mini|Blue Jeans mit breiter Naht auf der Beininnenseite mini|Stoffstruktur von Jeans mini|Alter Jeansstoff (vergrößert)

Die Jeans [] (Pl., auch Sg.; österr. Jean, seltener Nietenhose, in der DDR Niethose) ist eine Hose, die gewöhnlich aus einem robusten blauen köperbindigen Baumwollstoff, dem Denim, hergestellt wird.

Geschichte mini|Nieten zur Verstärkung der Taschen sind ein charakteristisches Merkmal von Jeans. mini|Strukturformel von Indigo – verantwortlich für die blaue Farbe der Jeans mini|Schnittform von Blue Jeans (mit Nieten)

Der Begriff Jeans taucht erstmals 1795 auf, als der Schweizer Bankier Jean-Gabriel Eynard und sein Bruder Jacques nach Genua reisten und bald ein florierendes Handelsunternehmen leiteten. Im Jahr 1800 marschierten die Truppen von André Masséna in die Stadt ein, und Jean-Gabriel wurde mit deren Versorgung betraut. Er stattete sie mit Uniformen aus blauem Stoff aus, dem Bleu de Gênes, von dem später Blue Jeans abgeleitet wurde.

Der Händler Levi Strauss verkaufte Güter des täglichen Bedarfs für die Goldgräber in San Francisco. Als Großhändler vertrieb er „Duck Pants“ aus Segeltuch, die irgendwann wegen fehlender Rentabilität aus dem Sortiment genommen wurden und die fälschlicherweise für einen Vorgänger der Jeans gehalten werden. Es handelte sich jedoch nur um ein anderes Produkt im Sortiment des Levi Strauss., 2014, Lynn Downey, Levi Strauss & Co. Historian Die Idee, die Nähte von Hosen mit Nieten zu verstärken, hatte der Schneider Jacob Davis. Da er nicht das Geld hatte, um ein Patent anzumelden, wandte er sich an Levi Strauss.

1872 wurden zum ersten Mal die Ecken der Hosentaschen mit Nieten verstärkt. Patentiert wurde die Hose am 20. Mai 1873. Inhaber des Patents waren Strauss und Davis gemeinsam. Später wurde das braune Segeltuch durch den mit Indigo gefärbten blauen Baumwollstoff Denim abgelöst und die Jeans mit orangefarbenen Nähten und Nieten verstärkt und verziert. Schon früh wurde von der ursprünglichen Leinwandbindung auf die elastischere Köperbindung gewechselt, die bei den meisten Denimstoffen Standard ist.

Um 1920 kam der Begriff Blue Jeans (durch die Indigofärbung) auf. In den 1930er Jahren wurde der Hosenträger vom Gürtel abgelöst. Amerikanische Soldaten brachten sie nach dem Zweiten Weltkrieg nach Europa. 1948 wurden Jeans erstmals in Europa von der 1932 gegründeten L. Hermann Kleiderfabrik in Künzelsau hergestellt. 1953 wurden die ersten Jeans für Frauen in Europa hergestellt. Sie hießen Girls-Camping-Hose und hatten den Reißverschluss an der Seite. 1958 firmierte die L. Hermann Kleiderfabrik in Mustang um.

In den 1950er Jahren entdeckten auch Jugendliche die Jeans als Symbol des Protests gegen Tradition und Autorität. Jeans (in Deutschland seinerzeit manchmal auch Texashose genanntIngrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 6. Auflage. Philipp Reclam jun. Stuttgart, 2011, ISBN 978-3-15-010818-5, S. 488.) galten als . Durch Filmstars wie James Dean und Marlon Brando wurde ihr Bekanntheitsgrad weiter gesteigert.

In der DDR gab die Jeans Anlass für Schulverweise und Klubhausverbote. Später wurde sie durch die volkseigene Produktion in den 1980er Jahren zu der Freizeithose schlechthin, mit den Marken Boxer, Wisent und Shanty.

Bekannte Jeansmarken sind unter anderem Levi’s, Lee, Wrangler, Mustang, H.I.S Jeans, Diesel, Pioneer, Replay, G-Star, 7 for all mankind, Miss Sixty, Mavi Jeans, Pepe Jeans London oder True Religion. Außerdem werden von vielen Designermarken wie Armani oder Joop teure Designerjeans angeboten. Als zeitloser Klassiker gilt die Levi’s 501 mit Nietenknöpfen.

In den 1990er Jahren kamen traditionsreiche Jeanshersteller wie Levi’s in eine Krise, da die Jugendmode sich eher auf sackartige Skaterhosen, die Baggy Pants, konzentrierte. Viele Jeanshersteller gründeten Zweitlabel, um an diesem Trend teilzuhaben.

Stilrichtungen und Passformen mini|hochkant|Schlagjeans mini|hochkant|Skinny-Jeans mini|hochkant|Baggy-Jeans mini|hochkant|Breite Jeans-Naht

Einweichen neuer Ware Der Jeansstoff war oft nicht vorgewaschen, wodurch neue Jeans zunächst sehr steif und wenig bequem zu tragen waren. Erst nach mehrmaligem Waschen wurde der Jeansstoff weicher, und wenn sich der Stoff durch längeres Tragen etwas geweitet hatte, waren die Jeans angenehm zu tragen. Vor allem unter Jugendlichen hat sich das Eintragen neuer Jeans zu einer Art Ritual entwickelt, bei dem Jeans am Körper eingeweicht werden, sei es in der Badewanne oder beim Baden im offenen Meer. Anschließend werden die Jeans am Körper getrocknet, wodurch sich der Stoff den Körperformen anpasst. Durch diese Behandlung und durch langes Tragen erhalten die ursprünglich gleichmäßig dunkelblauen Jeans ein typisches Aussehen, das durch helle Falten am Unterkörper und an den Knien geprägt ist. Am Gesäß und an den Oberschenkeln wird der Stoff durch Abnutzung heller.

Jeans unterscheiden sich insbesondere in den Passformen:

Schlagjeans In den 1970er Jahren waren vor allem Jeans im Schnitt von Schlaghosen verbreitet, die auch Bell-Bottoms genannt wurden. Solche Jeans sind am Unterkörper und an den Oberschenkeln sehr eng geschnitten, werden jedoch unterhalb der Knie erheblich weiter. Je nach Fußweite kann das Hosenbein den kompletten Schuh bedecken.

Röhren- und Skinny-Jeans Die typische Passform seit Ende der 1970er Jahre waren sogenannte Röhrenjeans mit auf der gesamten Länge eng geschnittenen Hosenbeinen. Jeans dieser Art gab es unter anderem von Wrangler, Paddocks und US Top. Zwei typische Modelle sind die Levis 631 und die noch enger geschnittene Levis 639. Einige Jeansmodelle hatten eine sehr kleine Fußweite und saßen an den Waden ebenso eng wie an den Oberschenkeln. Dazu gehören beispielsweise die Modelle Levis 613, die Wrangler Kansas und das Modell Ultraslim des japanischen Herstellers Big John.

Als Beispiel ein Vergleich zwischen einigen Röhrenjeans in Größe W30: das Modell Lee Phoenix hat in dieser Größe eine Fußweite von 37 cm, die Modelle 611 und 534 von Levis haben ungefähr 36 cm, die Levis 631 hat 35 cm, die Modelle 613 und 639 von Levis jeweils um 33 cm und am engsten ist die Big John Ultraslim mit nur 31,5 cm Fußweite. Andere Jeansmodelle hatten Reißverschlüsse am Ende der Hosenbeine, um das Anziehen zu erleichtern. Als Skinny-Jeans werden Jeans bezeichnet, die durch Stretchgewebe noch enger sitzen als Röhrenjeans. Seit den 2010er Jahren sind sie weit verbreitet.

Karottenjeans In den 1980er Jahren fanden zunehmend Jeans Verbreitung, die wegen ihres Schnitts Karottenhosen genannt werden, mit hohem Bund und mit nach unten konisch zulaufendem Schnitt: unterhalb des Gesäßes weit bis sehr weit, am Beinende eng geschnitten, ab mittlerer Höhe des Oberschenkels werden die Hosenbeine kontinuierlich schmaler. Diese Art Jeans war auch unter Poppern sehr beliebt und wurde darüber hinaus oft als Designerjeans zu hohen Preisen angeboten. In den 2010er Jahren kam mit dem sog. Tapered-Leg-Schnitt ein ähnlicher Schnitt wieder in Mode.

Baggy Pants Baggy Pants sind Jeans, die nicht in der Taille, sondern tief unten an der Hüfte sitzen, so dass teilweise die Unterhose sichtbar wird. Baggy Pants waren in den 2000er Jahren in der Hip-Hop-Szene beliebt. Sie wurden oft mit darunter getragenen Boxershorts kombiniert. In den 2020er erlebten die Baggy Pants eine Renaissance.

Shaping-Jeans Seit den 2010er Jahren wurden verbesserte Webtechniken entwickelt und damit Jeansstoffe mit höherem Stretchanteil hergestellt, die neben den figurbetonenden Schnitten einer Stretchjeans als figurformende Jeans angeboten werden. Derartige Jeans werden im Handel als Shaping- oder als Shape-Up-Jeans bezeichnet, bestehen aus hochelastischem, meist festem Denim und sollen Beine und Po modellieren. Teilweise sind nur die Oberschenkel und der Po mit anderer Webtechnik ausgeführt.

Jogging-Jeans Jogging-Jeans sind Jeans, deren Schnitt sich an Jogginghosen orientiert. Sie haben in der Regel oben und/oder an den Knöcheln einen Strick-Bund (bzw. -Bündchen) oder einen Gummizug. Sie tauchten in den 1980er Jahren und in den 2010er Jahren auf dem Modemarkt auf.

Boyfriend-Jeans Boyfriend-Jeans sind Jeans für Damen, die weiter geschnitten sind und deren Haupteigenschaft der lockere Sitz auf der Hüfte und ein weites Bein sind, das oft umgekrempelt wird. Der Stil der Jeans soll, wie der Name sagt, wie eine „Jeans ihres Freundes“ aussehen. Der Boyfriend-Style wurde in Hollywood zum Beispiel von Katie Holmes Ende 2008 geprägt und schnell von Designerjeanslabels aufgegriffen. Seit 2009 ist er ebenso bei anderen Jeansmarken und den eigenen Kollektionen von Modeketten im Programm zu finden.

mini|Zum Reiten geeignete Jeans mit flachen Nähten an der Beininnenseite. Die typische breite Jeansnaht ist auf der Beinaußenseite.

Reitjeans Beim Westernreiten werden häufig normale Jeans verwendet, bei denen die flache Naht an der Beininnenseite verhindert, dass die Naht beim Reiten auf der Haut des Reiters oder der Reiterin scheuert.

Spezielle Reitjeans werden und anstelle normaler Reithosen getragen. Mit normalen Jeans haben sie vor allem den Denim-Look gemeinsam. Wie Reithosen haben sie keine oder eine speziell verarbeitete Naht an der Beininnenseite, um Scheuerstellen zu vermeiden. Reitjeans haben oft eine zusätzliche Lage Stoff an der Beininnenseite von Kniehöhe an abwärts, oder einen Lederbesatz wie bei normalen Reithosen. Der Schnitt von Reitjeans ist entweder wie bei einer Reithose durchgehend hauteng bis zu den Füßen, um die Reitjeans zu normalen Reitstiefeln tragen zu können, oder etwas weiter im Stil einer Jodhpurhose.Ratgeber Reithosen, felix-buehler.ch

Material mini|Video: Wie viel CO2 steckt in einer Jeans? Denim ist ein robuster Baumwollstoff, der mit einem indigoblauen, grauen oder weiß gesprenkelten Garn gewebt wird. Beim Jeansmaterial wird das Gewicht in Unzen (oz.) pro Quadratyard angegeben. Neben den Varianten des traditionellen Jeansstoffes wurden und werden Hosen im Schnitt von Jeans aus anderen Materialien gefertigt. Lederhosen werden unter der Bezeichnung Lederjeans angeboten. Der Schnitt entspricht entweder einem bestimmten Jeansmodell, häufig der Levis 501, oder einer typischen Passform, zum Beispiel der von engen Röhrenjeans. Einige Marken bieten ihre Jeansmodelle zusätzlich in einer Kunstlederausführung an. Hat der verwendete Kunststoff eine glatte, glänzende Oberfläche, wird die Hose als Lackjeans bezeichnet. Der Kunststoff ist oft PVC.

Bei Stretchjeans wird ein kleiner Teil der Baumwollfäden des Jeansstoffes durch elastische Fasern ersetzt. Sie wurden zunächst ab den 1980er Jahren nur in engen Schnitten gefertigt. Später wurden auch weitere Jeans aus Stretchmaterial hergestellt, wobei die Bequemlichkeit des Tragens im Vordergrund steht. Engen Stretchjeans verwandt sind die Jeggings.

Als hyperflex, hyperstretch oder hypersculpt werden Jeans bezeichnet, die sich durch besondere Elastizität auszeichnen. Derartige Jeans wurden ab den 2010ern vermehrt im Handel angeboten. Kennzeichnend ist, dass sie in alle Richtungen dehnbar sind, was durch neue Webtechniken erreicht wird. Dafür hat sich auch der Begriff „4-Wege-Stretch“ etabliert. Diese Jeans passen sich noch besser an den Körper an, wodurch einerseits die Schnitte enger werden konnten, andererseits bieten sie auch bei weiter geschnittenen Jeans mehr Bewegungsfreiheit.LEVI'S® SCULPT auf levi.com

Wegen des Materials, aus dem sie bestehen, werfen Jeans beim Waschen in der Waschmaschine eine große Menge Mikrofasern ab, die die Großen Seen und die Arktis stark verschmutzen.

Verschluss mini|Bund einer Jeanshose