miniatur|Gemälde von Schloss Wölpe 1823, links die Ursprungsanlage als Turmhügelburg Die Burg Wölpe ist der Burgstall einer mittelalterlichen Niederungsburg in Erichshagen-Wölpe, einem Ortsteil von Nienburg/Weser in Niedersachsen. Die 1151 erstmals urkundlich erwähnte Burg der Grafen von Wölpe entstand am Bach der Wölpe als Turmhügelburg (Motte) auf einem angeschütteten Erdhügel. Infolge kriegerischer Ereignisse wurde die Burganlage mehrfach zerstört und wiederaufgebaut. Nach dem Dreißigjährigen Krieg entstand die Anlage als Amtssitz des Amtes Wölpe neu. Nach der Auflösung des Amtes im Jahr 1859 wurden sämtliche Gebäude wegen Baufälligkeit abgerissen. Heute ist der Burghügel bebauungsfrei und mit Bäumen bestanden. Nach archäologischen Prospektionsmaßnahmen im Jahr 2011 finden seither regelmäßig Ausgrabungen statt.

Baubeschreibung Wie ein Gemälde von 1823 zeigt, ist der älteste Teil der Burganlage eine Turmhügelburg, die in der feuchten Niederung der Wölpe, einem Zufluss der Aller, auf einem aufgeschütteten Hügel errichtet worden ist. Das Gewässer wurde später zu breiten Gräften ausgebaut, die die Burg und das spätere Schloss an drei Seiten umflossen, was auf dem Lageplan von 1778 erkennbar ist. Die archäologischen Untersuchungen ergaben, dass sich auf dem Burghügel Gebäude aus verschiedenen Zeitstellungen befunden haben. Die erste Burganlage stammt aus dem ersten Viertel des 12. Jahrhunderts und stellte sich als Sandsteingebäude dar. Weitere Gebäude stammen aus dem 16. Jahrhundert, die vermutlich während der Hildesheimer Stiftsfehde 1519 abgebrannt sind. Im 18. Jahrhundert entstanden auf dem Burghügel Gebäude im Barockstil unter Nutzung von Backsteinen und Feldsteinen.

Etwas abgerückt vom Burghügel gab es eine etwa 80 × 100 Meter große Vorburg, deren Grund etwa 2 Meter über der Niederung lag und bis zu 1 Meter künstlich aufgeschüttet war. Die Vorburg verfügte zeitweise über vier Gebäude, bei denen es sich vermutlich um Wirtschaftsgebäude handelte. Um die Burg herum gab es mehrere Gartenareale, deren Umrisse sich noch heute auf Luftbildern abzeichnen. Nach der Auflösung des Amtes Wölpe 1859 wurden die Gebäude des Amtshofes auf dem früheren Burggelände 1876 auf Abbruch verkauft.

miniatur|links|Lage des von drei Seiten mit Wasser umgebenen Schlosses Wölpe im Jahre 1778

Heute ist von der früheren Befestigungsanlage mit späterem Schloss nur noch der 4,5 Meter hohe und 60 × 65 Meter große Erdhügel vorhanden. Auf ihm befinden sich drei erhöhte Stellen, die auf die Lage ehemaliger Gebäude hinweisen. Der Hügel liegt am östlichen Ortseingang von Erichshagen, der Amtsgarten genannt wird. Die ehemalige Burgstelle ist erreichbar über einen etwa 200 Meter langen Damm durch die Niederung. Der Burghügel ist mit Bäumen bestanden, darunter die älteste Kastanie in Nienburg im Alter von etwa 300 Jahren. Lange war der Hügel mit Brennnesseln überwuchert, die als Ruderalpflanzen einen Zeiger für die frühere Besiedlung darstellen. 2010 beschloss der Ortsrat von Erichshagen-Wölpe, den Burghügel aufzuwerten und ihn ganzjährig für Fußgänger und Radfahrer zugänglich zu machen.Konzept Burghügel Wölpe bei der Ortsratssitzung am 25. November 2010 Daraufhin ist das Unkraut und Unterholz entfernt worden, so dass er wieder allgemein zugänglich ist. Ein befestigter Weg über den Hügel soll noch angelegt werden.

Geschichte miniatur|hochkant|links|Gedenkstein mit dem Wappen der Grafschaft Wölpe an der Zufahrt zur früheren Burg Wölpe miniatur|Belagerung der Burg während der Hildesheimer Stiftsfehde, Zeichnung von Johannes Krabbe von 1591 mini|Hinweisschild und Informationstafel zur Burg In der ersten überlieferten Nennung von 1151 wurde die Burg als Wilipa bezeichnet, als sie zur Kirche in Minden gehörte. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts verlegten die Wölper Grafen ihr Festes Haus in das nahegelegene Drakenburg und später nach Neustadt am Rübenberge, wo sie sich ein neues Zentrum schufen. Ihre Grafschaft Wölpe verkauften sie 1302 für 6500 Silbermark an Herzog Otto II. Er setzte auf der Burg einen Drosten als Statthalter ein und die Burg wurde zum Sitz des Calenbergischen Amtes Wölpe. Bei einer Fehde wurde die Burg 1315 durch Brand zerstört.

In der Hildesheimer Stiftsfehde zwischen 1519 und 1523 wurde die Burg Wölpe erneut zerstört und danach von Herzog Erich I. als Schloss wieder hergerichtet. Er gründete nahe dem Schloss eine Siedlung, die nach ihm (Erich) und wegen der Dorfform eines Hagenhufendorfs (-hagen) als Erichshagen benannt wurde. Trotzdem hieß der Ort lange Zeit im Volksmund Wölpe. 1624 besuchte der dänische König Christian IV. während des Dreißigjährigen Krieges das Schloss Wölpe. Ein Jahr später, 1625, wurde es von den Söldnertruppen des Feldherrn Tilly erobert und beschädigt. Wegen der Schäden wurde das Schloss nach dem Krieg geschleift und 1649 zum Amtsgebäude umgestaltet. Von diesem Amtshof wurde das Amt Wölpe verwaltet. Im 19. Jahrhundert entstand ein weiteres Amtsgebäude nahe der Straße, das heute noch besteht. Dabei handelt es sich um das ehemalige Amtsgerichtsgebäude, das an der Hauptstraße an der Zufahrt zum Burghügel liegt. Es diente lange als Försterei und ist heute ein Wohnhaus. Die Siedlung Wölpe unweit des Amtshofes hatte im 19. Jahrhundert etwa 100 Bewohner. 1859 wurde das Amt im Zuge einer Gemeindereform aufgelöst und den Kreisstädten Nienburg sowie Neustadt am Rübenberge zugeteilt.

2009 schlossen sich heimatgeschichtlich interessierte Personen zum Arbeitskreis Burghügel Erichshagen-Wölpe zusammen, um die Reste der Burganlage zu erkunden und als Bodendenkmal zu erschließen. Dazu entstand 2010 ein Untersuchungskonzept, das vom Museum Nienburg, der Kommunalarchäologie der Schaumburger Landschaft, der Stadt Nienburg/Weser und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege getragen wird.

Prospektion 2011 Im Jahr 2011 kam es zu intensiven archäologischen Prospektionsmaßnahmen am Burghügel und seinem Umfeld, um eine Ausgrabung vorzubereiten. Zu den Voruntersuchungen zählten eine Reliefkartierung, geophysikalische Prospektionen wie geoelektrische Bodenwiderstandsmessung, Geomagnetik und Georadar, Luftbildarchäologie, Bohrungen und Begehungen.

Ausgrabungen Grabung 2012 mini|hochkant=1.3|Der Burghügel von Süden miniatur|links|Blick vom Burghügel auf den Grabungsschnitt am Hang (2012)

Im September 2012 fand eine erste Ausgrabungskampagne auf dem Burghügel statt. Ziel der knapp vierwöchigen Maßnahme war es, Erkenntnisse über die bauliche Entwicklung der Anlage und den Alltag auf der Burg zu erlangen. Die Grabung fand als Lehrgrabung des Lehrstuhls für Vor- und Frühgeschichte an der Universität Regensburg statt. Beteiligt waren die Kommunalarchäologie der Schaumburger Landschaft, die untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Nienburg/Weser und der Arbeitskreis Burghügel Erichshagen-Wölpe.

Bei der Grabung wurde eine Fläche von knapp 80 m² untersucht, was etwa 0,5 % der Fläche des Burghügels ausmacht. Dazu wurde ein Grabungsschnitt auf einer Länge von 31,5 Meter bei einer Breite von 2,5 Meter angelegt. Mit der geringen Tiefe von 1,2 Meter berührte die Grabung meist nur den Oberboden. In Teilbereichen reichte sie bis in 2 Meter Tiefe.

Zielsetzung der Grabung war die Ermittlung der Lage und des Aufbaus des umlaufenden Burggrabens sowie seine Verfüllung. Dabei wurde festgestellt, dass sich die damalige Grabensohle zum Teil zwei Meter unter der heutigen Erdoberfläche befindet. Es sollte auch der Schichtaufbau des Burghügels untersucht werden, insbesondere ob es sich um eine natürliche oder angeschüttete Erhebung handelt. Dies konnte wegen der geringen Tiefe der Grabung nicht geklärt werden. Die Grabung galt vor allem den Resten von Gebäuden auf dem Burgplateau. Es konnten mehrere Mauerstücke und ein gepflasterter Bereich festgestellt werden. Es wurde angenommen, dass die nicht näher zu datierenden Baustrukturen einen neuzeitlichen Entstehungszeitpunkt haben könnten und beim Abbruch der Gebäude ab 1876 als Mauerfundamente erhalten geblieben sind.

Funde miniatur|hochkant=0.7|Freigelegte Fundamentreste auf dem Burghügel (2012) Bei der Ausgrabung im Jahr 2012 wurden am Fuß des Burghügels im Bereich des vermuteten Burggrabens Reste einer Holzkonstruktion festgestellt. Sie besteht aus senkrecht eingerammten Pfahlhölzern in der Art einer Palisade und waagerecht verlegten Hölzer. Die ältesten Fundschichten im Grabenbereich werden in das 13. und 14. Jahrhundert datiert. In diesem Bereich wurden in einem Meter Tiefe Holzbohlen eines Bohlenwegs gefunden. Die Hölzer wurden einer dendrochronologischen Untersuchung unterzogen.

Fast alle weiteren Funde stammten aus dem Oberboden und ließen sich keinem Befund näher zuordnen. Bei etwa der Hälfte der Funde handelte es sich um tierisches Knochenmaterial, wie Zähne von Wildschweinen sowie Unterkiefer von Pferden und Schweinen. Am Hang des Burghügels wurden größere Mengen an mittelalterlichen Keramikteilen gefunden. Dazu gehörten graue Irdenware mit Wellenfuß, Pokalfüße, Wandscherben als Pingsdorfer Ware und Kugeltöpfe sowie Dachziegeln des Typs Mönch und Nonne. Die Keramikreste reichen von den frühesten Stücken aus dem 12. Jahrhundert bis in die Neuzeit. Weitere Funde waren Armbrustbolzen und Fragmente von Ofenkacheln mit der Darstellung eines Adligen oder Heiligen. Die mittelalterlichen Funde lagerten neben neuzeitlichen Funden, wie ein 1818 geprägter Mariengroschen, Waldhüttenglas und einer Kanonenkugel. Daher wird angenommen, dass es sich um verlagertes Material vom Burgplateau oder aus burgfernen Bereichen handelt.

Grabung 2013 mini|hochkant=1.3|Der Grabungsschnitt 2013 am Burghügel und in der Niederung ging in die Länge Im September und Oktober 2013 kam es am Burghügel zu einer weiteren Grabung unter Leitung der Universität Regensburg, die sechs Wochen andauerte und von 12 Studierenden der Universität Marburg sowie ehrenamtlichen Helfern aus der Region und des Arbeitskreises Burghügel Erichshagen-Wölpe ausgeführt wurde. Am Fuße des Burghügels konnten im Untergrund der Niederung zahlreiche Holzpfähle und Holzbalken festgestellt werden, von denen 44 gesichert wurden. Holzpfosten in der Badewanne in: Die Harke vom 21. September 2013 Dendrochronologische Untersuchungen stellen die Hölzer in das 14., 15. und 16. Jahrhundert, in einem Fall in das 11. bis 12. Jahrhundert. Sie sollen als Palisadenmauer der Abwehr von Feinden gedient haben. Einer anderen Deutung nach haben sie der technischen Sicherung des Burghügel gegen Erosion oder als Grabenrand gedient. Die ergrabenen Bodenschichten waren zum Teil gestört und beinhalteten mächtige Schuttschichten vom Abbruch der Burggebäude im 19. Jahrhundert. Es kam ein längeres Sandsteinstück zum Vorschein, bei dem es sich um den Rahmen eines am Gebäude angebrachten Wappens handelt. Der Rahmen enthielt das verschollene Wappen von Herzog Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel (1568–1623). Ein besonderer Befund war eine Steinkonstruktion am Rande des Hügelplateaus, bei der es sich um die Umfassungsmauer der Burg handeln könnte.

Bei den Grabungen wurde anhand des gewachsenen Bodens festgestellt, dass der Burghügel auf einer natürlichen, etwa einen Meter hohen Anhöhe entstand. Die Archäologen konnten trotz des langen Grabungsschnitts weit in die Niederung einen Burggraben nicht finden. Manon Garms: Grabungen bieten interessante Einblicke in: Die Harke vom 17. Februar 2014 Die Lage innerhalb einer sumpfigen Niederung des Gewässers Wölpe machte ihn anscheinend überflüssig.

Die Grabung war Teil von vier archäologischen Projekten durch Universitäten im Jahre 2013 im Landkreis Nienburg, darunter Ausgrabungen in der Eisen- und kaiserzeitlichen Siedlung bei Lemke sowie am Erdwerk von Müsleringen und die Vermessung der Wallburg Alte Schanze in Oyle.Archäologische Forschungsprojekte an der MittelweserAuf Spurensuche im Erdreich in: Kreiszeitung vom 7. Juni 2013

Grabung 2014