Spardorf (fränkisch: SchbodofD. Fastnacht: Erlangen: ehemaliger Stadt- und Landkreis, S. 281. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „šbådǫf“.) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Uttenreuth.
Geographie Geographische Lage Spardorf liegt etwa fünf Kilometer nordöstlich von Erlangen im Tal der Schwabach und unterhalb der Höhe von Marloffstein. Spardorf ist eine Wohngemeinde im Erlanger Umland.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht nur aus der Gemarkung und dem Gemeindeteil Spardorf. Die Gemarkung Spardorf hat eine Fläche von 3,222 km². Sie ist in 1419 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2270,67 m² haben.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn):
Marloffstein, Uttenreuth, Buckenhof, Erlangen
Geschichte In Spardorf gibt es Siedlungsspuren, die auf eine vorchristliche Besiedlung hindeuten.
Im Handlungsbuch der Nürnberger Patrizier Holzschuher des Jahres 1305 steht der Eintrag „Sibito de Spardorf“. Dies ist zugleich die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenbeiname Sparo, der sich vom Familiennamen Spar ableitet, der seit dem 14. Jahrhundert im Nürnberger Raum bezeugt ist. Eine Ableitung von ist unwahrscheinlich.D. Fastnacht: Erlangen, S. 277.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 211.
mini|hochkant=1.22| Gegründet wurde der Ort von den Herren von Gründlach. Um 1314/15 sind die Gründlacher in männlicher Linie erloschen. In der Folgezeit wurde der Ort geteilt in einem Bamberger Lehen (1 Hof, 1 Tagelöhnerhaus, 1 Wohnhaus), Brandenburger Lehen (1 Hof, 1 Halbhof mit Tabernrecht, 2 Gütlein, 1 Ziegelhütte), Stauffenberger Lehen (2 Höfe, 4 Gütlein) und einem Nürnberger Landesalmosen-Lehen (1 Hof). Das Hochgericht stand ab 1524 dem brandenburg-kulmbachischen Oberamt Baiersdorf zu. 1778 bestand Spardorf aus 16 Anwesen und einem Gemeindehirtenhaus.F. Krug (Hrsg.): Landkreis Erlangen-Höchstadt, S. 165. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches war Spardorf ein Teil des Markgraftums Brandenburg-Bayreuth. Es gehörte dabei zum Oberamt Baiersdorf, das die Dorf- und Gemeindeherrschaft über den Ort ausübte.
Von 1797 bis 1810 unterstand Spardorf dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde der Ort 1813 dem Steuerdistrikt Uttenreuth zugeordnet. 1818 entstand die Ruralgemeinde Spardorf, zu der Schneckenhof gehörte. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen (1919 in Finanzamt Erlangen umbenannt). Ab 1862 gehörte Spardorf zum Bezirksamt Erlangen (1939 in Landkreis Erlangen umbenannt), die Gerichtsbarkeit lag beim im gleichen Jahr gebildeten Stadt- und Landgericht Erlangen (1879 in das Amtsgericht Erlangen umgewandelt). Am 1. Mai 1919 wurde Sieglitzhof aus der Gemeinde Spardorf ausgegliedert und in die Stadt Erlangen eingegliedert.
Seit 1978 bildet die Gemeinde gemeinsam mit drei anderen Gemeinden die Verwaltungsgemeinschaft Uttenreuth.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Spardorf (ab 1919 nur noch aus dem Ort Spardorf bestehend) Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2008 2015 2022Einwohner 157 199 188 176 186 179 190 201 209 213 219 306 306 336 158 161 180 195 380 396 756 1245 1908 1985 2129 2253HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahr 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und von 1871 bis 2022 als Wohngebäude. 28 25 28 30 31 39 22 33 120 460 629 667Quelle Für die Gemeinde Spardorf zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Siglitzhof (S. 86).
Ort Spardorf Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900Einwohner 97 129 109 125 131 134Häuser 19 17 19 19Quelle
Politik Gemeinderat Die Kommunalwahlen 2002, 2008, 2014, 2020 und 2026 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat: CSU SPD Freie Wähler Bündnis 90/Die Grünen Unser Spardorf Neue Liste Gesamt 2002 4 2 6 – 2 n. a. 14 Sitze 2008 3 2 4 – 1 2 12 Sitze 2014 2 3 3 – 1 3 12 Sitze 2020 3 5 3 – – 3 14 Sitze20263533––14 Sitze
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2020 Andreas Wasielewski (SPD). Er gewann in der Stichwahl gegen die amtierende Bürgermeisterin Birgit Herbst (Neue Liste). Diese wiederum war ebenfalls in einer Stichwahl im Jahre 2014 ins Amt gekommen, als sie gegen den damaligen Amtsinhaber Bernd Höhlein (FW) gewann.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler In Spardorf gibt es fünf Baudenkmäler und drei Bodendenkmäler.
Freizeit und Sport Der örtliche Sportverein trägt den Namen VdS Spardorf (Verein der Sportfreunde). Es werden Fußball, Tennis, Tischtennis, Turnen, Volleyball, Basketball, Fitboxing, Zumba und andere Sportarten angeboten.
Im öffentlichen Hallenbad Spardorf findet das Schulschwimmen statt und der SC Uttenreuth trainiert dort. Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen Es sind eine Reihe kleinerer Unternehmen in den Branchen Immobilien, IT und Werbung ansässig, daneben ist die Landwirtschaft in Spardorf von Bedeutung, 2022 wurden 44 % der Gemeindefläche landwirtschaftlich genutzt.miniatur|Blick vom Schwabachtal auf Spardorf mit der ehemaligen Ziegelei Schultheiß in der Bildmitte, 2011 Größter Betrieb war früher die ehemalige Ziegelei Schultheiß, die 1804 gegründet wurde. Andere Quellen nennen das Jahr 1787. Die Rohstoffe für die Herstellung von Ziegeln und Kalksandstein wurden im 20. Jahrhundert zeitweise über Lorenseilbahnen aus den Nachbarorten bezogen: Ton aus Marloffstein und Sand aus Buckenhof. Weitere bekannte Abbaugebiete liegen am Mistelberg in Kalchreuth (Ton) und zwischen Dormitz und Kleinsendelbach (Sand). 2001 wurde die Produktion vom österreichischen Wienerberger-Konzern übernommen und 2005 geschlossen. Das angemietete Gelände wurde noch bis 2008 als Lager genutzt, die Maschinen wurden abgebaut. Im Winter 2011/2012 wurden fast alle Gebäude abgerissen. Der westliche Schornstein blieb als Industriedenkmal erhalten. 2016 wurde der Schornstein um 15 m gekürzt und die Mobilfunkantennen abgebaut. 2017 begann die Neubebauung im Südteil des Geländes mit der Bezeichnung Alte Ziegelei. Errichtet wurden mehrere, im Herbst 2018 eröffnete Supermärkte, später kamen ein Ärztehaus, eine Apotheke und ein Restaurant hinzu.
Im nördlichen Teil des Geländes existierte bis 2003 der Klimatechnik-Betrieb Jackson Lufttechnik. Das Gebäude wurde anschließend als Ärztehaus genutzt. Der Nordteil des Geländes wird für EOF-Wohnungen genutzt.
Medien Erlanger Nachrichten
Verkehr Die Staatsstraße 2242 führt nach Marloffstein (1,2 km nordöstlich) bzw. am Sieglitzhof vorbei nach Erlangen (4 km westlich). Die Staatsstraße 2240 führt nach Buckenhof (0,5 km südwestlich) bzw. nach Uttenreuth (1,2 km östlich). Eine Ortsstraße führt in Nord-Süd-Richtung von der St 2242 zur St 2240.
Spardorf ist direkt über die Buslinie 208 des Verkehrsverbundes im Großraum Nürnberg (VGN) an Erlangen angebunden, am Busbahnhof im Schwabachtal verkehren zudem die Linien 209 und 280 (Mo–Fr) sowie einige weitere Linien, die nur selten fahren. Spardorf lag an der stillgelegten Sekundärbahn Erlangen–Gräfenberg.
Bildung In Spardorf befinden sich das Emil-von-Behring-Gymnasium, eine Grundschule, die Ernst-Penzoldt-Mittelschule, die Erich-Kästner-Schule zur individuellen Lernförderung und zwei Kindergärten (Spatzennest und Buntspecht).
Persönlichkeiten Roderich Leutschaft (1922–2006), ab 1972 außerplanmäßiger Professor für Chirurgische Kardiologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, wohnte in Spardorf Karl-Dieter Grüske (* 1946), Professor für Volkswirtschaftslehre und ehemaliger Präsident der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Helmut Haberkamm (* 1961), Anglist, Germanist, Schriftsteller und Mundartautor, u. a. Bayerischer Kulturförderpreis (1993), Kulturförderpreis der Stadt Erlangen (1996), Kulturförderpreis des Bezirks Mittelfranken (1999)Dr. Helmut Haberkamm, Literaturpreis der IHK-Kulturstiftung der mittelfränkischen Wirtschaft (2006) Katrin Müller-Hohenstein (* 1965), Fernseh- und Radiomoderatorin Theodor Ickler (* 1944), Professor für Germanistik/Deutsch als Fremdsprache an der Universität Erlangen-Nürnberg Nadja Pries (* 1994), BMX-Radsportlerin Nikolai Link (* 1990), Handballspieler
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Erlangen-Höchstadt Kategorie:Ersterwähnung 1305 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Erlangen-Höchstadt