. September 2025 abgeschlossen. Dabei wurde auch eine Informationstafel und neue Sonnenliegen aufgestellt.Kirchenkogl-Fest in St. Oswald/Kloster. In: Wochenzeitung „Weststeirische Rundschau“ vom 26. September 2025. Nr. 39, S. 2.
Ziborium von St. Oswald In der Sakristei der Pfarrkirche St. Oswald befand sich bis ca. 1980 ein spätgotischer Speisekelch (Ziborium) aus Silber mit vergoldeter Einlage. Seit die Funktion des Pfarrers nicht mehr besetzt ist, wird er im Grazer Diözesanmuseum aufbewahrt.Maximilian Riederer, Gunther Riedlsperger, Johann Tomaschek: Freiländer Ortschronik. Eigenverlag der Gemeinde Freiland bei Deutschlandsberg, 1988. Keine ISBN, S. 227.
Das Ziborium ist 43,2 cm hoch und trägt auf dem Deckel einen Baldachin aus Maßwerk mit Fialen, Krabben, Wimpergen und Eselsrückenbogen,Heimo Kaindl: Diözesanmuseum Graz. Auswahlkatalog. Graz 1994, keine ISBN, S. 60–61 (mit Bild). welcher eine Christusstatue als Schmerzensmann umschließt. Als Entstehungszeit wird das Ende des 15. Jahrhunderts angegeben, oder die Zeit von 1480 bis 1520Heimo Kaindl: Eins + 385. Kirchenkunst zum Staunen. Ein Handbuch kirchlicher Kunstschätze. Ausstellungskatalog Graz 2008, ISBN 978-3-901810-21-3, S. 71–72 (Abbildung Nr. 116). die Form wird auf den Umbau des Trinkbechers eines Admonter Prälaten zurückgeführt.Adolf Bischofberger: Bergwallfahrt 1925, zitiert nach: Gunther Riedlsperger: Eine „Bergwallfahrt“: Deutschlandsberg-Freiland-Kloster-Osterwitz, 3. Teil. In: Wochenzeitung „Weststeirische Rundschau“ vom 20. Juli 1996. Nr. 29, S. 14. Die Kreuzblume auf dem Türmchen wurde 1877 nachträglich aufgesetzt.Wilhelm Pannold: Goldschmiedekunst aus steirischen Pfarren. Katalog zur Ausstellung vom 29. April bis 30. September 1981 im Grazer Diözesanmuseum. S. 32, im Bildteil Nr. 7. Dass dieser Speisekelch nicht der Silberablieferung während der Türkenkriege zum Opfer fiel, wird auf die entlegene Lage der Pfarre zurückgeführt. Bei den weiteren Silbereinziehungen 1806 und 1810 wurde das Ziborium vor dem Einschmelzen durch Erlegung des Wertes bewahrt, was durch Repunzen und Taxstempel belegt ist.
Orgel
Die Orgel ist ein Spätwerk des Grazer Orgelbauers Friedrich WernerHans Heiling: Der steirische Orgelbau im 18. und 19. Jahrhundert. In: Publikationen des Instituts für organologische Forschung und Dokumentation der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien: Organa Austriaca, Band III. Braumüller, Wien 1982. ISBN 3-7003-0350-5. S. 32, 87–92. (opus 53, beim Manual angegeben). Sie stammt aus dem Jahr 1879, ist als mechanisches Schleifladenwerk gebaut und eines der letzten Instrumente im Originalzustand. Es handelt sich um ein nur vereinzelt gebautes Brüstungswerk mit angehängtem Pedal, die Sicht zum Altarbereich wird durch eine Durchsichtsöffnung rechts vom Manual ermöglicht. Diese Bauweise ist in der Steiermark nur in ganz wenigenHeiling, Orgelbau, S. 31. Exemplaren vertreten. Als Register sind vorhanden:Heiling, Orgelbau, S. 89.
1. Gedackt (8′) 2. Vilsmele (4′) 3. Gamba (8′) 4. Octav (2′) 5. Mixtur 3fach (2′) 6. Principal (4′)
Zum Register unter 2.: „Vilsmele“ ist die Bezeichnung auf dem Registerzug (siehe Bild). In der Quelle ist „Vilomele (sic!)“ angegeben. Es handelt sich um ein selten anzutreffendes Register, das sonst als Philomela aufscheint.Thekla Schneider: Die Namen der Orgelregister. Bärenreiter Verlag, Kassel-Basel-London, 1958. S. 40. Dort ist das Register beschrieben als „… doppelt labiierte und weich intonierte Konzertflöte, vorwiegend in amerikanischen Orgelwerken zu finden.“ Von Paul Smets wird das Register Philomela beschrieben als: „Nachtigall. Eine sehr weit intonierte Holzflöte von enger Mensur, in der Regel doppelt labiiert, der Klang ist sehr angenehm, zart, flötend und rund.“ In: Paul Smets: Die Orgelregister, ihr Klang und Gebrauch. Ein Handbuch für Organisten, Orgelbauer und Orgelfreunde. 5. und 6. Auflage, Mainz, Rheingold, 1948. S. 192. Dieses Register hat aber mit dem sonst bei Orgelregistern genannten Nachtigall-Registerzug nichts zu tun.
2022 wurde eine Restaurierung des durch Holzwurmbefall gefährdeten Instrumentes in die Wege geleitet. Zur Finanzierung wurde auch ein Benefizkonzert am 26. Oktober 2022 organisiert.Benefizkonzert zur Orgelrenovierung in St. Oswald/Kloster. In: Wochenzeitung „Weststeirische Rundschau“ vom 21. Oktober 2022. Nr. 42. S. 2. In diesem Zusammenhang fand im 2024 auch eine Begasungsaktion für die Holzgegenstände in der Kirche statt.Holzwurmbekämpfung in der Pfarrkirche St. Oswald/Freiland. In: Wochenzeitung „Weststeirische Rundschau“ vom 23. August 2024. Nr. 34. S. 6. mini|Glocken im Turm der Pfarrkirche St. Oswald in Freiland
Glocken Im Kirchturm befinden sich drei Glocken, die von der Glockengießerei Pfundner aus Wien gegossen wurden. Die mittlere größere Glocke ist den Gefallenen beider Weltkriege gewidmet, trägt den Spruch „sursum corda“ (lat: Empor die Herzen!) und ist mit 1951 datiert, die südliche kleinere Glocke trägt die Inschrift „vivos voco, mortuos plango“ (lat: Ich rufe die Lebenden und betrauere die Toten) und ebenfalls die Jahreszahl 1951. Die der Größe nach mittlere Glocke nördlich trägt außer dem Namen der Pfarre keine Inschrift, sondern zwei stilisierte Blumenkränze und ist mit 1924 bezeichnet.
Name Die amtliche Schreibweise ist „St. Oswald in Freiland“ (bewusst in, nicht im). Im Alltag wird auch die Variante „St. Oswald im Freiland“ verwendet. Die Bezeichnung „Freiland“ umfasst den Bedeutungsschwerpunkt „in dem freien Land“, also die Beschreibung der Lage in einem konkreten Gebiet, „in der Grundherrschaft Freiland (des Stiftes Admont)“, in einer bestimmten Verwaltungseinheit. Der Name wird oft „St. Oswald i. Freiland“ geschrieben. Die Abkürzung „i.“ ist meist nicht auf Platzprobleme zurückzuführen (schon gar nicht bei Schriften gleicher Schrittweite, wie sie im 20. Jahrhundert bei Schreibmaschinen häufig waren), sondern darauf, dass damit das Thema „m oder n“ vermieden wird.
Weiters wird der Name „St. Oswald ob Freiland“ verwendet. Diese Variante beruht darauf, dass St. Oswald (vom Bezirkshauptort Deutschlandsberg und der Stammpfarre Freiland aus gesehen) oberhalb von Freiland liegt (ob für ober, wie bei St. Oswald ob Eibiswald). Im Alltag wird zwischen den Namensvarianten nicht genau unterschieden.
In Unterlagen, die aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie stammen, sind Verwechslungen mit dem Ort St. Oswald an der Drau (St. Oswald im Drauwalde, Ožbalt, in Slowenien, ca. 30 km südöstlich) möglich, weil die Weststeiermark und das Drautal damals gemeinsam im Marburger Kreis lagen: Die Pfarre wird in der älteren Literatur unzutreffend als Localie der Pfarre St. Oswald bei Mahrenberg dargestellt.Franz Raffelsperger (Hrsg.): Allgemeines geographisches Lexikon des österreichischen Kaiserstaates. In einer alphabetischen Reihenfolge. Nach ämtlichen Quellen und den besten vaterländischen Hilfswerken, von einer Gesellschaft Geographen, Postmännern. Wien 1847. Im Haupt-Verlage der k.k.a.p. typo-geographischen Kunst-Anstalt Leopoldstadt Instituts-Gebäude, No. 237, S. 588. . Bereits vorher bei Carl Schmutz: Steyermärkisches Lexicon - Historisch-topographisches Lexicon von Steyermark. Gedruckt bei Andreas Kienreich Gratz 1822. Dritter Theil N–Se, S. 87 (). mini|Die Worte „in Freiland“ sind Bestandteil des amtlichen Namens der Pfarre
Geschichte