mini|Schwedische Entlassungsfeier in Bengtfors
Das Bildungssystem in Schweden umfasst ein breites Spektrum von der vorschulischen Bildung über die Schule bis zur Hochschul- und Erwachsenenbildung.
Die Grundlage der Schule bildet das Schulgesetz (schwedisch Skollagen): Die schwedische Einheitsschule ist dezentral über die Gemeinden aufgestellt. Die Schulpflicht besteht vom 6. bis zum 16. Lebensjahr, sie wird auch in Freischulen oder über Heimunterricht erfüllt.Skollag (2010:800) (schwedisch) Letzterer ist mit so strengen Restriktionen belegt, dass er in der Praxis kaum stattfindet.Vorarbeiten/Kommentar zum Schulgesetz (schwedisch), S. 885
Seit 1992 ist es erlaubt, Schulen in privater Trägerschaft zu gründen („freie Schulen“). Anders als in Dänemark war dies in Schweden nicht üblich.
Im PISA-Ranking hat das anfänglich bessere Schweden einen vorderen Platz verloren und stand 2018 auf Platz 16 etwa gleich mit Dänemark, den Niederlanden und Deutschland. Im Test 2022 gingen die Werte weiter zurück, Schweden liegt nur noch knapp über dem OECD-Durchschnitt, deutlich hinter der Schweiz, aber noch vor Deutschland.
Die Analphabetenquote in Schweden liegt offiziell weit unter 1 % und wird wegen ihrer geringen Quote offiziell nicht erhoben. Schätzungen gehen von etwa 25.000 Analphabeten in Schweden aus, die zumeist aus anderen Ländern nach Schweden eingewandert sind und in ihren Herkunftsländern keine Bildung genossen hatten.https://www.welt-in-zahlen.de/laendervergleich.phtml?indicator=49 Der Bevölkerungsanteil funktionaler Analphabeten liegt in Schweden bei 7,5 %, in Deutschland bei 14,4 %. Der fehlende Umgang mit digitalen Geräten wird für viele ältere Schweden ein Problem.
Staatliche Akteure Das schwedische Bildungssystem wird vom Ministerium für Ausbildung (Utbildningsdepartement) koordiniert. An dessen Spitze stehen zwei Minister: Mats Persson als Ausbildungsminister (utbildningsminister) für Erwachsenenbildung, Hochschulen und Forschung sowie Lotta Edholm als Schulministerin (skolminister) für Kinder und Jugend. Das Bildungsministerium ist Teil der Regierung und gibt den politischen Rahmen in Form von Lehrplänen und Richtlinien vor. Das ihm unterstellte Skolverket ist dafür zuständig, durch, „weitere Verfolgung, Auswertung und Besichtigung der Ausbildung“ die Qualität der Ausbildung zu kontrollieren und zu verbessern. Des Weiteren erarbeitet es Vorschläge zu Kursplänen und setzt die Notenkriterien fest. Für die Aufsicht über die einzelnen Schulen, Beschwerden und die Genehmigung zur Gründung einer Schule ist die Schulinspektion (Skolinspektionen) zuständig.
Innerhalb des Rahmens durch das Schulgesetz, die Lehrpläne und Verordnungen sind die Gemeinden für den Schulbetrieb verantwortlich und dabei in der Schulorganisation und bei der Ressourcenbeschaffung völlig selbstständig. Auch sind sie erster Ansprechpartner bei Fragen zur Verwaltung und haben freie Wahl bei der Lehrereinstellung und -fortbildung.
Darüber stehen die Behörde für Schulentwicklung (Myndighet för skolutvecklingen), die den Gemeinden zuarbeitet, sich vor allem an Schulleiter sowie Lehrer richtet und um Qualitätssteigerung bemüht ist, sowie das Spezialpädagogische Institut (Specialpedagogiska institutet), das Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung unterstützt.
Schulsystem Das öffentliche Schulsystem besteht für Kinder und Jugendliche in Form einer Allgemeinbildung aus dem Vorschulwesen (förskoleverksamhet), der Grundschulbildung (grundskoleutbildning) und der gymnasialen Bildung (gymnasieutbildning). Das Schulsystem ist nicht in Schulformen differenziert.
Vorschulwesen Das Vorschulwesen richtet sich an Kinder, die noch nicht die Schule besuchen: Vorschule (förskola) bzw. Familientageheim (famil). Es hat die Ziele, die kindliche Entwicklung zu fördern und die Vereinbarkeit von Beruf oder Studium und Familie für die Eltern zu erleichtern. In Schweden liegt die Quote vollerwerbstätiger Mütter infolgedessen bei 80 Prozent (Stand: 2026).
Die Betreuung von Klein- und Kleinstkindern von Geburt bis zum Schuleintritt (1–5 Jahren) wird als Vorschule (förskola, umgangssprachlich dagis) bezeichnet. 522.000 Kinder gingen 2019 in diese Schulform. Diese ist freiwillig, jedoch kostenpflichtig und kann mit einer Tagespflege gleichgestellt werden. Ab August des Jahres, in dem ein Kind das dritte Lebensjahr vollendet, müssen die Gemeinden einen Vorschulplatz für mindestens 525 Stunden im Jahr abgabefrei anbieten (allmän förskola). Der Besuch kommunaler Einrichtungen ist ausschließlich für die Arbeits- und Wegezeiten der Erziehungsberechtigten vorgesehen, um die Personalbelastung in den Einrichtungen zu begrenzen. Eine Übertretung dieser Regel kann unter Umständen mit dem Verlust des Betreuungsplatzes geahndet werden.
Für Fachpersonal in Kindergärten ist ein 4-jähriges Universitätsstudium vorgesehen. Rund 40 Prozent des Kollegiums hat Lehramt studiert, hinzu kommen Aushilfskräfte. In den Einrichtungen ist zunehmender Personalmangel feststellbar (Stand: 2026).
Schule mini|Lesen und Schreiben stehen in der Förskola auf dem Programm
Die normale Schullaufbahn besteht aus der neunjährigen, obligatorischen Grundschule und dem freiwilligen dreijährigen Gymnasium, das auf eine Berufsausbildung oder auf eine akademische Laufbahn vorbereitet. Die Schulzeit beginnt um acht Uhr morgens und endet um 15 Uhr am Nachmittag. Die Sommerferien dauern ungefähr zwei Monate von Juni bis August. Schulträger ist die Gemeinde, die selbst bestimmt, wie die Schule organisiert wird. Die Schulen sind schulgeldfrei, auch die Lernmittel für die Schüler sind kostenlos. In der Grundschule sind ebenfalls die Schulmahlzeiten und die Schultransporte gratis, in den meisten Gemeinden gilt das auch für das Gymnasium. In kleineren Orten werden oft Klassen zusammengelegt, sodass meist zwei Klassen in einem Raum unterrichtet werden.
Vorschulklasse Ab dem Herbstsemester (hösttermin) des Jahres, in dem ein Kind das sechste Lebensjahr vollendet, müssen die Gemeinden diesem Kind einen Platz in einer Vorschulklasse anbieten (förskoleklass, umgangssprachlich nollan nach der früheren Bezeichnung 0. Klasse). Der Unterricht in der Vorschulklasse wird vom Lehrplan Lpo 94 geregelt, der auch den Unterricht in der Grundschule regelt. Die Vorschulklasse ist kostenfrei und muss mindestens 525 Stunden Unterricht pro Jahr umfassen.
Heute gehen etwa 95 % aller Sechsjährigen in die Vorschulklasse. Der Unterricht soll „die Entwicklung und das Lernen des Kindes stimulieren“ und als Vorbereitung auf die Grundschule dienen. Hier steht in spielerischer Form bereits das Lernen im Vordergrund, um später einen nahtlosen Übergang in die Schule zu gewährleisten.
Innerhalb des Lehrplanrahmens bestimmen die Gemeinden, wie der Lehrbetrieb auszusehen hat. Viele Gemeinden haben die Vorschulklasse räumlich in eine Grundschule integriert. Außerdem wird in einem Drittel der Gemeinden gemeinsam mit Schülern der Grundschule gelernt.
Grundschule In den ersten Schuljahren (in einem Drittel der Gemeinden schon im ersten Schuljahr) wird mit dem Englischunterricht begonnen. Eine weitere Fremdsprache (Deutsch, Französisch oder Spanisch) wird später angeboten. Noten werden ab dem sechsten Schuljahr nach einer sechsstufigen Skala (A bis F, wobei A bis E als bestanden gelten) gegeben. Im Gegensatz zu Deutschland findet eine schulische Benotung in Schweden erst ab dem sechsten Schuljahr statt. An manchen Schulen bekommen die Schüler jedoch bereits ab Klasse vier Noten.
Die heutige Form der Grundschule ist prüfungsfrei; für den Abschluss der Grundschule muss also, ähnlich der Situation in Deutschland, keine Prüfung abgelegt werden. Stattdessen wird im dritten, sechsten und neunten Jahr durch landeseinheitliche Klausuren (nationella prov) ähnlich dem deutschen VERA in den Basisfächern gemessen, inwieweit Schüler die Minimalanforderungen nach dem Lehrplan (läroplan – Lgr 11) und den Kursplänen erfüllen.
Für die Benotung gibt es drei Noten „durchgefallen, bestanden oder sehr gut“, wobei für die Note „sehr gut“ eine Gesamtpunktzahl von 75 % notwendig ist. Am Ende der Grundschule gibt es ein Abgangszeugnis, das der Bewerbung um einen Gymnasialplatz zugrunde liegt. 1,28 Mio. Kinder gingen 2018 auf eine Grundschule (Primar- und Sekundarstufe). Mit dem Ende der Grundschule endet auch die allgemeine Schulpflicht.
Inklusion Schweden gilt als Vorbild der Inklusiven Pädagogik. Für Schüler mit Lernschwierigkeiten besteht die Möglichkeit von Sonderunterricht (specialundervisning) in Fördergruppen in der Grundschule. Schüler mit Behinderung werden in behindertengerecht eingerichteten Schulen zusammen mit nichtbehinderten Schülern unterrichtet. Es besteht aber auch die Möglichkeit des Besuchs einer Sonderschule (särskola) vorwiegend bei geistiger Behinderung. 2006 gingen 16 % dieser Kinder auf eine Grundschule, 2015 waren es nur noch 11 %. Die meisten Schüler mit Schwierigkeiten nehmen am regulären Unterricht teil. Wenn sie die Bedingung für die Aufnahme ins Gymnasium nicht schaffen, gibt es dort einen Förderunterricht. Bei Schwierigkeiten während der Grundschulzeit wird ein Förderplan erstellt.
Die Inklusion wird allerdings auch hier kritisch betrachtet. Ein Problem ist, dass die meisten Lehrkräfte keine sonderpädagogische Ausbildung haben. Zudem haben gewinnorientierte Privatschulen an Schülern mit Lernschwierigkeiten wenig Interesse. Ferner kommt es vor, dass Schulen die Inklusion weniger als pädagogisches Konzept verstehen, sondern eher als Mittel, um über die Auflösung von Fördergruppen Sparmaßnahmen durchzuführen.
PISA 2018 In der PISA-Studie 2018 lag Schweden in allen drei Disziplinen über dem OECD-Durchschnitthttps://www.oecd.org/pisa/Combined_Executive_Summaries_PISA_2018.pdf:
Ergebnis der PISA-Studie 2018 Mathematik Leseverständnis Naturwissenschaften OECD-Durchschnitt 489 487 489 Schweden 502 506 499 Deutschland 500 493 503
Im Punkt Chancengleichheit lag Schweden 2015 über dem OECD-Durchschnitt. Bei den geschlechtsspezifischen Leistungsdifferenzen zeichnet sich in Schweden ein vergleichsweise homogenes Bild ab.PISA 2015 Ergebnisse. Exzellenz und Chancengerechtigkeit in der Bildung Band I
Gymnasium mini|Södra Latins Gymnasium in Stockholm-Södermalm (seit 1654)
Das dreijährige Gymnasium, welches nach der 9-jährigen Schulzeit folgt, hat nichts mit einem deutschen Gymnasium zu tun. Die offizielle Schulpflicht in Schweden ist nach 9 Schuljahren beendet. Die weiterführende Ausbildung an einem Gymnasium ist kostenlos und freiwillig, und fast alle Schüler wechseln nach der Grundschule dorthin. Die Gymnasien bieten Bildungsprogramme an, wobei nach praktischen und theoretischen Laufbahnen unterschieden wird. Theoretische Ausbildungen sind direkt studienvorbereitend, praktische Ausbildungen bereiten dagegen auf einen Ausbildungsberuf vor. Die Schüler können hier zwischen 17 Ausbildungsprogrammen wählen, von denen 14 berufsbildend sind, zwei davon studienvorbereitend, und ein Programm ist sowohl berufsbildend als auch studienvorbereitend. Sogenannte Kernfachkurse (kärnämneskurser) wie Schwedisch oder Mathematik müssen von allen Schülern, unabhängig vom jeweils gewählten Programm, belegt werden. Die 2008 in Kraft getretene Reform des Hochschulzugangs soll dafür sorgen, dass Schüler wieder verstärkt Kurse in den Kernfächern Mathematik, Englisch und den zweiten Fremdsprachen belegen.