Der Landkreis Braunschweig war bis 1974 ein Landkreis in Niedersachsen. Er war zuletzt 409,74 km² groß und hatte 96.800 Einwohner. In den 1960er Jahren stand er unter den damals sechzig Landkreisen Niedersachsens der Fläche nach nur an Platz 48, der Bevölkerung nach jedoch an achter Stelle.
Geographie Nachbarkreise Der Landkreis grenzte Anfang 1974 im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die Landkreise Peine, Gifhorn, Helmstedt und Wolfenbüttel sowie an die kreisfreie Stadt Salzgitter. Die seit 1925 kreisfreie Stadt Braunschweig wurde vom Gebiet des Landkreises umschlossen.
Exklave Thedinghausen Ein Teil des Landkreises Braunschweig lag aus historischen Gründen (Zugehörigkeit zum Herzogtum bzw. Freistaat Braunschweig als Exklave) etwa 150 km weit von Braunschweig entfernt im Nordwesten: das an der Weser zwischen Bremen und Verden gelegene Gebiet um Thedinghausen und Emtinghausen mit damals knapp 5000 Einwohnern und ca. 63 km². Hier wurden regelmäßig Kreistagssitzungen im damaligen Hotel Braunschweiger Hof abgehalten. Thedinghausen und Emtinghausen gehören seit dem 1. Juli 1972 zum Landkreis Verden. Das Wappen der Gemeinde Thedinghausen und der Samtgemeinde Thedinghausen lehnt sich bis heute an dasjenige des früheren Landkreises Braunschweig an. Die Hauptverkehrsstraße in Thedinghausen trägt bis heute den Namen Braunschweiger Straße nach der ehemaligen Landeshauptstadt und Kreisstadt, außerdem befindet sich hier bis heute eine Geschäftsstelle der ansonsten nur im Braunschweiger Raum tätigen Öffentlichen Versicherung Braunschweig und eine Brunsviga-Apotheke, deren Namen sich auf Braunschweig bezieht.
Geschichte Der Kreis entstand 1833 bei der Gliederung des Herzogtums Braunschweig in sechs Kreise.
1850 erfolgte eine Erweiterung des Kreisgebietes dadurch, dass das vorher zum Kreis Holzminden (siehe Geschichte des Landkreises Holzminden) gehörende wurde.
Mit Inkrafttreten der neugefassten Städteordnung des Freistaats Braunschweig schied die Stadt Braunschweig am 1. April 1925 aus dem Kreis aus.Darstellung. territorial.de; abgerufen am 25. April 2012. Der Landkreis Braunschweig gab 1931 die Gemeinde Veltenhof sowie am 1. April 1934 die Gemeinden Gliesmarode, Lehndorf, Melverode, Ölper, Querum, Riddagshausen und Rühme an die kreisfreie Stadt Braunschweig ab. Im Jahre 1941 wurden im Zuge einer Neuordnung der Ländergrenzen Braunschweigs und Preußens im Rahmen des sogenannten Salzgitter-Gesetzes die Gemeinden Ölsburg und Neuölsburg vom Landkreis Braunschweig in den Landkreis Peine im damaligen Preußen umgegliedert. Gleichzeitig wurde die bis dahin zum Landkreis gehörende Gemeinde Woltorf in die gleichnamige preußische Gemeinde im Landkreis Peine eingegliedert.Verordnung über Gebietsbereinigungen im Raume der Hermann-Göring-Werke Salzgitter. Vom 25. Juni 1941, Reichsgesetzblatt I, S. 357.
Am 1. Juli 1968 schlossen sich die Gemeinden Wendeburg, Wendezelle und Zweidorf zu einer neuen Gemeinde Wendeburg zusammen. Zwei Jahre vor der endgültigen Auflösung des Landkreises Braunschweig erfolgte letztmals eine Veränderung seines Gebietsstandes: Der 122 Jahre zugehörige Kreisteil Thedinghausen wurde am 1. Juli 1972 ausgegliedert und dem Landkreis Verden zugesprochen. Die Gemeinde Essenrode wurde am selben Tag in die neugebildete Einheitsgemeinde Lehre eingegliedert und kam damit zum Braunschweiger Landkreis. Während die Gemeinden des Amtes Thedinghausen dem Landkreis Verden zugeordnet wurden, war Essenrode zuvor eine Gemeinde im Landkreis Gifhorn. Das Amt Thedinghausen bestand zum Zeitpunkt seiner Ausgliederung aus der seit dem 1. Januar 1966 aus den Mitgliedsgemeinden Ahsen-Oetzen, Dibbersen-Donnerstedt (mit den Ortschaften Dibbersen und Donnerstedt), Eißel, Holtorf-Lunsen (mit den Ortschaften Holtorf und Lunsen), Horstedt, Thedinghausen und Werder bestehenden Samtgemeinde Thedinghausen sowie den Gemeinden Bahlum und Emtinghausen.
Am 1. März 1974 wurde der Landkreis Braunschweig aufgelöst. Die Stadt Braunschweig – zuvor bereits Verwaltungssitz des Kragenkreises – wurde Rechtsnachfolgerin des Landkreises. Zu diesem Zeitpunkt gehörten noch zum Gebiet des Landkreises die 66 Gemeinden Abbenrode, Alvesse, Beienrode, Bettmar, Bevenrode, Bienrode, Bodenstedt, Bortfeld, Broitzem, Cremlingen, Denstorf, Destedt, Dibbesdorf, Duttenstedt, Erkerode, Essehof, Essinghausen, Flechtorf, Fürstenau, Gardessen, Groß Brunsrode, Groß Gleidingen, Harvesse, Hemkenrode, Hötzum, Hondelage, Hordorf, Klein Brunsrode, Klein Gleidingen, Klein Schöppenstedt, Köchingen, Lamme, Lehre, Liedingen, Lucklum, Mascherode, Meerdorf, Neubrück, Niedersickte, Obersickte, Rautheim, Rüningen, Schandelah, Schapen, Schulenrode, Sierße, Sonnenberg, Sophiental, Stöckheim bei Braunschweig, Thune, Timmerlah, Vallstedt, Vechelade, Vechelde, Veltheim, Völkenrode, Volkmarode, Waggum, Wahle, Watenbüttel, Weddel, Wedtlenstedt, Wendeburg, Wenden, Wendhausen und Wierthe sowie die gemeindefreien Gebiete Beienrode, Buchhorst, Essehof I, Essehof II, Essehof III, Meerdorfer Holz, Querum, Sophiental I, Sophiental II und Wendhausen.
Die Ortschaften des aufgelösten Landkreises wurden wie folgt in die Stadt Braunschweig eingemeindet bzw. in die Landkreise Helmstedt, Peine und Wolfenbüttel eingegliedert.
Eingemeindet in die Stadt Braunschweig (1974): Bevenrode Bienrode Broitzem Dibbesdorf Hondelage Lamme Mascherode Rautheim Rüningen Schapen Stöckheim Thune Timmerlah Völkenrode Volkmarode Waggum Watenbüttel Wenden
Gemeindefreies Gebiet Buchhorst Gemeindefreies Gebiet Querum Eingegliedert in den Landkreis Helmstedt (1974): in die vergrößerte Gemeinde Lehre (1972): Beienrode Essehof Flechtorf Groß Brunsrode Klein Brunsrode Lehre Wendhausen
Gemeindefreies Gebiet Beienrode Gemeindefreies Gebiet Essehof I Gemeindefreies Gebiet Essehof II Gemeindefreies Gebiet Essehof III Gemeindefreies Gebiet Wendhausen Eingegliedert in den Landkreis Peine (1974): in die Stadt Peine: Duttenstedt Essinghausen in die vergrößerte Gemeinde Vechelde: Alvesse Bettmar Bodenstedt Denstorf Fürstenau Groß Gleidingen Klein Gleidingen Köchingen Liedingen Sierße Sonnenberg Vallstedt Vechelade Vechelde Wahle Wedtlenstedt Wierthe in die vergrößerte Gemeinde Wendeburg: Bortfeld Harvesse Meerdorf Neubrück Sophiental Wendeburg
Gemeindefreies Gebiet Meerdorfer Holz Gemeindefreies Gebiet Sophiental I Gemeindefreies Gebiet Sophiental II Eingegliedert in den Landkreis Wolfenbüttel (1974): in die vergrößerte Gemeinde Cremlingen: Abbenrode Cremlingen Destedt Gardessen Hemkenrode Hordorf Klein Schöppenstedt Schandelah Schulenrode Weddel in der Samtgemeinde Sickte: in die vergrößerte Gemeinde Erkerode: Lucklum Erkerode in die vergrößerte Gemeinde Sickte: Hötzum Niedersickte Obersickte die Gemeinde Veltheim (Ohe) Bereits 1972 in den Landkreis Verden eingegliedert: in der Samtgemeinde Thedinghausen: in die vergrößerte Gemeinde Emtinghausen: Bahlum Emtinghausen in die vergrößerte Gemeinde Thedinghausen: Ahsen-Oetzen Dibbersen Donnerstedt Eißel Holtorf Horstedt Lunsen Thedinghausen Werder
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach jeweiligem Gebietsstand Der Landkreis wurde 1925 durch das Ausscheiden der Stadt Braunschweig deutlich verkleinert. Jahr Einwohner Quelle Zeitleiste 1890 141.632 1900 171.813 1910 191.112 Ausgliederung der Stadt Braunschweig 1925 49.176 1933 48.891 1939 43.799 1950 72.182 1960 69.900 1970 93.400 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1973 96.800 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975
Einwohnerzahlen nach dem Gebietsstand von 1970 Jahr Einwohner Zeitleiste 1885 32.495 1905(1) 36.036 1925 36.927 1933 36.364 1939 42.740 1946 67.845 1950 72.174 1956 65.941 1961 72.682 1970 93.424
Fußnote
(1) 1905: Es gibt unterschiedliche Einwohnerangaben zu diesem Jahr.Gustav Uelschen: Die Bevölkerung in Niedersachsen 1821–1961. Für das Jahr 1905 ist unter www.territorial.de Landkreis Braunschweig im Widerspruch dazu die Einwohnerzahl von 49.602 angegeben.
Politik In den rund 28 Jahren von 1946 bis zur Auflösung des Landkreises Braunschweig im Jahr 1974 amtierten elf Landräte (davon einer in zwei verschiedenen Zeitperioden) sowie zwei Oberkreisdirektoren.
Landräte Amtszeitvon Amtszeitbis Name Bemerkung (Kreisdirektor), Blankenburg (Kreisdirektor), Helmstedt kommissarisch , Blankenburg , Wendhausen , Rüningen , Essinghausen , Wenden (FDP), Vechelde (FDP), Vechelde (GB/BHE), Volkmarode (SPD), Stöckheim , Wendeburg (SPD), Stöckheim , Volkmarode (CDU), Bodenstedt , Stöckheim amtierte bis zur Auflösung des Landkreises
Oberkreisdirektoren Oktober 1946 bis Januar 1965 Helmut Meyer, Braunschweig Februar 1965 bis zur Auflösung des Landkreises Walter Geffers, Braunschweig
Kfz-Kennzeichen
Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis (und somit auch der Exklave Thedinghausen) bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen BS zugewiesen. In der kreisfreien Stadt Braunschweig wird es bis heute ausgegeben.
Literatur Edeltraut Hundertmark (Bearb.): Der Landkreis Braunschweig. Verwaltungsbezirk Braunschweig. In: Die Landkreise in Niedersachsen. Band 22, I. Amtliche Kreisbeschreibung, II. Amtliche Kreisbeschreibung. Anhang. Walter Dorn Verlag, Bremen-Horn 1965
Weblinks
Einzelnachweise
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