Westbengalen (, , Pashchimbanga; ) ist ein indischer Bundesstaat mit einer Fläche von 88.752 km² und 91 Millionen Einwohnern (Volkszählung 2011). Die Hauptstadt Westbengalens ist Kolkata (Kalkutta) im Süden des Bundesstaates. Die vorherrschende Sprache des Bundesstaates ist Bengalisch.
Mit einem Wert von 0,620 erreicht Westbengalen 2015 den 21. Platz unter den 29 Bundesstaaten Indiens im Index der menschlichen Entwicklung.
Name des Bundesstaats
Im Jahr 2011 wurde ein Konsens-Beschluss verschiedener politischer Parteien verabschiedet, den Bundesstaat auch im englischen Sprachgebrauch offiziell in Paschimbanga, entsprechend der Transkription aus dem Bengalischen umzunennen. Der Beschluss wurde aber nicht umgesetzt. Im August 2016 beschloss die Regierung Westbengalens, dass der Staat künftig einfach Bengalen (auf Bengalisch: Bangla, Hindi: Bangal, Englisch: Bengal) heißen solle. Im Juli 2016 folgte das Parlament Westbengalens mit einer entsprechenden Resolution. Nach Presseberichten war die Chief Ministerin Mamata Banerjee unter anderem unzufrieden damit, dass der Bundesstaat mit dem Anfangsbuchstaben „W“ bei Parlamentsdiskussionen und alphabetischer Geschäftsordnung immer erst relativ spät an die Reihe kam. Eine solche Änderung eines Bundesstaatsnamens erfordert eine Verfassungsänderung. Am 3. Juli 2019 erklärte das indische Innenministerium unter Minister Amit Shah, dass es einer Umbenennung nicht zustimmen werde, womit das Projekt zunächst ad acta gelegt war.
Geographie Westbengalen grenzt an die Bundesstaaten Odisha (Südwesten), Jharkhand (Westen), Bihar (Nordwesten), Sikkim (Norden) und Assam (Nordosten), sowie im Nordwesten an Nepal, im Nordosten an Bhutan, im Osten an Bangladesch und im Süden an den Golf von Bengalen.
Relief Die Oberflächenform in Westbengalen wird von der Indo-Ganges Ebene dominiert, mit Höhen zwischen 0 und . Im Südwesten befinden sich die Randgebiete der Peninsular Plateaus mit Höhen zwischen 150 und 300 m. Nördlich der Ebene befindet sich hingegen das Gebirgsmassiv des vorderen Himalaya, welches an der Grenze zu Sikkim sich bereits über 3000 m erstreckt. Der höchste Berg innerhalb des Bundesstaats ist Sandakphu am Singalila-Kamm mit . Südlich davon befindet sich eine Hauptrandstörung, gefolgt von der vordersten Gebirgskette des Himalaya, den Siwaliks. Am Fuße dieser Gebirgskette liegt das Bharbar, gebildet durch die Erosion der Siwaliks und der Terai, spezielle Sumpfgebiete, die ganzjährig Wasser führen. mini|links|Klimadiagramm Kolkata (Kalkutta)
Klima mini|Teeplantagen am Fuß des Himalaya in den Duars mini|Überschwemmungen in der Monsunzeit in Kalinagar Westbengalen unterliegt aufgrund des Monsuns größtenteils einem warmtropischen Sommerregenklima, teils semihumid, teils semiarid, mit Ausnahme der nördlichsten Distrikte, die im Einfluss eines subtropischen, kontinentalen Klimas stehen. Der Jahresniederschlag liegt unter 2000 mm.
Durchschnittstemperaturen: Januar: 17–21 °C je nach Region April: 27–30 °C
Mögliche Auswirkungen der Globalen Erwärmung: Für das flachliegende Westbengalen wird die globale Erwärmung voraussichtlich folgenschwere Bedeutung erlangen. Bereits heute hat das Land in der Zeit des Sommermonsuns mit Überschwemmungen zu kämpfen; ein Anstieg des Meeresspiegels von nur wenigen Metern hätte bei dem extrem flachen Relief katastrophale Flächenverluste zur Folge.
Flora und Fauna Die potentielle Baumvegetation besteht größtenteils aus laubabwerfenden Feuchtwäldern mit dichtem Bodenbewuchs. Im Vorderen Himalaya trifft man auf hohe Kastanien und Eichen, auf subtropische Berg- und Kiefernwälder sowie auch feuchte Mischwälder, aber auch auf Koniferen, die eigentlich in Sibirien heimisch sind. In Küstennähe befinden sich Mangrovenwälder, die als wichtige Brutstätten für Fische fungieren. Die Mangroven sind auch das Rückzugsgebiet des vom Aussterben bedrohten Königstigers.
Bevölkerung Demografie mini|Mädchen in einem Dorf in Westbengalen Nach der indischen Volkszählung 2011 beträgt die Einwohnerzahl Westbengalens 91.347.736. Damit hat der Bundesstaat mehr Einwohner als Deutschland. Gemessen an der Einwohnerzahl ist Westbengalen nach Uttar Pradesh, Maharashtra und Bihar der viertgrößte Bundesstaat Indiens. Die Einwohnerzahl Westbengalens nimmt beständig zu. Zwischen 2001 und 2011 wuchs die Einwohnerzahl um 13,9 %. Dieser Wert liegt aber etwas unter dem gesamtindischen Durchschnitt von 17,6 %. Westbengalen ist äußerst dicht besiedelt: Auf einem Quadratkilometer leben durchschnittlich 1.029 Menschen. Dies ist rund zweieinhalbmal so viel wie im Landesdurchschnitt Indiens. Von den indischen Bundesstaaten ist nur in Bihar die Bevölkerungsdichte noch höher. 31,9 % der Einwohner Westbengalens leben in Städten. Die Urbanisierungsrate entspricht damit dem Durchschnitt Indiens.Census of India 2011: Provisional Population Totals – India – Rural-Urban Distribution. (PDF-Datei; 7,74 MB)
Die Alphabetisierungsquote Westbengalens beträgt 77,1 % (Männer 82,7 %, Frauen 71,2 %) und liegt somit nur wenig über dem Mittelwert von 74,0 % für Gesamtindien (Stand jeweils Volkszählung 2011). Im Zeitraum von 2010 bis 2014 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung 70,2 Jahre (der indische Durchschnitt betrug 67,9 Jahre). Die Fertilitätsrate betrug 1,81 Kinder pro Frau (Stand: 2016) während der indische Durchschnitt im selben Jahr bei 2,23 Kindern lag.
Die meisten Einwohner Westbengalens gehören dem Volk der Bengalen an. Daneben leben in dem Bundesstaat Biharis, nepalesischstämmige Gurkha im Distrikt Darjeeling (gefordertes Autonomiegebiet Gorkhaland) sowie verschiedene indigene Adivasi-Stämme. Die Volkszählung 2001 klassifiziert 5,5 Prozent der Bevölkerung als Angehörige der Stammesbevölkerung (scheduled tribes). Das größte Stammesvolk in Westbengalen sind die Santal mit rund 2.280.000 Angehörigen, gefolgt von den Oraon (617.000), Munda (342.000), Bhumji (336.000) und weiteren (Stand jeweils Volkszählung 2001).Census of India 2001: West Bengal. Data Highlights: The Scheduled Tribes. (PDF-Datei; 32 kB)
Bevölkerungsentwicklung Zensusbevölkerung von Westbengalen seit der ersten indischen Volkszählung im Jahr 1951. ZensusjahrEinwohnerzahl195126.300.670196134.926.000197144.312.017198154.580.650199168.077.970200180.221.300201191.347.736
Sprachen
Die Hauptsprache Westbengalens ist Bengalisch. Mit rund 200 Millionen Sprechern in Bangladesch, Westbengalen und angrenzenden Gebieten gehört es zu den zehn größten Sprachen der Welt. Nach der Volkszählung 2011 wird Bengalisch von 86 Prozent der Einwohner Westbengalens als Muttersprache gesprochen.
Die größte sprachliche Minderheit sind die Sprecher des Hindi, die sieben Prozent der Bevölkerung ausmachen. Hierunter fallen auch die Sprecher von Regionalsprachen aus der eng mit dem Hindi verwandten Bihari-Gruppe, die in offiziellen Statistiken unter dem Begriff Hindi subsumiert werden. Einige Muslime sprechen auch Urdu (knapp zwei Prozent), die muslimische Variante des Hindi. Unter der Stammesbevölkerung sind verschiedene Sprachen verbreitet, deren größte das zur Gruppe der Munda-Sprachen in der austroasiatischen Sprachfamilie gehörige Santali (knapp drei Prozent) ist. Im Distrikt Darjeeling wird ferner auch Nepali (gut ein Prozent) gesprochen.
Als Amtssprachen des Bundesstaates Westbengalen sind Bengalisch, Nepali, Urdu, Hindi, Santali, Oriya, Panjabi, Kamtapuri, Rajbanshi und Kurmali als offizielle Sprachen anerkannt.Financial Express, 28. Februar 2018: „Kamtapuri, Rajbanshi make it to list of official languages in West Bengal“.
Volksgruppen Nach der Volkszählung 2011 gehörten 21.463.270 Personen (23,51 Prozent der Bevölkerung) den scheduled castes (registrierten unterprivilegierten Kasten) an, und 5.296.953 (5,80 Prozent) zählten zu den scheduled tribes (indigene Völker und Stämme, Adivasi). Zu letzteren zählen in Westbengalen 39 Volksgruppen. Die größten dieser Volksgruppen sind die Santal, Oraon, Bhumij und Munda.A-11 Individual Scheduled Tribe Primary Census Abstract Data and its Appendix' (engl.; excel)
Die Adivasi leben überwiegend auf dem Land (4.855.115 Personen oder 7,81 % der Landbevölkerung). In städtischen Gebieten leben nur 441.838 Angehörige der anerkannten Stammesgemeinschaften oder 1,52 % der Stadtbevölkerung. Stark vertreten sind die anerkannten Stammesgemeinschaften in den Distrikten Bankura, Bardhaman (mittlerweile 2 Distrikte), Dakshin Dinajpur, Jalpaiguri (mittlerweile 2 Distrikte), Malda, Paschim Medinipur (mittlerweile 2 Distrikte), Purba Medinipur, Purulia und Uttar Dinajpur. +Scheduled Tribes in Westbengalen Volksgruppe Anzahl Anteil Santal 2.512.331 2,75 % Oraon 643.510 0,71 % Bhumij 376.296 0,41 % Munda 366.386 0,40 % Kora 159.404 0,17 % Tamang 146.203 0,16 % Kharia 108.707 0,12 % Kisan 98.434 0,11 % Volksgruppe Anzahl Anteil Bedia 88.772 0,10 % Mahali 81.594 0,09 % Bhotia + Tibeter 66.627 0,07 % Limbu 45.847 0,05 % Mal Paharia 44.538 0,05 % Mech 41.242 0,05 % Savar 40.374 0,04 % Lepcha 33.962 0,04 % Volksgruppe Anzahl Anteil Rabha 27.820 0,03 % Lohra 24.783 0,03 % Ho 23.483 0,03 % Chik Baraik 21.376 0,02 % Kharwar 20.720 0,02 % Nagesia 16.378 0,02 % Gond 13.535 0,01 % Baiga 13.423 0,16 % Volksgruppe Anzahl Anteil Magh 8032 0,01 % Chero 5477 0,01 % Asur(Agaria) 3864 0,00 % Sauria Paharia 3480 0,00 % Korwa 2912 0,00 % Mahli 2609 0,00 % Gorait 2498 0,00 % Karmali 2466 0,00 % Volksgruppe Anzahl Anteil Birhor 2241 0,00 % Garo 2039 0,00 % Birjia 1123 0,00 % Parhaiya 921 0,00 % Khond 660 0,00 % Hajang 621 0,00 % Chakma 466 0,00 % Mru 197 0,00 %
Religionen
Die Mehrheit der Bevölkerung Westbengalens sind Hindus. Nach der Volkszählung 2011 machen sie 70,5 Prozent der Einwohner des Bundesstaates aus. Daneben gibt es eine große muslimische Minderheit von 27 Prozent. Nach Assam hat Westbengalen den zweithöchsten muslimischen Bevölkerungsanteil aller indischen Bundesstaaten, einschließlich der Unionsterritorien Jammu und Kashmir und Ladakh den vierthöchsten. In absoluten Zahlen beherbergt Westbengalen mit fast 25 Millionen Muslimen nach Uttar Pradesh die zweitgrößte muslimische Population Indiens. Andere Religionen spielen nur eine untergeordnete Rolle, es gibt aber kleine Minderheiten von Christen (0,7 Prozent) und Buddhisten (0,3 Prozent).
Größte Städte Stand: Volkszählung 2011.Census of India 2011: Provisional Population Totals. Cities having population 1 lakh and above. (PDF-Datei; 151 kB)
StadtEinwohnerStadtEinwohner1Kolkata (Kalkutta)4.486.6798South Dum Dum410.5242Haora (Howrah)1.072.1619Rajarhat Gopalpur404.9913Siliguri647.80410Bhatpara390.4674Durgapur566.93711Panihati383.5225Asansol564.49112Kamarhati336.5796Maheshtala449.42313Bardhaman314.6387Rajpur Sonarpur423.80614Kulti313.977
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