mini|hochkant=1.3|Marloffstein Luftaufnahme (2019)
Marloffstein (fränkisch: MolaschdahD. Fastnacht: Erlangen: ehemaliger Stadt- und Landkreis. S. 196. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „mǫlɒšdā“.) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Uttenreuth.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt auf einem Höhenrücken sieben Kilometer nordöstlich von Erlangen. Wegen der Nähe zu Erlangen und der weiten Fernsicht vom Pass Marloffstein ins Regnitztal, in die Fränkische Schweiz und im Süden nach Nürnberg ist die Höhe ein beliebtes Ausflugsziel.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn):
Langensendelbach, Neunkirchen am Brand, Uttenreuth, Spardorf, Erlangen, Bubenreuth
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus sechs Gemeindeteilen (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Adlitz (Dorf) Atzelsberg (Dorf) Marloffstein (Kirchdorf) Rathsberg (Dorf) Schneckenhof (Einöde) Wunderburg (Einöde)
Auf dem Gemeindegebiet befand sich die Einöde Lug ins Land. Der Gemeindeteil ist seit 1982 erloschen.
Es gibt die Gemarkungen Adlitz, Atzelsberg und Marloffstein. Die Gemarkung Adlitz hat eine Fläche von 2,599 km². Sie ist in 933 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2785,61 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Wunderburg.
Geschichte Bereits 1288 wurde ein „Graf Herman Celarius de Marrolstein“ („Maurolfstein“) urkundlich erwähnt, was zugleich die erste Erwähnung des Ortes ist. Burg und Dorf waren anfangs Eigentum der Reichsministerialen von Gründlach und gingen nach deren Aussterben 1314/15 an die Hohenlohe-Brauneck über. Diese setzten die Familie von Strobel als Vögte ein, die auch mit dem benachbarten Adlitz und Atzelsberg belehnt wurden und Ansitze in Spardorf und Uttenreuth hatten.Nach W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. S. 144 f., erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1302 als „Movrolfstein“. Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Maorolf, Morolf.
Die Wunderburg bei Marloffstein war bis 1690 ein streitbergisches, danach ein stauffenbergisches Reichslehen, verliehen an nürnbergische Patrizier.www.dieter-zoeberlein.de, Die von Streitberg, Geschichte einer fränkischen Adelsfamilie (abgerufen am 19. Oktober 2018)
Die verwaltungstechnische Zugehörigkeit des Ortes ist eng mit Schloss Marloffstein verbunden, das zeitweise der Amtssitz der Verwaltung war. mini|Karte des Hochstifts Bamberg um 1700
Seit 1003 gehörte das Gebiet zum Bistum Bamberg und wurde als Hofmark verwaltet.
Im Jahr 1341 wurde die Hofmark Marloffstein der Hofmark Neunkirchen am Brand einverleibt. Marloffstein verlor sein Hochgericht (inklusive des zugehörigen Galgens), behielt aber die niedere Gerichtsbarkeit.
Im Jahr 1396, nach der Verlegung des Amtssitzes auf Schloss Schellenberg (Kleinsendelbach), wurde aus der Hofmark Neunkirchen die Hofmark Schellenberg.
Nachdem Schloss Schellenberg 1632 im Dreißigjährigen Krieg zerstört und danach nie wieder aufgebaut worden war, wurde das Oberamt Marloffstein und Neunkirchen kurzzeitig von Regensberg aus verwaltet. Ab 1655 saß der Oberamtmann wieder in Marloffstein. Das Landgericht befand sich weiterhin in Neunkirchen.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Marloffstein 34 Anwesen. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Neunkirchen aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte der Marloffsteiner Oberamtmann. Das Kastenamt Neunkirchen war Grundherr über alle Anwesen (1 Schloss, 1 Halbhof, das Burggut, das Klebegut, 5 Güter, 24 Häuser, Gemeindehaus).I. Bog: Forchheim. S. 69.
Im Jahr 1803 ging das Bistum Bamberg im Kurfürstentum Bayern (ab 1806 Königreich Bayern) auf. Aus dem Oberamt Marloffstein und Neunkirchen wurde das Landgericht Neunkirchen, das 1810 wieder aufgelöst wurde.Franz Wenceslaus Goldwitzer (Kaplan): Geschichte des Marktes Neunkirchen am Brand und des ehemaligen Klosters: mit Rücksicht auf die Pfarrei daselbst; nebst einer Topographie; in drei Abtheillungen; mit zwei und dreißig Beilagen als Versuch einer Lokal-Geschichte. Erlangen 1814 auf books.google.de
Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 Marloffstein dem Steuerdistrikt und der Ruralgemeinde Mittelehrenbach zugeordnet. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Marloffstein. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Gräfenberg zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Neunkirchen. 1839 wurde Marloffstein dem Landgericht und Rentamt Forchheim überwiesen. Wunderburg wurde nach 1840, jedoch vor 1861, nach Marloffstein umgemeindet. Lug ins Land wurde 1854 auf dem Gemeindegebiet gegründet. Am 1. Oktober 1857 wurde Marloffstein dem Landgericht und Rentamt Erlangen (1919 in Finanzamt Erlangen umbenannt) überwiesen.I. Bog: Forchheim. S. 121. Ab 1862 gehörte Marloffstein zum Bezirksamt Erlangen (1939 in Landkreis Erlangen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Erlangen (1879 in das Amtsgericht Erlangen umgewandelt). Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Gebietsfläche von 2,623 km².
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Mai 1978 die Gemeinden Adlitz und Atzelsberg eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Marloffstein Jahr 1827 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2008 2013 2017Einwohner 250 310 314 311 336 358 366 371 358 347 344 353 361 353 366 365 404 400 549 514 492 637 1499 1623 1557 1556HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben, die als Wohngebäude bezeichnet wurden. 52 52 51 57 64 80 90 421 563Quelle
Ort Marloffstein Jahr 1827 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2023Einwohner 250 304 349 347 342 357 486 468 629 833 869Häuser 50 55 62 76 88 237 Quelle
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Marloffstein hat zwölf Mitglieder zuzüglich des ersten Bürgermeisters. CSU SPD Freie Wähler der Höhenzugsgemeinde Marloffstein e. V. Wählergruppe Höhenzugsgemeinde Marloffstein Gesamt 2008 6 2 4 n. a. 12 Sitze 2014 5 2 5 n. a. 12 Sitze 2020 4 1 3 4 12 Sitze 2026 3 2 4 3 12 Sitze
Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2026 Helmut Memmert (Wählergruppe Höhenzugsgemeinde Marloffstein).
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist gelb-rot.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler
Sehenswert sind unter anderem Schloss Marloffstein, Schloss Adlitz, Schloss Atzelsberg, Schloss Rathsberg und der alte Ziehbrunnen.
Bodendenkmäler
Sport TSV Marloffstein
Verkehr Die Staatsstraße 2242 verläuft nach Spardorf (1,25 km südwestlich) bzw. über Adlitz nach Langensendelbach (2,5 km nördlich). Die Kreisstraße ERH 7 verläuft an Atzelsberg vorbei nach Rathsberg (2,5 km westlich) bzw. nach Rosenbach (2,5 km südöstlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Ebersbach.
Persönlichkeiten Johann Gottfried Freiherr von und zu Guttenberg (1645–1698) Fürstbischof des Hochstiftes Würzburg Wolfgang Philipp Freiherr von und zu Guttenberg (1647–1733), deutscher Malteserritter, Groß-Bailiff der deutschen Zunge auf Malta Michael Alexander Lips (1779–1838), Staatswissenschaftler und Gutsbesitzer am Ort Gerhard Kittel (1925–2011), Mediziner, Phoniater und Pädaudiologe Günter G. Seip (1935–2017), deutscher Ingenieur, Präsident des ZVEI, Gründungspräsident der EIBA Karl-Heinz Hiersemann (1944–1998), deutscher Politiker der SPD, Mitglied und Vizepräsident des Bayerischen Landtags Elke Sommer (* 1940), deutsche Schauspielerin; abgerufen am 20. September 2018
Literatur
Manfred Mayer: Marloffstein 1288–1988. Geschichte, Aufzeichnungen, Erzählungen. Druckhaus und Verlag Mayer, Erlangen, 1988, 319 S.
Weblinks
Gemeinde Marloffstein
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Erlangen-Höchstadt Kategorie:Ersterwähnung 1288 Kategorie:Gemeindegründung 1818
Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Erlangen-Höchstadt