mini|Johann Sebastian Bach (1746), mit Rätselkanon (Zweitversion des Ölgemäldes von Elias Gottlob Haußmann)Das originale Gemälde hing viele Jahrzehnte in der Thomasschule. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde es mehrfach „aufgefrischt“ und übermalt, wobei ein Teil des ursprünglichen Ausdrucks wohl verlorenging bzw. verwischt wurde. 1913 kam das Original ins Stadtgeschichtliche Museum Leipzig, wo versucht wurde, die Übermalungen so gut es ging wieder zu entfernen. Die 1748 von Haußmann selbst angefertigte Kopie des Bildes von 1746 befand sich zunächst wohl im Besitz von C. P. E. Bach, galt dann lange Zeit als verschollen und wurde 1952 durch William H. Scheide (Princeton, New Jersey) erworben, der das Bild nach seinem Tod 2014 testamentarisch dem Bach-Archiv Leipzig vermachte.Bei den beiden Haußmann-Bildern handelt es sich um die einzigen Bilder, bei denen Bachs Identität eindeutig feststeht; bei allen anderen Porträts, die Bach zugeschrieben werden, ist die Zuordnung unsicher. Siehe dazu The Face Of Bach. Bachs Identität ist bei den Haußmann-Gemälden deswegen gesichert, weil er auf dem Gemälde eine eigene Komposition in der Hand hält, den Canon triplex a 6 voci (sechsstimmiger Dreifach-Kanon, BWV 1087), eine kunstvolle kanonische Variation aus dem Thema der Aria der Goldberg-Variationen. Siehe dazu youtube.com. rahmenlos|klasse=skin-invert-image mini|Bachs eigenhändiger Namenszug auf dem Deckblatt der Kantate Gott ist mein König, 1708. Er schreibt sich hier italienisch als Gio. Bast. Bach (= Giovanni Bastiano Bach) mini|Bachs selbstentworfenes Siegel mit den spiegelbildlich ineinander verwobenen Anfangsbuchstaben seines Namens, JSB

Johann Sebastian Bach (* in Eisenach, Sachsen-Eisenach; † 28. Juli 1750 in Leipzig, Kurfürstentum Sachsen) war ein deutscher Komponist, Organist, Cembalist und Violinist des Barock. Er war der prominenteste Vertreter der Musikerfamilie Bach und in seiner Hauptschaffensperiode Thomaskantor und Musikdirektor in Leipzig.

Vielen Berufsmusikern, aber auch bis hinein in die Populärkultur, gilt Bach als der Inbegriff eines tiefgründigen und genialen Komponisten.Peter Watson: Der deutsche Genius. Eine Geistes- und Kulturgeschichte von Bach bis Benedikt XVI. Bertelsmann, München 2010, S. 169.אינטרמצו עם אריק – שיף על באך András Schiff on Bach, Interview mit Andras Schiff (englisch, YouTube-Video) Seine Werke beeinflussten spätere Komponistengenerationen und inspirieren bis heute musikschaffende Künstler zu zahllosen Bearbeitungen; zu den bekanntesten gehören die Toccata und Fuge in d-Moll, Das Wohltemperierte Klavier, die Brandenburgischen Konzerte, viele Kirchenkantaten, die Johannes-Passion, die Matthäus-Passion, das Weihnachtsoratorium, die h-Moll-Messe und Die Kunst der Fuge.

Im Gegensatz zur Ökonomie der Mittel im Schaffen seiner Zeitgenossen ist Bachs Musik durch selbstständige Führung aller Stimmen auch in vokal und instrumental gemischten Partien und Überlagerung verschiedener Strukturen charakterisiert. Vokale und instrumentale Melodik werden angenähert, Harmonik und Kontrapunkt, die zuvor widersprüchliche Anforderungen an die Komponisten stellten, konnte er in ein spannungsreiches Gleichgewicht bringen. Hervorgehoben werden zudem Originalität und geistiger Anspruch von Bachs Werken. Die intensive Verarbeitung überforderte seine Zeitgenossen, in der Verbindung von Verdichtung und Ausdruck wurde sie aber Ausgangspunkt für spätere musikgeschichtliche Entwicklungen.

Vom zeitgenössischen Publikum wurde Bach als virtuoser Musiker und Improvisator sowie als Orgelsachverständiger hoch geschätzt. Als Komponist rangierte er jedoch im Ansehen der damaligen Musikwelt hinter anderen Komponisten wie Händel, Telemann und selbst Graupner. Wie bei vielen Barockkomponisten erschienen nur wenige von Bachs Kompositionen zu seinen Lebzeiten im Druck. Zu einem Großteil geriet seine Musik nach seinem Tod jahrzehntelang weitgehend in Vergessenheit, da es damals unüblich war, Werke aus der Vergangenheit weiter öffentlich aufzuführen. Bachs Kompositionen für einzelne Soloinstrumente waren Kennern jedoch weiterhin bekannt und wurden als Hausmusik gespielt. Einzelne seiner Schüler und deren Schüler wiederum führten die Tradition der Bach-Werke fort. Auch die Komponisten der Wiener Klassik setzten sich mit Teilen seines Œuvres auseinander. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts wurden verschiedene Vokalwerke Bachs durch die Sing-Akademie zu Berlin wieder aufgeführt. Mit der Wiederaufführung der Matthäus-Passion unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahre 1829 begann die Bach-Renaissance. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gehören Bachs Werke in der ganzen Welt zum festen Repertoire der klassischen Musik.

Johann Sebastian Bach hatte insgesamt 20 Kinder – neun Töchter und elf Söhne –, sieben aus seiner ersten und 13 aus der zweiten Ehe, von denen allerdings die meisten schon im Kindesalter starben. Vier seiner Söhne, die sogenannten Bachsöhne, wurden ebenfalls bedeutende Musiker und Komponisten.

Leben

Eisenach (1685–1695) mini|Thüringen und angrenzende Gebiete um 1685. Die Region war in viele Herrschaften zersplittert; eine davon war das Herzogtum Sachsen-Eisenach. mini|Die Eisenacher Georgenkirche mit dem Taufbecken, in dem Bach getauft wurde Johann Sebastian Bach entstammte der in Mitteldeutschland weitverzweigten lutherischen Familie Bach. Die allermeisten der bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgbaren väterlichen Vorfahren und Verwandte waren Kantoren, Organisten, Stadtpfeifer, Mitglieder von Hofkapellen oder Instrumentenbauer (Clavichord, Cembalo, Laute) zwischen Werra und Saale.Malte Korff: Johann Sebastian Bach. dtv, München 2000, ISBN 3-423-31030-8, S. 7. Der Stammbaum der Familie Bach lässt sich zurückführen bis zu einem seiner Ururgroßväter, Veit Bach. Dieser verließ als evangelischer Glaubensflüchtling Ungarn oder MährenChristoph Wolff u. a.: The New Grove Bach Family. W. W. Norton, New York, 1997, ISBN 0-393-01684-6, S. 22. und ließ sich in Wechmar bei Gotha, der Heimat seiner Vorfahren, als Bäcker nieder. Er spielte bereits das Cithrinchen, ein Zupfinstrument. Sein Sohn Johannes Bach war nicht nur als Bäcker, sondern auch als „Spielmann“ tätig. Die weiteren Nachfahren waren alle Musiker. Von Johann Sebastian Bach selbst stammt eine Chronik über den „Ursprung der musicalisch-Bachischen Familie“ mit Kurzbiographien von 53 Familienmitgliedern aus dem Jahr 1735.

Johann Sebastian war das jüngste von acht Kindern des Johann Ambrosius Bach (1645–1695) und seiner Frau Elisabeth geborene Lemmerhirt (1644–1694). Johann Sebastian überlebte alle seine Geschwister, von denen eines im selben Jahr der Geburt und zwei im Kindesalter verstarben. Seine Großeltern waren zum Zeitpunkt seiner Geburt bereits alle verstorben. Sein Vater war Stadtpfeifer in Eisenach und Hoftrompeter in der kleinen Kapelle der Herzoge Johann Georg I. und danach Johann Georg II. von Sachsen-Eisenach. Als Johann Sebastian Bach zur Welt kam, galt in den protestantischen Territorien Deutschlands, also auch in seinem Geburtsort Eisenach, noch der Julianische Kalender. So wird sein Geburtsdatum in der Regel mit dem örtlich gültigen Datum, dem 21. März 1685, angegeben. Nach dem Gregorianischen Kalender ist sein Geburtsdatum der 31. März. Da sich die protestantischen Reichsstände im Jahr 1700 dem Gregorianischen Kalender anschlossen, sind alle Daten der Bach-Biographie seit 1700, also auch Bachs Sterbedatum, ausschließlich gregorianisch. Das Geburtshaus in der damaligen Fleischgasse (heute Lutherstraße 35) existiert nicht mehr.C. Wolff, 2005, Kapitel Elternhaus, Stadt, Hof und Schule: die musikalische Umgebung. Zwei Tage nach seiner Geburt wurde Johann Sebastian Bach in der Eisenacher Georgenkirche getauft. Seine beiden Vornamen erhielt er von den beiden Paten, Sebastian Nagel, Stadtpfeifer von Gotha, und dem fürstlich-eisenachischen Forstbeamten Johann Georg Koch.C. Wolff, 2005, Kapitel Ambrosius Bach und seine Familie. Sein Rufname war Sebastian.Rosa und Volker Kohlheim: Duden – Das große Vornamenlexikon. 5. Aufl. 2016, Stichwort Johann.

Obwohl Eisenach zu Bachs Geburtszeit nur etwa 6000 Einwohner hatte, verfügte es über ein recht bedeutendes Musikleben. Seit 1672 war es Residenzstadt des kleinen Fürstentums Sachsen-Eisenach. Die Hofkapelle zog bekannte Musiker an, so unter anderem Johann Pachelbel 1677/1678, Daniel Eberlin 1672–1692 und Georg Philipp Telemann 1708–1712. Die frühe Kindheit verbrachte Bach in Eisenach, wo er durch den Cousin seines Vaters, den Organisten der Eisenacher Georgenkirche, Johann Christoph Bach, erstmals Kirchen- und Orgelmusik erlebte. Die Grundlagen des Violinspiels vermittelte ihm wahrscheinlich sein Vater.Malte Korff: Johann Sebastian Bach. dtv, München 2000, ISBN 3-423-31030-8, S. 9.Arno Forchert: Johann Sebastian Bach und seine Zeit. Laaber-Verlag, Laaber 2002, ISBN 3-89007-531-2, S. 54. Im Alter von acht Jahren kam Bach in Eisenach auf die Lateinschule des ehemaligen Dominikanerklosters, die 200 Jahre zuvor bereits der Theologieprofessor und Reformator Martin Luther besucht hatte. Zuvor hatte Johann Sebastian Bach vermutlich die deutsche Schule besucht.

Seine Mutter starb am 3. Mai 1694. Am 27. November 1694 heiratete sein Vater die Witwe Barbara Margaretha Bartholomäi geb. Keul. Er starb wenige Monate danach am 20. Februar/2. März 1695. Im Alter von neun Jahren war Johann Sebastian somit eine Waise geworden. Seine Stiefmutter wollte mit den Gesellen und Lehrlingen der Stadtpfeifer das Amt ihres verstorbenen Mannes weiter versehen, erhielt aber dafür nicht die Genehmigung der Stadt Eisenach. Daher konnte sie nicht mehr selbst für die Kinder sorgen. Der Eisenacher Kantor Andreas Christian Dedekind, der mit der Familie Bach eng befreundet war und bei dem Johann Sebastian Latein- und Musikunterricht hatte, formulierte am 4. März 1695 für die Witwe, da diese als Frau damals nicht für sich sprechen konnte, ein Gesuch an den Rat der Stadt auf ein Gnadenhalbjahr, das allerdings nur zur Hälfte bewilligt wurde.Fritz Rollberg: Johann Ambrosius Bach, Stadtpfeifer in Eisenach 1671–1695. In: Bach-Jahrbuch 24, 1927, S. 133–152, hier S. 149–151; doi:10.13141/bjb.v19272475. Dedekind war in dieser Zeit auch Vormund für den minderjährigen Johann SebastianKonrad Küster: Der junge Bach. Deutsche Verlags-Anstalt, München 1996, ISBN 3-421-05052-X, S. 53. und half der Witwe auch beim Verkauf des Bachschen Hauses, da diese wieder nach Arnstadt zog.Klaus-Rüdiger Mai: Die Bachs. Eine deutsche Familie. List, Berlin 2014, ISBN 978-3-548-61242-3, S. 185. Johann Sebastian Bach zog mit seinem Bruder Johann Jacob Bach zu seinem älteren Bruder Johann Christoph Bach nach Ohrdruf.

Ohrdruf (1695–1700) mini|Schulmatrikel des Lyzeums Ohrdruf. J. S. Bach ist der vierte Schüler in der zweiten Liste Der dreizehn Jahre ältere Bruder Johann Christoph, Organist an der Michaeliskirche in Ohrdruf, übernahm seine weitere Erziehung und musikalische Ausbildung und vermittelte ihm das Spielen auf den Tasteninstrumenten. Spätestens hier dürfte sich Johann Sebastians Interesse für Musik und Instrumente gebildet haben. Er lernte in Ohrdruf das Orgelspiel. Vermutlich ab 1697 gewann er durch die vielen Reparaturen an der Orgel der Michaeliskirche, bei denen auch sein Bruder Johann Christoph mitwirkte, ein tieferes Verständnis von Aufbau und Mechanik des Instruments. Außerdem war er als Chorsänger tätig.